23 | 08 | 2019

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dgti

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Infoheft „Intersexualität“

Ausgabe Mai 2001


Inhaltsverzeichnis:

IS - Begriffe / Syndrome

Antwort der Bundesregierung

Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit

Intersex Elternbrief No 0-2001

Einführung

Das Transsexuellengsetz (TSG), eine Waschmaschine für die "weißen Westen" der  "Polit- Medizin"?

 



IS - Begriffe / Syndrome

Die folgende Übersicht soll einen ersten Einblick in die Methodik geben, die dazu führte, dass es Intersexualität scheinbar gar nicht gibt. Es wurden die verschiedensten Krankheitsbegriffe und Syndrome beschrieben, die den Zusammenhang zu IS, zwar nicht böswillig, jedoch sehr wirkungsvoll verschleierten. Dieser Methode, die eine scheinbare Heilbarkeit suggeriert, erliegen leider auch viele Eltern. Dadurch werden Menschen, die nicht einer "natürlichen Norm" entsprechen (wobei dieser Begriff in sich selbst bereits als sehr fragwürdig gesehen werden muss) in den meisten Fällen an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehindert, oft in ein Leben von Leid und Zwang getrieben.

Auch die Menschen, die eigentlich das Beste für ihr Kind wollen, die Eltern, werden in eine Situation gebracht, die eine gesunde und natürliche Haltung zu ihrem Kind verhindern oder zumindest verhindern, dass sie sich natürlich entwickelt. Die Eltern und der betroffene Mensch werden der kulturell und gesetzlich vorgegebenen Erwartungshaltung der Gesellschaft geopfert. Die folgende Tabelle soll einen ersten Beitrag dazu leisten, dass Menschen bereit sind die Lage anderer Menschen differenzierter und vorbehaltloser zu sehen. Sie bietet hoffentlich auch eine Möglichkeit, dass Eltern und andere Verantwortliche lernen und bereit sind umzudenken, im Sinne einer größeren Menschlichkeit, auch für Intersexuelle.

Die folgende Tabelle enthält ausschließlich allgemein zugängliche Informationen in gesammelter Form. Die Zahlenangaben wurden den Veröffentlichungen der "Experten" entnommen. Die Tabelle enthält keinerlei Wertung der dgti (diese werden an anderer Stelle erfolgen).

Die folgende Tabelle erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit, was die Inhalte oder Syndrombezeichnungen angeht, noch kann sie alle Angaben so differenziert und eindeutig darstellen, dass man nicht über den einen oder anderen Punkt noch diskutieren könnte, oder die Reihenfolge, in der die Syndrome dargestellt werden.

IS-Begriffe/Syndrome

M = männlich / W = weiblich / IS = Intersexuell / ( ) = wird wahrgenommen als

Fachbegriff

GESCHL.

Erklärung

Wirkung

"Normalität"

verus

Intersexualität
Gesamthäufigkeit ca. 1 : 50


wahrgenommene Häufigkeit
ca. 1 : 200

W

M

IS

Abweichung von normierten Geschlechtsmerkmalen und/oder Geschlechtseigenschaften und dem typischen Körperbau

Weiblich: Genotyp 46,XX; Brustwachstum; äußere Genitalien, Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Menstruation und gebärfähig; Fettverteilung, Hauteigenschaften, Behaarung weich und gering am Körper, typisches Kopfhaar, typische Schambehaarung,
Männlich: Genotyp 46,XY; Bartwachstum, Stimmbruch; Penis, Hoden, Prostata, Samenleiter, Samenblase, Ejakulation und zeugungsfähig; typische Körperbehaarung, Glatzenbildung und Geheimratsecken,
jede Abweichung im Phänotyp (Erscheinungsbild) oder Genotyp kann im weitesten Sinn der Intersexualität zugerechnet werden

Olfaktogenitales Syndrom, auch Kallmann-Syndrom genannt
Häufigkeit keine Angaben, da selten erkannt

M/W

M


W

Frühzeitige Degeneration der GnRH- (Gonadotropin-Releasinghormon) produzierenden Zellen im Hypotahlamus

Führt ohne medizinische Behandlung zu Unfruchtbarkeit, es fehlt die Stimulation der Keimdrüsen durch LH (Luteinusierungshormon) und FSH (Follitropin = Folikel stimulierendes Hormon) gestörte Geruchswahrnehmung (bei W seltener als bei M)

Mangel an männlichen Sexualhormonen und Störung der Spermienproduktion

Infantiler (kindlicher) Körperbau, schleichende Menstruation, kein Eisprung

Hydrozephalus internus
Häufigkeit keine Angaben, da selten erkannt

W

Angeborene oder erworbene Erweiterung des Hirnkammersystems mit Flüssigkeitsansammlung

Häufig weitgehendes Ausbleiben oder Hemmung / Verminderung der Sexualentwicklung während der Pubertät

Adrenogenitales SyndromAGS
Häufigkeit ca. 1 : 3 500

IS
W

Vermehrte Bildung von männlichen Sexualhormonen in der Nebennierenrinde durch Enzymmangel des 21-Hydroxylase,
der Genotyp ist weiblich 46,XX

Tritt der Enzymmangel bereits vor der 10. Schwangerschaftswoche auf, kommt es auch zur Vermännlichung der äußeren Genitalen; weiblicher Scheinzwitter

tritt die Vermännlichung erst in oder nach der Pubertät auf, so spricht man von late-onset AGS,
Bartwuchs, Stimmbruch, ...

MKR-Syndrom
Häufigkeit ca. 1 : 4 000

IS
W

Fehlanlage der Scheide,
fehlend oder zu kurz, bei oft funktionsfähigen inneren Geschlechtsorganen
(vollständig fehlend = Vaginalaplasie)

Ausbleiben der Menstruation nach der Pubertät, Ovarialfunktionen meist nicht gestört, (nach chirurgischer Korrektur, Anlegung einer künstlichen Scheide ist natürliche Empfängnis meist möglich)
Zuordnung bei Geburt häufig zunächst männlich

Turner Syndrom
Häufigkeit ca. 1 : 12 500

IS
W

Das Geschlechtschromosomenpaar enthält nur ein X, also 45,X0 oder als Mosaik 45,X0 46,XX

Die äußeren und inneren Geschlechtsorgane werden weiblich ausgebildet, die Geschlechtsreife tritt jedoch nicht ein;
überwiegend Kleinwuchs und die Gefahr weiterer körperlicher Entwicklungsstörungen ohne med. Behandlung

Swyer Syndrom =XY-Gonadendysgenesie
Häufigkeit ca. 1 : 30 000

IS
W
(M)

Der Chromosomensatz ist 46,XY, also männlich, es fehlt jedoch der Testes determinierende Faktor (TDF) zur Entwicklung der Hoden beim Fetus

Das Erscheinungsbild ist bei der Geburt männlich, entwickelt sich jedoch weiblich,
die inneren Geschlechtsorgane sind vorhanden, die Eierstöcke jedoch zu sogenannten Keimleisten verkümmert, es kommt zu keiner Menstruation

Testikuläre Feminisierung =Androgen Insuffizienz Syndrom AIS
(auch "hairless woman")
Häufigkeit ca. 1 : 15 000

IS
M
(W)

Der Chromosomensatz ist 46,XY und das TDF-Gen vorhanden, es fehlen jedoch die Rezeptoren für die männlichen Sexualhormone oder sie können nicht oder nur eingeschränkt wirken

Es bilden sich Hoden, die den Leistenkanal aber nicht verlassen, die äußeren Genitalen erscheinen jedoch weiblich, der leere Hodensack täuscht Schamlippen vor, der nicht voll entwickelte Penis wird für eine Klitoris gehalten
Zuordnung bei Geburt meist weiblich
fehlende weibliche Sexualhormone führen aber in der Pubertät nicht zur typischen weiblichen Ausprägung

Complete Androgen Insensitivity Syndrom CAIS
(Häufigkeit in AIS enthalten)

IS
M
(W)

Genotyp 46,XY,
männliche Sexualhormone werden jedoch schon vor der 10. Schwangerschaftswoche nicht erkannt

Die äußeren Genitalen entwickeln sich vollständig weiblich, die Gonaden bleiben im Bauchraum und werden nicht erkannt
auch nach der Pubertät bleibt ein kindliches Erscheinungsbild

Partial Androgen Insensitivity Syndrom PAIS
(Häufigkeit in AIS enthalten)

IS
M
(W)

Genotyp 46,XY,
das Gewebe ist teilweise gegenüber Androgenen sensibel und der Defekt wirkt sich erst nach der 10. Schwangerschaftswoche aus

Die Ausprägung der Genitalen kann von weiblichem Erscheinungsbild über gemischt weiblich/männlich bis zu vollständig männlich liegen;
entsprechend kommt es zu unterschiedlichen Zuordnungen
die Entwicklung der inneren männlichen Geschlechtsorgane bleibt unvollständig

Androgenresistenz-Syndrom

ein anderer Name für AIS

Männlicher Pseudohermaphroditismus

ein anderer Name für AIS

Goldberg-Maxwell-Syndrom

ein anderer Name für CAIS

Morris-Syndrom

ein anderer Name für CAIS

Lub-Syndrom

ein anderer Name für CAIS

Reifenstein-Syndrom

ein anderer Name für CAIS

Gilbert-Dreyfus-Syndrom

ein anderer Name für CAIS

Klinefelter-Syndrom
Häufigkeit ca. 1 : 8 000

IS
M
(W)

Beim Trennungsvorgang der Chromosomen während der Teilungsphase entsteht ein dreifach gepaartes Geschlechtschromosom vom Typ 47,XXY

Das äußere und innere Erscheinungsbild ist überwiegend männlich, durch verringerte Testosteronproduktion kommt es aber in der Pubertät nicht zu den typisch männlichen Ausprägungen, die Spermienproduktion ist meist erheblich vermindert

Pseudohermaphroditismus =Scheinzwitter

IS
M/W

Ein Sammelname für viele der bisher aufgeführten Syndrome

Hermaphroditismus verus =echte Zwitter

IS

Gleichzeitige Entwicklung der inneren und äußeren weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmale

Gebärfähigkeit kann erreicht werden, die Spermienproduktion ist jedoch für eine Eigenbesamung nicht ausreichend (Hoden produzieren zwar ausreichend Hormone aber keine leistungsfähigen Spermien)
Es sit aber auch bekannt, dass männlich lebende Hermaphroditen Kinder gezeugt haben

Die folgenden Begriffe sind nur im erweiterten Sinne IS zuzuordnen, was auch aus der Geschlechtsangabe ersichtlich ist.

Weibliche Scheinzwitter

W

Verschiedene angeborene Mangelerscheinungen oder Gen-Defekte führen zur Verhinderung der Sexualentwicklung oder Vermännlichung;
z.B. Aromatasemangel




3 ß HSD







ein Enzym, das die Bildung von Estrogenen fördert; es kommt zu Mangel an Etrogenen und erhöhter Testosteronproduktion

das Enzym fördert die Bildung von Sexualhormonen, bei Mangel kommt es zu einer leichten Vermännlichung

Männliche Scheinzwitter

M

Verschiedene angeborene Mangelerscheinungen oder Gen-Defekte führen zur Verhinderung der Sexualentwicklung oder Verweiblichung;
z.B. 17 ß HSD Mangel







5 a -Reduktase Mangel










Androstendion kann nicht in Testosteron umgewandelt werden und es fehlt bei der Entwicklung in der Schwangerschaft der androgene Einfluss, es kommt zur Zuordnung weiblich trotz 46,XY und Hoden, in der Pubertät jedoch leichte Vermännlichung
Das im Hoden neben Testosteron gebildete Estradiol führt in der Pubertät zu einem weiblichen Brustwachstum, wenn das Enzym nicht ausreichend vorhanden ist

Sexualhormone produzierende Tumore
bei männlichen und weiblichen Scheinzwittern

M/W

Diese Tumore sind meist gutartig und können schon vor der Pubertät entstehen, ohne dass sie erkannt werden oder selbst Beschwerden hervorrufen

Je nach Art der Hormonausschüttung, dem Zeitpunkt und der Menge und dem "Wirt" kommt es zu geschlechtsuntypischen Entwicklungen oder zu Beschleunigung/Hemmung von geschlechtstypischen Entwicklungen
Die Tumore treten in der Nebennierenrinde auf, in den Eierstöcken oder Hoden, selten im Bereich der Hypophyse

Hirnorganische Intersexualität = "Transsexualität" oder auch"Transidentität", besser Transmann, Transfrau
Häufigkeit ca. 1 : 3 000

W
M

Die Geschlechtsprägung im Gehirn ist bipolar.
Es ist zu vermuten, dass die Geschlechtskodierung im Gehirn von der Geschlechtszuweisung abweicht. Es entstehen psychosomatische Störungen (sekundär) derGeschlechtsidentität bei eindeutigem Phänotyp und Genotyp
Verhältnis m/w ca. 1 : 1

Die psychisch/seelische Entwicklung und das natürliche Rollenverhalten des heranwachsenden Kindes steht im Widerspruch zu den biologischen Vorgaben und den Erwartungen des Umfeldes.
Die Identifikation mit dem bei der Geburt zugewiesene Geschlecht, auf Grund der biologischen Vorgaben, gelingt nicht.

Transvestismus
(obwohl völlig unerforscht halten sich in der Literatur Thesen aus dem frühen 20. Jahrhundert - die hier nicht wiedergeben werden)

W
M

Annahme des typischenGeschlechtsrollenverhaltensdes Gegengeschlechtes (aus individuell verschiedensten Gründen)

Weiblicher Transvestismus bleibt meist unbehelligt, von Ausnahmen bei restriktiver Erziehung abgesehen
Männlicher Transvestismus wird als pervers oder sexuelle Entgleisung betrachtet oder in Form von Travestie, auf der Bühne oder in der Öffentlichkeit akzeptiert, nicht jedoch im Alltag

Psychoneurologische Intersexualität

M/W

Annahme des Sexualverhaltens des Gegengeschlechtes (weitgehend unerforscht)
es handelt sich um dieGeschlechtsorientierung

Wenn Phänotyp und Genotyp eindeutig und erkennbar sind sprechen wir von Homosexualität, lesbisch oder schwul
bei einer gleichzeitig vorliegenden (biologischen) Intersexualität kann der Eindruck von Heterosexualität entstehen
dieser Eindruck entsteht auch bei gleichzeitig vorliegender "Transsexualität", wenn im zugewiesenen Geschlecht gelebt wird

Quellen:
Großer Brockhaus
Tuirner Syndrom e.V., Nümbrecht
AIS SHG Bremen/Hamburg
Onans Kinder, Abadi Verlag 2000
AGGPG Bremen
dgti e.V., Köln - Trier

 



Antwort der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS
BT-Drs. 14/5425

Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit

Vorwort

Nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung entspricht die Auffassung, wonach die Bipolarität oder Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als Mann und Frau keine "natürliche und unumstößliche Wahrheit" sei, nicht der herrschenden Auffassung in der Sexualwissenschaft. Die hier zitierten Literaturstellen geben eine Minderheitsmeinung wieder. Entgegen der hier vorgetragenen Auffassung ist in der ganz überwiegenden Zahl aller Menschen anatomisch, gonadal, hormonell und chromosomal, darüber hinaus aber auch funktionell eine eindeutige Unterscheidung des männlichen vom weiblichen Geschlecht möglich. Von diesem Grundsatz aus muss Intersexualität als eine Abweichung von der Norm betrachtet werden, unter der die Betroffenen schon wegen ihres Andersseins leiden, die in der Regel eine normale Funktion in den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung ausschließt und somit als krankhafte Störung anzusehen ist. Nach den vorliegenden Informationen tauchen in der psychiatrischen, psychotherapeutischen und sexualmedizinischen Behandlung sowie psychologischen Beratung nur in sehr geringer Zahl erwachsene Intersexuelle auf. Studien über Art, Umfang und Dauer solcher Behandlungen sind der Bundesregierung nicht bekannt. Aus psychiatrischer und sexualmedizinischer Sicht ist die Vereindeutigung des Geschlechts bei Säuglingen und Kleinkindern jedenfalls empfehlenswert, um eine ungestörte psychische Identitätsentwicklung zu ermöglichen. Auf Grund der primär abweichenden körperlichen Verhältnisse besteht bei dieser Personengruppe ein fundamentaler Unterschied zu dem angeführten Beispiel der Verstümmelung gesunder Genitalien in einigen Kulturen Afrikas.

Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass die Behandlung von Intersexuellen denselben Voraussetzungen wie alle therapeutischen Maßnahmen unterliegen. So muss die medizinische Notwendigkeit ebenso vorliegen wie die rechtlich wirksame Einwilligung nach umfassender Aufklärung (informed consent). Die Diagnose, Behandlung und Rehabilitation muss nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgen. Therapeutische Maßnahmen müssen sich immer am Einzelfall orientieren. Dabei ist die Auswirkung einer Behandlung oder des Unterlassens einer Behandlung auf die psychische Gesundheit ein wesentliches Kriterium für die Entscheidungsfindung sowohl für die behandelnden Personen als auch für die Betroffenen selbst und die Eltern, die gegebenenfalls für ihre Kinder die Entscheidung treffen müssen. Über das Erfordernis, Leitlinien für die Behandlung von Intersexuellen zu erarbeiten kann die Bundesregierung zur Zeit keine Auskunft erteilen. Dieses sollte von den Fachgesellschaften und der Bundesärztekammer unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Informationen über Intersexualität und ihre Behandlung geprüft werden.

A Grundsätzliches und statistische Fragen

Frage 1:
Wie viele Kinder werden jährlich in Deutschland geboren, die als intersexuell klassifiziert werden können? (Angaben bitte in absoluten Zahlen und in Prozent)

Antwort:
Nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung ist Intersexualität keine medizinische Diagnose, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung für sehr unterschiedliche klinische Phänomene mit unterschiedlichen biologischen Ursachen (Abweichungen der Geschlechtschromosomen; genetisch oder medikamentös bedingte hormonelle Entwicklungsstörungen, die nicht geschlechtschromosomal bedingt sind; Unfälle). Teilweise betrifft die Störung nicht nur die Entwicklung und Differenzierung der Genitalien, sondern auch andere. Genaue epidemiologische Daten über intersexuelle Kinder und Erwachsene in Deutschland existieren zur Zeit nicht, es gibt lediglich Schätzungen. Das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt gibt eine Größenordnung von 0,5 bis 1 je 1000 Kinder an. Die größte Gruppe umfasst die Mädchen mit einem Adrenogenitalen Syndrom (AGS, im englischen Sprachgebrauch CAH für Congential Adrenal Hyperplasia) mit einer Inzidenz von ca. 1:4000 bis 1:9000 Geburten.

Eine ausführliche Datenanalyse zu Genitalfehlbildungen und so auch zu Fehlbildungen der äußeren Genitale können der Pilotstudie des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt "Prävalenz genitaler Fehlbildungen. Datenbasis-Auswertung-Ursachenhypothesen" entnommen werden, die eine ausführliche Analyse aller verfügbaren Datenquellen zu dieser Problematik in Deutschland und Europa enthält.

Im Rahmen der Krankenhausdiagnosestatistik des Statistischen Bundesamtes werden Angaben zur Intersexualität noch nicht erfasst. Das Statistische Bundesamt wird voraussichtlich ab 2002 die Krankenhausdiagnosestatistik auf der Grundlage der Internationalen Klassifikation der Krankheiten ICD 10 führen. Dem Begriff "Intersexualität" können dann nach der ICD 10 folgende Diagnosen zugeordnet werden:

E 25 = Adrenogenitale Störungen 
E 34.5 = Androgenresistenz-Syndrom 
E 28 = Ovarielle Dysfunktion 
E 29 = Testikuläre Dysfunktion 
Q 96 = Turner Syndrom 
Q 97 = Anomalien der Genosomen bei weiblichem Phänotyp 
Q 98 = Anomalien der Genosomen bei männlichem Phänotyp

Seit September 2000 wird im Rahmen der "Erhebung für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland" (ESPED) durch die Klinik für Kinder und Jugendmedizin der Universität Kiel eine Studie zur Häufigkeit stationärer Aufenthalte von Kindern bei Intersexualität, zum diagnosti-schen und therapeutischen Vorgehen sowie zur Geschlechtszuweisung durchgeführt mit dem Ziel, die Entwicklung von Leitlinien zu ermöglichen. Erste Studienergebnisse werden nach der Auswertung der Daten von 100 Kindern mit Intersexualität vorgelegt.

Frage 2:
Wie viele Säuglinge und Kinder werden pro Jahr nach der Diagnose der Intersexualität geschlechtszuweisenden Maßnahmen unterworfen?

Antwort:
Nach Kenntnis der Bundesregierung existieren über die Zahl der Kinder, an denen geschlechtzuweisende Maßnahmen in Form einer hormonellen und/oder chirurgischen Behandlung erfolgen, keine genauen Daten. Bei der größten Gruppe der Intersex-Syndrome, dem Adrenogenitalen Syndrom (AGS), werden etwa die Hälfte der nach dem chromosomalen Geschlecht weiblichen Kinder nur mit Hormonen (Cortison und Östrogenen) und die andere Hälfte zusätzlich mit chirurgischen Eingriffen behandelt.

Frage 3:
Wie lange befinden sich Intersexuelle durchschnittlich in medizinischer und/oder psychologischer bzw. psychothera-peutischer Behandlung?

Antwort:
Nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung befinden sich intersexuelle Kinder mit hormonellen Störungen häufig über die ganze Kindheit und Jugend in einer medizinischen Behandlung. Solche mit rein operativ zu behandelnden Fehlbildungen werden zumeist nach einer oder mehreren Operationen noch über längere Zeit, etwa 2-3 Jahre, medizinisch weiterbetreut (nicht nur durch Pädiater, sondern auch durch Urologen oder Gynäkologen). Das Angebot einer regelmäßigen, schon früh (also vor der Entscheidungsfindung) einsetzenden psychologisch-psychotherapeutische Begleitung und Behandlung der Kinder wie der Eltern existiert derzeit nicht, sondern erfolgt z.Zt. nur bei Bedarf.

Frage 4:
Ist der Bundesregierung bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenenalter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert? Wenn ja, wie bewertet sie das? Welche Konsequenzen zieht sie daraus?

Antwort:
Der Bundesregierung ist nicht bekannt, dass eine Vielzahl von Intersexuellen im Erwachsenen-alter die an ihnen vorgenommenen Eingriffe kritisiert.

Frage 5:
Gehört Intersexualität zu den "Abweichungen" bzw. "Krankheiten", die bei der pränatalen Diagnostik in ihrer derzeiti-gen Form festgestellt bzw. ausgeschlossen werden?

Antwort:
Intersexualität zählt nicht zu den Krankheiten, die bei der Pränataldiagnostik routinemäßig ermittelt werden. Einzelne Formen der Intersexualität können auch schon pränatal - durch genetische und hormonelle Untersuchungen - diagnostiziert werden. Dies erfolgt jedoch z.Zt. nur bei einem begründeten Verdacht, z.B. wenn es in der Familie andere Menschen mit einem erblichen Intersex-Syndrom (z.B. AGS) gibt oder sich in der pränatalen Ultraschalluntersuchung ein entsprechender Hinweis findet.

Frage 6:
Werden mit Bundesmitteln Forschungen zu Ursachen und zur Bekämpfung von Intersexualität gefördert? 
Wenn ja, an welche Institutionen und Einrichtungen wurden diese in welcher Höhe vergeben?

Antwort:
Im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms "Gesundheitsforschung für den Menschen" der Bundesregierung werden gegenwärtig keine Untersuchungen zu Ursachen der Intersexualität gefördert.

B Zur Geschichte

Frage 7:
Seit wann werden in Deutschland geschlechtszuweisende Maßnahmen an Säuglingen, Kleinkindern und Minderjäh-rigen vorgenommen?

Antwort:
Nach Kenntnis der Bundesregierung wurden aufgrund der operativen und hormonellen Therapiemöglichkeiten geschlechtszuweisende Behandlungen an Kindern und Minderjährigen in Deutschland in nennenswertem Umfang erst ab den 50er Jahren durchgeführt, wobei einzelne Fallberichte auch zu Eingriffen in früherer Zeit vorliegen.

Frage 8:
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den Umgang mit Intersexuellen unter dem nationalsozialistischen Regime und seine Beteiligung an den methodischen Entwicklungen chirurgischer und hormoneller Eingriffe zum Zwecke einer Änderung des Geschlechtskörpers?

Antwort:
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.

Frage 9:
Ist der Bundesregierung bekannt, ob es in Deutschland seit der Durchführung geschlechtszuweisender Maßnahmen an nicht Zustimmungsfähigen Schadensersatzforderungen gegenüber den beteiligten MedizinerInnen aufgrund geschlechtlicher Fehlzuweisungen gegeben hat? 
Wenn ja, wie wurde in den entsprechenden Fällen entschieden?

Antwort:
Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse von derartigen Schadensersatzforderungen.

Frage 10:
Ist die Bundesregierung bereit, Mittel zur Entschädigung Intersexueller, die Opfer der medizinischen Geschlechtszuweisung geworden sind, zur Verfügung zu stellen? 
Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Die Bundesregierung plant keine Entschädigung Intersexueller, da ein staatliches Handeln, das Anknüpfungspunkt für eine Entschädigung durch den Staat sein könnte, nicht gegeben ist.

C Zur Situation Intersexueller

Frage 11:
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass Intersexualität dem am 1. November 2000 durch das Bundeskabinett unterzeichneten 12. Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention, das ein allgemeines Diskriminierungsverbot enthält, unterfällt? 
Wenn nein, warum nicht? 
Wenn ja, welche Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung von Intersexuellen hält die Bundesregierung für erforderlich?

Antwort:
Artikel 1 des 12. Zusatzprotokolls zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, das am 4. November 2000 zur Zeichnung aufgelegt wurde und noch nicht in Kraft getreten ist, enthält ein allgemeines Verbot, bei Inanspruchnahme von auf einem Gesetz beruhenden Rechten oder durch Behörden diskriminiert zu werden, und zwar unabhängig von den dort beispielhaft aufgeführten Diskriminierungsgründen.

Auch eine Diskriminierung in Bezug auf gesetzliche Rechte oder durch Behörden wegen Intersexualität unterfiele dieser Vorschrift. Nicht jede Ungleichbehandlung ist jedoch als Diskriminierung anzusehen. Dies ist vielmehr nur dann der Fall, wenn es dafür keine "objektive und vernünftige Rechtfertigung" gibt. Dabei wird den Vertragsstaaten ein Ermessensspielraum eingeräumt bei der Beurteilung, ob und in welchem Umfang Unterschiede bei ansonsten ähnlichen Sachverhalten gerechtfertigt sind (Erläuternder Bericht zum 12. Protokoll, Tz. 18). Zudem begründet Artikel 1 des 12. Protokolls in erster Linie nur ein Abwehrrecht gegen Diskriminierungen durch den Staat, nicht aber eine grundsätzliche Verpflichtung, Maßnahmen zu treffen, um diskriminierende Handlungen durch Privatpersonen zu verhindern oder auszugleichen (Erläuternder Bericht, Textziffer 25 f.).

Vor diesem Hintergrund stellen die in der Anfrage geschilderten Vorgänge nach Einschätzung der Bundesregierung keine Verletzung der in Artikel 1 des 12. Protokolls vorgesehenen Rechte dar.

Frage 12.
Welche Selbsthilfegruppen und Interessenvertretungen für Intersexuelle sind der Bundesregierung bekannt?

Antwort:
Bekannt ist die Transidentitas e.V., Offenbach. Es handelt sich dabei um einen gemeinnützigen, bundesweit tätigen Verein, der Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität die Möglichkeit einer virtuellen Beratung per E-Mail zu allen psychischen und medizinischen Problemen der Transidentität bietet. 
Nach eigenen Angaben (1998/99) ist der Bundesverband Mitglied des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und hat 200 Mitglieder. (Anmerkung der dgti: Seit Jan. 2001 befindet sich Transidentitas e.V. in Liquidation und existiert praktisch nicht mehr - der Leser möge dies bitte nur als Information und nicht als Wertung verstehen.)

Auf Länderebene soll es sieben Organisationen geben, die jedoch nicht Mitglied des Bundesverbandes sind. Auf Ortsebene gibt es 45 Vereine, Selbsthilfekontaktstellen und -gruppen, die sich mit Fragen der Intersexualität befassen.

Bekannt ist des Weiteren die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (dgti), mit Sitz in Braunschweig, ist ebenfalls bundesweit tätig und berät Betroffene sowie deren Angehörige.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von örtlichen/regionalen Gruppen und Ansprechpartnern, die der Bundesregierung jedoch naturgemäß im einzelnen nicht bekannt sind.

Frage 13:
Welche Unterstützung erfahren intersexuelle und ihre Infrastruktur derzeit aus Bundesmitteln?

Antwort:
Aus Bundesmitteln werden derzeit keine bundesweit tätigen Selbsthilfeeinrichtungen gefördert, die sich mit der Beratung von Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität (Transsexuelle, Transvestiten und Intersexuelle) befassen.

Frage 14.
Welche Maßnahmen hält die Bundesregierung für erforderlich, um den Aufbau einer bundesweiten Infrastruktur für erwachsene intersexuelle Menschen zu unterstützen?

Antwort:
Der Bundesregierung liegen keine hinreichenden Erkenntnisse über die Lebenssituation erwachsener intersexueller Menschen vor, um die Erforderlichkeit eventueller Maßnahmen für den Aufbau einer bundesweiten Infrastruktur beurteilen zu können. Im übrigen wird darauf hingewiesen, dass Länder und Kommunen vorrangig zuständig sind, bedarfsgerechte soziale Strukturen zur Verfügung zu stellen, zu denen auch professionelle und zielgruppenorientierte Beratungsangebote gehören.

Frage 15:
Was kann und will die Bundesregierung unternehmen, um die Einrichtung außerklinischer Kontaktzentren mit einem psychologischen Beratungsangebot für Intersexuelle zu fördern, welche die von Fachleuten und Interessensverbänden für wesentlich erachtete Kontaktaufnahme von Eltern und intersexuellen Kindern mit anderen Menschen in der gleichen Situation und die psychologische Beratung aller Beteiligten ermöglichen würde?

Antwort:
Familien oder einzelne Familienmitglieder können in der Bundesrepublik Deutschland in unterschiedlichen Problem- und Lebenslagen auf ein qualifiziertes Beratungsnetz zurückgreifen. Die Träger dieser familienorientierten Beratungsangebote sind im Deutschen Arbeitskreis für Jugend-, Ehe- und Familienberatung (DAK) zusammengeschlossen. Die Einrichtung und Förderung einzelner Beratungsstellen liegt in der Zuständigkeit von Ländern und Kommunen. Die Bundesregierung fördert einen Beratungsführer, der ein aktuelles Verzeichnis der ambulanten psychosozialen Beratungsstellen in der Bundesrepublik Deutschland enthält. Herausgegeben wird der Beratungsführer von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung, München. Darüber hinaus ist es Aufgabe des Bundes, zentrale Beratungsträger und die länderübergreifende Qualifizierung der Beratungsträger und Multiplikatoren (Fachkräfte) zu fördern, um gleichmäßige Standards zu erhalten. Intersexualität ist dabei z.B. Thema in Weiterbildungsangeboten für die Sexualberatung.

Frage 16:
Ist die Bundesregierung bereit, eine bundeseinheitliche Handreichung zum Schutz intersexueller Minderjähriger, ähnlich der vom Bundesministerium der Justiz herausgegebenen Bundeseinheitlichen Handreichung zum Schutz kindlicher (Opfer-)Zeugen im Strafverfahren zu erstellen, die MedizinerInnen, sozialen Diensten und auch Eltern als Information und Leitfaden dienen kann? 
Wenn ja, wann und in welcher Form? 
Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Richtlinien bzw. Empfehlungen für den Umgang mit Patienten mit Intersex-Syndromen - wie beispielsweise die von Beier et al. (2001) entwickelte - existieren bereits. Wegen der Einzelheiten wird auf die Antwort zur Frage 22 verwiesen. Handreichungen des Bundes erscheinen nicht sinnvoll. Im Gegensatz zum Problem des Schutzes kindlicher (Opfer-) Zeugen im Strafverfahren stellt sich die zentrale Frage, ob eine und welche ärztliche Behandlung zum Wohle des intersexuellen Kindes ist, vor allem als medizinisches und privatrechtliches Problem dar.

Frage 17:
Welche Schritte kann und will die Bundesregierung hin zu einer breiten, allgemein zugänglichen und akzeptanzfördernden Aufklärung über die Existenz
intersexueller Menschen unternehmen?

Antwort:
Der Bundesregierung liegen keine hinreichenden Erkenntnisse über die Lebenssituation intersexueller Menschen vor. Es ist daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich, zu beurteilen, ob und inwieweit entsprechende Aufklärungsmaßnahmen geeignet und erforderlich sind.

Frage 18:
Sieht die Bundesregierung Forschungsbedarf zur Evaluation der sozialen, rechtlichen, medizinischen und wissenschaftlichen Situation intersexueller Menschen in Deutschland, angeleitet von dem Ziel, diese Situation zu verbessern? 
Wenn ja, wird sie die für diese Forschung erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen?

Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. Die Bundesregierung trägt diesem Bedürfnis mit ihrem neuen Gesundheitsforschungsprogramm sowie in ihren Beiträgen zur Finanzierung der Wissenschaftsorganisationen Rechnung. Qualifizierte Anträge zur Erforschung der Ursachen der Intersexualität können jederzeit von der von Bund und Ländern gemeinsam geförderten "Deutschen Forschungsgemeinschaft" entgegengenommen werden. Über die Förderung wird auf der Basis des Urteils ausgewiesener, unabhängiger Experten entschieden.

D. Zur medizinischen Praxis

Frage 19:
Sind der Bundesregierung die grundlegenden Erwägungen zur standardisierten Einführung medizinischer Interventionen an intersexuell Geborenen in den 50er und 60er Jahren in der Bundesrepublik bekannt? 
Wenn ja, wie bewertet sie diese?

Antwort:
Nach Kenntnis der Bundesregierung existieren in Deutschland keine verbindlichen Richtlinien (Standards of Care) für die Behandlung von Menschen mit Intersex-Syndromen. Allerdings orientierte man sich häufig an den von Money und anderen in den USA seit den 60er Jahren entwickelten Richtlinien zur "optimalen Geschlechtszuschreibung" (vgl. Beier et al. 2001). Diese sehen u.a. vor:

- eine möglichst umfassend und schnell durchgeführte Diagnostik der zugrundeliegenden Störung, 
- eine möglichst frühzeitige (spätestens bis zum 18. Lebensmonat) Festlegung der Geschlechtszugehörigkeit, die konsequent durchgehalten werden soll, 
- eine möglichst frühzeitige operative Korrektur des ambivalenten Genitals entsprechend der getroffenen Geschlechtszuordnung, um so Kind, Eltern und sozialer Umwelt Eindeutigkeit zu vermitteln und die Geschlechtsidentitätsentwicklung nicht zu gefährden. Dabei ist auch das spätere sexuell-funktionelle Operationsergebnis zu berücksichtigen. 
- eine frühzeitige operative Entfernung der männlichen Gonaden, sofern sie der gewählten Geschlechtszuschreibung widersprechen (u.a. um eine etwaige Maskulinisierung in der Pubertät bei einem als Mädchen aufgezogenen Individuum zu verhindern), 
- eine im Pubertätsalter einsetzende Behandlung mit denjenigen Sexualhormonen, die der gewählten Geschlechtszuschreibung entsprechen.

Da die plastisch-chirurgische Rekonstruktion eines sog. Neo-Penis erheblich schwieriger ist als die einer sog. Neo-Vagina, ist es - insbesondere in früheren Jahren - aus medizinisch-technischen Gründen häufiger zu einer Geschlechtzuweisung zum weiblichen Geschlecht gekommen.

Frage 20:
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass standardisiert durchgeführte medizinische Eingriffe an nicht Einwilligungsfähigen zur Geschlechtsfestlegung oder Geschlechtsveränderung der vorhergehenden theoretischen Fundierung inklusive einer Untersuchung der Langzeitfolgen bedurft hätten?
Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung sind, abgesehen von diesen genannten groben Richtlinien, die jeweiligen Eingriffe bei Patienten mit Intersex-Syndromen generell wenig standardisiert. Eine theoretische Fundierung der genannten Behandlungen hat durchaus stattgefunden und ist auch in die genannten Richtlinien eingeflossen. Die Sektion Pädiatrischer Endokrinologen der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie hat mit Vertretern der Selbsthilfe ab dem 1. Januar 2000 ein Qualitätssicherungsprojekt zu dem Adrenogenitalen Syndrom bundesweit an 20 Kliniken initiiert.

Frage 21:
Teilt die Bundesregierung die in der Medizin vorherrschende Auffassung, dass die als intersexuell bezeichneten Menschen krank sind? 
Wenn ja, wie begründet sie diese?

Antwort:
Nach den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung ist Intersexualität ein Syndrom. Wenn ein intersexuelles Genitale das einzige Symptom der zugrundeliegenden Ursache ist, kann man dies als eine Abweichung oder Variation bezeichnen. Intersex-Zeichen können aber auch mit anderen körperlichen Problemen (z.B. mit Cortisolmangel und Salzverlust) in direktem Zusammenhang stehen, und insofern als Symptom einer "Krankheit" oder Störung aufgefasst werden. Darüber hinaus kann das subjektive Leiden des Kindes bzw. Eltern an dem uneindeutigen Genitale Formen annehmen, die den Begriff "Störung" oder "Krankheit" rechtfertigen. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass solches Leiden immer von den jeweiligen sozialen und kulturellen Reaktionen und Bedingungen abhängt. In diesem Zusammenhang sei z.B. an den deutliche Wandel bei der Beurteilung von und der Einstellung gegenüber Homosexualität in den letzten 50 bis 100 Jahren erinnert. Diese Einschätzung wird von der Bundesregierung geteilt.

Frage 22:
Teilt die Bundesregierung die in der Medizin vorherrschende Auffassung, dass die Vereindeutigung des Geschlechts bei Säuglingen und Kleinkindern notwendig ist? 
Wenn ja, wie begründet sie diese Auffassung? 
Wenn nein, hält sie ein generelles Verbot von geschlechtszuweisenden Operationen an nicht Einwilligungsfähigen für geboten?

Antwort:
Die Bundesregierung hat nicht die Aufgabe in die Diskussion um fachliche Fragen von Diagnostik und Therapie in der Medizin einzugreifen.

Nach dem Kenntnisstand der Bundesregierung besteht eine relativ weitgehende Übereinstimmung darüber, dass eine frühe eindeutige Festlegung des Geschlechts die Entwicklung einer stabilen Geschlechtsidentität erleichtert. Eine stabile Geschlechtsidentität ist für die allgemeine psychische Entwicklung und Identitätsbildung wichtig und hilfreich. Zwar ist das, was in einer bestimmten Kultur als männlich und weiblich gilt, historischen Veränderungen unterworfen, dennoch erscheint die nicht nur in westlichen Kulturen vorherrschende Einteilung in zwei Geschlechter ein weitverbreitetes und starkes Bedürfnis und eine wirkmächtige soziale Realität darzustellen.

Um der in den letzten Jahren laut gewordenen und z.T. berechtigten Kritik an der bisherigen Praxis Rechnung zu tragen, wurden in den letzten Jahren in den USA (z.B. von Diamond und Sigmundson, 1997b) und auch hierzulande andere Richtlinien bzw. Empfehlungen für den Umgang mit Patienten mit Intersex-Syndromen entwickelt. Beier et al. (2001) haben z.B. folgendes Vorgehen vorgeschlagen:

- Schnellstmögliche und umfangreiche Diagnostik in einem spezialisierten Zentrum, wobei Sicherheit vor Schnelligkeit gehen soll (nach dem Motto nihil nocere).
- Vollständige, verständliche und wiederholte Information der Eltern über das Intersex-Syndrom des Kindes von Beginn an, Abstimmung aller Entscheidungen mit den Eltern, gerade auch, wenn noch kein Geschlechtsfestlegung möglich ist. 
- Die intersexuelle Symptomatik soll als eine Abweichung bzw. Störung der Genitaldifferenzierung und nicht als eine Monstrosität dargestellt werden. 
- Es sollen auch den Eltern die verschiedenen Faktoren, die die Geschlechtszugehörigkeit beeinflussen, erläutert werden. 
- Eine einmal getroffene Entscheidung sollte in der Erziehung konsistent durchgehalten werden. Bei unsicheren Entscheidungen sollten jedoch möglichst geschlechtsneutrale Namen gewählt werden und es sollte auf Verhalten des Kindes geachtet werden, die von der gewählten Zuschreibung abweichen. 
- Angebot einer kontinuierlichen sexualmedizinischen (und -psychologischen) Beratung und Begleitung bis ins Erwachsenenalter, in professioneller Offenheit und Zurückhaltung. 
- Strikte Beachtung der Individualität und Integrität des Kindes/Jugendlichen 
- Falls der Patient später, z.B. in der Pubertät, einen Geschlechtswechsel wünscht, sollte in jedem Fall ein Alltagstest (wie auch bei der Behandlung von transsexueller Patienten) erfolgen. 
- Verpflichtung zur Nachuntersuchung von Patienten mit Intersex-Syndromen bis in Erwachsenenalter (falls diese damit einverstanden sind).

Maßgebliches Kriterium für die Bundesregierung ist das Wohl des Kindes. Wenn die Vereindeutigung des Geschlechtes im Einzelfall dem Wohl des Kindes dient, muss sie durchgeführt werden; wenn sie dem Wohl des Kindes abträglich ist, muss sie unterbleiben. Die Weiterentwicklung und Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten von Intersexuellen in diesem Sinn wird befürwortet.

Frage 23:
Wie stellt sich die Bundesregierung zu der Kritik an medizinischen Eingriffen an intersexuellen Minderjährigen, die diese Eingriffe als Folter bezeichnet, und die Forderung, deren Durchführung zu unterlassen?

Antwort:
Die Bundesregierung sieht keinerlei Anhaltspunkte die medizinischen Eingriffe an intersexuellen Minderjährigen als Folter als einem bewussten Zufügen von erheblichen Schmerzen zur Erzwingung eines Handelns, Unterlassens oder Duldens zu werten. Die Bundesregierung hält es auch im Interesse einer notwendigen sachlichen und fachkompetenten Debatte um die Behandlung von Intersexuellen für wenig hilfreich solche Vergleiche anzustellen.

Frage 24:
Worin besteht nach Ansicht der Bundesregierung der Unterschied zwischen genitalverstümmelnden Maßnahmen, wie sie in einigen Kulturen Afrikas praktiziert werden, und den ebenfalls genitalverstümmelnden Maßnahmen, wie sie im Rahmen der Geschlechtszuweisung Intersexueller vorgenommen werden?

Antwort:
Nach Auffassung der Bundesregierung gibt es grundsätzliche und wesentliche Unterschiede zwischen den sog. Beschneidungen und den Behandlungen Intersexueller. Die genitalverstümmelnden Maßnahmen, wie sie in einigen Kulturen Afrikas an Mädchen und Frauen praktiziert werden, werden von Ethnie zu Ethnie unterschiedlich begründet. Die Begründungen richten sich jedoch nie auf und die Eingriffe bezwecken nie konkrete medizinisch-therapeutische Eingriffe. Diese Maßnahmen führen zum Verlust bzw. zu einer deutlichen Einschränkung der sexuellen Erlebnisfähigkeit und haben z.T. auch diesen Zweck. Sie sind nach deutschem Recht als schwere Körperverletzung mit Strafe bedroht.

Operative Maßnahmen zur Geschlechtszuordnung bei Intersexuellen erfolgen nach Feststellung der medizinischen Indikation durch einen Arzt mit dem Ziel, dem Kind rechtzeitig eine eindeutige Basis für die Entstehung der Geschlechtsidentität zu geben. Die Eltern stimmen den Maßnahmen zu, um ein möglichst normales Aufwachsen des Kindes zu ermöglichen und durch die Intersexualität entstehende psychische Belastungen zu vermeiden. Bei den operativen Maßnahmen sollte dabei immer der Erhalt der genitalen Sensibilität - wie überhaupt die psychosexuelle "Funktionsfähigkeit" - angestrebt werden. Dies ist mit den heutigen operativen Techniken auch i.d.R. möglich.

E. Zur rechtlichen Situation Intersexueller

Frage 25:
Wie lässt sich die gängige medizinische Praxis der Geschlechtszuweisung bei intersexuellen Kindern nach Ansicht der Bundesregierung mit § 1631 c Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vereinbaren, der die Sterilisation von Kindern verbietet?

Antwort.
Operative Maßnahmen zur Geschlechtszuordnung dienen nicht dem Ziel, das Kind zu sterilisieren, sondern sollen dem Kind, das Merkmale beider Geschlechter aufweist, die Identifikation mit einem Geschlecht ermöglichen.

Frage 26:
Wie beurteilt die Bundesregierung aus rechtlicher Sicht die Gültigkeit eines zwischen Arzt/Ärztin und Eltern geschlossenen Behandlungsvertrages zum Zwecke medizinischer Eingriffe an nicht Einwilligungsfähigen zur Geschlechtsfestlegung oder Geschlechtsveränderung?

Antwort:
Für Behandlungsverträge zur Geschlechtsfestlegung oder -korrektur gelten die allgemeinen Regeln über die Heilbehandlung hinsichtlich Einwilligung und Aufklärung sowie ggf. hinsichtlich der gesetzlichen Vertretung. Ein solcher Behandlungsvertrag ist jedenfalls dann als wirksam anzusehen, wenn die Behandlung im Zeitpunkt des Vertragsschlusses medizinisch indiziert war und nicht offensichtlich dem Kindeswohl widersprach.

Frage 27:
Hält die Bundesregierung es für erforderlich, die elterliche Verfügungsgewalt gegenüber Kindern dergestalt einzuschränken, dass Eingriffe an Minderjährigen mit dem Ziel der Vereindeutigung des Körpergeschlechts innerhalb des binären Rahmens Mann/Frau ausgeschlossen werden?

Antwort:
Nein. Nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse wäre ein solcher Eingriff in das elterliche Sorgerecht zum Schutz des Kindeswohls weder geeignet noch erforderlich.

Frage 28:
Sind der Bundesregierung die Urteile des obersten Gerichtshofs Kolumbiens SU 37/99 vom 12. Mai 1999 und T-551/99 vom 2. August 1999 bekannt? 
Wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

Antwort:
Die Entscheidungen sind der Bundesregierung bekannt. Es ist darauf hinzuweisen, dass ihnen zufolge ein medizinischer Eingriff ohne Einwilligung des Minderjährigen nach kolumbianischem Verfassungsrecht nicht stets unzulässig ist.

Frage 29:
In welchem Verhältnis stehen nach Ansicht der Bundesregierung im Falle der elterlichen Entscheidung für eine genitalverändernde Operation ihres Kindes der § 1552 BGB zur Regelung des elterlichen Sorgerechts und die Grundrechte des Kindes (Menschenwürde, Handlungsfreiheit, Freiheit der Person)?

Frage 30:
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, das medizinische Interventionen zum Zwecke einer geschlechtlichen Polarisierung an nicht Einwilligungsfähigen den verfassungsrechtlich zugesicherten Grundrechten auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit zuwiderlaufen? 
Wenn ja, sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf?

Frage 31:
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass in diesen Fällen von Amts wegen ermittelt werden müsste?
Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Die Fragen 29 - 31 werden zusammenfassend wie folgt beantwortet:

Die Ausübung des elterlichen Sorgerechts hat sich stets am Kindeswohl auszurichten (§ 1627 BGB). Deshalb dürfen die Menschenwürde und die Rechte des Kindes auch durch eine Einwilligung der Eltern in medizinische Eingriffe nicht verletzt werden. Eine solche Verletzung ist aber nicht anzunehmen, wenn ein Eingriff medizinisch indiziert ist.

Frage 32:
Sind nach Auffassung der Bundesregierung die medizinischen Eingriffe zum Zwecke einer geschlechtlichen Polarisierung an nicht Einwilligungsfähigen vereinbar mit den Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention? 
Wenn nein, sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf?

Frage 33:
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass in diesen Fällen von Amts wegen ermittelt werden müsste? 
Wenn nein, warum nicht?

Antwort:
Die Fragen 32 und 33 werden zusammenfassend wie folgt beantwortet:

Medizinische Eingriffe der geschilderten Art würden nach der Spruchpraxis zur Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten in das in ihrem Artikel 8 Abs. 1 gewährleistete Recht auf Achtung des Privatlebens eingreifen. Eine Verletzung dieses Rechts liegt jedoch zumindest dann nicht vor, wenn die Eltern anstelle eines selbst noch nicht einwilligungsfähigen Minderjährigen eingewilligt haben und die Behandlung nach den zu diesem Zeitpunkt anerkannten Prinzipien als medizinisch notwendig erscheint.

Frage 34:
Gibt es nach Auffassung der Bundesregierung eine zwingende Notwendigkeit zur bipolaren Geschlechterdefinition? 
Wenn ja, worin besteht diese? 
Wenn nein, welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung unter bestehenden rechtlichen Bedingungen, die Kategorie Geschlecht künftig aus allen offiziellen Dokumenten zu streichen?

Antwort:
Die deutsche Rechtsordnung geht von der Unterscheidung des Geschlechts von Menschen in 'männlich' und 'weiblich' aus, vgl. z.B. Artikel 3 Abs. 2 S. 1 des Grundgesetzes. Gemäß § 21 Abs. 1 Nr. 3 des Personenstandsgesetzes (PStG) ist das Geschlecht eines Kindes in das Geburtenbuch einzutragen. Ein Kind darf dabei nur als Knabe oder Mädchen bezeichnet werden. Die Eintragung "Zwitter" wird als unzulässig angesehen, weil dieser Begriff dem deutschen Recht unbekannt ist (Hepting/Gaaz, Personenstandsrecht, Kommentar zu § 21 PStG Rz. 71). In Zweifelsfällen ist eine Bescheinigung des Arztes oder der Hebamme einzuholen, die gemäß § 266 Abs. 5 der Dienstanweisung für die Eintragung maßgeblich ist. Ergibt sich im Laufe der Entwicklung des Kindes, dass sein Geschlecht falsch bestimmt worden ist, so ist sein Geburtseintrag gemäß § 47 PStG zu berichtigen.

Solange keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, ob eine Nichtfestlegung des Geschlechtes dem Wohle der Betroffenen dient, ist eine Änderung des Rechtes nicht erforderlich.

 


 

Intersex Elternbrief No 0-2001


Einführung

Liebe Eltern,

Sie haben ein intersexuelles Kind auf die Welt gebracht!

Schenken Sie Ihrem Kind auch ein Leben, sein Leben!

Wir wissen sehr gut was Sie jetzt alles bewegt!

Sie werden sich schon Fragen gestellt haben wie:

-    Wer ist schuld das mein Kind intersexuell ist, ich oder der Partner?;

-         Was ist mein Kind Junge oder Mädchen?;

-         Was soll jetzt geschehen?;

-         und;

-         und.....?;

Sicherlich, alles Fragen die berechtigt sind und deren Antworten die Zukunft Ihres Familienlebens und vor allem anderen das gesamte Leben Ihres Kindes maßgeblich beeinflussen werden.

Aber diese Fragen zu stellen ist eigentlich für Sie sinnlos, denn keine dieser Fragen oder deren Antworten werden Sie einer Lösung des scheinbaren Problems näher bringen.

Die Situation ist da und daran ist Nichts mehr ungeschehen zu machen, Ihr Kind ist intersexuell.

Das hört sich wie ein Todesurteil aus dem berufenem Munde eines Scharfrichters an. Sie werden ganz sicher ein ähnliches oder das gleiche Gefühl gehabt haben als Ihnen die Ärzte Ihres Kindes diese Diagnose eröffneten.

Dieser Eindruck dieses Gefühl aber trügt!

Ihr Kind ist körperlich sicherlich nicht so wie Sie als Eltern es sich wünschten, aber es ist vor allem Ihr Kind und ein Mensch.

Es ist ganz bestimmt:

- kein Mutant, der kleine Kinder schlachtet wie im Fernsehn;

- kein adrenogenitales Syndrom oder Ähnliches, das sind Diagnosen keine Menschen;

- kein Golem, kein Gegenstand den man nach Belieben schnitzen und benutzen kann, oder nach belieben einen Geist einfüllen kann;

Es ist auch ein hilfloses Kind das mit allen seinen Sinnen und Erwartungen darauf vertraut, dass Sie als seine Eltern, es akzeptieren und annehmen, es vor allen Risiken und Gefahren schützen, es ernähren und bilden werden, es stark machen für sein zukünftiges Leben in dieser Gesellschaft. Es vertraut darauf, dass Sie das Richtige tun und es lernt von Ihnen, dass Unwahrheit die Schwäche vernunftbegabter Wesen ist.

Dann, und nur dann, dürfen Sie darauf vertrauen, dass Ihr Kind auch für Sie da sein wird wenn Sie es brauchen! Schaffen Sie sich in Ihrem Kind ein Abbild von Gewalt, Willkür, Frustration und Lüge werden Sie Nichts anderes finden wenn Sie nach Ihrem Kind rufen!

Sicher, es hat ein intersexuelles Genitale, aber dieses ist ganz bestimmt nicht Krank im Sinne z.B. einer eitrigen Wunde, einer Verletzung, oder gar einer Behinderung. Eigentlich ist das Genitale sogar richtig gesund, es ist zwar anders als das der meisten anderen Menschen, aber es entspricht genau den biologischen Gegebenheiten die Ihr Kind im Mutterleib haben wachsen und leben lassen. Das hört sich aus Ihrer Sicht bestimmt sehr unglaubwürdig und schwierig an. Folgen Sie uns durch die nächsten Elternbriefe und Sie werden es verstehen können.

Denn wir sind es, und wurden mit diesem Verständnis geboren, wie auch Ihr Kind!

Verständnis ist die Fähigkeit intelligenter Wesen, die es ihnen erlaubt friedlich und ohne Gewalt in der Gesellschaft anderer vernunftbegabter Wesen leben zu können! Intelligenz ist die Fähigkeit vernunftbegabter Wesen sich über die Tiere und deren Triebe zu erheben! Tierische Triebe sind elementare Instinkte die ausschließlich der Fortpflanzung und damit der Arterhaltung dienen!

¨¨¨¨¨

Wir werden im Folgenden dieses „ Intersex Elternbriefes “ als auch in den weiteren Briefen, versuchen Ihnen einen Leitfaden für das was Sie demnächst angeblich entscheiden müssen an die Hand zu geben.

Wir werden Ihnen aber sicherlich keine Patent- Lösung Ihres scheinbaren Problems anbieten können, das kann Niemand.

Sie werden jetzt sicherlich denken „ Hast Du eine Ahnung, von wegen scheinbares Problem.....“!

Glauben Sie mir und seien Sie versichert, spätestens beim dritten Elternbrief sind Sie mit uns einer Meinung, dass Sie tatsächlich kein Problem haben sondern, dass es nur so erscheint als das Sie Eines hätten. Und es gibt auch eine Menge anderer Menschen die Ihnen dies vermitteln wollen. Lassen Sie sich davon NIE beirren, Sie und Ihr Kind werden in jedem Fall die Konsequenzen egal welche Entscheidung Sie bezüglich Ihres Kindes treffen werden, tragen müssen. Das gilt auch für das was Wir Ihnen vermitteln, ziehen Sie alle Überlegungen zusammen und dann entscheiden Sie, für Ihr Kind und sein Leben!

Es werden sicherlich bereits kurz nach der Geburt Ihres Kindes einige Menschen an Sie herangetreten sein und Ihnen gesagt haben, dass die moderne Medizin das Problem der Intersexualität Ihres Kindes lösen kann.

Wir werden im Folgenden bewusst keine Stellung zu dieser oder ähnlichen Aussagen der Medizin beziehen. Wir werden lediglich versuchen Ihnen das umfassende Wissen zu vermitteln, dass es Ihnen ermöglicht die Sachverhalte bezüglich Ihres intersexuellen Kindes selbständig zu beurteilen und danach zu handeln.

Eines aber ist ganz sicher und es gibt keine weitere Alternative unter denen Sie entscheiden könnten!

Es gibt nur drei Möglichkeiten der Entscheidungen für Sie:

1. Die Ärzte entscheiden „wir machen das Kind optisch zum Mädchen“, Sie verlassen die Klinik dann mit einer „Tochter“, was übrigens in den meisten Fällen, weil technisch einfacher, gemacht wird;

2. Die Ärzte entscheiden „wir machen optisch einen Jungen“, Sie verlassen die Klinik dann mit einem „Sohn“, was übrigens mittlerweile selten ist, weil es technisch schwieriger ist einen Penis aufzubauen, besonders bei sehr kleinen Kindern, als eine Vagina in den Körper zu machen;

3. Ihr Kind entscheidet selbst was es ist, weil Sie keine Entscheidung getroffen haben und dem Kind die Entscheidung offengehalten haben, was übrigens einer zunehmender Trend ist der mittlerweile auch schon von verschiedenen Wissenschaftlern empfohlen wird;

Einschränkend sage ich Ihnen jedoch aber auch, sollten Sie schon Entscheidungen bezüglich des Geschlechtes Ihres Kindes getroffen und realisiert haben, dass Sie sich damit wahrscheinlich ein Problem geschaffen haben könnten. Aber das hängt von der Art der Entscheidung ab die Sie trafen und davon wie Sie mit der nun irreversibel gewordenen Situation in Zukunft umgehen werden. Es gibt keinen Weg den man nicht verlassen könnte wenn man erkennt das er falsch ist! Davon aber später mehr. Wir werden versuchen Ihnen einen Einblick in unsere intersexuelle Sicht der Welt zu eröffnen. Diese Sicht wird mit großer Sicherheit auch eines Tages die Sicht Ihres Kindes sein, ganz egal was Sie tun oder an Ihrem Kind tun lassen werden. Nur werden Sie und Ihr Kind die Gewinner sein, wenn Sie ausschließlich Ihrem Kind vertrauen, und seiner Fähigkeit das es das Richtige für sich tun kann. Sie als Eltern sitzen zwischen allen Stühlen, zwischen uns, Ihren Kindern und zwischen Kultur, Politik, Juristerei und nicht zuletzt ärztlichen Interessen. Unsere Eltern haben das Falsche getan. Wir verdammen sie dafür! Unsere Familien sind daran zerbrochen!  Wir wissen aber auch, dass Sie wahrscheinlich aus Mangel an Information keine andere Möglichkeit hatten! Machen Sie es besser! Sprechen Sie mit Ihrem Kind und nicht über es mit Anderen!

Bitte berücksichtigen Sie dabei, dass wir keine Vorteile aus irgendeiner Ihren Entscheidungen ziehen können und auch nicht wollen. Im Gegenteil alles was Sie hier von uns sehen und hören, ist aus unseren eigenen Mitteln, unser Freizeit und den Erfahrungen unserer Lebenswege entstanden und finanziert.

Deshalb seien Sie vorsichtig und überlegen Sie lieber zweimal bevor Sie jemanden, in Bezug auf Ihr Kind, Ihr Vertrauen schenken der an Ihrer Situation Geld verdient oder verdienen könnte. Sie tun dies ja sicherlich auch, wenn Sie eine Versicherung o.ä. abschließen. Denken Sie immer daran, es fällt Ihrem Gegenüber immer leichter zu lächeln wenn er weiß das er/sie in Zukunft wieder einen dicken Haufen Geld, an Ihnen bzw. Ihrem Kind, verdienen kann. Da wir gerade beim Geld sind, wissen Sie was die erste operative Geschlechtszuweisung Ihres Kindes  kosten kann?

Nun, je nach Fall bewegt sich dies zwischen 80.000 und 300.000 Deutschen Mark.

Ein richtig angenehmes Sümmchen für Ihre Unterschrift unter einen Behandlungsvertrag zur Behandlung Ihres intersexuellen Kindes. Aber damit haben Sie ja nichts zu tun, dass bezahlt zur Gänze ja die Krankenkasse.

Aber ich denke, es ist jetzt Zeit, dass wir das allgemeine Geschwätz beenden und mal „Tacheless “ reden.

Da ich sowieso weder „ Mann „ noch „ Frau “ sondern „ Zwitter der Tat „ bin habe ich Ihnen ein allgemein gebräuchliches Formular vorbereitet, was Sie bevor Sie einem geschlechtsverändernden Eingriff an Ihrem Kind zustimmen, dem Arzt vorlegen sollten der den Eingriff vornehmen wird. Wie Sie selbst sehen werden, wenn Sie das Formular durchlesen, steht dort nichts drin was in irgendeiner Weise unseriös wäre. Im Gegenteil an Ihrem Kind werden so gravierende Veränderungen vorgenommen, sodass es für Sie und Ihr Kind nur „ recht und billig “ ist wenn man Ihnen die Richtigkeit des Eingriffes bestätigt. Insbesondere da solche Eingriffe heute für die moderne Medizin keine Probleme mehr darstellen dürften, sollte eine Unterschrift auch kein Problem sein, oder?

Wir werden uns in den „ Intersex Elternbriefen “  weder mit der Erörterung medizinischer Syndromkomplexe, noch mit veränderten Chromosomensätzen oder gar speziellen Operationsempfehlungen beschäftigen, dass ist was für die Mediziner die damit Geld verdienen. Sollten Sie aber dahingehende Fragen haben, so wenden Sie sich an unsere E- Mail Adressen oder folgen Sie den Links auf unseren anderen Internetseiten die Sie zu den entsprechenden Themen führen. Tausende Internetseiten haben schon zu irgendwelchen biomedizinischen Komplexen Stellung genommen. Das werden wir nicht tun, denn es hilft Ihnen und Ihrem Kind nichts wenn Sie wissen, dass  Ihr Kind eine „ Deletion im kurzen Arm des X- Chromosoms Xp22.2/22.3 oder einfach nur einen Gendefekt auf Chr6 mit gekoppelten HLA- Locus 6p21.3 hat. Wir glauben Ihnen ist mehr damit geholfen wenn wir Ihnen die notwendigen Informationen vermitteln, damit Sie die richtige Entscheidung treffen die Ihrem Kind sein richtiges Leben schenkt und nicht eine Kunstwelt, nicht ein synthetisches Leben mit synthetischen Inhalten die durch synthetische Genitale geprägt wurden, an denen Sie möglicherweise und Ihr Kind sicherlich zerbrechen könnten. Denn ihr Kind muss sein Leben lang mit der von Ihnen getroffenen Entscheidung leben, auch dann noch wenn Sie nicht mehr für es da sein werden!

Wir werden Ihnen allerdings viele Bilder zeigen, die Sie sonst nicht zu sehen bekommen. Sie werden das was da gezeigt wird vor Ihrem Kind verantworten müssen. Aber auch die geheimgehaltenen Überlegungen zuweisender Mediziner, einfach all jene Hintergrundinformationen die Sie sonst niemals zu sehen bekommen werden, Die Sie aber wissen müssen um die richtige Entscheidung für Ihr Kind zu treffen, sind mit dabei. Auch Statistiken der Erfolgsquoten geschlechtlicher Zwangszuweisungen von Klein- und Kleinstkindern, die es angeblich nicht gibt, werden mit dabei sein, natürlich mit Quellenangaben. Auch ist Ihnen mit Sicherheit aufgefallen das die sogenannten Abstracts zur Intersexualität viele Wörter machen, aber Nichts aussagen. Wir werden Ihnen diese Texte vollständig vorstellen.

Ich darf an dieser Stelle einen herzlichen Dank als DARKZERO@0 an die Hackerfreunde in aller Welt aussprechen die es mit Ihrem Einsatz seit Jahren ermöglichen, dass die Daten und Schreckensbilder einer fehlgeleiteten Medizin die Öffentlichkeit in jedem Fall erreichen werden.

Viele intersexuelle Menschen haben, die falsche Entscheidung Anderer über Ihr Geschlecht schon mit Ihrem Leben bezahlt. Dies ist eine Tatsache und keine Drohung und wir wollen Ihnen als Eltern damit auch keine Angst machen. Suizid ( Selbstmord) ist einfach die Realität und lebensbegleitender Umstand zwangszugewiesener intersexueller Menschen, die einfach nur Opfer einer zugegebenermaßen potenten Gruppe von Medizinern geworden sind, die sicherlich bei Ihrem Tun nur das Wohl im Auge haben. Aber wie bereits angedeutet, betrifft dies mit Sicherheit nicht alle Mediziner, genauso wie man nicht alle Mediziner des Abrechnungsbetruges beschuldigen kann, nur weil einige wenige nicht zwischen „Mein und Dein“ unterscheiden können. Es gibt überall schwarze Schafe dort und auch bei uns, leider! Ich denke die Welt könnte viel menschenfreundlicher sein, wenn manche Zeitgenossen ihre Mitmenschen nicht nur unter dem Aspekt der Nützlichkeit für die eigene Geldbörse betrachten würden.

Deshalb bedenken Sie alles wohl, denn entscheiden können Sie nur einmal aus absolut 3 Möglichkeiten und dort nur richtig oder falsch. Die öfter angeführte vierte Möglichkeit „Alles bei Bedarf umkehren zu können“ gibt es ganz sicher nicht!

Viele von uns haben bisher ihr ganzes Leben darauf gewartet, dass..... „ es ist keine Fee  gekommen die.....“!

Wir wollen das dies Alles aufhört, wir wollen nicht von einem Leben träumen das man uns nahm, wir wollen unser Leben leben, nicht den vermessenen Traum der Pädiatrie von der optisch perfekten künstlichen Vagina, oder den der funktionierenden Penisprothese! Wir sind Menschen, die weder durch eine perfekte Neovagina, noch durch eine Penisprothese beschrieben werden können.

Deshalb haben Sie den Mut, sagen Sie „Ja“ zu Ihrem Kind denn darum sollte es Ihnen gehen, und nicht „Nein“ zur Intersexualität Ihres Kindes denn darum geht es schon Anderen.

Ich freue mich, Sie beim nächsten „ Intersex Elternbrief 01- 2001 “zu dem Thema

Das Urteil „ weiblich zugewiesen zu sein „

begrüßen zu dürfen!

J. Cl. Clüsserath

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


 

Das Transsexuellengsetz (TSG),

eine Waschmaschine für die "weißen Westen "der "Polit-Medizin"

Dies ist sicherlich eine Frage die, die Gemüter als auch die Interessen der Betroffenen, der Heilberufe, der Politik eigentlich der gesamten Kultur berührt. Diese Frage beinhaltet aber sehr viel mehr Sprengstoff als die oberflächlich sichtbare Zuweisung einer S chuld. Die elementare Substan z der Frage mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> liegt vielmehr in einer " anderen Realität ", hinter der offensichtlichen Realität, die geschaffen wurde durch das Vorhandensein eines T ranssexuellengesetzes (TSG). Diese Substanz, dieser anderen ebenfalls wahren Realität, eröffnet bei näherer Erforschung schwindelnde, dimensionslose Abgründe zu Moral, Ethik und Gewissen im Umgang einiger Medizinermit menschlichem Leben. Die Wissenschaft, als innovativer und praktizierender Motor der menschlichen Entwicklung steht daher in der Verantwortung zu prüfen ob alles scheinbar Machbare auch gemacht werden darf.  Die Politik als Träger  der Verantwortung, im Sinne der Handlungsgrenzen wissenschaftlicher Praxis, steht deutlich ebenfalls in dieser Verantwortung. Sie darf sich dieser Verantwortung nicht durch Verweis auf Fachspezifika entziehen, da s hemes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> ie ansonsten einen Teil " ihrer staatlichen Gewalt und Handlungsfähigkeit " zu einem nicht mehr kontrollierbaren " Staat im Staate " macht. Sie steht im Gegenteil sogar in der Pflicht sich unabhängige Instrumentarien zu schaffen, die eine objektive politische und humane Beurteilung eines jeden Sachverhaltes ermöglichen. Pures Nachplappern von sogenannten " herrschenden Auffassungen ", in diesem Falle die der Sexualwissenschaften, machen einen Staat zum " Hans- Wurst " jedes interessierten Fachkreises. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine " fachliche Maßnahme " mit erheblichen wirtschaftlichen Gewinnen und Vorteilen für diese Fachkreise verbunden ist.
Der Religion ist dabei ein Rang als Teilaspekt politischen Handelns einzuräumen. Insbesondere da hier, durch die vielfältigen Verflechtungen kirchlicher Organisationen mit dem Gesundheitswesen, die Frage nach einer möglichen Schuld, bezüglich medizinischer Handlungen unter dem Aspekt der christlichen Glaubenslehre, ohne Abstriche zutrifft.

Die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der PDS zum Thema Intersexualität

offenbart mit staatlicher Wucht geprägt durch eine eiskalte, menschenunwürdige Argumentation die ganze Unwirksamkeit der verfassungsmäßig garantierten Rechte der Menschen in der BRD. Damit wird auch die ganze Unfähigkeit der politischen Handlungsträger zum Umgang mit ,und zum Schutz von, Minderheiten in aller Deutlichkeit dokumentiert. In der Antwort der Bundesregierung wird ebenfalls deutlich, wie durch den Missbrauch von Gesetzen, "mafiösen" Strukturen und den daraus resultierenden Handlungen, aus Unwissenheit oder purer Ignoranz, mit politischen Mitteln Vorschub geleistet wird. Die Benachteiligten sind hierbei nicht nur die "medizynisch Behandelten" sondern auch die sozialen Sicherungssysteme deren Bedeutung zu einem mometären Selbstbedienungspool der interessierten Fachkreise verkommt.

Das TSG wurde seinerzeit geschaffen, als die politischen Entscheidungsträger  erkennen mussten, dass es zwei entscheidende Elemente, Komponenten, für die Gesamtkonstruktion des individuellem Geschlechtes gibt. Dies ist zum Einen der physiologische (körperliche) und zum Anderen der psychologische (geistige) Teil von Geschlecht. Diese funktionale Konstellation der Einheit aus  Körper und Geist, die einen Menschen in seiner individuellen Geschlechtlichkeit beschreibt, ist aktueller unbestrittener Stand, der medizinisch-psychologischen Fachliteratur, der Rechtsprechung, als auch der Gesetzgebung, im Sinne des TSG. Die humanitäre und absolut menschenwürdige Intention der damaligen Initiatoren des TSG war, Menschen welche sich auf der psychischen Ebene im falschen Geschlecht befinden, die Möglichkeit zu geben diesen festgestellten Zwiespalt zu überwinden. Der Zwiespalt sollte überwunden werden durch Anpassung der körperlichen Gegebenheiten, da die psychischen Gegebenheiten sich nach Auffassung der Fachleute nicht anpassen lassen. Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass dies ein unglaublich revolutionärer sozialer Gedanke war, der von einer sehr hohen ethisch-moralischen Kulturreife zeugte. Aber das war damals, 1980, als unter der Regie glaubwürdigerer Politiker, Mediziner, Juristen, und Betroffener, das TSG zum Nutzen der Menschen realisiert wurde.

Nun muss man jedoch wissen, dass es auch Menschen gibt, die mit einem Körper zwischen den beiden kulturell und medizinisch jeweils eng definierten Geschlechterbildern von Mann und Frau geboren werden. In Sprachgebrauch gibt es diese Menschen solange die Menschheit besteht. Sie werden im Volksmund Zwitter, bei den Medizinern Intersexuelle oder Hermaphroditen und in der heutigen Politik und deren Instrumentarien gar nicht benannt. Jedenfalls sind Sie anscheinend weder rechtlich, noch politisch, geschweige denn medizinisch  etwas, das es sich lohnen würde es so zu erhalten wie es ist. Medizinisch erkannte Intersexuelle werden immerdurch medizinische Eingriffe ohne Berücksichtigung der angeborenen Psychosexualität, willkürlich dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zwangszugewiesen. Eine umfangreiche Prüfung der psychosexuellen Anlagen zur Bestätigung der Richtigkeit der Zwangszuweisung findet bei intersexuellen Kindern, im Gegensatz zu den Forderungen des TSG bei freiwilliger Zuweisung Erwachsener, nicht statt. Es ist bekannt und Bestreben medizinischer Praxis, diese Eingriffe möglichst früh, also bei Kleinstkindern oder noch besser bei Säuglingen oder Neugeborenen, durchzuführen. Da bei diesen Kindern und Säuglingen die angeborenen  Psychosexualität durch den derzeitigen Stand der Medizin nicht feststellbar ist, sind Fehlzuweisungen entsprechend häufig. Die Frage die sich nun an dieser Stelle zu diesem Thema als erstes, neben anderen stellt, ist: "Was passiert mit jenen Menschen die falsch zugewiesen werden?"

Die Frage 22 lautet: 
Teilt die Bundesregierung die in der Medizin vorherrschende Auffassung, dass die Vereindeutigung des Geschlechtes bei Säuglingen und Kleinkindern notwendig ist?
Wenn ja, wie begründet sie diese Auffassung?
Wenn nein, hält sie ein generelles Verbot von geschlechtszuweisenden Operationen an nicht Einwilligungsfähigen für geboten?

Diese Frage ist nun in der Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der PDS zum Thema Intersexualität, nach jahrelangen Protesten Fehlzuweisungsbetroffener, beantwortet worden. Gemäß der Überlegung der Bundesregierung in ihrer Stellungnahme zur Frage 22, hat ja ein Intersexueller, der falsch zugewiesen wurde, die Möglichkeit sich später entsprechend den Richtlinien der Behandlung transsexueller Patienten zu unterziehen und sich rückverwandeln, oder wie auch immer man das nennen möchte, zu lassen.

Abgesehen von der Tatsache, dass das TSG lediglich die rechtlichen Rahmenbedingungen eines geschlechtlichen Umstieges regelt, erfolgt eine weitere Behandlung  im Rahmen des TSG für den in der Kindheit zwangsweise geschlechtlich zugewiesenen Menschen und deren Eltern, ausschließlich, immer und zeitlebens, unter:

1. erheblichen rechtlichen und gesetzlichen Einschränkungen durch:

+ sichtbare und nachverfolgbare Einträge und Vermerke in den Personenstandunterlagen, die bei  anderen Menschen üblicherweise nicht existieren;
+ zusätzliche Einträge u. Vermerke in den Meldeunterlagen;
+ zusätzliche Einträge u. Vermerke in den kirchlichen Unterlagen;
+ personenbezogene Informationsweitergabe an andere Behörden durch die Amtsgerichte;
+ zwangsweise Offenbarung der geschlechtlichen Änderungen,  bei der Änderungen der persönlichen Papiere (z.B. Zeugnisse, Berufsabschlüsse, etc.);
+ Nachteile bei der Vergabe von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst, durch die oben genannten für Behörden vollständig sichtbaren, Vermerke und Einträge;
+ infolge der gesetzlichen TSG-Forderung nach Sterilität, lebenslange Kinderlosigkeit;
+ steuerliche Nachteile;
+ Renten- und andere versicherungsrechtliche Nachteile;
+ Einschränkungen des Zugriffs auf die eigenen Krankenunterlagen entgegen den Bestimmungen der Patientenrechtscharta;

2. erhöhtem sozialen und wirtschaftlichen Risiko:

+ Verlust des ev. bereits existierenden persönlichen sozialen Umfeldes;
+ Verlust des Arbeitsplatzes, der Lehrstelle, Gruppen- und Vereinszugehörigkeiten etc.;
+ Schwierigkeiten bei bisher guten Bankverbindungen, wenn die Änderungen dort bekannt werden;
+ ruinöse wirtschaftliche Belastungen, da Krankenkassen nur die teilweise Relativierung der künstlich und unfreiwillig angezüchteten geschlechtlichen Merkmale Zwangzugewiesener, zahlen;
+ Einstufung durch Versicherungsträger in sogenannte erhöhte Risikogruppen( z.B. bei HIV, Hepatitis etc.);
+ Repressalien und Benachteiligungen durch staatliche Einrichtungen( Arbeitsämter, Sozialämter etc.);
+ Berufsuntauglichkeit in bestimmten Branchen, Berufsbildern; 
+ Berufs- und Einkommensausfälle durch die für die zweite Geschlechtsangleichung erforderlichen Ausfallzeiten;

3. weiteren körperlichen und psychischen Folgeschäden:

+ weiterer Verluste, bis zum möglichen Totalverlust der Empfindungsfähigkeit und Sensibilität des Genitalbereiches, zusätzlich zu den bereits durch die frühkindlichen Eingriffe und Manipulationen der Geschlechtssituation bereits eingetretenen Schäden, bedingt durch weitere TSG- erforderliche Eingriffe; 
+ Totalverlust der Fortpflanzungsfähigkeit infolge der frühkindlichen Beseitigung geschlechtlicher Anlagen, wenn diese nicht schon dort eingetreten ist und der Sterilisation als spätere Voraussetzung des TSG; 
+ erhebliche weitere Traumatisierung durch die zusätzlichen Eingriffe in die veränderte Organlage; 
+ lebenslange Medikationen infolge der frühkindlichen Zwangszuweisung und der Forderungen des TSG;   
+ vollständiges Scheitern der körperlichen Veränderungsabsicht des Zuweisungsbetroffenen infolge der, durch die frühkindlich Zuweisung nicht mehr rückgängig zu machenden angezüchteten und anoperierten Anlagen;
+ psychischer Defizite infolge der " Nichtmehr- Relativierbarkeit " der angezüchteten Anlagen;
+ psychischer Defizite infolge der Inakzeptanz durch Festhalten der familiären Umgebung an der Erstzuweisung;
+ psychischer Defizite infolge der Versuche der Behandler die künstlich geschaffene Geschlechtssituation gegen den Willen des Zuweisungsbetroffenen aufrecht zu erhalten; 
+ Scheitern aller Absicht durch mögliche letale( tödliche) Folgen der gemäß TSG erforderlichen Eingriffe;
+ erhöhten Krebsrisiko infolge der erforderlichen Medikation zur abermaligen Veränderung der Geschlechtssituation;
+ verminderte Lebenserwartung infolge aller medizinischen Maßnahmen;
+ verminderte Leistungsfähigkeit infolge der medizinischen Maßnahmen, unter der Berücksichtigung das 10-20 schwere und schwerste operative Eingriffe statistisch keine Seltenheit sind;
+ der Möglichkeit allgemeinem Scheiterns aller Maßnahmen einer Zuweisung nach TSG, in eines der beiden laut der Bundesregierung ausschließlich möglichen Geschlechterbilder( Mann/ Frau) unter der Annahme dass  der eigentliche Zielgeschlechtszustand der Zwangszugewiesenen die körperliche Unversehrtheit zum Zeitpunkt  der Geburt ist; Dieser Zustand wäre ja auch konform mit einer der Kernaussagen unseres Grundgesetzes!

Das oben aufgezeigte Szenario ist lediglich ein grober Katalog, besser eine Kostprobe, dessen was ein geschlechtlich zwangszugewiesenes Kind, wenn es sich später der zwangsweisen Manipulation seiner Geschlechtsanlagen bewusst wird, und gemäß der Bundesregierung den Weg nach TSG geht, erwartet. Dies bedeutet, dass der zuweisungsbetroffene Mensch die Unzulänglichkeiten einer funktional als auch rechtlich zweifelhaften medizinischen Zwangsbehandlung in seiner Kindheit, Zeit seines Lebens zu verantworten hat, und für die er mit allem was er besitzt, und unter Umständen mit seinem Leben einstehen muss! Während Jene die das Geld an der fadenscheinig begründeten Zwangszuweisung verdienten ihren Lebensabend genießen, den der zwangzugewiesene Mensch sicher nicht haben wird. Ebenso wenig wie jene Eltern die nach der Zuweisung ihres Kindes miterleben müssen , dass die Zuweisung falsch war bzw. den folgenden Suizid auf Raten ihres Kindes!

D.h. gemäß der "Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der PDS" , fehlzugewiesene intersexuelle Menschen werden,  durch den Verweis an das TSG, mit weiteren erheblichen biologischen, sozialen und rechtlichen Einschränkungen bedroht, sollten sie sich nicht in die einmal in ihrer Kindheit ohne ihre Zustimmung getroffene Geschlechtszuweisung beugen. Die Bedeutung ist die, dass mit staatlicher Zustimmung und Wohlwollen Teile der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland wegen Ihres Geschlechtes, vom Tage ihrer Geburt an in einen rechtseingeschränkten Zustand versetzt werden. Der in der Antwort gewählte Wortlaut lässt aber auch darauf schließen, dass die Mitglieder der Bundesregierung, gut vorbereiteten Falschinformationen einer interessierten Gruppe der Heilberufe aufgesessen sein könnten. Sollte die Antwort aber tatsächlich der Überzeugung der Bundesregierung entsprechen, so ist schlicht und ergreifend von Seiten der derzeitigen Bundesregierung von einem eklatanten Verfassungsbruch unter der völligen Missachtung jeglicher Menschenrechte, sowie einem Bruch der Patientenrechtscharta  auszugehen. Weiter unterscheidet sich die Empfehlung der Bundesregierung bezüglich falsch zugewiesener intersexueller Menschen an das TSG, im Endergebnis der Handlungskette bis zur endgültigen Sterilisation, durch Nichts von den Rassereinhaltungsparolen Nazi- Deutschlands. Die Antwort der derzeitigen Bundesregierung ist damit, der Verfassung auf die ich einmal einen Eid geschworen habe, unwürdig. Des weiteren ist es Missbrauch des TSG, eines Gesetzes, wenn dieses dazu benutzt wird, "altes Unrecht", im Sinne der Falschzuweisungen intersexueller Menschen, durch neues Unrecht, im Sinne der Voraussetzung der Zwangssterilisation, auszugleichen. Ich kann an dieser Stelle einfach nicht glauben, dass eine in der Mehrheit sozialdemokratische Regierung, eine solche absolut menschenverachtende Einstellung hat. Auch der ökologische Teil der Bundesregierung hat mit dieser Antwort seine Unfähigkeit offen demonstriert. Auf dieser Seite der Bundesregierung veranlasst man ausgiebige Debatten über die Größe der Nester in zukünftigen Hühnerställen, zeigt sich aber unfähig die eigene Bevölkerung objektiv vor verfassungswidrigen Zugriffen bestimmter, in gesetzlichen Grauzonen operierender, Gruppen zu schützen. Im Gegenteil man deckt diese sogar noch durch Missbrauch von Gesetzen.

Vielleicht sollte man, zum besseren Verständnis, eine mögliche Ereigniskette einer Intersexuellen Person einmal näher beleuchten.

Es ist bekannt, dass den von Geschlechtszuweisungen Betroffenen, gemäß den Lehrmaterialien zur medizinischen Ausbildung, ihr Kerngeschlecht als auch die gesamten Vorgänge die mit der Geschlechtszuweisung zusammenhängen, vorzuenthalten sind. Dies erfolgt nach den medizinisch-psychologischen Veröffentlichungen und auch öffentlich nicht zugänglichen Anweisungen, um suizidalen Handlungen der Zuweisungsbetroffenen vorzubeugen. Man muss sich an dieser Stelle einmal ernsthaft fragen: " Warum wohl die humanitäre Wohltat der medizynischen Zwanggeschlechtszuweisungen, durch suizidale Handlungen der Zugewiesenen beantwortet werden?" Diese medizinischen Erstanweisungen nach der Zuweisung schließen die Eltern, Behörden, sogar Kirchen, als auch andere später behandelnde Mediziner ein. Bei der Herstellung dieser Außenkonstruktion des Betroffenen ist keiner dieser beteiligten Kreise in einem, rechtlich einwandfrei als legal zu bezeichnenden Bereich, aktiv. Damit wird aber den Zwangszuweisungsbetroffenen jede Möglichkeit genommen, die tatsächlichen Vorgänge ihres unfreiwilligen "Frau- oder Mann- Seins" in Erfahrung zu bringen, selbst wenn die Zuweisungsbetroffenen dem allem nachgehen. Dies geht in der Praxis soweit, dass den Zuweisungsbetroffenen medizinische Unterlagen verweigert werden oder diese bei massivem Vorgehen der Betroffenen gar nicht mehr existieren, weil die Unterlagen einem Wasserschaden o. Ä. zum Opfer gefallen sind.

Eltern werden durch unvollständige Aufklärung zum Belügen und Betrügen ihrer Kindern angehalten, zu Mittätern gemacht, was da und dort mal mit dem Suizid des Zuweisungsbetroffenen endet. Auch passiert es, dass Eltern von der angeblich "zu treffenden Entscheidung" ganz ausgeschlossen werden. Das Kind wird dann ohne Hinzuziehung und Einwilligung der Eltern zugewiesen und dabei häufig teilkastriert . Wenn dann das Kind nach Jahren oder Jahrzehnten hinter die Vorgänge kommt und sich offenbart, so ist das Erkennen der Grausamkeit des  eigenen Tun´s für die Eltern mehr als nur schlimm. Noch schlimmer ist es für Eltern am Verhalten des Kindes  miterleben zu müssen, dass Sie die falsche Entscheidung getroffen haben, und trotz der ärztlich empfohlenen "restriktiven Erziehung" keinen Erfolg haben. Dann nämlich kommt die Erkenntnis, dass die Schöpfung stärker ist als alle Lehrsätze und Skalpelle der "pädiatrischen Medizin". Dann wird auch erkennbar, dass medizinisches Gewinnstreben an den Vorgaben der Natur scheitert.

Lassen Sie mich an dieser Stelle für den geneigten Leser als auch bestimmte Mediziner, die des Lateinischen nicht mächtig sind noch anmerken, dass das Wort Individuum mit "das Unteilbare" übersetzt wird, was auch für und trotz des medizinischen Arbeitens an "intersexuellen Individuen" mit Skalpell gültig ist. Ich setze dabei natürlich voraus, dass Mediziner mit "intersexuellen Individuen" möglicherweise Menschen meinen könnten.

Ein anderer Weg der sich dann nach Jahren  und Jahrzehnten des Leidens unter der geheimgehaltenen Zwangszuweisung und den angeborenen Geschlechtsempfindungen eröffnet ist scheinbar das TSG. Befinden sich die "transsexuellen Zuweisungsbetroffenen" dann wieder in den Fängen bestimmter Teile der Medizin, geht das $piel munter von vorne los. Auch im T$G-Verfahren wird von den "erfahreneren behandelnden Medizinern" alles unternommen um den Betroffenen ihre tatsächliche Vergangenheit vorzuenthalten. Selbst aktuelle medizinische Befunde und Erkenntnisse werden den Betroffenen mit fadenscheinigen Argumenten ebenso vorenthalten, wie andere ebenfalls vorhandene Unterlagen aus ihrer Vergangenheit. Dies geht teilweise dann soweit, dass behandelnde Mediziner und Psychologen, während des TSG- Verfahrens, rücksichtslos  alles versuchen, den zuweisungsbetroffenen Menschen in dieser Zwangszuweisung zu halten, denn welcher Mediziner beweist schon gerne seinem Kollegen, dass er Mist gebaut hat und dass die Erstzuweisung falsch war. Das würde dann unter Umständen das Geschlechter- $piel ja auch erheblich abkürzen. Sei es wie schon von verschiedenen Medizinern veröffentlicht, durch den drohenden Suizid des Zwangszugewiesenen angesichts der medizynischen Wohltaten, oder sei es durch den vorzeitigen Ruhestand des zuweisenden Mediziners, wenn dieser sich für sein Tun verantworten müsste. Die Betroffenen werden meist dann erst weiterbehandelt wenn die Situation eskaliert und diese Menschen am Rande des Zusammenbruches stehen, ein Suizid während der T$G- Behandlung wäre u.U. ja mit juristischen Fragen zur Vergangenheit des Selbstmörders verknüpft. Nun erst werden sie dann vom TSG "sanft aufgefangen" und medizynisch als "Transsexuelle" klassifiziert und verschwinden damit auch gleichzeitig aus der Statistik für "falsch zugewiesene Intersexuelle".

Vielleicht ist dies der Grund warum es in bestimmten medizinischen Statistiken angeblich so wenige "rückfällige Intersexuelle" gibt und nicht wie häufig und gerne durch bestimmte Teile der Medizin postuliert "... die gute Erfolgsquote Ihrer richtigen Zuweisungssystematik". Vielleicht war es auch ein "Wink des Schicksals das der Begründer der unseligen Geschlechtszuweisungspraxis John Money heißt. Die letzten eventuell körperlich vorhandenen Spuren der Vergangenheit die vielleicht noch von der Zwangszuweisung vorhanden sein könnten verschwinden dann mit der sogenannten "Großen-OP nach TSG". Erstaunlich ist, dass viele Chirurgen die erwachsene "Tran$$exuelle" umbauen, meist die sind, die auch Kleinkinder und Säuglinge geschlechtlich Zwangszuweisen bzw. dies in Ihrer Vergangenheit getan haben. Interessant ist bei dieser Betrachtung aber auch, dass im Falle der falsch zwangszugewiesenen Menschen am $ozial$ystem doppelt partizipiert wird. Wer hat es als Geschäftsmann schon nicht gerne, wenn seine Kunden immer wieder zurückkommen müssen? Für die Betroffenen setzte ich an dieser Stelle voraus, dass der Leser sich denken kann, dass nach minimal zwei umfangreichen Operationen im Genitalbereich nicht mehr viel von der zur Zeit der Geburt vorhandenen Empfindungsfähigkeit verfügbar sein kann. Das Resümee dieses hypothetischen "redundanten Systems" rund um die Intersexuellen ist die Tatsache, dass alle Handlungen immer zu Lasten des Betroffenen, seiner Verwandten und natürlich zu Lasten der $ozialka$$en fallen und die "weißen Westen" mancher "Menschen" bleiben rein. Wie immer! Wenn mal kleine Flecken auftauchen haben wir ja immer noch die Waschmaschine T$G.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen bin ich mittlerweile überzeugt davon, dass manche Menschen selbst Jesus Christus den Heiligenschein wegoperieren würden, wenn die Krankenkassen das bezahlen.   

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Trier, im Mai 2001

Es bestehen derzeit folgende Landesgeschäfts- und Beratungsstellen:

dgti

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Infoheft „Praktisches“

Ausgabe Mai 2001


Inhaltsverzeichnis

Transidentität - Gesetze - Behandlung

Das gerichtliche Verfahren

Probleme bei Anträgen nach §1 und §8/§9 TSG

Das medizinische Verfahren

Grundsätzliches und Praktisches zum Thema Geschlechtsangleichung und Leistungspflicht der Kassen

Aktuelle Probleme bei der medizinischen Behandlung

Probleme bei der Durchführung der Epilationsbehandlung

Hormone - Aktueller Hinweis zu Verschreibung und Beschaffung

Hinweis zur Verabreichung von Androcur

SCHERING

Männliche Sexualhormone

Weibliche Sexualhormone

Muster - Antrag § 1 TSG

Muster - Antrag § 8 TSG mit Vorabentscheid § 9

Mustervorlagen

Gutachterliche Stellungnahme zur Vorlage beim Amtsgericht (Gutachten)

Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Mastektomie

Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Epilation

Soziale Stabilität Argumentationshilfe gegenüber (früheren) Arbeitgebern wegen Änderungen von Zeugnissen

Anmeldung/Ummeldung bei der Sozialversicherung - durch Arbeitgeber

Das Transsexuellengesetz - TSG

 



Transidentität - Gesetze - Behandlung

Immer wieder erreicht mich die Frage nach dem richtigen Weg. Das geht nicht nur mir so, sondern praktisch allen Menschen, gleichgültig ob professionelle Helfer, LeiterInnen von Selbsthilfegruppen oder Menschen in Beratungsstellen. In aller Kürze eine „richtige“ Antwort zu geben ist fast unmöglich, denn jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Doch ein paar Leitgedanken will ich hier veröffentlichen.

Die folgenden Ausführungen sind keine Bewertung oder ein Hinweis darauf, welche Schritte in welcher zeitlichen Reihenfolge am sinnvollsten sind. Ein zeitlich aufeinander abgestimmtes Konzept ist sinnvoll und wichtig; jedoch ohne die Kenntnis der reinen formalen Vorgänge und ihrer Rechtsfolgen ist es kaum möglich. Ein kombiniertes soziales, medizinisches und gerichtliches Konzept kann aber immer nur sehr individuell erstellt werden. Die Ausgangsbedingungen für jeden einzelnen Menschen sind so unterschiedlich, dass jede rein formale Vorgehensweise weder dem Sinn gesetzlicher Regelungen, noch den Erfordernissen einer medizinischen Behandlung gerecht werden kann.

 



Das gerichtliche Verfahren

Das TSG wurde geschaffen, um Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität und ihren besonderen Problemen Rechnung zu tragen. Verfahren nach dem TSG erfordern keinen Anwalt. Der Gesetzgeber hat bewusst zwei verschiedene Möglichkeiten geschaffen:

1. den Antrag auf Änderung der Vornamen nach §1, die sogenannte "kleine Lösung"

2. den Antrag zur Änderung des Personenstandes nach §8, die sogenannte "große Lösung"

3. die Möglichkeit den Antrag nach §9 zu stellen, den Vorabentscheid, um in einem gemeinsamen Verfahren schrittweise vorgehen zu können.

Ein Antrag muss angenommen werden wenn

1. der Antragsteller glaubhaft erklärt, dass er sich dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet und dieses Gefühl seit mindestens drei Jahren besteht. (Glaubhaft machen, nicht beweisen!) 
Außerdem bedeutet dies nicht, dass man schon drei Jahre in der neuen Rolle gelebt haben muss!

2. der Antragsteller in den Geltungsbereich des Personenstandsgesetzes, bzw. des TSG fällt

Rein juristisch setzt eine Antragstellung nach §1 oder §9 weder voraus, dass der Antragsteller schon in der angestrebten Geschlechtsrolle lebt, noch dass bereits medizinische Maßnahmen eingeleitet sind. Aus der Formulierung der Antragstellung sollte jedoch erkennbar sein, warum der Antragsteller jetzt tätig wird. Die Begründung dafür kann nur in der individuellen Lebenssituation des Antragstellers liegen.

Für die Namensänderung schreibt das Gesetz vor (Auszug aus dem TSG):

Die Vornamen einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben (Anmerkung: dies bedeutet nicht, dass die Person schon so lange entsprechend leben muss!) sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn ...

1.   sie Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist oder wenn sie als Staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat,

2.   mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird.

Ein Antrag nach §8 setzt voraus, dass

1. die beiden obigen Bedingungen erfüllt sind

2. der Antragsteller nicht verheiratet ist

3. der Antragsteller dauernd fortpflanzungsunfähig ist

4. durch medizinische Maßnahmen eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechtes erreicht worden ist.

Der Text des §8 Abs. 1 Punkt 4 lautet anders als ich es hier geschrieben habe. Die Rechtsprechung hat den ursprünglichen Text jedoch als nicht haltbar, in seiner praktischen Umsetzung, erkannt und bereits in Form von Grundsatzurteilen anders entschieden. (Denn  "äußere Geschlechtsmerkmale" liegen nicht nur zwischen den Beinen.)

Gutachten erstellen Sachverständige, die vom Gericht berufen werden, wenn ein Antrag nach TSG gestellt wird.

Ein Gutachten für das Gericht hat die Aufgabe, dem Richter eine Entscheidungshilfe zu geben. Er muss in seiner Entscheidung abwägen, ob das Interesse des Antragstellers auf Namensänderung und Änderung der Geschlechtszugehörigkeit höher wiegt als das Interesse der Öffentlichkeit, den Geburtseintrag bestehen zu lassen.

Entscheidet der Richter positiv, dann werden die notwendigen Änderungen im Geburtenbuch bzw. der Geburtsurkunde vorgenommen. Das Personenstandsgesetz verlangt diese gerichtliche Entscheidung, da, anders als bei Intersexuellen, kein offensichtlicher Irrtum bei der Zuweisung des Geschlechtes und des Namens vorlag. Das TSG ist ein Ausführungsgesetz zum Personenstandsgesetz.

Wie geht ein Transident/ eine Transidentin nun vor?

1.   Er/sie entscheidet zunächst für sich.

2.   Er/sie nimmt die mit der Entscheidung verbundene soziale Rolle an und lebt sie.

3.   Er/sie stellt den Antrag auf Änderung der Vornamen bei Gericht.

4.   Das Gericht prüft ob der Antrag angenommen werden muss und legt die Verfahrenskosten fest. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einen Kostenvorschuss einzuzahlen.

5.   Nach Einzahlung des Vorschusses beraumt das Gericht einen Termin für die Anhörung an.

6.   Bei der Anhörung macht sich der Richter ein Bild von der Ernsthaftigkeit des Antragstellers/ der Antragstellerin. Er wird dann zwei Sachverständige mit der Begutachtung beauftragen. Diese erhalten ihre Gebühren vom Gericht bezahlt (aus dem Vorschuss).

7.   Die Sachverständigen führen die notwendigen Gespräche mit dem Antragsteller/der Antragstellerin und prüfen beigebrachte oder angeforderte Unterlagen. Sie erstellen nach 3-5 Sitzungen ihr Gutachten.

8.   Sind die Gutachten bei Gericht eingegangen, so fällt der Richter seine Entscheidung und teilt diese dem Vertreter des „öffentlichen Interesses“ und dem Antragsteller/ der Antragstellerin mit.

9.   Nach Ablauf der Einspruchsfrist wird das Urteil rechtskräftig. Wurde dem Antrag stattgegeben, dann werden von Amtswegen die nötigen Änderungen in der Geburtsurkunde veranlasst. Der Antragsteller/ die Antragstellerin muss für alle sonstigen Änderungen von Papieren, Ausweisen, usw. selbst Sorge tragen und die nötigen Gebühren bezahlen.

10.Der Antragsteller/ die Antragstellerin gilt fortan im gesamten Bereich des sozialen Lebens als dem anderen Geschlecht zugehörig.

Ist der Personenstand (noch) nicht geändert worden, gelten folgende Ausnahmen:

A) Im Strafvollzug gilt nach wie vor der Eintrag in der Geburtsurkunde.

B) Besondere Rechte oder Pflichten des sozial gelebten Geschlechtes können aus der Namensänderung nicht abgeleitet werden, wenn diese ausdrücklich biologisch geschlechtliche Unterschiede zur Grundlage haben (z.B. Nachtarbeitsverbot für Frauen).

C) Es besteht ein Rechtsanspruch auf Vermeidung von Diskriminierung von Amtswegen. Dieser Anspruch bezieht sich aber nicht auf die Unterbringung in einem Krankenhaus.

D) Ist der Antragsteller/ die Antragstellerin unverheiratet so kann er/sie keine Ehe eingehen.

Wichtiger Hinweis:

1.   Geht aus einer Verbindung, die der Antragsteller/die Antragstellerin nach der Namensänderung eingegangen ist, oder die noch besteht, ein Kind hervor, so wird die Namensänderung nach TSG von Amts wegen wieder aufgehoben und kann frühestens nach drei Jahren erneut beantragt werden.

2.   Für Menschen, die nach dem TSG nur die Namensänderung erwirkt haben besteht quasi ein „Heiratsverbot“. Eine Mann-zu-Frau-Transidentin wird beim Aufgebot als Mann eingestuft, kann also nur eine Frau heiraten, nicht aber, entsprechend dem gelebten und gefühlten Geschlecht, einen Mann. Das heterosexuelle Ehebegehren mit einem Mann wird also als schwul eingestuft, die Verbindung mit einer Frau aber als lesbisch. Beides ist aber in Deutschland nicht zulässig. Würde die Transidentin aber vor dem Aufgebot die Namensänderung wieder rückgängig machen lassen, dann würde die Ehe mit einer Frau, also lesbisch von der Orientierung her, heterosexuell von der Papierform aus gesehen, zulassen. Für Partnerschaften von Frau-zu-Mann-Transidenten gelten die Aussagen entsprechend.

Aus dem Urteil zur Änderung der Vornamen können keine Ansprüche auf Behandlung wegen Transidentität und deren Kostenübernahme direkt abgeleitet werden. Die Gutachten erfüllen auch nicht die Bedingungen einer Diagnose oder einer medizinischen Indikation.

Die Entscheidung zur Personenstandsänderung ist vom Gesetz an Voraussetzungen geknüpft, die der Antragsteller/ die Antragstellerin nicht ohne die Inanspruchnahme von medizinischen Hilfen erfüllen kann. Sie wird zurück gestellt, bis die Bedingungen erfüllt sind .

Die Geschlechtszugehörigkeit ist auf Antrag zu ändern, wenn die Person ...

1.   die Voraussetzungen f ür die Namensänderung erfüllt (Anmerkung: oder diese bereits vollzogen ist),

2.   nicht verheiratet ist,

3.   dauernd fortpflanzungsunfähig ist und

4.   sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechtes erreicht worden ist.

In der Rechtsauslegung und der geübten Rechtspraxis ist gerade der Punkt 4 umstritten. Dies hat aber zunächst keinen Einfluss auf die Vorgehensweise für Transidenten/ Transidentinnen.

Um Kosten und Zeit zu sparen, aber auch um zu vermeiden, dass die antragstellende Person Gutachten "sammelt", empfiehlt sich in jedem Fall die Antragstellung nach § 9 TSG, mit dem Zusatz eine Teilentscheidung nach § 1 TSG zu fällen. Dieses Verbundverfahren verhi ndert die m ancherorts geübte Rechtspraxis zunächst nach § 4 zwei Sachverständige einzuschalten und beim folgenden Verfahren nochmals zwei Sachverständige zu hören (Anmerkung: Diese Praxis ist meines Erachtens falsch und wird auch nicht von allen Gerichten geübt).

 


 

Probleme bei Anträgen nach §1 und §8/§9 TSG

Die folgenden Probleme treten in letzter Zeit immer häufiger auf:

1. Frage:

Was soll ich tun? Der zuständige Richter lehnt die Entgegennahme des Antrages auf Vornamensänderung mit der Begründung ab, der Antragsteller lebe noch keine drei Jahre in der angestrebten Geschlechtsrolle. Dies sei aber laut TSG und Rücksprache mit den Experten (in einem Fall nachweislich der Mitarbeiter des MDK) erforderlich. (So geschehen z.B. in Frankfurt/Main und Kiel)

Antwort:

Gegen die zuständigen Richter ist sofortige Beschwerde bei nächsten Instanz einzulegen. Hat der Richter auf diese Möglichkeit nicht aufmerksam gemacht, so ist auch dagegen die sofortige Beschwerde möglich.

Das Verhalten des Richters ist eine eindeutige Rechtsbeugung, in mehrfacher Hinsicht:

1. das TSG wird hier falsch zitiert. Im § 1 heißt es, dass der Antragsteller seit mindestens drei Jahren das Gefühl haben muss dem anderen Geschlecht anzugehören (nicht es zu leben).

2. Auch bei der Antragsablehnung muss eine Rechtsbelehrung über die sofortige Beschwerde erfolgen.

3. Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Standards of Care" oder des Medizinischen Dienstes können zwar als Gutachter bestellt werden, sie können aber keine Aussagen zur Anwendung oder Wirkung des TSG machen, es sei denn, sie sind ausgebildete Juristen.

2. Frage:

Ich bin verheiratet und wollte den Antrag nach §1 TSG stellen. Der Richter lehnte eine Entscheidung zur Namensänderung mit dem Hinweis ab, dass mein Antrag wohl wenig glaubwürdig sei, wenn ich die Absicht hätte verheiratet zu bleiben. Muss ich jetzt wirklich die Scheidung einreichen um dann unverheiratet mit meiner Frau und den Kindern zusammen zu leben?

Antwort:

Die Ablehnung einer Entscheidung ist nicht rechtens. Gerade für Verheiratete, die es auch bleiben wollen, besteht die Möglichkeit nur nach §1 TSG die "kleine Lösung" zu beantragen.

In Köln wurde vom Regierungspräsidenten gegen positive Entscheidungen zur Namensänderung Widerspruch eingelegt, mit der Begründung: "der Staat würde damit sanktionieren, dass zwei gleichgeschlechtliche Partner verheiratet sind".

Das übergeordnete Gericht lehnte den Widerspruch als unbegründet ab. Auch Transsexuelle Paare haben das Recht auf den besonderen Schutz der Familie. Da der Personenstand durch die Namensänderung nicht geändert wird kann auch nicht abgeleitet werden es würde jure eine homosexuelle Ehe sanktioniert. Da es staatlichen Stellen aber nicht zusteht einen Menschen zu diskriminieren sind amtliche Anschreiben an die Eheleute "An das Ehepaar Petra und Inge X" zu richten oder "An Frau Petra X und Frau Inge X". Entsprechend gilt natürlich auch "An das Ehepaar Klaus und Wilhelm Y".

3. Frage:

Seit ich mit der Einleitung von medizinischen Maßnahmen begonnen habe gibt es zwischen mir und meiner Frau erhebliche Spannungen, obwohl sie vorher mit meiner Situation gut klar kam. Sie weiß von meiner Transsexualität nun schon seit über 10 Jahren und hat mich wie eine gute Freundin sogar bei meiner "Frauwerdung" beraten. Ich will nun die Namensänderung beantragen und falls es doch zur Scheidung kommt auch die Personenstandsänderung. Kann ich den Antrag gleich nach §9 stellen mit der Vorabendscheidung nach §1 TSG um mir ein zweites Verfahren zu ersparen? Macht es Probleme, wenn ich dann später, wenn die Ehe doch hält, auf die Personenstandsänderung verzichte?

Antwort:

In Deinem Fall empfiehlt sich sogar die Antragstellung nach §9 mit Vorabentscheid. Es kann ja sehr gut sein, dass Deine Frau wieder zu Dir findet, wenn sie sieht wie ernst es Dir einerseits mit der Namensänderung ist, auf der anderen Seite auch mit dem Erhalt der Partnerschaft. Wenn Du dann später, unabhängig von der Frage ob Du Dich hast operieren lassen, auf die Personenstandsänderung verzichtest, entstehen Dir keine Nachteile.

Grundsätzlich kann ein Antrag nach §9 TSG immer dann gestellt werden, wenn eine oder mehrere Bedingungen des §8 noch nicht erfüllt sind und eine Vorabendscheidung für den Antragsteller wichtig ist.

4. Frage:

Im Rahmen der Differentialdiagnostik hat sich bei mir herausgestellt, dass ich intersexuell bin. Da ich davon nichts wusste, und dem männlichen Geschlecht zugeordnet wurde, hielt ich mich bisher für transsexuell. Nun möchte ich meinen Namen und den Personenstand im Geburtenbuch "wegen Irrtums" ändern lassen. Obwohl entsprechende ärztliche Bescheinigungen vorlagen, lehnte der Standesbeamte die Änderung mit dem Hinweis ab, dies ginge nur nach dem TSG. Außerdem behauptete er, ich hätte ja damit bestimmt keine Probleme. Wie soll ich mich verhalten?

Antwort:

Wenn der Standesbeamte die Änderung ablehnt, dann kannst Du entsprechend § 45 PStG beim Amtsgericht einen Antrag auf "Vollzug einer Amtshandlung" stellen. Zuständig ist das Amtsgericht Deines Wohnortes. Die Einschränkung, wie beim TSG auf bestimmte Amtsgerichte, gilt in Deinem Fall nicht. Ebenso wenig sind die Vorschriften des TSG anwendbar.

Als Entscheidungsgrundlage stehen dem Richter neben Deiner Aussage über die Geschlechtsidentität die medizinischen Berichte über Deine intersexuelle "Normabweichung" zur Verfügung und die Bewertung, in wieweit diese Abweichung für die Geschlechtsidentität relevant ist. Eine bei der Geburt nicht erkannte intersexuelle Abweichung könnte mit einem "versteckten Mangel" verglichen werden. Daher können auch die Bestimmungen des TSG nicht gegen Deinen Willen zur Anwendung kommen.

Eine Voraussetzung für die Anwendung des TSG ist ja gerade der Umstand, dass der Antragsteller in seinem biologischen Geschlecht eindeutig männlich oder weiblich ist, sich aber dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet. Damit verbietet sich die Anwendung des TSG bei Intersexuellen von selbst. (Hinweis: Wurde jedoch bereits ein Verfahren nach TSG eingeleitet, so kann dies durchaus zu Ende geführt werden.)

Intersexuelle beantragen die Änderung von Namen und Personenstand grundsätzlich beim zuständigen Standesbeamten wegen offensichtlichen oder versteckten Irrtums. Als Beweis dient der medizinische Bericht.

Ich will an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass es in der Vergangenheit (und leider auch noch in der Gegenwart) immer wieder vorkam und kommt,, dass Intersexuelle erst durch medizinische Maßnahmen in ein Geschlecht gepresst werden und dann, wenn es scheitert, empfohlen bekommen nach dem TSG den Irrtum wieder "auszubügeln". Dieses Verfahren ist medizinisch und juristisch falsch und menschlich unzumutbar.

 


 

Das medizinische Verfahren

Transidentität hat, festgeschrieben auch durch ein Grundsatzurteil des BGH, einen „Krankheitswert“. Daraus folgt, dass für Transidenten/ Transidentinnen die gleichen Spielregeln gelten wie für jeden anderen Patienten auch. Diese Feststellung gilt für den Patienten ebenso wie für den Arzt. Wenn eine der beiden Seiten oder auch beide glauben, dass dem nicht so sei, kommt es praktisch immer zu erheblichen Schwierigkeiten.

Der Arzt muss wissen: Es gibt das Krankheitsbild eines transsexuellen Syndroms
Der Transident/ die Transidentin muss wissen: Er/ sie ist Patient mit allen Rechten und Pflichten.

Wie geht ein Transident/ eine Transidentin nun vor?

1.       Er/ sie sucht den Arzt seines/ ihres Vertrauens auf. Es empfiehlt sich oft den Arzt zu wählen, den man schon seit Jahren kennt oder der die Familie kennt, weil er ihre Mitglieder seit Jahren behandelt. Wenn das Vertrauen zwischen Arzt und Patient erst aufgebaut werden muss, dann verzögert sich die erwünschte Hilfe automatisch.

2.       Er/ sie schildert diesem Arzt sein/ ihr Problem und eventuell daraus resultierende krankhafte Symptome. Diese Symptome müssen nicht in jedem Fall derzeit akut sein. Sie müssen auch nicht zwingend zu Behandlungen in früheren Zeiten geführt haben. Der Arzt hat auch die Pflicht und die Möglichkeiten präventiv zu arbeiten, also zur Vermeidung von krankhaften Einschränkungen.

3.       Der Arzt ist sach- und fachkundig oder er zieht einen Kollegen, der Erfahrung auf dem Gebiet hat, zu Rate. In diesem Fall überweist er seinen Patienten/ seine Patientin an den Kollegen mit dem Vermerk: mögliches Vorliegen eines transsexuellen Syndroms.

4.       Da die Diagnose eines „transsexuellen Syndroms“ dem Fachgebiet der medizinischen Psychotherapie zugeordnet ist, wird dieser Kollege auf diesem Gebiet tätig sein.

5.       Im Prinzip handelt jeder Arzt, der erst behandelt, und dann diagnostiziert, unverantwortlich. Trotzdem kann es, wie bei jeder anderen Krankheit, notwendig sein, eine Sofortbehandlung wegen offensichtlicher Beschwerden einzuleiten, um dadurch die Voraussetzungen für eine gesicherte Diagnose zu schaffen.

6.       Der für die Diagnose eingeschaltete Kollege gibt eine Behandlungsempfehlung an den überweisenden Arzt. Dies kann die Einleitung einer Psychotherapie wegen akuter Notwendigkeit sein (mit Angabe des Therapieansatzes), die Aufforderung nötige körperliche Untersuchungen durchzuführen oder Einleitung einer Hormonbehandlung.

7.       Der behandelnde Arzt ist entweder selbst in der Lage den Empfehlungen zu folgen oder er wird wieder die notwendigen Überweisungen durchführen, z.B. an den Endokrinologen zur Bestimmung des Hormonspiegels, den Urologen oder Gynäkologen zur Abklärung der körperlichen Situation, einen Psychotherapeuten zur Behandlung akuter Störungen.

8.       Durch die Überweisungen, aber auch durch die Vorlage der Versicherungskarte der Krankenkasse, ist die Kostenfrage geklärt. Der Patient hat damit nichts zu tun. Ist für eine Therapie ein Behandlungsschein erforderlich, so wird dieser vom Therapeuten vorgelegt, vom Patienten unterschrieben. Den Rest erledigt der Therapeut. Dies ist bei jeder anderen Krankheit genauso!

9.       Wenn ein Arzt oder eine Klinik darauf besteht, dass der Patient zunächst selbst eine Kostenzusage für die Behandlung bei der Krankenkasse einholt, handeln diese falsch. Der Sachbearbeiter kann nur Anträge genehmigen, die ausreichend, also medizinisch begründet sind. Diese Begründung kann aber nur der Arzt oder die Klinik liefern. (Dies schließt natürlich nicht aus, dass sich der Patient vom Sachbearbeiter der Kasse beraten lässt, oder mit diesem über die Probleme, die auf die Kasse zukommen, spricht.)

10.   Ist die Indikation zur Hormonbehandlung gestellt, so verschreibt der Arzt die Hormone. Der Patient bezieht sie aus der Apotheke und bezahlt, wie bei jedem anderen Medikament seinen Kostenanteil. Den Rest holt sich die Apotheke von der Krankenkasse.

11.   Kann der behandelnde Arzt die Hormonbehandlung nicht selbst durchführen, so überweist er wiederum an einen entsprechenden Kollegen. Dies kann ein Gynäkologe, ein Internist oder der Endokrinologe sein.

12.   Führt der vorhandene Bartwuchs/ die noch vorhandene Brust zu erheblichen seelischen Beeinträchtigungen oder ist zu erwarten, dass solche eintreten, oder sind diese unabdingbar um die soziale Rolle des anderen Geschlechtes zu leben, dann werden die entsprechenden Maßnahmen verschrieben. Der behandelnde Arzt überweise zu einem Hautarzt, der die Epilation durchführt oder im Delegationsverfahren von einer geeigneten Fachkraft durchführen lässt. Die Epilation, wenn sie medizinisch indiziert, also verschrieben ist, ist keine Kannleistung der Krankenkasse sondern eine Pflichtleistung. Wird sie von einem Arzt durchgeführt, der eine Kassenzulassung hat, so braucht der Patient auch keinen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Dies gilt auch dann, wenn es sich um eine Behandlung nach dem Rubin-Laser- oder Photodermverfahren handelt. Im Fall einer notwendigen Brustamputation überweist der Arzt in eine geeignete Klinik. Auch die Brustentfernung ist ein Pflichtleistung der Kasse, wenn sie indiziert, also verschrieben ist. Der Patient unterschreibt lediglich den Behandlungsschein der Klinik.

13.   Bei bestimmten Leistungen schaltet die Krankenkasse, entsprechend allgemeingültiger Vorschriften, den medizinischen Dienst ein. Dies ist keine Besonderheit, die nur für Transidenten gelten würde. Er kann der Kasse empfehlen, dass zusätzliche medizinische Stellungnahmen eingeholt werden wenn:

·      Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose bestehen.

·      Zweifel an der Richtigkeit oder Wirksamkeit verschriebener Behandlungen bestehen.

·      Zweifel an der Qualifikation des Arztes begründet sind.

Jede andere Einmischung des medizinischen Dienstes ist eine „Amtsanmaßung“. Kosten, die durch die Einholung einer medizinischen Stellungnahme entstehen muss in jedem Fall die Krankenkasse bezahlen.

Für den Patienten ist wichtig:

1.    Er kommt seiner Mitwirkungspflicht nach. Dies bedeutet weder, dass er vorgeschlagene Maßnahmen widerspruchslos hinnehmen muss, noch dass er kein Recht darauf hätte, selbst Maßnahmen, und die Reihenfolge in der sie ihm sinnvoll erscheinen, vorzuschlagen.

2.    Er pflegt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinem behandelnden Arzt, dem Arzt seines Vertrauens. Dieser muss kein Spezialist für Transidentität sein. Er muss den Patienten aber kennen, mit ihm über Sinn und Unsinn von Behandlungswünschen sprechen und ein hohes Maß an Bereitschaft zeigen, Transidentität als ein, wenn auch seltenes „Krankheitsbild“ anzuerkennen. Von Natur aus ist der Patient gesund. Seine besondere Art führt aber dazu, dass er „krank“ gemacht wird. Die Aufgabe des Arztes ist es seinen Patienten auf dem Weg in ein lebenswertes Leben zu begleiten.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen zu einer gewissen Entkrampfung der Lage beitragen, sowohl auf Seiten der Transidenten, als auch der Ärzte. Allen sei im Einzelfall geraten von den Möglichkeiten der persönlichen Beratung Gebrauch zu machen. Solche Beratungen sind beim Transidentitas e.V. ebenso möglich wie bei anderen Betreuungsvereinen wie VIVA in München, dem Sonntagsclub in Berlin, aber auch in Hamburg und Leipzig (wenn ich eine Möglichkeit vergessen habe, möge man mir dies verzeihen; es ist keine wertende Auswahl).

 


 

Grundsätzliches und Praktisches zum Thema Geschlechtsangleichung und Leistungspflicht der Kassen

1. Transsexualität ist keine Krankheit und kann auch nicht als solche anerkannt werden, laut BSG-Urteil zur RVO. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass oft statt von Krankheitswert die Verkürzung auf "Krankheit" als Wort gewählt wird.

2. Laut RVO und BSG kann Transsexualität einen Krankheitswert haben und damit die Leistungspflicht der Kassen begründen.

3. Die Leistungspflicht setzt voraus, dass eine Diagnose erstellt ist und eine Leistung indiziert, also verordnet wird (was für jede Krankheit und die sich daraus ergebenden Leistungen gilt, also nicht nur bei TS). Die Leistung kann im Sinne der RVO heilend für vorhandene Symptome wirkend sein oder präventiv gegen zu erwartende Symptome.

4. Bei gewissen verordneten Leistungen ist die Kasse verpflichtet, den medizinischen Dienst einzuschalten (nicht nur bei TS).

5. Der medizinische Dienst hat zu prüfen, ob aus medizinischer Sicht die Leistung notwendig ist, sinnvoll erscheint und der Leistungserbringer qualifiziert ist, bzw. eine anerkannte Methode verwendet. Bestehen an irgendeinem dieser Punkte Zweifel, dann hat der medizinische Dienst die Aufgabe, eine geeignete Empfehlung an die Krankenkasse abzugeben, damit diese Zweifel beseitigt werden können.

6. Einwendungen des medizinischen Dienstes hat die Kasse mit demjenigen zu klären, auf den sich diese Einwendungen beziehen (z.B. Diagnostiker, Behandler oder Patient). Eine generelle Abwälzung auf den Patienten, wie dies bei Transsexuellen häufig vorkommt, ist unzulässig. Wird von MDK eine zusätzliche fachärztliche Stellungnahme empfohlen, und zu diesem Zweck ein geeigneter Fachmann vorgeschlagen, dann darf dadurch die freie Arztwahl des Patienten nicht eingeschränkt werden. Der sogenannte Amtsarzt, den man früher in solchen Fällen aufsuchen musste, wurde per Gesetz abgeschafft. Diese Vorschriften gelten für alle Fälle und Patienten, nicht nur für Transsexuelle.

Soweit scheint zunächst alles klar zu sein. Leider weicht die Vorgehensweise der MDKs und Kassen oft von dieser - vom MDK als korrekt bestätigten - Verfahrensweise ab.. 
In den letzten sechs Monaten erreichten mich aber vermehrt diese und ähnliche Fragen:

1. Frage:

Der für mich zuständige MDK behauptet, dass für die Anerkennung von Transsexualität zwei Gutachten erforderlich seien. Was soll ich tun, denn meine Krankenkasse will nun die bereits seit über sechs Monaten verschriebenen Hormone und weitere Behandlungen nicht mehr bezahlen?

Antwort:

Die Fragestellung zeigt eindeutig, dass der zuständige MDK Gutachten von Sachverständigen mit der ärztlichen Stellungnahme und Diagnostik verwechselt. Bei der gerichtlichen Beantragung von Änderung des Vornamens und/oder des Personenstandes muss durch Gutachten festgestellt werden, ob der Antragsteller transsexuell ist. Dies bezieht sich aber ganz alleine auf das juristische Verfahren, nicht auf die Ansprüche gegenüber der Krankenkasse. Auch im Hinblick auf Behandlung und Leistungsanspruch irrt der MDK in mehrfacher Hinsicht, denn

1.   ist der Krankheitswert von Transsexualität sowohl durch die RVO als auch mehrere Grundsatzurteile bis hin zum BSG schon eindeutig definiert. Es braucht keine weiteren Definitionen des MDK.

2.   Der Leistungsanspruch des Patienten begründet sich ausschließlich auf der Diagnose "transsexuelles Syndrom" und der Indikation einer Behandlungsmaßnahme. Auch wenn das BSG-Urteil von 1987 Grundsatzwirkung hat, so ist es doch eine Einzelfallentscheidung. Daraus abzuleiten, eine Leistungsanspruch entstehe nur, wenn der "Fall" des Patienten buchstabengetreu ebenso behandelt wird, ist eindeutig falsch (siehe auch Frage 3). Auch die Berufung auf die sogenannten "Standards of Care" ist nicht richtig, da diese nur eine Behandlungsempfehlung sind. Eine Expertenempfehlung kann nicht durch den MDK in den Stand einer Vorschrift erhoben werden.

3.   Es ist unzulässig, eine bereits laufende Hormonbehandlung zu verweigern (entspricht der Verweigerung einer medizinischen Hilfeleistung). Außerdem hat der Arzt, und nicht der medizinische Dienst, die Entscheidung zu treffen und zu verantworten, ob Hormone verabreicht werden. Diese Behandlung ist nicht genehmigungspflichtig. Sie wird auf Kassenrezept verschrieben. So handelt auch ein Arzt, der einem Kassenpatienten die Hormone auf Privatrezept verschreibt, falsch.

4.   Es sind sowohl eine medizinische als auch eine psychiatrisch/neurologische Differenzialdiagnose notwendig, um das "transsexuelle Syndrom" zu diagnostizieren. Wenn der MDK diese Tatsache mit zwei Gutachten verwechselt, dann zeugt dies lediglich davon, dass er weder sein Amt versteht, noch die "Standards of Care", auf die er sich so gerne beruft, richtig gelesen oder verstanden hat.

5.   Hat der MDK Zweifel an der Kompetenz der diagnostizierenden und/oder behandelnden Ärzte, so hat er diese Zweifel mit den Ärzten zu klären, nicht mit dem Patienten. Der Fairness halber wird er den Patienten zwar darüber informieren, selbst aber alles tun, damit dem Patienten daraus weder zeitliche, noch psychische Probleme erwachsen. Kompetenzgerangel darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden und durch Erhöhung der indirekten Kosten den anderen Mitgliedern einer Krankenkasse aufgebürdet werden.

2. Frage:

Ich will die Änderung meiner Personalpapiere in einem Schritt machen, um mir zwei Gerichtsverfahren zu ersparen, also gleich den Antrag nach § 9 mit Vorabentscheidung stellen.

Die Krankenkasse teilte mir nun mit, dass der MDK erst dann einer Leistungspflicht der Kasse zustimmen würde, wenn die beiden Gerichtsgutachten vo rliegen. Was soll ich tun, da beißt sich doch "die Katze in den Schwanz"?

Antwort:

Der zuständige MDK vermischt hier, ebenso wie die neueste Ausgabe der "Standards of Care", in unzulässiger Weise das TSG mit dem Behandlungsanspruch. Ein parallel aufeinander abgestimmtes Konzept kann zwar im Einzelfall kostengünstig und nützlich sein, es aber zu generalisieren, oder gar den Eindruck einer Vorschrift zu erwecken, ist unzulässig.

Die Gutachten der Sachverständigen für das Gerichtsverfahren zur Änderung der Vornamen haben ausschließlich folgenden Sinn:

1.   Sie bestätigen, dass der Antragsteller sich dem anderen Geschlecht zugehörig empfindet und dieses Empfinden seit mindestens drei Jahren besteht.

2.   Der Antragsteller seinem Geschlechtsempfinden entsprechend leben möchte.

3.   Sich an diesem Empfinden, nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts ändern wird.

Auch wenn (Gerichts-)Gutachter gewisse diagnostische Angaben machen, oder Hinweise zu beabsicht igten oder laufenden Behandlungen, so dienen diese doch nur dazu dem Richter und dem Vertreter des öffentlichen Interesses den Sachverhalt verständlich zu machen. Die Sachverständigen haben nicht die Aufgabe eine Diagnose oder eine Indikation zu stellen. Würden sie dies tun, so würden sie auf Kosten des Antragstellers Leistungen erbringen, die in Wirklichkeit von der Krankenkasse zu bezahlen sind.

(Wenn der Diagnostiker und/oder behandelnde Arzt die Gutachten erstellt und dafür ein angemessenes Honorar vom Patienten verlangt, ist dies dagegen sinnvoll und für alle Seiten kostengünstig. Gerichtsgutachten sind aber weder inhaltlich noch rechtlich geeignet, einen Behandlungsanspruch zu rechtfertigen - dafür bedarf es der schon angesprochenen Differenzialdiagnosen.)

Die Forderung des MDK ist rechtlich unzulässig, die zuständige Krankenkasse sollte davon sofort in Kenntnis gesetzt werden.

3. Frage:

Seit ich innerlich weiß, dass ich transsexuell bin und darüber mit meinem Hausarzt gesprochen habe, geht es mir wieder sehr gut. Ich kann meiner Arbeit wieder konzentriert nachgehen. Die Krankenkasse hat mir nun eine Zusammenfassung eines BSG-Urteils, die der zuständige MDK ihr zur Verfügung gestellt hat, übergeben. Ich bin dadurch wieder so verunsichert, dass ich Angstzustände und Schweißausbrüche habe. Was soll ich tun?

Antwort:

Bei dem angesprochenen BSG-Urteil kann es sich meines Erachtens nur um das Urteil des 3. Senates vom 6. Aug. 1887 handeln (Az.: 3 RK 15/86). Das Schreiben des MDK ist die persönliche Interpretation eines selbst ernannten "Experten" des MDK. Es handelt sich nicht um den Text, der in der Sammlung von Grundsatzurteilen für Juristen veröffentlicht wurde – dort steht nämlich ohne Wertung der allgemeinverbindliche Auszug aus dem Einzelfall, aus dem sich die Grundsätzlichkeit dieses Urteils ableitet. Nicht nur ich halten es für sehr bedenklich, wenn ein Mediziner seine eigene Interpretation über die Aussageabsicht eines im Juristendeutsch abgefassten Urteils verfasst, und dabei glaubt, die Teile aus dem Urteil heraus picken zu können, die für alle Transsexuellen zutreffend seien. Die Tatsache, dass der Autor dieser "Zusammenfassung" glaubt, auch noch Dingen hineinschreiben zu müssen, mit denen sich das Gericht gar nicht beschäftigt hat, damit aber den Eindruck erweckt, dies sei so entschieden, muss als anmaßend bezeichnet werden. Über das Motiv eines solchen Vorgehens will ich hier nicht spekulieren.

Für Experten der Sozialgesetzgebung wurden in der einschlägigen Sammlung von Leitsätzen folgende Texte zu obigem Urteil veröffentlicht:

Kostenübernahme einer geschlechtsumwandelnden Operation - Krankheitsbegriff

1.   Der Krankheitsbegriff umfasst nicht nur einen regelwidrigen, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichenden Körper - oder Geisteszustand, sondern darüber hinaus auch einen Leidensdruck, durch den sich die Regelwidrigkeit erst zur eigentlichen Krankheit i.S. von § 182 Abs. 2, § 184 Abs. 1 RVO qualifiziert.

2.   Eine Linderung des krankhaften Leidensdruckes durch eine geschlechtsumwandelnde Operation reicht als anspruchsbegründender Umstand in dem Sinne aus, als diese Operation nicht eine Heilung erwarten lassen braucht.

3.   Ist der Nachweis der Zweckmäßigkeit einer ärztlichen Behandlung im Einzelfall erbracht, dann ist diese Leistung selbst dann zu erbringen, wenn ihre Zweckmäßigkeit nicht allgemein anerkannt ist (vgl. BSG vom 22.7.1981 3 RK 50/79 = BSGE 52, 70, 74).

Meine Empfehlung auf die gestellte Frage kann nur lauten: Legt dieses Schreiben dem Leiter der zuständigen Krankenkasse vor. Im Sinne einer guten Gesundheitsfürsorge wird der zuständige juristische Dienst der Kasse in wenigen Tagen ermittelt haben, wie korrekt die Aussagen des MDK sind.

4. Frage:

Im Oktober 1998 habe ich eine mehrjährige Psychotherapie abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass eine der wesentlichen Ursachen meiner Probleme in der bisher von mir selbst unterdrückten Transsexualität liegt. Ich habe anschließend meine soziale Rolle als Mann angenommen, mit fachkundig beraten lassen und mich wegen der erforderlichen Differenzialdiagnosen im Behandlung begeben. Die Ergebnisse dieser Diagnosen liegen nun vor, die Indikation zur Mastektomie ist erstellt, der OP-Termin, noch vor der Arbeitsaufnahme nach dem Studium, liegt fest. Nun teilt mir die Krankenkasse mit, dass die Kostenübernahme nicht gegeben werden kann weil:

"... die ambulante Psychotherapie als Alltagstest mindestens über 1 1/2 Jahre durchgeführt werden muss. Vorher kann keine Indikation zu einer operativen Maßnahme gestellt werden."

Was soll ich tun? Auf Grund meiner Oberweite muss ich an meinem zukünftigen Arbeitsplatz mit Diskriminierung rechnen. Möglicherweise bekomme ich ihn gar nicht, weil ich mich ja dem Arbeitgeber gegenüber Outen muss und er sofort Angst hat, "weil Transsexuelle ja doch immer durch Krankheit ausfallen", so jedenfalls die landläufige Meinung.

Antwort:

Die Aussage der Krankenkasse sind völlig unhaltbar. Sollte diese Aussage auf der Stellungnahme des MDK beruhen, dann hat dieser hier eine Falschaussage gemacht.

1.   Eine Psychotherapie als Alltagstest gibt es nicht. Diese Aussage der Kasse ist unsinnig.

2.   Für die Indikation zu einer bestimmten Behandlungsmaßnahme ist nicht eine Therapie erforderlich, sondern eine Diagnose. Wie lange es dauert, bis eine Diagnose gestellt ist, hängt von den persönlichen Verhältnissen und der Fähigkeit des Arztes/der Ärzte ab, nicht von irgend welchen formalen Vorgaben.

3.   Ein Alltagstest ist zweckmäßig, ebenso wie eine begleitende Therapie. Vorschriften wie ein Alltagstest abzulaufen hat, oder wie lange ein Alltagstest oder eine Therapie dauern müssen sind jedoch glatter Unsinn, deshalb existieren auch keine solchen Vorschriften. Die Tatsache, dass "Experten" und Mitarbeiter des MDK oder der Krankenkassen es immer wieder behaupten, mag zwar den Eindruck erwecken,, als ob es solche Vorschriften gäbe, aber auch dadurch werden diese Vorschriften nicht zur Tatsache..

Ich hoffe, dass ich damit die wichtigsten Anfrage nicht nur beantwortet habe, sondern auch für Patienten und die zuständigen Krankenkassen die nötigen Argumentationshilfen liefern konnte.

 


 

Aktuelle Problem bei der medizinischen Behandlung

Probleme bei der Durchführung der Epilationsbehandlung

Selbst wenn ein Arzt die Epilationsbehandlung als notwendige Heilmaßnahme indiziert hat, kommt es derzeit oft zu erheblichen Problemen mit der Bewilligung der Kosten durch die Krankenkassen. Dies hat mehrere Gründe:

Die Nadelepilation ist durch die Praxis, nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen, als wirksame Maßnahme anerkannt. Sie ist jedoch sehr zeitaufwendig und damit teilweise sozial schädlich, und außerdem sehr teuer (ca. 3 Jahre Behandlungszeit, Kosten: DM 35.000 - 60.000, nur für den Bart).

Flächig wirkende Maßnahmen sind in ihrer Wirksamkeit umstritten. Photoderm und Rubinlaser zeigen bei Patientinnen sehr verschiedene Ergebnisse von gut bis wirkungslos. Die LPIR-Methode macht zur Zeit „Furore“. Einige Anwender dieser Methode geben eine schriftliche Garantie, dass dunkle Haare nach Abschluss der Behandlung nicht wieder wachsen, sowie einen Festpreis. Die Garantie gilt für 1 Jahr. Jeder Dermatologe und jede Kosmetikerin wird bestätigen, dass ein Haar das nach einem Jahr nicht wieder wächst auch danach nicht mehr wachsen kann. Die Behandlungskosten für den Bart liegen bei LPIR zwischen DM 5.000 und 8.000, also weniger als 20% der Nadelepilation.

Welche praktischen Auswirkungen hat diese Situation?

Jeder Kostenvoranschlag, den die Patientin einholt, sollte eine schriftliche Erfolgsgarantie beinhalten und den Endpreis für die gesamte Behandlung. Ist ein Anbieter dazu nicht bereit, so sollte sich die Patientin schriftlich bestätigen lassen, dass der Anbieter dazu nicht bereit ist. Dies könnte z.B. in folgender vorbereiteten Form geschehen:

Bestätigung

zur Vorlage bei der Krankenkasse/privaten Krankenversicherung

Frau ................................................

Vers.Nr.: .................................

hatte heute bei mir einen Vorstellungstermin zur Erstellung eines Kostenvoranschlages für die anstehende Epilationsbehandlung. Dem Anliegen der Patientin ihr zu bestätigen, dass keine kostenpflichtigen Nachbehandlungen erforderlich sind und auch keine Kosten durch Nebenwirkungen oder Folgeschäden anfallen werden kann ich nicht nachkommen. Ich kann auch keine Erfolgsgarantie für mindestens 1 Jahr bescheinigen.

.......................... , ....................................................................................................

(Ort)                (Datum)                                   (Unterschrift und Arztstempel)

 

 



Hormone

Aktueller Hinweis zu Verschreibung und Beschaffung

 

In der letzten Zeit, vor allem seit dem 1. Juli 1997 und seit Proginon Depot 100 vom Markt genommen wurde, häufen sich wieder die Anfragen über die Verschreibung und Beschaffung von Hormonen für Transgender, vor allem Transfrauen.

Dazu folgendes:

Hormone zur gegengeschlechtlichen Behandlung von Transfrauen und Transmännern (med. Bezeichnung Transsexuellen) dürfen selbstverständlich verschrieben werden. Dies gilt sowohl für die Weiterbehandlung von Patienten, als auch für Neueinsteiger. Einzig und allein der Arzt trägt dafür die Verantwortung und trifft im Zusammenwirken mit der Patientin dafür die Entscheidung.

Der Arzt stellt ein normales Kassenrezept aus. Die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten im gesetzlichen Rahmen, bei Befreiung von der Zuzahlung vollständig. Privatrezepte sind nur bei Privatpatienten auszustellen. Diese erhalten dann die Kosten entsprechend ihres Versicherungsvertrages erstattet.

Für das nicht mehr erhältliche Proginon Depot 100 kann auf das wesentlich teurere Medikament Estradurin 80 umgestiegen werden. Die Behauptung mancher Ärzte, sie würden im Sinne der Bugdedierung zum Regress herangezogen, weil das Medikament sehr teuer ist, sind eindeutig falsch. Natürlich gibt es auch andere Alternativen (siehe Brief der Firma Schering).

 


 

Hinweis zur Verabreichung von Androcur:

Immer wieder erfahre ich in der Beratung, dass sehr hohe Dosen von Androcur verabreicht werden, um die Behandlung von Transfrauen zu unterstützen. Androcur kann lediglich in der Anfangsphase zur Dämpfung der triebhaften Erektion beitragen, es hat keinen dauerhaften Einfluss darauf. Gerade bei der Behandlung mit einem Depotpräparat, sollte es baldigst reduziert und abgesetzt werden.

 


 

SCHERING

Herrn                                                                                      Schering Deutschland GmbH

Dr. med. ...

50xxx Köln

Progynon‑Depot‑100

Alternativen

Sehr geehrter Herr Dr. ...,

eine Ihrer Patientinnen hat uns darum gebeten, Ihnen Literatur über Behandlungsmöglichkeiten von Transsexuellen zur Verfügung zu stellen.

Das Präparat Progynon‑Depot‑100, das, für die Behandlung des inoperablen Prostatakarzinoms zugelassen war, ist nicht mehr im Handel. In dieser Indikation sind Östrogene nicht mehr Mittel der Wahl.

Zur Ausbildung oder Akzentuierung weiblicher Körperformen werden seit langem Östrogene angewendet. Aus der klinischen Anwendung relativ hoher Ostrogendosen über lange Zeiträume bei Männern mit Prostatakarzinom ist der feminisierende Einfluss einschließlich der in diesen Fällen unerwünschten Gynäkomastie bekannt. Libido‑ und Potenzverlust gehören ebenfalls zu den in dieser Indikation unerwünschten Wirkungen. Bei Transsexuellen kann das in gewissen Behandlungsweisen günstig sein. Individuelle Reaktionsunterschiede, besonders im Hinblick auf die Libido, sind recht groß. Aus den Erfahrungen beim Prostatakarzinom sind auch die kardiovaskulären Risiken einer langdauernden hochdosierten Östrogenbehandlung bekannt.

Eine feminisierende Wirkung kann bei Transsexuellen auch erzielt werden durch die Kombination von Östrogenen mit dem antiandrogen wirksamen Cyproteronracetat.

In der Literatur finden sich unterschiedliche Dosierungsangaben. In einer Arbeit von Jequier und Mitarbeitern werden gute Erfahrungen beschrieben mit der kombinierten Anwendung von Cyproteronacetat 'und Ethinylestradiol. Hierbei behandelt diese Arbeitsgruppe mit täglich 2 x 50 mg Cyproteronacetat in Kombination mit täglich 50 bis 100 Ng Ethinylestradiol. Diese Therapie wird präoperativ verabreicht. Nach König und Mitarbeitern ist die bislang nötige Therapie für Männer 3 x täglich 0,05 mg Ethinylestradiol (Progynon C: 0,02 mg pro Tablette) kombiniert mit 2 x 50 mg Cyproteronacetat.

Einige Autoren vertreten den Standpunkt, dass bei besonders stark behaarten, biologisch männlichen Patienten ausnahmsweise eine Behandlung mit 25 mg Cyproteronacetat täglich (1/2 Tablette) erwogen werden kann. Die Hormone können oral, intramuskulär oder transdermal verabreicht werden, z. B. mit Estradiolvalerat 10 mg als Depot zweiwöchentlich zwei Ampullen, 8 mg Estradiol oral oder Estraderm 100 zweimal wöchentlich. Wie aus der Publikation von Eicher (1995) hervorgeht, ist auch die subkutane Implantation von Estradiol möglich.

Die präoperativ begonnene Behandlung wird nach der Geschlechtsumwandlung lebenslang fortgesetzt, die Dosis kann, sofern sie sehr hoch gewählt wurde, im Laufe der Zeit reduziert werden:

Wir möchten abschließend darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Hormonpräparate bei der obigen Indikation nicht klinisch geprüft haben und daher in unseren Druckschriften keine Dosierungsempfehlung angegeben ist. Transsexualismus ist keine vom BfArM zugelassene Indikation.

Mit freundlichen Grüßen

Schering Deutschland GmbH

i.V.                 i.A.

Dr. R. Turck  H.Petschick, Ärztin

 


 

Männliche Sexualhormone

Deutsche Gesellschaft für Transidentität u. Intersexualität e.V.

Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz

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1. Natürliche männliche Sexualhormone:

Dies sind im wesentlichen die sogenannten " natürlichen Androgene ", oder C19- Steroide genannt.

Das wichtigste aus dieser Reihe ist das in den "Leydigschen Zwischenzellen" gebildete Testosteron. Dieses wird in einigen der Erfolgsorgane, also Organen wo das Testosteron Wirkungen zeigt, in sogenanntes 5a-Dihydrotestosteron umgewandelt. Diese Organe sind z.B. die äußeren Genitale, die Prostata und die talgbildenden Sebozyten.

5a-Dihydrotestosteron besitzt eine wesentlich höhere Affinität ("Anbindungsfreundlichkeit") zum Androgenrezeptor als Testosteron. D.h. im wesentlichen, das 5a-Dihydrotestosteron, gegenüber Testosteron das wirksamere Androgen ist. lm männlichen Körper werden noch andere Androgene gebildet, wie z. B. Dehydroepiandrosteron. Als Hauptbildungsort wären hier die Nebennierenrinden zu nennen. Sie besitzen jedoch eine physiologisch untergeordnete Bedeutung und werden hier nicht weiter behandelt.

1.1) Herstellung der Androgene im Körper ( Biosynthese)

Androgene werden aus Cholesterol über Pregnenolon gebildet. Eine wichtige Eigenschaft der Entwicklungsreihe ist hierbei ist, dass wie Testosteron auch Androstandion in 5a-Dihydrotestosteron metabolisiert ("umgewandelt") werden kann ( siehe Abb. 1).

BILD BIOSYNTHESE ANDROGENE Abb.1)

Es werden im erwachsenen männlichen Körper täglich ca. 7 mg Testosteron gebildet.

1.2) Wege der Androgene im Körper ( Kinetik)

Das im Körper gebildete Testosteron hat eine Plasmahalbwertzeit von etwa 10 Minuten. Es ist hier zu 98% an das sogenannte SHGB gebunden. Der hauptsächliche Abbau findet in der Leber statt. Zu einem kleinen Teil werden, auch im männlichen Körper, Androgene in Östrogene umgebaut. Aufgrund des sogenannten First-Pass-Effektes (Übergang aus den Verdauungsorganen ins Blut) ist Testosteron weitestgehend bei oraler Applikation (durch Aufnahme über den Mund) unwirksam.

1.3) Androgene Präparate

Man hat um die Verweildauer im Körper zu erhöhen bzw. um die Wirksamkeit bei oraler Gabe zu steigern an verschiedenen Androgenen chemische Veränderungen vorgenommen. Ähnlich wie dies bei den weiblichen Sexualhormonen ebenfalls vorgenommen wurde. Man sollte hierbei aber beachten, dass die angegebenen Dosierungen (siehe Tab.1) nichts über die optimale Wirksamkeit aussagen. Diese Anhalte sind individuell auch verschieden.

Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Auch Hormone sind gefährlich!

Tab.1

Internationaler
Freiname

Handelspräparat

Dosierung

Testosteronpropionat

Testoviron

Intramuskuläre Injektion von 240mg alle 2-4 Woche

Testosteronundecanonat

Andriol

40-120mg pro Tag per oral jedoch nach einer 
Initialphase von 2-3 Wochen mit 120-160 mg pro Tag

Mesterolon

Proviron 
Vistimon

25-50mg pro Tag 
per oral Initialphase 75 mg/Tag individuell verschieden

 

1.4) Androgenwirkungen des Testosteons bzw. 5a-Dihydrotestosteron

- Förderung Entwicklung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale

- Erhöhung der Libido

- Mitbestimmend für die psychischen Verhaltensmuster des Mannes

- Steigerung des Eiweißaufbaues (anabole Wirkung)

- Talgproduktion wird verstärkt (u.U. Akne)

- u.U. Haarverlust (androgenetische Alopezie)

- Abschluss des Längenwachstums der Knochen (ausgangs der Pubertät)

- Stimmbruch

1.5) Andere Wirkungen der Androgene

Atrophie (Verkleinerung ) der männlichen wie weiblichen Keimdrüsen

Retentionen (Zurückhaltung) von:

Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Phosphat-, Chlorid-Ionen und Wasser

Die o.a. beschriebenen Retentionen treten insbesondere bei Langzeittherapien mit hohen Androgendosen auf.

Des Weiteren ist zu bemerken, dass die blutgerinnungshemmende Wirkung von Cumarin-Derivaten deutlich

durch Androgene verstärkt wird.

2. Anabolika

Anabolika sind Stoffe die durch chemische Veränderung des Testosteronmoleküls hergestellt werden. Dabei wurde versucht die anabolen (Eiweißaufbau fördernd) Effekte des Testosterons zu verstärken, und die androgenen Wirkungen zu verringern. Dies gelang jedoch nicht vollständig.

Da dies nicht vollständig gelang sind die Wirkungen und "Anderen Wirkungen" weitestgehend mit denen der Androgene identisch. Sie führen jedoch, infolge der positiven Eiweißbilanz, zu einer deutlicheren Vermehrung der Muskelmasse gegenüber den Androgenen. Sie werden deshalb häufig von Leistungssportlern eingesetzt.

Die in der nachfolgenden Tabelle angegebenen Dosierungen sind immer individuell zu betrachten, ein Missbrauch hat immer negative Folgen, die den eigentlichen Absichten zuwider laufen können.

Es ist in jedem Fall ein Arzt mit der Behandlung zu betrauen. Anabolika sind gefährlich!

Tab. 2)

Internationaler Freiname

Handelspräparat

Dosierung

Metenolonacetat

Primobolan S

2-3 mg pro kg Körpergewicht täglich p.o.

Clostebolacetat

Megagdsevit mono

40 mg i.m. 2mal wöchentlich während 3 Wochen

Nadrolondecanonat

Deca-Durabolin

25-50 mg i.m. alle 3-4 Wochen

3. Hinweise für "Frau zu Mann-Menschen" - TransMänner

Die durch androgene Produkte hervorgerufenen psychischen Veränderungen können äußerst deutlich sein. Sie sind gegenüber den Wesensveränderungen bei Ostrogensubstitutionen von MzF erheblich intensiver und beeinflussen Ihre Umgebung dementsprechend mehr. Beachten Sie hierbei insbesondere Ihr Aggressionspotential! Nicht jede Ablehnung Ihrer Person, liegt in der Offenbarung der Absicht Ihre geschlechtliche Rolle wechseln zu wollen. Häufig sind es die mit der Verabreichung von Androgenen einhergehenden Wesenveränderungen die ursächlich Probleme mit sich bringen und weniger Ihre Absichten. Beobachten Sie sich sehr genau selbst und nehmen Sie bewusst Ihre Persönlichkeit etwas zurück. Auch geborene Männer haben dies in Ihrer Jugend lernen müssen!

Auch sollten Sie berücksichtigen, dass viele der physiologischen Veränderungen Ihres Körpers, die mit der Androgensubstitution einhergehen, irreversibel sind. Insbesondere Stimmbruch, Vergrößerung des Kehlkopfes, das typisch männliche Haarverteilungsbild u.a.m.. sind nach ihrem Eintritt nicht mehr von selbst rückläufig. Auch dann nicht, wenn wieder weibliche Hormone verabreicht werden!

Sie sollten wissen, dass der Satz "Viel nützt viel" in der Anwendung von Medikamenten meist nicht stimmt!

Einer der elementaren Grundsätze der Biochemie, das Amdt-Schulz-Gesetz, lautet:

Schwache Reize fördern, starke hemmen und stärkste lähmen die Lebenstätigkeit,

Achten Sie auf Schmerzen im Rücken, in der Gegend wo die Wirbelsäule das Becken berührt, und auf Schmerzen, insbesondere unterschwellige, im Rücken dort wo die letzten Rippen sind. Diese Schmerzen könnten mit Ihrer kontrageschlechtlichen Hormonbehandlung zusammen hängen. Tasten Sie auch ab und an Ihre Leber ab, ob diese vielleicht vergrößert ist.

Ständiger Durchfall allein, unter Umständen verbunden mit krampfartigen Schmerzen unterhalb des Bauchnabels, ist in jedem Fall ein Grund Ihren Arzt aufzusuchen. Hierbei sollten Sie bzw. Ihr Arzt dem Mineralstoffhaushalt, besondere Aufmerksamkeit widmen.

Bedenken Sie: "Sie greifen in ein sich weitestgehend selbstregulierendes System, Ihren Körper ein. In bestimmten Toleranzgrenzen verkraftet dieser das, aber dann nicht mehr, wenn Sie diese Grenzen überschreiten."

Nun noch ein Wort zu verschiedenen auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Hormon-Präparaten:

Diese häufig aus den Ostblock stammenden Präparate enthalten meist aus Hirnen von Leichen gewonnene Hormone, oder sind teilweise sogar mit gefährlichen Substanzen verschnitten. Es ist über diese Produkte bekannt, dass Sie mit Prionen kontaminiert sind. Diese "Verunreinigungen" können, die sogenannte Kreuzfeld-Jakob-Krankheit, Hepatitis und andere lebensgefährliche Erkrankungen auslösen.

Substanzen unbekannter Ursprungs gehören nicht in Ihren Körper, auch wenn diese Ihnen von "guten Bekannten" angeboten werden. Nur Ärzte und Apotheken garantieren Ihnen einwandfreie Medikamente!

Schlussbemerkung:

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgeänderte Version eines Textes zu einer umfassenden Ärzteinformation der dgti. Dieser Text ist lediglich eine Information die bestimmte Verhältnisse für Betroffene darstellen soll. Sie ist in keinem Falle als eine Rezeptur oder Gebrauchsanweisung zur Selbstmedikation zu verstehen.

Dieser Text unterliegt dem Copyright ®1997 der dgti und wurde verfasst von J.CI.Clüsserath. Nachdruck oder Vervielfältigung jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung der dgti sowie der Autorin (dies gilt nicht bei vollständiger und unveränderter Kopie des gesamten Heftes).

 


 

Weibliche Sexualhormone

Deutsche Gesellschaft für Transidentität u. Intersexualität

Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz

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1. Natürliche weibliche Sexualhormone

Die im Körper der erwachsenen Frau im wesentlichen beteiligten Hormone lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Dies sind in erster Linie die Gruppe der Östrogene und in zweiter Linie die Gruppe der Gestagene. Hierbei spielen die Östrogene die wesentlichere Rolle für die Ausbildung der typisch weiblichen Körperformen. Ein erheblicher Teil dieser Körperform wird durch die subkutane (unter der Haut liegende) Verteilung des Körperfettes erzeugt: Der Aufbau die Fettdepots wird durch den Einfluss und Eigenschaft der Gestagene unterstützt. Der übrige Teil wird durch die Skelettausbildung während der Wachstumsphase unter Einfluss der Geschlechtshormone bestimmt.

2. Östrogene

2.1. Die Gruppe der natürlichen Östrogene

Die im Körper auf natürlichen Wege gebildeten Östrogene umfassen im wesentlichen 3 Substanzen. Dies sind: Östradiol, Östriol, Östron; Die Östrogene werden im weiblichen Körper hauptsächlich in den sogenannten Follikelepithelen gebildet. Andere Bildungsorte, welche es auch im männlichen Körper gibt, sind hierbei von untergeordneter Bedeutung. Diese Bildungsorte erlangen nur bei Erkrankungen Bedeutung. Sie gehören chemisch zur Gruppe der Steroidhormone und besitzen dementsprechend auch eine leichte steroide Wirkung. Es gelang erstmals 1929 Östron in reiner kristalliner Form zu isolieren.

2.2. Wirkungen der Östrogene

Die hauptsächliche Wirkung der Östrogene ist die Förderung des Wachstums der Geschlechtsorgane. Das wichtigste Hormon dieser Gruppe ist dabei das Östradiol. Eine weitere Wirkung ist die Ausbildung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale (i.B. die weibliche Brust). Die Gruppe der Östrogene besitzt, wie schon zuvor erwähnt, aufgrund des Steroidgerüstes eine schwache anabole Wirkung und bewirken die Vergrößerung der subkutanen Fettdepots. Die Anwesenheit der Östrogene im Körper erhöht die Konzentration der HDL (High-Density-Lipoproteine), die der LDL (Low-Density-Lipoproteine) und des Plasmacholesterols wird verringert. Östrogene verringern auch die Talgproduktion und hemmen das Wachstum der Talgdrüsen. Die Bildung der Endometriumsdrüsen sowie der Aufbau der Uterusschleimhaut ist ebenfalls auf den Einfluss der Östrogene zurück zu führen.

Eine weitere wichtige Funktion die auf Östrogene zurückzuführen ist die Beendigung des Längenwachstums der Knochen während der Pubertät. Dies wird durch den Schluss der Epiphysenfugen im Knochen bewirkt. Östrogene steigern die Calciumresorption (Calciumaufnahme) und beschleunigen bzw. steigern die Einlagerung von Calcium in den Knochen. Der Calcium-antagonistische- (dem Calcium entgegenwirkend) Effekt sowie den

direkten Gefäßangriff wird der periphere Gefäßwiderstand insbesondere der kleinen Gefäße verringert.

In der Leber bewirken sie eine Steigerung der Synthese der für den Transport der Östrogene an die Erfolgsorgane erforderlichen Transportproteine. Durch die Initiierung der vermehrten Bildung von SHGB (Sexualhormonbindendes-Globulin) sowie von Transcortin wird die akute Wirkung der vorhandenen Androgene und Glucocorticoide verringert. Ein weiterer Effekt, der insbesondere bei höheren Dosen auftritt, ist die Rentention von Natriumchlorid und Wasser. Die gesteigerte Bildung von Gerinnungsfaktoren sowie der 5-HT-Rezeptoren sind kennzeichnend für die Wirkung der Östrogene. Einen Einfluss auf das Sexualverhalten der Frau scheinen die Östrogene kaum zu haben. Er ist in jedem Falle geringer, als der Einfluss den Testosterone auf das Sexualverhalten des Mannes ausüben. Dieser Einfluss ist aber nicht zu verwechseln mit dem Einfluss der Östrogene auf das allgemeine und umfassende psychische Befinden. Berücksichtigung sollte dieser Umstand insbesondere bei der Behandlung von "Mann zu Frau Menschen" ( MzF transsexuelle Menschen - TransFrauen) finden, da er wesentlich auch für die Gestaltung der psychologischen Behandlung sein sollte.

2.3. Zusätzliche andere Wirkungen

Da Östrogene an vielen Stellendes Körpers eine bedeutende Rolle spielen, besitzen sie auch viele Wirkungen die z.T. weiter oben schon beschrieben wurden. Diese sind in fast allen Fällen von Dosis, Dauer, Medikament, Körper und körperlichem Zustand des Patienten abhängig.

Eine zusätzliche Applikation von Östrogenen bedarf immer einer Überwachung durch einen erfahrenen Arzt. Die verwendeten Medikament sollten, um jede Risikoerhöhung auszus < script src="/plugins/editors/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> c halten, nur aus Apotheken oder aus den Beständen des behandelnden Arztes stammen.

Zu den sogenannten Nebenwirkungen gehören:

- Erhöhung des Thromboembolie-Risikos (das Auftreten von Phlebitiden, entzündliche Erscheinungen an Venen). Bei erhöhter Thrombosegefahr sind Östrogene abzusetzen.)

- Atrophie (Verkleinerung) der männlichen wie weiblichen Keimdrüsen durch Hemmung der Gonadotropinausschüttung.

- Spannungsgefühle in den Brüsten

- Gewichtszunahme

- Übelkeit

- Natrium- und Wasserretention und in deren Folge Ödembildung

- Hyperpigmentierung der Haut

Östrogene sind in jedem Falle contraindiziert bei:

- Mammitumoren

- < script src="/plugins/editors/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> Leberfunktionsstörungen

- thromboembolische Erkrankungen

- Sichelzellenanämie

- Hyperbilirubinämie

Zum Abschluss dieses Absatzes sei noch erwähnt, dass alle pflanzlichen Alkaloide, Mutterkornalkaloide, Barbiturate und Carbamazepin die Wirkung von Östrogenen eingeschränkt wird.

2.4. Herstellung der Östrogene im Körper ( Biosynthese )

Testosteron und Androstandion sind Androgene, d.h. sie sind den männlichen Hormonen zu zuordnen. Sie sind von ihrer Bedeutung im weiblichen Körper aber auch die Vorstufensubstanzen für die Bildung der Östrogene. Aus ihnen werden in den Follikelepithelen die Östrogene synthetisiert ( hergestellt ). Sie werden auch,

insbesondere in der Menopause, in der Nebennierenrinde synthetisiert. Dort wird Dehydroepiandrosteron als Basis umgewandelt. Im Organismus gebärfähiger Frauen beträgt die Östrogensekretion 25-100 µg welche mit Eintritt des Klimakteriums auf 5-10 µg täglich sinkt.

Bei der Betrachtung der vorgenannten Werte ist zu beachten, dass es sich bei dieser Angabe nicht um einen absoluten Wert im Sinne der Laborwerte, bei denen eine augenblickliche Konzentration gemessen wird, handelt.

2.5. Weg der Östrogene im Körper ( Kinetik )

Die Lebensdauer der Östrogen-Moleküle ist mit ca. 50 Minuten Halbwertzeit recht kurz. Dies liegt daran, das der Metabolismus der auf die Östrogene, insbesondere Östron und Östradiol einwirkt, sehr vielfältig ist. Noch vielfältiger sind diese Einflüsse bei oraler Applikation. Dies alles geschieht insbesondere in der Leber. Hier liegt, z.B. bei oral appliziertem Östradiol, der First-Pass-Effekt bei über 90%. Lediglich Östriol ist noch therapeutisch nutzbar. Man hat, um die allgemeine Wirksamkeit der Östrogene zu erhöhen, diese chemisch verändert.

2.6. Östrogene Präparate

Da natürliche, unveränderte Östrogene, mit Ausnahme des Östriols, kaum therapeutisch genutzt werden können, werden sie chemisch verändert und sind somit teilsynthetisch. Ergänzend hierzu, hat man im Verlaufe der Forschung auch totalsynthetisch gewonnene Substanzen geschaffen, die weitestgehend Wirkungen besitzen, die denen der natürlichen Östrogene entsprechen. Außerdem gibt es noch Wirkstoffe die erst im Körper zum gewünschten Wirkstoff biotransformiert werden. Dies sind die sogenannten Prodrugs. Je nach Wirkstoff erfolgt die Gabe oral, transdermal oder intramuskulär. Demzufolge kann man also fünf große Wirkstoffgruppen bei den therapeutisch genutzten Östrogenen unterscheiden:

Wirkstoff

Östriol

Medikament

Oekolp, Ortho-Gynest, Ovestin;

Medikamente mit totalsynthetisch gewonnen Östrogenen als Wirkstoff:

Wirkstoff

Diethylstilbestrol, Diethylstilbestrol-Diphosphat, Chlorotrianisen;

Medikament

Fosfestrol, Honvan, Merbentul;

Medikamente mit teilsynthetisch gewonnen Östrogenen als Wirkstoff:

Wirkstoff

Ethinylestradiol, Estradiolvalerat, Estramustin

Medikament

Progynon C, Progynon Depot, Progynova, Estraderm TTS,

Medikamente mit konjugierten Östrogenen als Wirkstoff:.

Wirkstoff

Ethinylestradiol, Estradiolvalerat, Estramustin

Medikament

Climarest z.B. 1,25 mg,

Medikament mit Östrogenen als Prodrugs:

Wirkstoff

Mestranol;

Medikament

Ovosiston, Ortho-Novum 1/50;

3. Gestagene

Gestagene Wirkungen im Körper sind im wesentlichen auf Progesteron zurückzuführen. Es ist mit den Nebennierenrindenhormonen chemisch nahe verwandt. Das "Corpus-luteum" oder Gelbkörperhormon wird hauptsächlich im Corpus-luteum des Ovars gebildet. Andere Bildungsorte sind die Plazenta, die Nebennierenrinden und die Testes. Es nimmt als Zwischenprodukt der Synthese von Androgenen und Östrogenen eine zentrale Rolle ein.

Die wesentlichen Progesteron- oder Gestageneffekte sind:

- Hemmung der LH

- Ausschüttung der Hypophyse

- Förderung der Drüsenbildung der Brüste

- Erhöhung der Ventilation( häufigeres Ein- und Ausatmen)

- katabole Wirkung

Progesteron ist nur kurz wirksam und hat eine biologische Halbwertzeit von ca. 20 Minuten. Um länger und oral wirksame Gestagene zu erhalten hat man diese chemisch verändert.

Bei der Applikation dieser Hormone ist zu berücksichtigen, dass diese, je nach Wirksubstanz des Präparates, östrogene oder androgene "Zusatzwirkungen" zeigen können. Gestagene sind grundsätzlich contraindiziert bei Leberschäden, Hyperbilirubinämie und thromboembolischen Erkrankungen.

4. Antiandrogene

Dies sind Antagonisten (Gegenspieler) der männlichen Sexualhormone. Sie blockieren die Wirkung dieser über die Blockade der zugehörigen Rezeptoren. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind wohl Cyproteronacetat (Androcur) sowie Flutamid (Fugerel).

Als häufigste Nebenwirkungen wären zu nennen:

- Gynäkomastie

- kardiovaskuläre Störungen

- Übel- und Appetitlosigkeit

- verringerte Libido

- Leberschäden

- Antriebslosigkeit

Antiandrogene sollten, aufgrund ihrer Nebenwirkungen, nach Möglichkeit nicht genommen werden. Sie sind in jedem Falle nicht mehr erforderlich nach der GA-OP.

5. Hinweise für " Mann zu Frau-Menschen " - TransFrauen

Die durch östrogen wirkende Produkte hervorgerufenen psychischen Veränderungen sind bei richtiger Dosierung und Kontrolle durch entsprechend erfahrene Ärzte gering. Sie führen in den meisten Fällen lediglich zu einer Dämpfung des Sexualverhaltens und zu zurückhaltenderen Wesenzügen. Dies schmälert im Normalfall nicht die Initiativ- und Leistungsfähigkeit. Massive Depressionen treten z.B. im wesentlichen nur dann auf wenn, Unter- oder Überdosierungen erfolgt sind. Dies kann seine Ursache im Wirkungsbild des Medikamentes haben. Als Beispiel möge die Anlage eines neuen Depots dienen, welches unter Umständen in den ersten paar Tagen ein massives Unwohlsein auslösen kann. Auch Medikamentenkombinationen können durchaus ein überdurchschnittliches Hochschaukeln der Wirkungen hervorrufen. Hier denke man im Besonderen an die Wirkungen von Androgenrezeptoren-Blockern (Androcur, Furegel). Eine weitere Ursache können biologische Funktionen Ihres Körpers sein, die außerhalb der "normalen zu erwartenden Funktionen" liegen. In jedem Falle sollte mindestens halbjährlich eine Kontrolle des Blutbildes und der verschiedenen Organfunktionswerte gemacht werden. Zu Beginn der Behandlung sollte dies für das erste halbe Jahr jeden Monat gemacht werden, bis die entsprechende Dosierung gefunden ist. Eine deutliche Senkung der verabreichten Hormonmenge ist meist postoperativ nach der GA-OP angezeigt.

Auch hier gilt wie bei jedem Medikamenteneinsatz, dass der Satz "Viel nützt viel", in der Anwendung von Medikamenten meist nicht stimmt!

Einer der elementaren Grundsätze der Biochemie, das Arndt-Schulz-Gesetz, lautet:

Schwache Reize fördern, starke hemmen und stärkste lähmen die Lebenstätigkeit.

Sie als Patientin und Betroffene merken dies als Erste! Denn auch das ungewöhnlich starke Nachlassen von Initiativfähigkeit und Leistungsfähigkeit sind erste Anzeichen einer nachlassenden Lebenstätigkeit!

Achten Sie auf Schmerzen im Rücken, in der Gegend wo die Wirbelsäule das Becken berührt, und auf Schmerzen, insbesondere unterschwellige, im Rücken dort wo die letzten Rippen sind. Diese Schmerzen könnten mit Ihrer kontrageschlechtlichen Hormonbehandlung zusammen hängen. Tasten Sie auch ab und an Ihre Leber ab, ob diese vielleicht vergrößert ist.

Schmerzen und Krämpfe der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur insbesondere wenn diese Morgens vor den Wachwerden und in der Nacht auftreten, sind deutliche und eindeutige Zeichen, dass Ihre Hormonbehandlung nicht in Ordnung ist! Ein Arztbesuch ist unumgänglich!

Ständiger Durchfall allein, unter Umständen verbunden mit krampfartigen Schmerzen unterhalb des Bauchnabels, ist in jedem Fall ein Grund Ihren Arzt aufzusuchen. Hierbei sollten Sie bzw. Ihr Arzt dem Mineralstoffhaushalt besondere Aufmerksamkeit widmen.

Bedenken Sie: "Sie greifen in ein sich weitestgehend selbstregulierendes System, Ihren Körper, ein. In bestimmten Toleranzgrenzen verkraftet dieser das, aber dann nicht mehr, wenn Sie diese Grenzen

überschreiten."

Nun noch ein Wort zu verschiedenen auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Hormon-Präparaten.

Diese häufig aus den Ostblock stammenden Präparate enthalten aus Hirnen von Leichen gewonnene Hormone, oder sind teilweise sogar mit gefährlichen Substanzen verschnitten. Es ist über diese Produkte bekannt, dass Sie mit Prionen kontaminiert sind. Diese "Verunreinigungen" können, die sogenannte Kreuzfeld-Jakob-Krankheit, Hepatitis, und andere lebensgefährliche Erkrankungen auslösen.

Substanzen unbekannter Ursprungs gehören nicht in Ihren Körper, auch wenn diese Ihnen von "guten Bekannten" angeboten werden. Nur Ärzte und Apotheken garantieren Ihnen einwandfreie Medikamente!

Schlussbemerkung:

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und auf die Bedürfnisse von Betroffenen abgeänderte Version eines Textes zu einer umfassenden Ärzteinformation der dgti. Dieser Text ist lediglich eine Information, die bestimmte Verhältnisse für Betroffene darstellen soll. Sie ist in keinem Falle als eine Rezeptur oder Gebrauchsanweisung zur Selbstmedikation zu verstehen.

Dieser Text unterliegt dem Copyright © 1997 der dgti und wurde verfasst von J.CI.Clüsserath. Nachdruck oder Vervielfältigung jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung der dgti sowie der Autorin (dies gilt nicht bei vollständiger und unveränderter Kopie des gesamten Heftes).

 



Muster Antrag § 1 TSG

An das

Amtsgericht ...

Straße

PLZ Ort

Ort, Datum

Betr.: Antrag auf Änderung der Vornamen (gemäß §1)

(Transsexuellengesetz TSG vom 10.09.80)

(1) Hiermit beantrage ich, ............................................ (alter Name), geb. am ......................... in .................................... (Geburtsort/Land) gemäß Abschnitt 1 des TSG der Änderung meiner Vornamen zuzustimmen.

Begründung: Die dem Geburtseintrag entsprechende Geschlechtsrolle konnte ich nur unter großen Anstrengungen, schon ............. (hier sehr kurze Schilderung der eigenen Situation bis heute mit Angabe seit wann das so ist). Eine Rückkehr in diese, nur über den Kopf gesteuerte Rolle, erscheint mir unvorstellbar (§1 Abs.1.2 TSG).

Ich bin Deutsche/r im Sinne des Grundgesetzes und wohne derzeit in ....................................... (Straße, PLZ Ort) (§1 Abs. 1.1 TSG).

(2) Ich beantrage in Zukunft den/die Namen (Frau/Herr)

.................................................. (neue Vornamen)

zu führen, (ev. ergänzen: wobei wie markiert ....................................... der Rufname sein soll) (§1 Abs.2 TSG).

Antrag zum Verfahren: Zur Ergänzung meines Antrages lege ich die fachärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. ................................und ............................... bei. Ich beantrage hiermit, zur Verkürzung des Verfahrens, diese Stellungnahmen als die vom Gesetz geforderten Gutachten zuzulassen (§4 Abs.3 Satz 1 TSG) da sie die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sachverhalte uneingeschränkt bestätigen (§4 Abs.3 Satz 2 TSG). (Bei nur einem Gutachten entsprechend ändern und die Zulassung des zweiten Gutachters, so man schon einen hat, beantragen! Es können aber auch beide Sachverständige beantragt werden, wenn noch kein Gutachten vorliegt. Text dann entsprechend ändern, z.B. Ich beantrage Herrn/Frau ...................... und ............................ mit der Begutachtung zu beauftragen.)

Unterschrift

(Antragsteller)

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

 

dgti.e.V.
c/o Helma Katrin Alter
Sulzbacher Str. 43
90489 Nürnberg

 

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Muster – Antrag § 8 TSG mit Vorabentscheid § 9

An das

Amtsgericht ...

Straße

PLZ Ort

Ort, Datum

Betr.: Antrag auf Änderung des Vornamens und der Geschlechtszugehörigkeit (gemäß §8) (Transsexuellengesetz TSG vom 10.09.80)

(1) Hiermit beantrage ich, ............................................ (alter Name), geb. am ......................... in .................................... (Geburtsort/Land) gemäß Abschnitt 2 des TSG der Änderung meines Personenstandes und der Vornamen zuzustimmen. Sollten zum Zeitpunkt der Entscheidung, z.B. wegen noch nicht abgeschlossener medizinischer Maßnahmen, noch Hinderungsgründe bestehen, so beantrage ich eine Vorabendscheidung nach §9 TSG.

Begründung: Die dem Geburtseintrag entsprechende Geschlechtsrolle konnte ich nur unter großen Anstrengungen, schon ............. (hier sehr kurze Schilderung der eigenen Situation bis heute mit Angabe seit wann das so ist). Eine Rückkehr in diese, nur über den Kopf gesteuerte Rolle, erscheint mir unvorstellbar (§1 Abs.1.2 TSG).

Ich bin Deutsche/r im Sinne des Grundgesetzes und wohne derzeit in ....................................... (Straße, PLZ Ort) (§1 Abs. 1.1 TSG).

(2) Ich beantrage in Zukunft den/die Namen (Frau/Herr)

.................................................. (neue Vornamen)

zu führen, (ev. ergänzen: wobei wie markiert ....................................... der Rufname sein soll) (§1 Abs.2 TSG).

Antrag zum Verfahren: Zur Ergänzung meines Antrages lege ich die fachärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. ................................und ............................... bei. Ich beantrage hiermit, zur Verkürzung des Verfahrens, diese Stellungnahmen als die vom Gesetz geforderten Gutachten zuzulassen (§4 Abs.3 Satz 1 TSG) da sie die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sachverhalte uneingeschränkt bestätigen (§4 Abs.3 Satz 2 TSG und §8 TSG). (Bei nur einem Gutachten entsprechend ändern und die Zulassung des zweiten Gutachters, so man schon einen hat, beantragen! Es können aber auch beide Sachverständige beantragt werden, wenn noch kein Gutachten vorliegt. Text dann entsprechend ändern, z.B. Ich beantrage Herrn/Frau .................................... und ....................................... mit der Begutachtung zu beauftragen.)

Unterschrift

(Antragsteller)

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

 

dgti.e.V.
c/o Helma Katrin Alter
Sulzbacher Str. 43
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Mustervorlagen

Gutachterliche Stellungnahme zur Vorlage beim Amtsgericht (Gutachten)

(Mindestanforderungen an die gutachterliche Stellungnahme zur Vorlage beim Amtsgericht, als Anlage zum Antrag auf Vornamensänderung)

Briefkopf des Arztes/Psychologen (Neurologe oder Psychotherapeut, muss mit der Materie vertraut sein)

Ort, Datum

Gutachterliche Stellungnahme (zur Vorlage beim Amtsgericht ................ )

Betr.:    Name des/der Patienten/in (in Klammer angestrebter Name)

Geburtsdatum

Straße, W ohnort

Kurze Angabe des biologischen Geschlechts und Hinweis, dass keine biologischen, ge gengeschlechtlichen Abnormitäten vorliegen (dem Gutachter eventuell entsprechende ärztliche Bescheinigungen des Endokrinologen, Urologen oder Gynäkologen vorlegen).

Kurze Schilderung der transsexuellen Entwicklung, aus der hervorgehen muss, dass der Zugehörigkeitsdrang zum anderen Geschlecht mindestens drei Jahre besteht (dem Gutachter gegebenenfalls einen ausführlichen Lebenslauf vorlegen, aus dem die Entwicklung der Transsexualität aus der Sicht des Antragstellers eindeutig hervorgeht) und eine kurze Darlegung der augenblicklichen Lebenssituation.

Kurze Angabe, dass keine anderen Geschlechtsidentitätsstörungen vorliegen wie z.B. manifeste Neurose, Psychose, verdrängte Homosexualität, Borderlin e-Pathologie, (auch hier dem Gutachter bereits im Vorfel d durchgeführte Untersuchungen/Behandlungen durch Bericht e/Bescheinigungen nachweisen).

Aufzählung bereits eingeleiteter und angestrebter medizinischer Behandlungen (Hormonbehandlung, Epilation, chirurgische Eingriffe)

Schlussfolgerung: Es liegt eine manifeste Transsexualität vor, nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft wird sich das Zugehörigkeitsempfinden zum weiblichen (oder männlichen) Geschlecht nicht mehr ändern. Aus gutachterlicher Sicht wird die angestrebte Änderung des Vornamens ausdrücklich befürwortet.

Unterschrift und Arzt/Praxisstempel

 


 

Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Mastektomie

(Mindestanforderungen an die fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage beim Kostenträger/Krankenkasse für Brustamputation)

Briefkopf des Arztes (Neurologe, Dr. Med. und Psychologe oder Facharzt für Psychotherapie; muss kassenärztlich zugelassen sein)

Ort, Datum

Fachärztliche Stellungnahme/Indikation zur Mastektonomie

(zur Vorlage bei der Krankenkasse)

Betr.:    Name der/des Patienten/in (wie auf Mitgl. Karte vermerkt)

Geburtsdatum

Adresse

Krankenkasse, Mitgliedsnummer

Herr ..................... (auch wenn noch keine Namensänderung erfolgte!), der sich in meiner ambulanten Behandlung befindet/befand, zeigt eine Transsexualität von Frau zu Mann. (Kurze Angabe des juristischen und medizinischen Standes des Patienten, vor allem ob der soziale Umstieg schon erfolgte oder nicht!)

Aufgrund der weiblichen Brüste ist von diesen eine erhebliche soziale Behinderung zu erwarten. (Weiter, je nach Situation des Patienten) ............ Eine Wiedereingliederung ins Berufsleben ist vorher kaum möglich bzw. unzumutbar. (oder) .............. Die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes im Erscheinungsbild "Mann mit Brust" ist überproportional hoch.

Aus medizinischen Gründen ist es dringend erforderlich, hier eine komplette Brustamputation vorzunehmen, damit der Phänotyp der neuen Geschlechtsidentität entspricht und eine entsprechende soziale Eingliederung und psychische Entlastung möglich wird.

Ich habe deshalb Herrn ............. an die Klinik ................ und bitte dringend, die Kosten für den unbedingt erforderlichen Eingriff zu übernehmen.

Unterschrift und Arztstempel

 


 

Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Epilation

(Mindestanforderungen an die fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage beim Kostenträger/Krankenkasse für die Epilation)

Briefkopf des Arztes (Neurologe, Dr. med. und Psychologe oder Facharzt für Psychotherapie; muss kassenärztlich zugelassen sein)

Ort, Datum

Fachärztliche Stellungnahme/Indikation zur Epilation

(zur Vorlage bei der Krankenkasse)

Betr.:    Name der/des Patienten/in (wie auf Mitgl. Karte vermerkt)

Geburtsdatum

Adresse

Krankenkasse, Mitgliedsnummer

Frau ........... (auch wenn noch keine Namensänderung erfolgte!), die sich in meiner ambulanten Behandlung befindet/befand, zeigt eine Transsexualität von Mann zu Frau. (Kurze Angabe des juristischen und medizinischen Standes der Patientin, vor allem ob der soziale Umstieg schon erfolgte oder nicht!) Aufgrund des Bartwuchses ist von diesem eine erhebliche soziale Behinderung zu erwarten. (Weiter, je nach Situation der Patientin) ............... Eine Wiedereingliederung ins Berufsleben ist vorher kaum möglich bzw. unzumutbar. (oder) ........... Die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes im Erscheinungsbild "Frau mit Bart" ist überproportional hoch.

Aus medizinischen Gründen ist es dringend erforderlich, hier eine komplette Epilation des Bartes vorzunehmen, damit der Phänotypus der neuen Geschlechtsidentität entspricht und eine entsprechende soziale Eingliederung und psychische Entlastung möglich wird.

Ich habe deshalb Frau ..................... empfohlen einen Kostenvoranschlag bei einem Institut für Lasermedizin einzuholen, da nur so eine sozialverträgliche schnelle Beseitigung des Bartschattens erreicht werden kann. Eine Nachbehandlung mit Nadelepilation kann erforderlich sein..

Unterschrift und Arztstempel

 


 

Soziale Stabilität

Argumentationshilfe gegenüber (früheren) Arbeitgebern wegen Änderungen von Zeugnissen

(Brief an Arbeitgeber xyz)

Betr.: Änderung von Arbeitszeugnissen vor einer gesetzlichen Namensänderung nach TSG

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

wie ich Ihrem Anschreiben entnehme besteht bei Ihnen Rechtsunsicherheit darüber, ob Sie für Ihren früheren Arbeitnehmer (Ihre frühere Arbeitnehmerin) ein Zeugnis auf den neuen Namen, und entsprechend auch die neue Anrede, ändern dürfen, bevor eine gesetzliche Änderung rechtswirksam ist. Ich kann Ihre Bedenken verstehen, da ja damit auch der (unwahrscheinliche) Versuch unternommen werden könnte, sich Verpflichtungen Dritten gegenüber zu entziehen, oder sich eine neue Identität zu schaffen, um eine Straftat zu verschleiern oder vorzubereiten.

Aus den mir zur Verfügung gestellten Unterlagen geht hervor, dass Herr/Frau ......................... den sozialen Wechsel vollzogen hat und in den Arbeitsprozess eingegliedert ist, bzw. die Eingliederung kurz bevor steht. In diesem Fall sind konkurrierende Rechtsgüter gegeneinander abzuwägen:

Im Fall eines Arbeitszeugnisses steht das Rechtsgut der wahrheitsgemäßen Beurkundung dem Rechtsgut auf ein selbst bestimmtes, menschenwürdiges Leben und dem Schutz vor Diskriminierung im Fall einer Transidentität entgegen.

Der Gesetzgeber sieht vor, neben der Möglichkeit die Geburtsurkunde rückwirkend wegen offensichtlichen Irrtums zu ändern (Intersexualität), diese Änderung auch bei einer vorliegenden Transsexualität vorzunehmen (PStG § 47 u. 61 in Verbindung mit TSG §1 u. 8). Diese Verfahren benötigen erhebliche Zeit (1-3 Jahre) und können dadurch zu unzumutbaren Belastungen für die Allgemeinheit und die betroffene Person führen. Häufig steht die Verfahrensdauer dem Erhalt oder der Wiedererlangung der sozialen Sicherheit im Wege.

Für die Übergangszeit, d.h. noch gesetzlich alte Beurkundung aber bereits gelebte neue Identität, hat sich unter Ausnutzung eines gewissen rechtsfreien Raums, bzw. des Grundsatzes „Was nicht verboten ist und keinem Dritten schadet, darf vom Einzelnen unter Berufung auf die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte ausgenutzt werden“, folgendes Verfahren bewährt:

Ärzte bescheinigen dem „Patienten“ in einem Ersatzdokument, eventuell mit Lichtbild, der Person, deren Erscheinungsbild vom amtlich beglaubigten Status abweicht, dass es sich um den/die Ausweisinhaber/in handelt.

Krankenkassen stellen eine der gelebten Identität entsprechende Versicherungskarte aus.

Arbeitgeber melden ihren Mitarbeiter/ihre Mitarbeiterin bei der Rentenkasse entsprechend an oder um. Es wird dann ein entsprechender Sozialversicherungsausweis ausgestellt. Bei einem späteren anderen Arbeitgeber besteht dann kein Offenbarungsbedarf mehr.

Das Arbeitsamt unterscheidet, bei gleicher Stammnummer, in den amtlichen Teil der Leistungsabteilung und entsprechend der Identität bei der Arbeitsberatung, Reha oder Vermittlung.

Schulen, Ausbildungsbetriebe, Arbeitgeber stellen ein Zeugnis entsprechend der gelebten Identität aus, machen lediglich im internen Teil der Akte einen Vermerk, dass die Änderung unter Vorbehalt geschieht, bis später die gerichtliche Entscheidung nachgewiesen ist.

Diese Liste könnte noch durch andere Beispiele erweitert werden. Ich denke aber, dass Sie daraus selbst ableiten können, dass eine Änderung der Arbeitszeugnisse im vorliegenden Fall keine Falschbeurkundung ist, sondern den/die Antragsteller/in vor Diskriminierung schützt und der sozialen Stabilität dient.

Eine spätere, rechtskräftige Entscheidung zur Namensänderung nach TSG, wirkt zurück bis auf den Zeitpunkt der Geburt. Es besteht sogar, verankert im Gesetz TSG §5, ein ausdrückliches Offenbarungsverbot durch Behörden. Die früheren Namen müssen aus allen Akten so getilgt werden, dass sie nicht mehr ausforschbar sind. Entsprechend besteht dann auch ein gesetzlicher Anspruch, dass alle Zeugnisse und Bescheinigungen geändert werden. Die von Ihnen gewünschte Änderung zum jetzigen Zeitpunkt ist eine nicht einklagbare, freiwillige Vorwegnahme, die aber niemandem Schaden zufügt. Wohl aber kann Schaden entstehen, wenn sie nicht vollzogen wird.

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen ergibt sich aus der Tatsache, dass die alte soziale Rolle nicht mehr gelebt und nach außen vertreten werden kann, u.U. auch wegen der Wirkung von bereits erfolgten medizinischen Maßnahmen. Ein Auftreten in der neuen Rolle ist, insbesondere, aber nicht nur, bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, ohne die entsprechenden Papiere zumindest unverhältnismäßig erschwert, wenn diese ganz oder teilweise noch auf den alten Namen lauten. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass vollständig arbeitsfähige und -willige Menschen auf Sozialhilfe o.ä. Leistungen angewiesen sind.

In der Hoffnung Ihre Anfrage ausreichend beantwortet zu haben verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

.........

Mit den gleichen Argumenten kann beim Arbeitsamt erreicht werden, dass man bereits vor einer gesetzlichen Änderung entsprechend dem gelebten Geschlecht behandelt, bzw. geführt wird.

Krankenkassen stellen bereits vorab neue Karten aus.

Das Sozialamt berücksichtigt die Belange von Transidenten entsprechend, vor allem wenn man den Sachbearbeitern hilft, die eigene Situation zu begreifen.

Niemand gibt gerne Geld aus, wenn es bessere Lösungen gibt. Die beste Lösung ist aber immer noch die Erreichung von sozialer Stabilität, bzw. ihr Erhalt.

 



Anmeldung/Ummeldung bei der Sozialversicherung – durch Arbeitgeber

Betr.:    Ummeldung Ihres Mitarbeiters/ Ihrer Mitarbeiterin ..... bei der Sozialversicherung

Sehr geehrter Herr ....,

zunächst darf ich einfach feststellen, dass es keinerlei Gesetze gibt, die im Bereich der Sozialversicherung die Frage von „Transgendern“ (alter Begriff ist Transsexuelle, wobei der neue auch Intersexuelle einschließt) regeln oder Einschränkungen für diese beinhalten. Wohl aber sind die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers geregelt, die im Zusammenhang mit abhängig Beschäftigten und der Sozialversicherung zu beachten sind.

Auch wenn ich Ihnen natürlich mit den folgenden Ausführungen nichts Neues sage, stelle ich sie zunächst voran. Sinn und Zweck der Sozialversicherungen ist es den Arbeitnehmer in Fällen der unwägbaren gesundheitlichen Risiken und der Versorgung im Fall von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit im Sinne der Solidargemeinschaft zu stützen, sowie bei Erreichen des Rentenalters zu versorgen. Dazu muss aber eben auch gewährleistet sein, dass er vorher als Teil dieser Solidargemeinschaft seinen Beitrag dazu geleistet hat. Firmen, die Sozialversicherungspflichtige beschäftigen, haben in diesem Zusammenhang Kontroll- und Meldepflichten. Den Firmen steht aber auch das Recht zu relevante Änderungen zu melden, wenn dadurch betriebliche Aspekte erleichtert werden und die soziale Stabilität des Arbeitnehmers erhöht werden kann.

Genau dieser Gesichtspunkt trifft für Ihren Arbeitnehmer zu. Im konkreten Fall eines Transmannes (Frau zu Mann transsexuell) bedeutet dies, dass Sie dem Träger der Sozialversicherung mitteilen, dass

  • der Arbeitnehmer, bei uns gemeldet als Frau ... , Versicherungnummer ... mit weiblicher Kennziffer
  • bei uns ab sofort als Herr ... beschäftigt ist.
  • Folglich ist ein neuer Sozialversicherungsausweis auszustellen auf den Namen Herr ... und eine Sozialversicherungsnummer zu vergeben, aus deren Kennziffer hervor geht, dass unser Arbeitnehmer als Mann beschäftigt wird.
  • Zur Sicherung der Stabilität unseres Arbeitnehmers und zur Wahrung des Betriebsfriedens ist diese Umstellung erforderlich.

Logischerweise gilt diese Abfolge natürlich auch für den Fall von Mann zu Frau.

Aus dem vorgelegten Meldeablauf ersehen Sie sicher sofort, dass sich für Sie im Fall der Ummeldung Ihres Arbeitnehmers/ Ihrer Arbeitnehmerin keinerlei Rechtsunsicherheiten ergeben. Die Probleme von „Rechtsunsicherheit“ liegen eindeutig und ausschließlich auf Seiten von LVA, BfA und Krankenkassen, wenn sie es überhaupt gibt.

Das Transsexuellengesetz TSG regelt ausschließlich Fragen des Personenstandsrechts und die Eintragungen in der Geburtsurkunde. Unterlagen der Sozialversicherungen stimmen zwar in der Regel mit diesen Eintragungen in der Geburtsurkunde überein, werden aber normalerweise nicht daraufhin überprüft. Das Interesse der Solidargemeinschaft, das eben zur Einführung der Sozialversicherungen geführt hat, besteht in erster Linie darin, die soziale Stabilität und Sicherheit von Menschen zu gewährleisten. Sozialversicherungen dürfen durch ihre Maßnahmen oder individuelle Entscheidungen in keinem Fall dazu führen, dass eine Destabilisierung von leistungsfähigen Beitragszahlern bewirkt wird. Die Angst von Sachbearbeitern, durch eine „Umschreibung“ vor einer gesetzlichen Änderung nach TSG (dann ist die Umschreibung nämlich zwingend) würde ein unerlaubter Vorgriff sein, ist unbegründet. In der Praxis behelfen sich die BfA und LVA damit, dass sie in der „neuen Akte“ einen Randvermerk machen, der den Bezug zur alten Identität herstellt. Wenn dann ein Verfahren nach TSG abgeschlossen ist, wird dieser Randvermerk gelöscht. Der Arbeitnehmer bekommt üblicherweise bei der Umstellung eine Mitteilung, dass er geschlechtsspezifische Rechte noch nicht für sich in Anspruch nehmen kann, solange die Geburtsurkunde nicht geändert ist. Dies berührt Ihre Interessen als Arbeitgeber jedoch nur dann, wenn es um Einschränkungen der Beschäftigung für Frauen geht, wie Einschränkungen bei Nachtarbeit, ...

Zusammenfassend stelle ich nochmals klar, dass es keinerlei Bedenken gibt, wenn Sie Ihren Arbeitnehmer entsprechend dem gelebten Geschlecht bei dem Träger der Sozialversicherung anmelden und Ihre Personalakten für Ihn umstellen. Im Sinne des betrieblichen Friedens und der Stabilisierung der Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmer und der Entlastung der Sozialgemeinschaft ist diese Umstellung ausdrücklich wünschenswert.

Mit freundlichen Grüßen

(Helma Katrin Alter)

dgti.e.V.
c/o H. K. Alter
Sulzbacher Str. 43
90489 Nürnberg

Beratungsstelle Nürnberg der dgti

 


 

Das Transsexuellengesetz – TSG

Aus: Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1980, Teil I, fortlaufende Seiten 1654 - 1658

Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen

(Transsexuellengesetz - TSG)

Vom 10. September 1980

Geändert durch Art. 49 Rentenreformgesetz 1992 vom 18.12.1989 (BGBl. I S. 2261), § 8 Betreuungsgesetz vom 12.9.1990 (BGBl I S. 2002), Art. 14 § 2 Kindschaftsrechtsreformgesetz vom 16.12.1997 (BGBl. I S. 2942) und Art. 13 Gesetz zur Neuordnung des Eheschließungsrechts ( Eheschließungsgesetz - EheschlRG) vom 8.5.1998 (BGBl. I S. 833)

Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen:

---

Erster Abschnitt. Änderung der Vornamen

§ 1 Voraussetzungen. (1) Die Vornamen einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben, sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn

1.    sie Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist oder wenn sie als staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat, und

2.    mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird, und

3.    sie mindestens fünfundzwanzig Jahre Alt ist.

(2) In dem Antrag sind die Vornamen anzugeben, die der Antragsteller künftig führen will.

Anmerkung:: § 1 Abs. 1 Nr. 3 des TSG ist mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig. - Beschl. d. BVerfG v. 26.1.1993 - BvL 38/92 u.a. - (BGBl. I S. 326)

§ 2 Zuständigkeit. (1) Für die Entscheidung über Anträge nach § 1 sind ausschließlich die Amtsgerichte zuständig, die ihren Sitz am Ort eines Landgerichts haben. Ihr Bezirk umfaßt insoweit den Bezirk des Landgerichts. Haben am Orte des Landgerichts mehrere Amtsgerichte ihren Sitz, so bestimmt die Landesregierung durch Rechtsverordnung1) das zuständige Amtsgericht, soweit nicht das zuständige Amtsgericht am Sitz des Landgerichts schon allgemein durch Landesrecht bestimmt ist. Die Landesregierung kann auch bestimmen, daß ein Amtsgericht für die Bezirke mehrerer Landgerichte zuständig ist. Sie kann die Ermächtigungen nach Satz 3 und 4 durch Rechtsverordnung auf die Landesjustizverwaltung2) übertragen.

(2) Örtlich zuständig ist das Gericht, in dessen Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz oder, falls ein solcher im Geltungsbereich dieses Gesetzes fehlt, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat; maßgebend ist der Zeitpunkt, in dem der Antrag eingereicht wird. Ist der Antragsteller Deutscher und hat er im Geltungsbereich dieses Gesetzes weder Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt, so ist das Amtsgericht Schöneberg in Berlin zuständig; es kann die Sache aus wichtigen Gründen an ein anderes Gericht abgeben; die Abgabeverfügung ist für dieses Gericht bindend.

Anmerkungen: 1) solche Rechtsverordnungen gibt es in Baden-Würtemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 2) betrifft Berlin und Nordrhein-Westfalen

§ 3 Verfahrensfähigkeit, Beteiligte. (1) Für eine geschäftsunfähige Person wird das Verfahren durch den gesetzlichen Vertreter geführt. Der gesetzliche Vertreter bedarf für einen Antrag nach § 1 der Genehmigung des Vormundschaftsgerichts.

(2) Beteiligte des Verfahrens sind nur

1. der Antragsteller

2. der Vertreter des öffentlichen Interesses.

der Vertreter des öffentlichen Interesses in Verfahren nach diesem Gesetz wird von

der Landesregierung durch Rechtsverordnung1) bestimmt.

Anmerkung: 1) Eine solche Verordnung existiert in allen Bundesländern.

§ 4 Gerichtliches Verfahren. (1) Auf das gerichtliche Verfahren sind die Vorschriften des Gesetzes über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit anzuwenden, soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist.

(2) Das Gericht hört den Antragsteller persönlich an.

(3) Das Gericht darf einem Antrag nach nur § 1 stattgeben, nachdem es die Gutachten von zwei Sachverständigen eingeholt hat, die auf Grund ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Erfahrung mit den besonderen Problemen des Transsexualismus ausreichend vertraut sind. Die Sachverständigen müssen unabhängig voneinander tätig werden; in ihren Gutachten haben sie auch dazu Stellung zu nehmen, ob sich nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft das Zugehörigkeitsempfinden des Antragstellers mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändern wird.

(4) Gegen die Entscheidung, durch die einem Antrag nach § 1 stattgegeben wird, steht den Beteiligten die sofortige Beschwerde zu. Die Entscheidung wird erst mit Rechtskraft wirksam.

§ 5 Offenbarungsverbot. (1) Ist die Entscheidung, durch welche die Vornamen des Antragstellers geändert werden, rechtskräftig, so dürfen die zur Zeit der Entscheidung geführten Vornamen ohne Zustimmung des Antragstellers nicht offenbart oder ausgeforscht werden, es sei denn, daß besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern oder ein rechtliches Interesse glaubhaft gemacht wird.

(2) Der frühere Ehegatte, die Eltern, die Großeltern und die Abkömmlinge des Antragstellers sind nur dann verpflichtet, die neuen Vornamen anzugeben, wenn dies für die Führung öffentlicher Bücher und Register erforderlich ist. Dies gilt nicht für Kinder, die der Antragsteller nach der Rechtskraft der Entscheidung nach § 1 angenommen hat.

(3) In dem Geburtseintrag eines leiblichen Kindes des Antragstellers oder eines Kindes, das der Antragsteller vor der Rechtskraft der Entscheidung nach § 1 angenommen hat, sind bei dem Antragsteller die Vornamen anzugeben, die vor der Rechtskraft der Entscheidung nach § 1 maßgebend waren.

§ 6 Aufhebung auf Antrag. (1) Die Entscheidung, durch welche die Vornamen des Antragstellers geändert worden sind, ist auf seinen Antrag vom Gericht aufzuheben, wenn er sich wieder dem in seinem Geburtseintrag angegebenen Geschlecht als zugehörig empfindet.

(2) Die §§ 2 bis 4 gelten entsprechend. In der Entscheidung ist auch anzugeben, daß der Antragsteller künftig wieder die Vornamen führt, die er zur Zeit der Entscheidung, durch welche seine Vornamen geändert worden sind, geführt hat. Das Gericht kann auf Antrag des Antragstellers diese Vornamen ändern, wenn dies aus schwerwiegenden Gründen zum Wohl des Antragstellers erforderlich ist.

§ 7 Unwirksamkeit. (1) Die Entscheidung, durch welche die Vornamen des Antragstellers geändert worden sind, wird unwirksam, wenn nach Ablauf von dreihundert Tagen nach der Rechtskraft der Entscheidung ein Kind des Antragstellers geboren wird, mit dem Tag der Geburt des Kindes, oder bei einem nach Ablauf von dreihundert Tage nach der Rechtskraft der Entscheidung geborenen Kind die Abstammung von dem Antragsteller anerkannt oder gerichtlich festgestellt wird, mit dem Tag, an dem die Anerkennung wirksam oder die Feststellung rechtskräftig wird, oder der Antragsteller eine Ehe schließt, mit der Abgabe der Erklärung nach § 1310 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

(2) der Antragsteller führt künftig wieder die Vornamen, die er zur Zeit der Entscheidung, durch die seine Vornamen geändert worden sind, geführt hat. Diese Vornamen sind

im Fall des Absatzes 1 Nr. 1 und 2 in das Geburtenbuch.

im Fall des Absatzes 1 Nr. 3 in das im Anschluß an die Eheschließung anzulegende Familienbuch einzutragen.

(3) In Fällen des Absatzes 1 Nr.1 kann das Gericht die Vornamen das Antragstellers auf dessen Antrag wieder in die Vornamen ändern, die er bis zum Unwirksamwerden der Entscheidung geführt hat, wenn festgestellt ist, daß das Kind nicht von dem Antragsteller abstammt, oder aus sonstigen schwerwiegenden Gründen anzunehmen ist, daß der Antragsteller sich weiter dem nicht seinem Geburtseintrag entsprechenden Geschlecht als zugehörig empfindet. Die §§ 2, 3, 4 Abs.1, 2 und 4 sowie § 5 Abs. 1 gelten entsprechend.

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Zweiter Abschnitt. Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit

§ 8 Voraussetzungen. (1) Auf Antrag einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und die seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben, ist vom Gericht festzustellen, daß sie als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, wenn sie

·       die Voraussetzungen des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 erfüllt

·       nicht verheiratet ist,

·       dauernd fortpflanzungsunfähig ist und

·       sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist.

(2) In dem Antrag sind die Vornamen anzugeben, die der Antragsteller künftig führen will; dies ist nicht erforderlich, wenn seine Vornamen bereits auf Grund von § 1 geändert worden sind.

Anmerkung: §8 Abs. 1 Nr. 1 des TSG v.10.9.1980 (BGBl. I S. 1654) ist mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (Nr. 1) insoweit unvereinbar und daher nichtig, als auch bei Erfüllung der übrigen gesetzlichen Voraussetzungen die gerichtliche Feststellung über die Änderung der ursprünglichen Geschlechtzugehörigkeit vor Vollendung des 25. Lebensjahres ausgeschlossen ist. - Beschl. d. BVerfG v. 16.3.1982 - 1 BvR 938/81 - (BGBl. I S. 619)

§ 9 Gerichtliches Verfahren. (1) Kann dem Antrag nur deshalb nicht stattgegeben werden, weil der Antragsteller sich einem seine äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff noch nicht unterzogen hat, noch nicht dauernd fortpflanzungsunfähig ist oder noch verheiratet ist, so stellt das Gericht dies vorab fest. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten die sofortige Beschwerde zu.

(2) Ist die Entscheidung nach Absatz 1 Satz 1 unanfechtbar und sind die dort genannten Hindernisgründe inzwischen entfallen, so trifft das Gericht die Endentscheidung nach § 8. Dabei ist es an seine Feststellungen in der Entscheidung nach Absatz 1 Satz 1 gebunden.

(3) Die §§ 2 bis 4 und 6 gelten entsprechend; die Gutachten sind auch darauf zu erstrecken, ob die Voraussetzungen nach § 8 Abs. 1 Nr.3 und 4 vorliegen. In der Entscheidung auf Grund von § 8 und in der Endentscheidung nach Absatz 2 sind auch die Vornamen des Antragstellers zu ändern, es sei denn daß diese bereits auf Grund von § 1 geändert worden sind.

§ 10 Wirkungen der Entscheidung. (1) Von der Rechtskraft der Entscheidung an, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, richten sich seine vorn Geschlecht abhängigen Rechte und Pflichten nach dem neuen Geschlecht, soweit durch Gesetz nichts anderes bestimmt ist.

(2) § 5 gilt sinngemäß.

§ 11 EItern-Kind-Verhältnis. Die Entscheidung, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, läßt das Rechtsverhältnis zwischen dem Antragsteller und seinen Eltern sowie zwischen dem Antragsteller und seinen Kindern unberührt, bei angenommenen Kindern jedoch nur, soweit diese vor Rechtskraft der Entscheidung als Kind angenommenen worden sind. Gleiches gilt im Verhältnis zu den Abkömmlingen dieser Kinder.

§ 12 Renten und vergleichbare wiederkehrende Leistungen. (1) Die Entscheidung, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, läßt seine bei Rechtskraft der Entscheidung bestehenden Ansprüche auf Renten und vergleichbare wiederkehrende Leistungen unberührt. Bei einer sich unmittelbar anschließenden Leistung aus dem selben Rechtsverhältnis ist, soweit es hierbei auf das Geschlecht ankommt, weiter von den Bewertungen auszugehen, die den Leistungen bei Rechtskraft der Entscheidung zugrunde gelegen haben.

(2) Ansprüche auf Leistung aus der Versicherung oder Versorgung eines früheren Ehegatten werden durch die Entscheidung, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, nicht begründet.

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Dritter Abschnitt. Änderung von Gesetzen

§ 13 Änderung des Rechtspflegergesetzes. In § 14 des Rechts pflegergesetzes vom 5. November 1969 (BGBl. I S. 2065), zuletzt geändert durch § 174 Abs.4 des Bundesberggesetzes vorn 13. August 1980 (BGBl. I S. 1310), wird nach der Nummer 20 eingefügt:

"20 a. die Genehmigung nach § 3 Abs. 1 Satz 3 sowie nach § 6 Abs.2 Satz 1, § 7 Abs. 3 Satz 2 und § 9 Abs.3 Satz 1, jeweils in Verbindung mit § 3 Abs.1 Satz 3, des Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen vom 10. September 1980 (BGBl. I S. 1654);".

§ 14 Änderung der Kostenordnung.

In die Kostenordnung in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 361 - 1, veröffentlichten bereinigten Fassung, zuletzt geändert durch Artikel II § 32 Sozialgesetzbuch (SGB) - Verwaltungsverfahren - vom 18. August 1980(BGBl. I S. 1469), wird nach § 128 eingefügt:

,,§ 128a Änderung der Vornamen und Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen

(1) In Verfahren nach dem Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen vom 10. September 1980 (BGBl. I S. 1654) wird erhoben

1. das Doppelte der vollen Gebühr

für die Änderung der Vornamen nach § 1 des Gesetzes,

für die Aufhebung der Entscheidung, durch welche die Vornamen geändert worden sind, nach § 8 des Gesetzes,

für die Feststellung, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, nach § 8 oder § 9 Abs. 2 des Gesetzes; eine nach Nummer 2 entstandene Gebühr wird angerechnet,

für die Aufhebung der Feststellung, daß der Antragsteller als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, nach § 9 Abs. 3 in Verbindung mit § 6 des Gesetzes;

2. das Eineinhalbfache der vollen Gebühr für die Feststellung nach § 9 Abs. 1 des Gesetzes.

(2) Der Geschäftswert bestimmt sich nach § 30 Abs. 2."

§ 15 Änderung des Personenstandsgesetzes. Das Personen stands gesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 211 - 1 , veröffentlichten bereinigten Fassung, zuletzt geändert durch Artikel 11 des Gesetzes vom 2. Juli 1976 (BGBl. I S. 1749), wird wie folgt geändert:

In § 30 Abs. 1 Satz 1 werden nach den Worten ,,der Personenstand" ein Komma und die Worte ,,die Angabe des Geschlechts" eingefügt.

An § 61 wird folgender Absatz 4 angefügt: ,,(4) Sind bei einer Person auf Grund des Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen vom 10. September 1980 (BGBl. I S. 1654) die Vornamen geändert oder ist festgestellt worden, daß diese Person als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, so darf nur Behörden und der betroffenen Person selbst Einsicht in den Geburtseintrag gestattet oder eine Personenstandsurkunde aus dem Geburtenbuch erteilt werden. Ist die betroffene Person in einem Familienbuch eingetragen, so gilt hinsichtlich des sie betreffenden Eintrags für die Einsichtnahme in das Familienbuch und für die Erteilung einer Personenstandsurkunde aus diesem Familienbuch Satz 1 entsprechend. Diese Beschränkungen entfallen mit dem Tod dieser Person; § 5 Abs. 1 und § 10 Abs. 2 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Gesetzes über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen bleiben unberührt."

In § 62 Abs. 1 Nr.1 werden nach den Worten ,,des Kindes" die Worte ,,und sein Geschlecht" eingefügt.

§ 65a wird wie folgt geändert:

Der bisherige Wortlaut wird Absatz 1.

Folgender Absatz 2 wird angefügt: ,,(2) Wird im Fall des § 61 Abs. 4 für die betroffene Person ein Familienbuch geführt, so kann auf Antrag des früheren Ehegatten, der Eltern, der Großeltern oder eines Abkömmlings ein Auszug aus dem Familienbuch erteilt werden, in den Angaben über die Änderung der Vornamen nicht aufgenommen werden."

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Vierter Abschnitt. Übergangs- und Schlußvorschriften

§ 16 Übergangsvorschrift. (1) Ist vor Inkrafttreten dieses Gesetzes auf Grund des § 47 des Personenstandsgesetzes wirksam angeordnet, daß die Geschlechtsangabe im Geburtseintrag einer Person zu ändern ist, weil diese Person nunmehr als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, so gelten auch für diese Person die §§ 10 bis 12 dieses Gesetzes sowie § 61 Abs. 4 1) und § 65 a Abs.2 des Personenstandsgesetzes in der Fassung des § 15 Nr. 2 und 4 dieses Gesetzes.

(2) Ist die Person im Zeitpunkt der gerichtlichen Anordnung verheiratet gewesen und ist ihre Ehe nicht inzwischen für nichtig erklärt, aufgehoben oder geschieden worden. so gilt die Ehe mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes als aufgelöst. Die Folgen der Auflösung bestimmen sich nach den Vorschriften über die Scheidung.

(3) Hat eine Person vor Inkrafttreten dieses Gesetzes bei dem nach § 50 des Personenstandsgesetzes zuständigen Gericht beantragt anzuordnen, daß die Geschlechtsangabe in ihrem Geburtseintrag zu ändern ist, weil diese Person nunmehr als dem anderen Geschlecht zugehörig anzusehen ist, und ist eine wirksame Anordnung bei Inkrafttreten des Gesetzes noch nicht ergangen, so hat das damit befaßte Gericht die Sache an das nach § 9 Abs. 3 in Verbindung mit § 2 dieses Gesetzes zuständige Gericht abzugeben; für das weitere Verfahren gelten die Vorschriften dieses Gesetzes.

Anmerkung: 1) Nunmehr § 61 Abs. 3

§ 17 Berlin-Klausel. (gegenstandslos)

§ 18 Inkrafttreten. § 2 Abs. 1 Satz 3 bis 5, § 3 Abs. 3 und § 9 Abs. 3 Satz 1, soweit er auf § 2 Abs. 1 Satz 3 bis 5 und § 3 Abs. 3 verweist, treten am Tage nach der Verkündung in Kraft. Im übrigen tritt das Gesetz am 1. Januar 1981 in Kraft.

(Verkündet am 10.9.1980)
Wenn Ihr Probleme mit dem Gericht habt, von Mitmenschen wisst, die Probleme mit Gerichten oder Krankenkassen haben, dann informiert bitte umgehend die Geschäftsstelle der

dgti.e.V.
c/o H. K. Alter,
Sulzbacher Str. 43

90489 Nürnberg

Legt bitte der Schilderung des Sachverhaltes auch die Kopien der entsprechenden Schriftstücke bei. Alle Mitteilungen werden streng vertraulich behandelt, im Einzelfall werden wir nur tätig, wenn wir eine ausdrückliche Vollmacht dafür erhalten.

Ziel unseres Aufrufes ist es belegbare Fälle für unsere sozialpolitischen Aktivitäten zu erhalten. Das TSG und der Umgang damit berührt die Bereiche des Justiz-, Innen-, Sozial-, Gleichstellungs- und Familienministeriums.

Mai 2001

V.i.S.d.P. Helma Katrin Alter – Beratungsstelle Nürnberg der dgti

Beratungsstellen der dgti

 

Erstinformation für Betroffene


Die Broschüren werden zur Zeit überarbeitet. Bitte benutzen Sie zwischenzeitlich die Online-Versionen.

 

Beratungs- und Kontaktstellen der dgti

Alle wesentlichen Artikel sind auch einzeln in den entsprechenden Rubriken enthalten oder werden Zug um Zug zugeordnet.

Infoheft "Allgemeines" - Ausgabe Mai 2001, Inhalt
Infoheft "Praktisches" - Ausgabe Mai 2001, Inhalt
Infoheft "Intersexualität" Ausgabe Mai 2001, Inhalt

(klicken Sie Inhalt auf um selbst zu entscheiden, welche Broschüre das bringt, was Sie erstrangig benötigen)

Neben Lebensgeschichten, die oft zu dem Effekt führen "ja, so geht es mir auch", ist es sehr wichtig, dass Betroffene und Angehörige auch sachliche Informationen erhalten. Sachbücher können eine wichtige 1. Hilfe sein. Deshalb veröffentlichen wir ab sofort Hinweise darauf. Vorschläge über die Aufnahme von Sachbüchern bitte an Helma Katrin (mit einer ersten Rezension).

diese Seite umfasst nur noch die Inhaltsverzeichnisse der 3 Broschüren und zusätzlich folgende Themen:

Brief an einen Arzt (der erstmals mit Transidentität konfrontiert wurde)

„Ersatzdokument zum Personalausweis/Reisepaß"

Information über Proginon Depot 100 (MzF)

Transidentität - Gesetze - Behandlung (Kurzanleitung zum Verfahren)

Brief an Arbeitgeber (Zeugnisänderung vor gesetzlicher Namensänderung)

Transidentität und Erziehung (für Eltern von Kindern mit transidentischem Verhalten/Transidentität)

Angaben zu unseren Beratungsstellen und Selbsthilfevereinen

Psychosoziale Beratung und Betreuung
für Transidenten - Partner - Angehörige - Ärzte - Psychologen

Beratungs- und Kontaktstellen der dgti

 


Bundesgeschäftsstelle

Postanschrift:
 
Petra Weitzel
dgti e.V. Rhein-Main
Postfach 1605
55006 Mainz

 

Kontakt:
 
Mobil: +49 151 750 49494
Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Zahlungen an die Beratungsstelle sind keine Spenden! Sie werden aber zweckgebunden für Informationsmaterial, notwendige Wegekosten, Porto, Telefon und Büromaterial verwendet.

dgti e.V.
Konto: 0013077606
Volksbank Offenburg
BLZ: 66490000
Verwendungszweck: "Organisation der Beratungsstelle"

Spenden an die dgti sind auf das gleiche Konto möglich. Als Spendenbeleg gilt der Einzahlungsschein (bei Spenden bis max. € 100,-) mit dem ausdrücklichen Vermerk des Verwendungszwecks: "Spende".

 


 

Inhaltsverzeichnis der Broschüre "Allgemeines"

Präambel der Satzung der dgti 
Die dgti im Internet dgti.trans-info.de - oder www.dgti.org 
Volksvermögen wird durch "Experten" und Trägheit von Behörden verschwendet, 
Transidentität und Erziehung - Hinweis für Eltern (deren Kinder transidentisches Verhalten zeigen)
Erziehung und Transsexualität - Ein Interview mit Helma Katrin Alter 
Grundsätzliches zum Thema Namensänderung 
Entschließung des Deutschen Bundestages an das Europäische Parlament 
Kommentar zur Entschließung des deutschen Bundestages 
dgti-Lexikon 
Der Ergänzungsausweis der dgti® 
Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes 
Das Beratungsgespräch

 


 

Inhaltsverzeichnis der Broschüre "Praktisches"

Transidentität - Gesetze - Behandlung 
Das gerichtliche Verfahren 
Probleme bei Anträgen nach §1 und §8/§9 TGS 
Das medizinische Verfahren 
Grundsätzliches und Praktisches zum Thema Geschlechtsangleichung und Leistungspflicht der Kassen 
Aktuelle Problem bei der medizinischen Behandlung 
Probleme bei der Durchführung der Epilationsbehandlung 
Hormone - Aktueller Hinweis zu Verschreibung und Beschaffung 
Hinweis zur Verabreichung von Androcur: 
SCHERING (Brief an einen Arzt, Behandlungsalternativen)
Männliche Sexualhormone 
Weibliche Sexualhormone 
Muster Antrag § 1 TSG 
Muster - Antrag § 8 TSG mit Vorabentscheid § 9 
Mustervorlagen 
Gutachterliche Stellungnahme zur Vorlage beim Amtsgericht (Gutachten) 
Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Mastektomie 
Fachärztliche Stellungnahme zur Vorlage bei der Krankenkasse für Epilation 
Soziale Stabilität Argumentationshilfe gegenüber (früheren) Arbeitgebern wegen Änderungen von Zeugnissen 
Anmeldung/Ummeldung bei der Sozialversicherung - durch Arbeitgeber 
Das Transsexuellengesetz - TSG (mit Änderungen seit 1980!)

 


 

Inhaltsverzeichnis der Broschüre "Intersexualität"

IS - Begriffe / Syndrome (Tabellen)
Antwort der Bundesregierung zur Anfrage der PDS zum Thema:
Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit 
Intersex Elternbrief No 0-2001 
Das Transsexuellengsetz (TSG), eine Waschmaschine für die " weißen Westen " der " Polit- Medizin "?

 


 

Antwort an einen Arzt

Betr.: Hinweise zur Diagnose "Transsexualität"

Sehr geehrter ...

Im Gegensatz zu früher vertretenen Meinungen ist heute anerkannt, daß Transsexualität eine Identitätsstörung ist, die weder therapierbar noch heilbar ist (der Patient ist ganz einfach gesund). Sie paßt lediglich nicht in unser kulturelles Bild. Für eine Diagnose ist es deshalb wichtig, das Ausschlußverfahren zu verwenden. Es muß ausgeschlossen werden, daß eine andere, scheinbare Geschlechtsidentitätsstörung vorliegt (wie z.B. manifeste Neurose, Psychose, verdrängte Homosexualität, Borderline-Pathologie, Schizophrenie, multiple Persönlich-keitsstörung oder ähnliches ...). Sie müssen sich deshalb durch Gespräche und, wo nötig und möglich, geeignete Testverfahren, ein Bild vom Patienten machen.

Personen mit Transidentitätsstörungen weisen sicher häufig Psychosen/Neurosen auf. Es ist deshalb zu klären, ob die Störung Folge oder Ursache der Transsexualität/Transidentität ist. Dies setzt ein großes Maß an gegenseitigem Vertrauen voraus. Betroffene Menschen hatten in den meisten Fällen jedoch nie die Möglichkeit, sich in "vertrauensbildenden Maßnahmen" zu üben. Ich hoffe, daß Sie durch Ihre Ausbildung in der Lage sind, die Basis für eine gute Zusammenarbeit zu legen und die nötige, wünschenswerte Sensibilität zeigen.

Als Folge der Transsexualität eingetretene Psychosen/Neurosen müssen behandelt werden. Die bei Patienten oft fehlende Einsicht dafür muß mit der nötigen Sensibilität geweckt werden. Es ist sehr wichtig, daß der Patient einsieht, daß eine Sozialisierung in der neuen Geschlechtsrolle nicht erst nach dem Abschluß angleichender Maßnahmen begonnen werden kann und soll. Dies gilt sowohl für berufliche, als auch gesellschaftliche Schritte, muß aber individuell sehr sorgfältig beurteilt werden. Vorausgehende oder begleitende medizinische Versorgung ist mit dem Patienten abzusprechen. Der sogenannte "Alltagstest" muß vom Patienten als Chance begriffen werden, als ärztliche Vorschrift ist er wertlos!

Mit freundlichen Grüßen

(Helma Katrin Alter)

Leitung der Beratungsstelle

 


 

"Ergänzungsausweis"

(als Ergänzung zu einem gültigen amtlichen Ausweis)

Seit Ende 1998 bietet die dgti den Ergänzungsausweis an, der in Verbindung mit dem Personalausweis oder dem Reisepaß als Dokument im Format des Personalausweises ausgestellt wird.

Näheres dazu finden Sie unter Ergänzungsausweis. Rechtsgrundlage für diesen Ausweis ist die Forderung des Deutschen Bundestage aus der 11. Wahlperiode an die EU. Seine Herausgabe erfolgt mit ausdrücklicher Billigung des Bundesinnenminsteriums, auf der Basis geltenden deutschen Rechts. Die Regierungen aller Bundesländer wurden informiert um bei Polizeikontrollen, Behörden, ... Transsexuelle vor Diskriminierung zu schützen. Der Ausweis ist fälschungssicher und wird nur von der Bundesgeschäftsstelle der dgti ausgegeben.

 


 

Proginon Deppt 100

Die Firma Schering hat die Produktion eingestellt. Das Medikament ist nicht mehr erhältlich! Näheres dazu können Sie hier nachlesen.

 

 

 


 

 

 

Transidentität - Gesetze - Behandlung

 

Köln, Oktober 1997

Immer wieder erreicht mich die Frage nach dem richtigen Weg. Das geht nicht nur mir so, sondern praktisch allen Menschen, gleichgültig ob professionelle Helfer, LeiterInnen von Selbsthilfegruppen oder Menschen in Beratungsstellen. In aller Kürze eine "richtige" Antwort zu geben ist fast unmöglich. Doch ein paar Leitgedanken will ich hier veröffentlichen.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß dies meine Aussagen sind, auch wenn sie natürlich auf meinen Erfahrung, der Kenntnis von gesetzlichen und medizinischen Spielregeln und dem Wissen um die geübte Praxis beruhen.

Die folgenden Ausführungen sind keine Bewertung oder ein Hinweis darauf, welche Schritte in welcher zeitlichen Reihenfolge am sinnvollsten sind. Ein zeitlich aufeinander abgestimmtes Konzept ist sinnvoll und wichtig; jedoch ohne die Kenntnis der reinen formalen Vorgänge und ihrer Rechtsfolgen ist es kaum möglich. Ein kombiniertes soziales, medizinisches und gerichtliches Konzept kann aber immer nur sehr individuell erstellt werden. Die Ausgangsbedingungen für jeden einzelnen Menschen sind so unterschiedlich, daß jede rein formale Vorgehensweise weder dem Sinn gesetzlicher Regelungen, noch den Erfordernissen einer medizinischen Behandlung gerecht werden kann.

gez. Helma Katrin Alter

Das gerichtliche Verfahren

Gutachten erstellen Sachverständige, die vom Gericht berufen werden, wenn ein Antrag nach TSG gestellt wird.

Ein Gutachten für das Gericht hat die Aufgabe, dem Richter eine Entscheidungshilfe zu geben. Er muß in seiner Entscheidung abwägen, ob das Interesse des Antragstellers auf Namensänderung und Änderung der Geschlechtszugehörigkeit höher wiegt als das Interesse der Öffentlichkeit den Geburtseintrag bestehen zu lassen.

Entscheidet der Richter positiv, dann werden die notwendigen Änderungen im Geburtenbuch bzw. der Geburtsurkunde vorgenommen. Das Personenstandsgesetz verlangt diese gerichtliche Entscheidung, da, anders als bei Intersexuellen, kein offensichtlicher Irrtum bei der Zuweisung des Geschlechtes und des Namens vorlag. Das TSG ist ein Ausführungsgesetz zum Personenstandsgesetz.

Für die Namensänderung schreibt das Gesetz vor (Auszug aus dem TSG):

Die Vornamen einer Person, die sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet und seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen entsprechend zu leben (Anmerkung: dies bedeutet nicht, daß die Person schon so lange entsprechend leben muß!) sind auf ihren Antrag vom Gericht zu ändern, wenn ...

  1. sie Deutscher im Sinne des Grundgesetzes ist oder wenn sie als Staatenloser oder heimatloser Ausländer ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder als Asylberechtigter oder ausländischer Flüchtling ihren Wohnsitz im Geltungsbereich dieses Gesetzes hat,

  2. mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird.

Wie geht ein Transident/ eine Transidentin nun vor?

  1. Er/sie entscheidet zunächst für sich.

  2. Er/sie nimmt die mit der Entscheidung verbundene soziale Rolle an und lebt sie.

  3. Er/sie stellt den Antrag auf Änderung der Vornamen bei Gericht.

  4. Das Gericht prüft ob der Antrag angenommen werden muß und legt die Verfahrenskosten fest. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einen Kostenvorschuß einzuzahlen.

  5. Nach Einzahlung des Vorschusses beraumt das Gericht einen Termin für die Anhörung an.

  6. Bei der Anhörung macht sich der Richter ein Bild von der Ernsthaftigkeit des Antragstellers/ der Antragstellerin. Er wird dann zwei Sachverständige mit der Begutachtung beauftragen. Diese erhalten ihre Gebühren vom Gericht bezahlt (aus dem Vorschuß).

  7. Die Sachverständigen führen die notwendigen Gespräche mit dem Antragsteller/der Antragstellerin und prüfen beigebrachte oder angeforderte Unterlagen. Sie erstellen nach 3-5 Sitzungen ihr Gutachten.

  8. Sind die Gutachten bei Gericht eingegangen, so fällt der Richter seine Entscheidung und teilt diese dem Vertreter des "öffentlichen Interesses" und dem Antragsteller/ der Antragstellerin mit.

  9. Nach Ablauf der Einspruchsfrist wird das Urteil rechtskräftig. Wurde dem Antrag stattgegeben, dann werden von Amtswegen die nötigen Änderungen in der Geburtsurkunde veranlaßt. Der Antragsteller/ die Antragstellerin muß für alle sonstigen Änderungen von Papieren, Ausweisen, usw. selbst Sorge tragen und die nötigen Gebühren bezahlen.

  10. Der Antragsteller/ die Antragstellerin gilt fortan im gesamten Bereich des sozialen Lebens als dem anderen Geschlecht zugehörig.

Da der Personenstand nicht geändert wurde gelten folgende Ausnahmen:

  1. Im Strafvollzug gilt nach wie vor der Eintrag in der Geburtsurkunde.

  2. Besondere Rechte oder Pflichten des sozial gelebten Geschlechtes können aus der Namensänderung nicht abgeleitet werden (z.B. Nachtarbeitsverbot für Frauen).

  3. Es besteht ein Rechtsanspruch auf Vermeidung von Diskriminierung von Amtswegen. Dieser Anspruch bezieht sich aber nicht auf die Unterbringung in einem Krankenhaus.

  4. Ist der Antragsteller/ die Antragstellerin unverheiratet so kann er/sie keine Ehe eingehen.

Wichtiger Hinweis:

  1. Geht aus einer Verbindung, die der Antragsteller/die Antragstellerin nach der Namensänderung eingegangen ist, oder die noch besteht, ein Kind hervor, so wird die Namensänderung nach TSG von amtswegen wieder aufgehoben und kann frühestens nach drei Jahren erneut beantragt werden.

  2. Für Menschen, die nach dem TSG nur die Namensänderung erwirkt haben besteht quasi ein "Heiratsverbot". Eine Mann-zu-Frau-Transidentin wird beim Aufgebot als Mann eingestuft, kann also nur eine Frau heiraten, nicht aber, entsprechend dem gelebten und gefühlten Geschlecht, einen Mann. Das heterosexuelle Ehebegehren mit einem Mann wird also als schwul eingestuft, die Verbindung mit einer Frau aber als lesbisch. Beides ist aber in Deutschland nicht zulässig. Würde die Transidentin aber vor dem Aufgebot die Namensänderung wieder rückgängig machen lassen, dann würde die Ehe mit einer Frau, also lesbisch von der Orientierung her, heterosexuell von der Papierform aus gesehen, zulassen.

    Für Partnerschaften von Frau-zu-Mann-Transidenten gelten die Aussagen entsprechend.

Aus dem Urteil zur Änderung der Vornamen können keine Ansprüche auf Behandlung wegen Transidentität und deren Kostenübernahme direkt abgeleitet werden. Die Gutachten erfüllen auch nicht die Bedingungen einer Diagnose oder einer medizinischen Indikation.

Die Entscheidung zur Personenstandsänderung ist vom Gesetz an Voraussetzungen geknüpft, die der Antragsteller/ die Antragstellerin nicht ohne die Inanspruchnahme von medizinischen Hilfen erfüllen kann. Sie wird zurück gestellt, bis die Bedingungen erfüllt sind.

Die Geschlechtszugehörigkeit ist auf Antrag zu ändern, wenn die Person ...

  1. die Voraussetzungen für die Namensänderung erfüllt (Anmerkung: oder diese bereits vollzogen ist),

  2. nicht verheiratet ist,

  3. dauernd fortpflanzungsunfähig ist und

  4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechtes erreicht worden ist.

In der Rechtsauslegung und der geübten Rechtspraxis ist gerade der Punkt 4 umstritten. Dies hat aber zunächst keinen Einfluß auf die Vorgehensweise für Transidenten/ Transidentinnen.

Um Kosten und Zeit zu sparen, aber auch um zu vermeiden, daß die antragstellende Person Gutachten "sammelt", empfiehlt sich in jedem Fall die Antragstellung nach § 9 TSG, mit dem Zusatz eine Teilentscheidung nach § 1 TSG zu fällen. Dieses Verbundverfahren verhindert die mancherorts geübte Rechtspraxis zunächst nach § 4 zwei Sachverständige einzuschalten und beim folgenden Verfahren nochmals zwei Sachverständige zu hören (Anmerkung: Diese Praxis ist meines Erachtens falsch und wird auch nicht von allen Gerichten geübt).

Das medizinische Verfahren

Transidentität hat, festgeschrieben auch durch ein Grundsatzurteil des BGH, einen "Krankheitswert". Daraus folgt, daß für Transidenten/ Transidentinnen die gleichen Spielregeln gelten wie für jeden anderen Patienten auch. Diese Feststellung gilt für den Patienten ebenso wie für den Arzt. Wenn eine der beiden Seiten oder auch beide glauben, daß dem nicht so sei, kommt es praktisch immer zu erheblichen Schwierigkeiten.

Der Arzt muß wissen: Es gibt das "Krankheitsbild" eines "transsexuellen Syndroms".

Der Transident/ die Transidentin muß wissen: Er/ sie ist Patient.

Wie geht ein Transident/ eine Transidentin nun vor?

  1. Er/ sie sucht den Arzt seines/ ihres Vertrauens auf. Es empfiehlt sich oft den Arzt zu wählen, den man schon seit Jahren kennt oder der die Familie kennt, weil er ihre Mitglieder seit Jahren behandelt. Wenn das Vertrauen zwischen Arzt und Patient erst aufgebaut werden muß, dann verzögert sich die erwünschte Hilfe automatisch.

  2. Er/ sie schildert diesem Arzt sein/ ihr Problem und eventuell daraus resultierende krankhafte Symptome. Diese Symptome müssen nicht in jedem Fall derzeit akut sein. Sie müssen auch nicht zwingend zu Behandlungen in früheren Zeiten geführt haben. Der Arzt hat auch die Pflicht und die Möglichkeiten präventiv zu arbeiten, also zur Vermeidung von krankhaften Einschränkungen.

  3. Der Arzt ist sach- und fachkundig oder er zieht einen Kollegen, der Erfahrung auf dem Gebiet hat, zu Rate. In diesem Fall überweist er seinen Patienten/ seine Patientin an den Kollegen mit dem Vermerk: mögliches Vorliegen eines transsexuellen Syndroms.

  4. Da die Diagnose eines "transsexuellen Syndroms" dem Fachgebiet der medizinischen Psychotherapie zugeordnet ist, wird dieser Kollege auf diesem Gebiet tätig sein.

  5. Im Prinzip handelt jeder Arzt, der erst behandelt, und dann diagnostiziert, unverantwortlich. Trotzdem kann es, wie bei jeder anderen Krankheit, notwendig sein, eine Sofortbehandlung wegen offensichtlicher Beschwerden einzuleiten, um dadurch die Voraussetzungen für eine gesicherte Diagnose zu schaffen.

  6. Der für die Diagnose eingeschaltete Kollege gibt eine Behandlungsempfehlung an den überweisenden Arzt. Dies kann die Einleitung einer Psychotherapie wegen akuter Notwendigkeit sein (mit Angabe des Therapieansatzes), die Aufforderung nötige körperliche Untersuchungen durchzuführen oder Einleitung einer Hormonbehandlung.

  7. Der behandelnde Arzt ist entweder selbst in der Lage den Empfehlungen zu folgen oder er wird wieder die notwendigen Überweisungen durchführen, z.B. an den Endokrinologen zur Bestimmung des Hormonspiegels, den Urologen oder Gynäkologen zur Abklärung der körperlichen Situation, einen Psychotherapeuten zur Behandlung akuter Störungen.

  8. Durch die Überweisungen, aber auch durch die Vorlage der Versicherungskarte der Krankenkasse, ist die Kostenfrage geklärt. Der Patient hat damit nichts zu tun. Ist für eine Therapie ein Behandlungsschein erforderlich, so wird dieser vom Therapeuten vorgelegt, vom Patienten unterschrieben. Den Rest erledigt der Therapeut. Dies ist bei jeder anderen Krankheit genauso!

  9. Wenn ein Arzt oder eine Klinik darauf besteht, daß der Patient zunächst selbst eine Kostenzusage für die Behandlung bei der Krankenkasse einholt, handeln diese falsch. Der Sachbearbeiter kann nur Anträge genehmigen, die ausreichend, also medizinisch begründet sind. Diese Begründung kann aber nur der Arzt oder die Klinik liefern. (Dies schließt natürlich nicht aus, daß sich der Patient vom Sachbearbeiter der Kasse beraten läßt, oder mit diesem über die Probleme, die auf die Kasse zukommen, spricht.)

  10. Ist die Indikation zur Hormonbehandlung gestellt, so verschreibt der Arzt die Hormone. Der Patient bezieht sie aus der Apotheke und bezahlt, wie bei jedem anderen Medikament seinen Kostenanteil. Den Rest holt sich die Apotheke von der Krankenkasse.

  11. Kann der behandelnde Arzt die Hormonbehandlung nicht selbst durchführen, so überweist er wiederum an einen entsprechenden Kollegen. Dies kann ein Gynäkologe, ein Internist oder der Endokrinologe sein.

  12. Führt der vorhandene Bartwuchs/ die noch vorhandene Brust zu erheblichen seelischen Beeinträchtigungen oder ist zu erwarten, daß solche eintreten, oder sind diese unabdingbar um die soziale Rolle des anderen Geschlechtes zu leben, dann werden die entsprechenden Maßnahmen verschrieben. Der behandelnde Arzt überweise zu einem Hautarzt, der die Epilation durchführt oder im Deligationsverfahren von einer geeigneten Fachkraft durchführen läßt. Die Epilation, wenn sie medizinisch indiziert, also verschrieben ist, ist keine Kannleistung der Krankenkasse sondern eine Pflichtleistung. Wird sie von einem Arzt durchgeführt, der eine Kassenzulassung hat, so braucht der Patient auch keinen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Dies gilt auch dann, wenn es sich um eine Behandlung nach dem Rubin-Laser- oder Photodermverfahren handelt. Im Fall einer notwendigen Brustamputation überweist der Arzt in eine geeignete Klinik. Auch die Brustentfernung ist ein Pflichtleistung der Kasse, wenn sie indiziert, also verschrieben ist. Der Patient unterschreibt lediglich den Behandlungsschein der Klinik.

  13. Bei bestimmten Leistungen schaltet die Krankenkasse, entsprechend allgemeingültiger Vorschriften, den medizinischen Dienst ein. Dies ist keine Besonderheit, die nur für Transidenten gelten würde. Er kann der Kasse empfehlen, daß zusätzliche medizinische Stellungnahmen eingeholt werden wenn:

  1. Zweifel an der Richtigkeit der Diagnose bestehen.

  2. Zweifel an der Richtigkeit oder Wirksamkeit verschriebener Behandlungen bestehen.

  3. Zweifel an der Qualifikation des Arztes begründet sind.

Jede andere Einmischung des medizinischen Dienstes ist eine "Amtsanmaßung". Kosten, die durch die Einholung einer medizinischen Stellungnahme entstehen muß in jedem Fall die Krankenkasse bezahlen.

Für den Patienten ist wichtig:

  1. Er kommt seiner Mitwirkungspflicht nach. Dies bedeutet weder, daß er vorgeschlagene Maßnahmen widerspruchslos hinnehmen muß, noch daß er kein Recht darauf hätte, selbst Maßnahmen, und die Reihenfolge in der sie ihm sinnvoll erscheinen, vorzuschlagen.

  2. Er pflegt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinem behandelnden Arzt, dem Arzt seines Vertrauens. Dieser muß kein Spezialist für Transidentität sein. Er muß den Patienten aber kennen, mit ihm über Sinn und Unsinn von Behandlungswünschen sprechen und ein hohes Maß an Bereitschaft zeigen, Transidentität als ein, wenn auch seltenes "Krankheitsbild" anzuerkennen. Von Natur aus ist der Patient gesund. Seine besondere Art führt aber dazu, daß er "krank" gemacht wird. Die Aufgabe des Arztes ist es seinen Patienten auf dem Weg in ein lebenswertes Leben zu begleiten.

Ich hoffe, daß diese Ausführungen zu einer gewissen Entkrampfung der Lage beitragen, sowohl auf Seiten der Transidenten, als auch der Ärzte. Allen sei im Einzelfall geraten von den Möglichkeiten der persönlichen Beratung Gebrauch zu machen. Solche Beratungen sind beim Transidentitas e.V. ebenso möglich wie bei anderen Betreuungsvereinen wie VIVA in München, dem Sonntagsclub in Berlin, aber auch in Hamburg und Leipzig (wenn ich eine Möglichkeit vergessen habe, möge man mir dies verzeihen; es ist keine wertende Auswahl).

Helma Katrin Alter

 


 

Brief an einen Arbeitgeber

Betr.: Änderung von Arbeitszeugnissen vor einer gesetzlichen Namensänderung nach TSG

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

wie ich Ihrem Anschreiben entnehme besteht bei Ihnen Rechtsunsicherheit darüber, ob Sie für Ihren früheren Arbeitnehmer (Ihre frühere Arbeitnehmerin) ein Zeugnis auf den neuen Namen, und entsprechend auch die neue Anrede, ändern dürfen, bevor eine gesetzliche Änderung rechtswirksam ist. Ich kann Ihre Bedenken verstehen, da ja damit auch der (unwahrscheinliche) Versuch unternommen werden könnte, sich Verpflichtungen Dritten gegenüber zu entziehen, oder sich eine neue Identität zu schaffen, um eine Straftat zu verschleiern oder vorzubereiten.

Aus den mir zur Verfügung gestellten Unterlagen geht hervor, daß Herr/Frau ......................... den sozialen Wechsel vollzogen hat und in den Arbeitsprozeß eingegliedert ist, bzw. die Eingliederung kurz bevor steht. In diesem Fall sind konkurrierende Rechtsgüter gegeneinander abzuwägen:

Im Fall eines Arbeitszeugnisses steht das Rechtsgut der wahrheitsgemäßen Beurkundung dem Rechtsgut auf ein selbst bestimmtes, menschenwürdiges Leben und dem Schutz vor Diskriminierung im Fall einer Transidentität entgegen.

Der Gesetzgeber sieht vor, neben der Möglichkeit die Geburtsurkunde rückwirkend wegen offensichtlichen Irrtums zu ändern (Intersexualität), diese Änderung auch bei einer vorliegenden Transsexualität vorzunehmen (PStG § 47 u. 61 in Verbindung mit TSG §1 u. 8). Diese Verfahren benötigen erhebliche Zeit (1-3 Jahre) und können dadurch zu unzumutbaren Belastungen für die Allgemeinheit und die betroffene Person führen. Häufig steht die Verfahrensdauer dem Erhalt oder der Wiedererlangung der sozialen Sicherheit im Wege.

Für die Übergangszeit, d.h. noch gesetzlich alte Beurkundung aber bereits gelebte neue Identität, hat sich unter Ausnutzung eines gewissen rechtsfreien Raums, bzw. des Grundsatzes "Was nicht verboten ist und keinem Dritten schadet, darf vom Einzelnen unter Berufung auf die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte ausgenutzt werden", folgendes Verfahren bewährt:

Ärzte bescheinigen dem "Patienten" in einem Ersatzdokument, eventuell mit Lichtbild, der Person, deren Erscheinungsbild vom amtlich beglaubigten Status abweicht, daß es sich um den/die Ausweisinhaber/in handelt.

Krankenkassen stellen eine der gelebten Identität entsprechende Versicherungskarte aus.

Arbeitgeber melden ihren Mitarbeiter/ihre Mitarbeiterin bei der Rentenkasse entsprechend an oder um. Es wird dann ein entsprechender Sozialversicherungsausweis ausgestellt. Bei einem späteren anderen Arbeitgeber besteht dann kein Offenbarungsbedarf mehr.

Das Arbeitsamt unterscheidet, bei gleicher Stammnummer, in den amtlichen Teil der Leistungsabteilung und entsprechend der Identität bei der Arbeitsberatung, Reha oder Vermittlung.

Schulen, Ausbildungsbetriebe, Arbeitgeber stellen ein Zeugnis entsprechend der gelebten Identität aus, machen lediglich im internen Teil der Akte einen Vermerk, daß die Änderung unter Vorbehalt geschieht, bis später die gerichtliche Entscheidung nachgewiesen ist.

Diese Liste könnte noch durch andere Beispiele erweitert werden. Ich denke aber, daß Sie daraus selbst ableiten können, daß eine Änderung der Arbeitszeugnisse im vorliegenden Fall keine Falschbeurkundung ist, sondern den/die Antragsteller/in vor Diskriminierung schützt und der sozialen Stabilität dient.

Eine spätere, rechtskräftige Entscheidung zur Namensänderung nach TSG, wirkt zurück bis auf den Zeitpunkt der Geburt. Es besteht sogar, verankert im Gesetz TSG §5, ein ausdrückliches Offenbarungsverbot durch Behörden. Die früheren Namen müssen aus allen Akten so getilgt werden, daß sie nicht mehr ausforschbar sind. Entsprechend besteht dann auch ein gesetzlicher Anspruch, daß alle Zeugnisse und Bescheinigungen geändert werden. Die von Ihnen gewünschte Änderung zum jetzigen Zeitpunkt ist eine nicht einklagbare, freiwillige Vorwegnahme, die aber niemandem Schaden zufügt. Wohl aber kann Schaden entstehen, wenn sie nicht vollzogen wird.

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen ergibt sich aus der Tatsache, daß die alte soziale Rolle nicht mehr gelebt und nach außen vertreten werden kann, u.U. auch wegen der Wirkung von bereits erfolgten medizinischen Maßnahmen. Ein Auftreten in der neuen Rolle ist, insbesondere, aber nicht nur, bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, ohne die entsprechenden Papiere zumindest unverhältnismäßig erschwert, wenn diese ganz oder teilweise noch auf den alten Namen lauten. Im Extremfall kann dies dazu führen, daß vollständig arbeitsfähige und -willige Menschen auf Sozialhilfe o.ä. Leistungen angewiesen sind.

In der Hoffnung Ihre Anfrage ausreichend beantwortet zu haben verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

(Helma Katrin Alter)
Leitung der Beratungsstelle

 


 

Transidentität und Erziehung

Transidenten werden es nicht erst als Erwachsene, sie sind es bereits als Kinder. Wenn Eltern dies bei ihrem Nachwuchs merken, dann entsteht oft Scham und Angst. Der folgende Text könnte schon über die ersten Hürden helfen. Eltern sollten sich darüber hinaus an die Beratungsstelle wenden unter der Rufnummer:

Tel.: 0911-5209218 an Helma Katrin Alter, dgti Beratungsstelle in Nürnberg

Empfehlung an die Eltern

Nehmen Sie Ihr Kind ernst, auch wenn es erst zwei, drei oder vier Jahre ist. Erst im Laufe der Zeit gewöhnen wir ihm ab, zu sagen, was für es selbst gut ist. Es wird unsere Vorstellungen von gut oder schlecht, richtig oder falsch immer mehr übernehmen.

Wenn Ihr Kind seine Geschlechtsrolle nicht der biologischen Zuweisung entsprechend annimmt, dann üben Sie keinen Druck aus. Bieten Sie ihm spielerisch an, auch die zugewiesene Rolle auszuprobieren. Vielleicht findet es Gefallen daran und tut es. Wenn Ihr Kind transidentisch ist, dann wird es den Versuch selbst wieder beenden, ohne das Schaden entstanden ist.

Nehmen Sie rechtzeitig Partei für Ihr Kind, auch wenn es sich nicht gesellschaftskonform verhält. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind einfache Kompromisse, die Sie mit dem Kind gemeinsam tragen können, z.B. 'zum Schlafen darfst du ein Mädchennachthemd anziehen' - 'wir kaufen die roten Lackschuhe, die du im Garten anziehen darfst.' Zwingen Sie ein Mädchen nicht in Kleider, es ist nicht nötig. Schaffen Sie auch Spielzeug an, welches für das andere Geschlecht typisch ist. Machen Sie eine Aufgabenteilung. Papa spielt mit dir Eisenbahn und Fußball, Mami spielt mit Puppen und Kochen. Papa baut mit dir die Sandburg, Mami näht mit dir ein Kleid für die Puppe. Wichtig ist, daß es für das Kind spielerische Einladungen sind und nicht ein Zwang.

Tauschen Sie auch einmal die Zuweisungen, d.h. Mami spielt Fußball mit dir, Papa hilft beim Puppe anziehen. Beobachten Sie, wie Ihr Kind lernt zu unterscheiden, was es will und wie es sich fühlt. Gehen Sie möglichst auch auf Wünsche des Kindes ein. Erklären Sie einfach und klar, warum Papa keine Kleider anzieht, Mami nicht im Stehen pinkeln kann. Drücken Sie sich nicht um einfache Antworten. Ihr Kind kann mit der Antwort, Männer dürfen keine Kleider anziehen, nichts anfangen, wohl aber damit, daß der Papa das selbst nicht mag.

Wenn Ihr Kind in den Kindergarten geht und sich transidentisches Verhalten schon gezeigt hat, dann sprechen Sie mit den Erzieherinnen schon vorher darüber. Kinder können untereinander sehr grausam wirken. Es sind aber meist die Abgrenzungen der Erwachsenen, die von Kindern kritiklos übernommen wurden. Die daraus entstehenden Grausamkeiten können Sie anderen Kindern nicht verbieten, Ihr eigenes Kind auch nicht davor schützen. Wenn aber das Verhalten Ihres Kindes nicht als etwas Besonderes herausgestellt wird, dann verliert sich für die anderen sehr schnell der Reiz zum Ausgrenzen oder Angreifen.

Klagt Ihr Kind über Angriffe oder Ausgrenzung, dann nehmen Sie es ernst und stehen ihm bei. Vermeiden Sie dabei aber nun ihrerseits Ausgrenzung. Die anderen Kinder sind anders, aber weder besser noch schlechter. Auch die Kinder werden schnell ein Verhalten zeigen, bei dem Transidentität keine Rolle mehr spielt, es sei denn wir Erwachsenen legen Ihr eine besondere Bedeutung bei.

So wie es nicht den Mann oder die Frau gibt, so gibt es auch nicht den Transidenten. Ob Ihr Kind, auch wenn es transidentisch ist, später der biologischen Rollenzuweisung entsprechend leben kann oder nicht, kann in den meisten Fällen nicht vor Ende der Pubertät entschieden werden. Nur Ihr Kind selbst kann diese Entscheidung dann treffen. Bis dahin verträgt es jeden Druck, über den es sprechen kann und den es versteht. Handelte es sich bei dem transidentischen Verhalten nur um ein soziales Rollenspiel Ihres Kindes, dann hat es dieses Spiel mit Sicherheit schon vor Beginn der Pubertät abgelegt oder selbst als Spiel erkannt. Ist es aber Transidentität, dann hat es sich bis zu diesem Zeitpunkt inzwischen als aktiver Partner entwickelt.

Natürlich hört sich das jetzt sehr einfach an. Doch es lohnt sich immer wieder den Versuch zu machen, eine Lösung in obigem Sinne zu erreichen. Der Lohn dafür ist, daß sowohl Sie, als auch Ihr Kind, seelisch gesund bleiben.

Obiger Auszug entstammt dem Buch "Gleiche Chancen für alle - Transidentität in Deutschland 1998/1999", Kapitel: 'Eltern und Kinder - Frühdiagnose und Erziehung', das im April 2000 erschienen ist.. Ich stelle ihn deshalb hier zur Verfügung, weil zu dem Thema Kinder - transidentisches Verhalten oder Transidentität - bisher nichts auf dem Markt zu finden ist.

gez. Helma Katrin Alter (Autorin des Buches)

 


 

Beratungsstellen der dgti

Selbsthilfevereine für

"Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität"
siehe SHG's in Deutschland

 

dgti

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Infoheft „Allgemeines“

Ausgabe Mai 2001


Inhaltsverzeichnis

Präambel der Satzung der dgti

Die dgti im Internet - www.dgti.info

Volksvermögen wird durch "Experten" und Trägheit von Behörden verschwendet

Transidentität und Erziehung

Erziehung und Transsexualität - Ein Interview mit Helma Katrin Alter

Grundsätzliches zum Thema Namensänderung

Entschließung des Deutschen Bundestages an das Europäische Parlament

Kommentar zur Entschließung des deutschen Bundestages

dgti-Lexikon

Der Ergänzungsausweis der dgti®

Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes

Das Beratungsgespräch

 



Präambel der Satzung der dgti

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Die  hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken. Sie soll Betroffene und Interessierte beraten und betreuen, sofern dies gewünscht wird. Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit sollte die (Re-)Integration von Betroffenen in den Arbeitsprozess sein, um so der Gefahr des sozialen Abstiegs zu begegnen, der heutzutage noch mit dem sozialen Wechsel verbunden ist. Sie tritt für mehr Offenheit der eigenen Identität gegenüber ein und trägt der Vielfalt menschlichen Daseins Rechnung.

Wir sind eine Vereinigung von Betroffenen aller beruflichen Bildungen und sozialen Schichten, sowie von nicht selbst betroffenen Menschen, welche den Zielen und Themen des Vereins in irgend einer Form nahe stehen.

Eines der elementaren Ziele des Vereines ist es, von Beginn an die Voraussetzungen zu schaffen, dass Behandelte, Behandler, sowie politische und soziale Entscheidungsträger gemeinsam an einem Tisch sitzend verantwortlich handeln können. Es gibt hinreichend Beispiele dafür, dass Betroffenen unnötige Mühen , Beschwerden und Hemmnisse, sowie den Trägern von Behandlungsmaßnahmen unnötige Kosten hätten erspart werden können, hätte auch nur ansatzweise eine sinnvolle Kommunikation stattgefunden. Damit dies in Zukunft geschehen kann, ist ein Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten nötig.

Ein weiteres Ziel unserer Tätigkeit wird es sein, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass Menschen mit "transidentischer Symptomatik" vollwertige Mitglieder dieser Gesellschaft sind, wenn man sie lässt.

GLEICHE CHANCEN FÜR ALLE

Wir sind angetreten, dies zu erreichen!

Amtsgericht Köln,  VR 13049

Bankverbindung und Spendenkonto:

Empfänger: dgti e.V.
Konto: 0013077606, BLZ: 66490000
Volksbank Offenburg

 

 

Die dgti im Internet - www.dgti.info - oder - dgti.trans-info.de

Unsere wichtigsten Medien sind das Internet und die elektronische Post. Hier bieten wir Hilfe durch Information, ohne Schnörkel und aufwendige, zeitraubende Grafiken. Neben einer aktuellen Begrüßungsseite findet der Leser die Rubriken:

Erstinformation - Ziele der dgti

Juristisches - Medizinisches

SHG's - Projekt NRW

Produkte - Links – Kontakte

Gender-Politik




Volksvermögen

wird durch "Experten" und Trägheit von Behörden verschwendet, ganz abgesehen von dem Leid, das Betroffenen und Mitbetroffenen zugefügt wird.

 

(Eine Betrachtung von Helma Katrin Alter)

Zwar fordern Transidenten seit Jahren ihre Rechte ein, und weisen auf Missstände und Probleme Hin, aber oftmals sind diese Aussagen für Menschen, die dem Problem nicht aus nächster Nähe begegnen, nicht nachzuvollziehen. Es fehlt manchmal nur an einer konkreten Aufstellung der Konsequenzen, die sich für die Gesellschaft als Ganzes aus der heutigen Praxis des Umgangs mit Transsexuellen und Intersexuellen ergeben. Und diese Konsequenzen müssen Entscheidungsträgern und Verantwortlichen vor Augen geführt werden. Eine dieser Konsequenzen ist die Verschwendung von Volksvermögen, die gerade in Zeiten leerer Kassen nicht hinnehmbar ist.

Zu der Gruppe der Entscheidungsträger gehören unter anderem Abgeordnete, Regierungsmitglieder, Vollzugsbeamte in allen Ebenen, Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeit, ebenso wie Aufsichtsräte und Mitarbeiter der Krankenkassen, Ärzte und der MDK. In einem Bericht des 11. Bundestages und den daraus sich ergebenden Forderungen an das Europäische Parlament zur Lage der Transsexuellen geht hervor, dass man zwar weiß, wie die Lage der betroffenen Personengruppe ist, sich aber nicht damit beschäftigt, welche Konsequenzen dies für die Gesellschaft und die Betroffenen hat.

Ich habe mich bemüht, hier eine Berechnung der direkten und versteckten Kosten eines sozialen Wechsels aufzustellen, wenn er so abläuft, wie dies von einigen "Experten" gefordert wird; sowie eine Aufrechnung von entgangenen Einnahmen für den Staat und die Sozialkassen.

Manche Experten sprechen von nur 8.000 Transsexuellen, der Bundestag davon, dass ca. 60% davon von Sozialhilfe oder Arbeitslosenhilfe leben müssen, also 4.800 Menschen. Obwohl die Zahl der Betroffenen mit Sicherheit wesentlich größer ist, werde ich nur von diesen ausgehen.

Daraus entstehen direkte Kosten für die Sozialgemeinschaft, ohne den direkten Anteil der Krankenkassen (wobei ich ganz bewusst jeweils an der unteren Grenze der Ausgaben geblieben bin):

Kosten pro Person und Monat

Kosten gesamt pro Jahr

Miete und Lebensunterhalt

DM 1.440

DM 82.944.000

Sozialversicherung

DM 600

DM 17.280.000

direkte Kosten ges.

DM 100.224.000

Die offensichtlichen indirekten Kosten ergeben sich aus:

·       entgangene Steuereinnahmen (nach Minimalsatz gerechnet)

·       fehlenden Beiträgen zur Sozialversicherung

·       Einnahmeverluste der Volkswirtschaft durch fehlende Kaufkraft


Verluste pro Person und Monat

Kosten gesamt pro Jahr

Steuerverlust

DM 450

DM 25.920.000

Rentenvers./Arblvers.

DM 836

DM 48.153.600

Krankenkassenbeiträge

DM 380

DM 21.888.000

fehlende Kaufkraft (davon 20% direkt)

DM 160

DM 9.160.000

indirekte Kosten ges.

DM 105.121.600

Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ohne Zukunftsperspektive verursachen, was allgemein anerkannt und statistisch erfasst ist, höhere allgemeine Kosten im Gesundheitswesen. Diese Kosten müssen direkt von den Krankenkassen aufgebracht werden. Weitere direkte Kosten der Kassen fallen für die sogenannte "Pflichttherapie" an, in der sich jährlich etwa 10% der Transsexuellen befinden. Weitere 20% benötigen eine Therapie in Folge von sozialer "Beschädigung" und Schäden durch restriktive Behandlungs- und Begutachtungsmethoden. Daraus ergeben sich folgende Zahlen:


Kosten pro Person und Jahr

Kosten gesamt pro Jahr

erhöhte allg. Gesundheitskosten (4800 Personen)

DM 300

DM 1.440.000

"Pflichttherapie" (800 Personen)

DM 6.000

DM 4.800.000

Therapie wegen "Folgeschäden" (1600 Personen)

DM 6.000

DM 9.600.000

Kassenleistungen ges.

DM 15.840.000

In den obigen Ausgaben sind keine speziellen Kosten für  die Behandlungen der  Transsexualität enthalten, sondern nur leicht vermeidbare Kosten .

Auch für unnötige Ausfallzeiten entstehen Kosten. Die Praxis, Transsexuelle langzeitig krank zu schreiben und sogar in die Erwerbsunfähigkeitsrente zu treiben, ist leider sehr verbreitet. Minimal geschätzt sind davon 5% aller Transsexuellen betroffen, das sind 400 Menschen.

Kosten pro Person und Monat

Kosten gesamt pro Jahr

Krankschreibung

DM 2.400

DM11.520.000

Verrentung

DM 1.600

DM 7.680.000

Kosten ges.

DM 19.200.000

Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden beläuft sich demnach jährlich auf mindestens.

DM 240.385.600

Dabei konnten noch nicht einmal alle vermeidbaren Kosten aufgelistet werden. Berücksichtigt man  dann noch , dass entsprechend der Forschungen des einzigen Lehrstuhles für Transsexualität in Europa an der Universität in Amsterdam die Zahl der Transsexuellen mindestens 10mal höher ist, dann bedeutet dies für obige Rechnung, dass mit einem jährlichen Schaden im Bereich

mehrerer Milliarden

gerechnet werden muss.

Dieser Schaden entsteht nicht ursächlich durch Transsexuelle, sondern durch den Umgang mit Transsexuellen in Deutschland.

Ergänzende Bemerkung Mai 2001:
Würde man alle Transgender, also Transfrauen, Transmänner und Intersexuelle in dieser Kostenrechnung erfassen, dann sind alle Angaben nochmals mindestens zu verdoppeln.

 


 

Transidentität und Erziehung

Transidenten werden es nicht erst als Erwachsene, sie sind es bereits als Kinder. Wenn Eltern dies bei ihrem Nachwuchs merken, dann entsteht oft Scham und Angst. Der folgende Text könnte schon über die ersten Hürden helfen. Eltern sollten sich darüber hinaus an die Beratungsstelle wenden.

Empfehlung an die Eltern

Nehmen Sie Ihr Kind ernst, auch wenn es erst zwei, drei oder vier Jahre ist. Erst im Laufe der Zeit gewöhnen wir ihm ab, zu sagen, was für es selbst gut ist. Es wird unsere Vorstellungen von gut oder schlecht, richtig oder falsch immer mehr übernehmen.

Wenn Ihr Kind seine Geschlechtsrolle nicht der biologischen Zuweisung entsprechend annimmt, dann üben Sie keinen Druck aus. Bieten Sie ihm spielerisch an, auch die zugewiesene Rolle auszuprobieren. Vielleicht findet es Gefallen daran und tut es. Wenn Ihr Kind transidentisch ist, dann wird es den Versuch selbst wieder beenden, ohne das Schaden entstanden ist.

Nehmen Sie rechtzeitig Partei für Ihr Kind, auch wenn es sich nicht gesellschaftskonform verhält. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind einfache Kompromisse, die Sie mit dem Kind gemeinsam tragen können, z.B. 'zum Schlafen darfst du ein Mädchennachthemd anziehen' - 'wir kaufen die roten Lackschuhe, die du im Garten anziehen darfst.' Zwingen Sie ein Mädchen nicht in Kleider, es ist nicht nötig. Schaffen Sie auch Spielzeug an, welches für das andere Geschlecht typisch ist. Machen Sie eine Aufgabenteilung. Papa spielt mit dir Eisenbahn und Fußball, Mami spielt mit Puppen und Kochen. Papa baut mit dir die Sandburg, Mami näht mit dir ein Kleid für die Puppe. Wichtig ist, dass es für das Kind spielerische Einladungen sind und nicht ein Zwang.

Tauschen Sie auch einmal die Zuweisungen, d.h. Mami spielt Fußball mit dir, Papa hilft beim Puppe anziehen. Beobachten Sie, wie Ihr Kind lernt zu unterscheiden, was es will und wie es sich fühlt. Gehen Sie möglichst auch auf Wünsche des Kindes ein. Erklären Sie einfach und klar, warum Papa keine Kleider anzieht, Mami nicht im Stehen pinkeln kann. Drücken Sie sich nicht um einfache Antworten. Ihr Kind kann mit der Antwort, Männer dürfen keine Kleider anziehen, nichts anfangen, wohl aber damit, dass der Papa das selbst nicht mag.

Wenn Ihr Kind in den Kindergarten geht und sich transidentisches Verhalten schon gezeigt hat, dann sprechen Sie mit den Erzieherinnen schon vorher darüber. Kinder können untereinander sehr grausam wirken. Es sind aber meist die Abgrenzungen der Erwachsenen, die von Kindern kritiklos übernommen wurden. Die daraus entstehenden Grausamkeiten können Sie anderen Kindern nicht verbieten, Ihr eigenes Kind auch nicht davor schützen. Wenn aber das Verhalten Ihres Kindes nicht als etwas Besonderes herausgestellt wird, dann verliert sich für die anderen sehr schnell der Reiz zum Ausgrenzen oder Angreifen.

Klagt Ihr Kind über Angriffe oder Ausgrenzung, dann nehmen Sie es ernst und stehen ihm bei. Vermeiden Sie dabei aber nun ihrerseits Ausgrenzung. Die anderen Kinder sind anders, aber weder besser noch schlechter. Auch die Kinder werden schnell ein Verhalten zeigen, bei dem Transidentität keine Rolle mehr spielt, es sei denn wir Erwachsenen legen Ihr eine besondere Bedeutung bei.

So wie es nicht den Mann oder die Frau gibt, so gibt es auch nicht den Transidenten. Ob Ihr Kind, auch wenn es transidentisch ist, später der biologischen Rollenzuweisung entsprechend leben kann oder nicht, kann in den meisten Fällen nicht vor Ende der Pubertät entschieden werden. Nur Ihr Kind selbst kann diese Entscheidung dann treffen. Bis dahin verträgt es jeden Druck, über den es sprechen kann und den es versteht. Handelte es sich bei dem transidentischen Verhalten nur um ein soziales Rollenspiel Ihres Kindes, dann hat es dieses Spiel mit Sicherheit schon vor Beginn der Pubertät abgelegt oder selbst als Spiel erkannt. Ist es aber Transidentität, dann hat es sich bis zu diesem Zeitpunkt inzwischen als aktiver Partner entwickelt.

Natürlich hört sich das jetzt sehr einfach an. Doch es lohnt sich immer wieder den Versuch zu machen, eine Lösung in obigem Sinne zu erreichen. Der Lohn dafür ist, dass sowohl Sie, als auch Ihr Kind, seelisch gesund bleiben.

(Obiger Auszug entstammt dem Buch 'Gleiche Chancen für alle - Transidentität in Deutschland 1998/1999', Kapitel: 'Eltern und Kinder', erschienen im März 2000, ISBN: 3-89811-043-5, zu bestellen bei bod.de/libri, bei Katrin Alter oder im Buchhandel, Preis Euro 15,24.)

 


 

Erziehung und Transsexualität - Ein Interview mit Helma Katrin Alter

?

Lässt sich Transsexualität in wenigen Worten erklären?

Antwort: Als erstes muss festgestellt werden, dass der Begriff mit Sexualität eigentlich nichts zu tun hat. Es geht um ein Identitätsproblem der betroffenen Menschen, d.h. die körperliche Gestalt und die seelische Identität sind nicht dem gleichen Geschlecht zuzuordnen. Es geht also um Transgender oder Transidentität.

?

Wann erkennen die Betroffenen ihre Andersartigkeit?

A: Die betroffenen Menschen bekommen ihre Andersartigkeit meist schon in sehr frühen Jahren mit, in der Kindheit, meist schon im Vorschulalter. Je stärker die Erziehung rollentypisches Verhalten erzwingt, um so eher wird dem Kind dann bewusst, dass etwas nicht stimmt. Als Transsexualität kann es von ihm noch nicht begriffen werden.

?

Was muss ich mir unter „es stimmt etwas nicht“ vorstellen?

A: Beobachtet man Kinder, die sich normal entwickeln, werden sie, in den verschiedenen Lebensphasen wechselnd, sich dem eigenen oder dem Gegengeschlecht zuwenden. Kinder, bei denen sich später eine „Transidentität“ herausstellt, verhalten sich in den entsprechenden Entwicklungsphasen meist genau gegensätzlich in ihren Kontaktwünschen zum anderen Geschlecht.

Solche Kinder haben fast immer einen sehr großen Hang zu Spielen und Spielzeug des dem biologischen Geschlecht nicht entsprechenden Kindes. Häufig kann übergroße Sensibilität beobachtet werden und es kommt zu „Tagträumen“,  den Versuchen sich Kleidung des Gegengeschlechtes, das ja dem eigenen seelischen Geschlecht entspricht, zu besorgen und zu Isolierung gegenüber Gruppen. In den meisten Fällen werden diese Kinder weder von den Jungen noch von den Mädchen der gleichen Altersgruppe akzeptiert.

Dies könnten Erwachsene beobachten und frühzeitig mit aufgeklärten Fachleuten besprechen, um dem Kind Leid zu ersparen, denn das Kind selbst merkt ja nur, dass eben etwas nicht stimmt.

?

Was Sie hier aufgezählt haben, trifft doch für viele Kinder zu!

A: Das ist richtig, deshalb ist es ja auch so wichtig, wenn viele oder alle aufgezählten Beobachtungen zutreffen, dass schon möglichst früh Fachleute zu Rate gezogen werden, um hier zu keinen falschen Schlüssen zu kommen oder dem Kind seelische Gewalt anzutun. In Deutschland gibt es, im Gegensatz zu den Niederlanden, dafür leider noch keine entsprechenden Einrichtungen. Damit bleibt es weitgehend dem Zufall überlassen, ob Eltern und Kindern schon in diesem Stadium der Entwicklung der eigenen Identität geholfen werden kann.

?

Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge werden doch aber die Kinder regelmäßig Ärzten vorgestellt, so dass sich die Möglichkeit klärender Gespräche und die richtige Bewertung von Beobachtungen erbeben müsste?

A: In der Theorie könnte das so stimmen. Praktisch fehlt aber heute der Kontakt zwischen Ärzten und Eltern. In der Gesundheitsvorsorge bleibt keine Zeit mehr für das wirkliche Gespräch und Kennenlernen der „Patienten“. Die meisten Kinderärzte haben keine Zeit dafür, nicht nur mit den Augen des Mediziners zu sehen, sondern auch mit ihrem "seelischen oder menschlichen Auge"! Außerdem kommt hinzu, dass ein Kind bei der Geburt entsprechend dem optischen Eindruck auf Junge oder Mädchen festgelegt wird. Identitätsabweichungen, die von Medizinern und Juristen als Transsexualität bezeichnet werden, widersprechen aber unserem Hang, der besonders auch für die Medizin gilt, alles zu normieren, zu erklären und zu ordnen. Das Vorliegen einer Transidentität lässt sich weder prognostizieren noch eindeutig nachweisen. Der einzige Beweis ist das Empfinden der betroffenen Menschen. Damit passen sie nicht in das Bild unserer alles erklärenden Wissenschaft.

?

Transsexualität ist also ein rein psychisches Problem, das noch nicht ausreichend erforscht ist?

A: Bei dieser Frage weiß ich nie, ob ich lachen oder weinen soll. Ich muss an den Ausspruch denken: „Wir haben den ganzen Menschen seziert, seine Seele aber haben wir nicht gefunden!“ Daraus möchten manche Wissenschaftler den Schluss ziehen, es gäbe die Seele nicht. So bleibt der Wissenschaft nur die Möglichkeit, die Existenz der Seele zu verschweigen. Wenn wir den Menschen nur aus Physis und Psyche zusammensetzen wollen, dann kommt als Ergebnis kein „ganzer“ Mensch heraus. Dies ist jedem Arzt und Wissenschaftler klar, aber kaum einer wagt es auch, dies so auszusprechen. Auch in unserer kulturellen Entwicklung gab es Zeiten, in denen die Menschen mit all ihrer Klugheit und ihrem Forscherd rang mit Ehrfurcht den Wundern der Schöpfung begegnet sind, gleichgültig, was sie sich unter Schöpfung vorgestellt haben!

Um die Frage aber nun ganz konkret zu beantworten: Transsexualität ist ein menschliches Problem, weil wir es zum Problem machen. Ob die Ursachen "nur" im seelischen oder auch in körperlichen Bereich liegen, ist allerdings tatsächlich noch nicht erforscht. Aber selbst wenn die Antwort "psychisch" sein sollte, dann sollte man das Problem nicht als "Spinnerei" abtun, was nur allzu oft ein Synonym für "psychisch" ist.

?

Ich möchte das Wort „Problem“ nochmals aufgreifen und frage mich, warum es erst in den letzten Jahrzehnten so deutlich und immer häufiger auftritt?

A: Sie vermischen zwei Dinge, die ich getrennt beantworten muss. Dass das Phänomen der Transsexualität seit den 70er Jahren immer deutlicher als Problem auftritt, ist vordergründig gesehen richtig. Soziologische und medizinische Entwicklungen sind der eine Grund dafür, ohne zu werten ob sie in jedem Fall ein Fortschritt sind.

Als zweiten Grund kann ich eindeutig die Entwicklung in unseren Medien betrachten. Mehr Information lässt ein Problem immer größer erscheinen als es im Einzelfall ist. Unabhängig davon soll auch Menschen mit einer abweichenden Geschlechtsidentität geholfen werden. Häufig entstehen durch diese Möglichkeiten der Hilfe aber auch neue Zwänge.

Die zweite Feststellung, nämlich dass Transsexualität seit den 7oer Jahren häufiger auftritt als in früheren Jahren oder Epochen, muss ich bestreiten. Die Geschichtsforschung, die sich sowohl mit der Literatur als auch der soziologischen und ethischen Entwicklung in früheren Epochen und Kulturen beschäftigt, stößt immer wieder und zu allen Zeiten auf das Phänomen der Transidentität.

?

Dann müsste es doch auch heute andere Möglichkeiten für Eltern und Kinder geben als Verdrängung und Leid, bzw. Angst und Scham?

A: Wenn ich daran denke, dass es früher ohne Hormone und chirurgische Höchstleistungen der Medizin Lösungen für Betroffene und Mitbetroffene gab, dann macht mich das sehr traurig. Ich würde das Gespräch mit Ihnen gerne fortsetzen und Lösungsansätze für die frühkindliche Erziehung erörtern. Transsexuelle Menschen sind ein ganz normaler, im Kern gesunder, Teil der Schöpfung.

Was sie viel wichtiger als fremde Hilfe brauchen ist Akzeptanz, dann können sie sich nämlich in vielen Dingen selbst helfen. Unsere Gesellschaft und deren Vorstellung von „normal“ macht sie aber erst zum Problem! Neben allen notwendigen Sofortmaßnahmen für die heute lebenden Betroffenen, müsste an dieser Stelle angesetzt werden.

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Ich habe Ihren Artikel ‘Empfehlungen an die Eltern’ gelesen. Machen Sie es sich dabei nicht zu einfach? Die Wirklichkeit sieht doch für Eltern und Kinder ganz anders aus.

Antwort: Erstens gibt es keine allgemeingültige Wirklichkeit, auch wenn dies von uns Menschen immer wieder so gesehen, angestrebt oder gewünscht wird. Die Realität sieht in einer Stadt anders aus als auf dem Dorf, aber auch hier gibt es in jedem der Bereiche keine verbindliche Realität. Zweitens spielt das soziale Niveau und die Einstellung der Erwachsenen zum Leben, in der Familie und im direkten Umfeld eine erhebliche Rolle. Drittens kommt auch dem Alter der Eltern, des Kindes und der Menschen in der Nachbarschaft eine erhebliche Bedeutung zu.

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Aber diese Reihe von Unwägbarkeiten und Unterschiedlichkeiten ließe sich doch beliebig fortsetzen. Wie können dann Eltern Empfehlungen gegeben werden und den Kindern wirklich geholfen werden?

A: Leider gar nicht, wenn die Hilfe nicht aus jedem einzelnen Menschen selbst heraus kommt. Das oft als Drama erlebte Empfinden transidentischer Menschen beruht auf der einfachen Festschreibung, es gäbe nur Mann oder Frau, „das stehe so in der Bibel - das sei schon immer so gewesen - alles andere ist unnormal oder krank!“ Ich habe ja schon bei unserem letzten Zusammentreffen darüber gesprochen, dass es sich bei Transidenten eben um einen völlig gesunden Teil der Menschheit handelt, zwar selten vertreten, aber eben keine Erscheinung unserer Zeit. Ideal wäre, wenn dies alle Menschen so akzeptieren könnten. Wenn selbst Transidenten fordern, dass die Ursachen erforscht würden, dann ist damit oft die Hoffnung verbunden, die Geburt transidentischer Menschen zu verhindern. Aber kann dies wirklich ein Ziel sein, oder können wir nicht das Leben auch für Transidenten lebenswert machen?.

Aber da dies ein sehr weites Feld ist, schlage ich vor, dass wir uns heute speziell mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr beschäftigen.

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Aber in diesem Lebensabschnitt spielt doch das Geschlecht noch gar keine Rolle. Wieso wollen Sie ausgerechnet eine Begrenzung auf diese Zeit?

A: Oberflächlich mag es so aussehen, als ob das Geschlecht noch keine Rolle spielen würde. Das ist aber ein Irrtum. Denken Sie nur an die Frage, ‘ob es dem Stammhalter gut gehe?’, oder den Wunsch der Mutter, ‘das Baby möge doch endlich die ersehnte Tochter sein’. Auch wenn die Ultraschalluntersuchung in erster Linie dazu dient frühzeitig organische Schäden oder Behinderungen des Kindes festzustellen, oder ungewöhnliche, mit Komplikationen verbundene Lagen des Kindes vor der Geburt, so hat sie in der Vorstellung der Bevölkerung doch nicht zuletzt den Sinn, das Geschlecht noch vor der Geburt zu bestimmen. Die ersten Worte von Hebamme oder Arzt, nach der Geburt, lauten fast immer: „Es ist ein gesundes Mädchen (oder eben ein gesunder Junge)“. Sagt der Arzt nur: „Es ist ein gesundes Kind“, dann wird die Mutter stutzig werden und nachfragen ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

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Ehrlich gesagt habe ich mir dies noch nie so bewusst gemacht, wie Sie es jetzt aussprechen. Davon bekommt das Kind aber doch noch nichts mit. Diese Dinge können doch nicht in den Bereich der Identitätsentwicklung mit einbezogen werden.

A: Doch, wenn wir dies nicht tun, dann machen wir bereits einen großen Fehler. Die Identität ist, nach heutigem Kenntnisstand der medizinischen Wissenschaft nämlich schon festgelegt und zwar unabhängig vom biologischen Geschlecht, auch wenn dies in den meisten Fällen zusammen stimmt. Das Neugeborene hat also nicht nur biologische Vorgaben, sondern auch eine Identitätsvorgabe, ich sage dazu Seele! Beides kann nie mehr in seinem Leben geändert werden. Das Kind wird aber lernen damit umzugehen. Auch Wissenschaftler verwechseln dieses mit der Identität Umgehen mit Identitätsentwicklung. Oder das Kind wird eben daran gehindert mit seiner Identität umzugehen, z.B. wenn die Biologie nicht eindeutig ist, wie dies bei Intersexuellen der Fall ist, oder eben die Identität nicht mit der Erwartungshaltung der Menschen im Umfeld des Kindes in Einklang steht.

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Sie haben mich jetzt richtig neugierig gemacht. Doch zunächst habe ich eine Frage zum Thema ‘Intersexualität’. Bei unseren heutigen Möglichkeiten der Geburtshilfe und der Medizin kann es doch gar nicht mehr vorkommen, dass eine körperliche Abweichung, in Form einer intersexuellen Ausprägung unerkannt bleibt. Diesen Neugeborenen wird doch sofort, zumindest sehr frühzeitig, geholfen. Sie können dann ganz normal als Junge oder Mädchen aufwachsen. Hier müsste doch ein ‘Verschulden’ der Ärzte oder Eltern vorliegen, wenn dem nicht so ist?

A: Vertreter oder Vertreterinnen der Bewegungen, die sich für die Selbstbestimmung und Menschenwürde der Intersexuellen einsetzen, würden Sie jetzt sicher gerne ‘steinigen’. Ich schlage vor, das bei unserem nächsten Treffen ein Vertreter dieser Gruppe anwesend ist und wir uns dann mit diesen Bereich, den ‘Behandlungsmethoden’ bei Kindern mit biologischen Abweichungen, beschäftigen. Ich denke Sie werden dabei schockierende Erkenntnisse gewinnen; und dieses Problem ist auch viel zu umfassend, als dass wir es jetzt hier besprechen können. Aber vielleicht bekommen Sie eine Idee, wenn ich Ihnen sage, dass bei Intersexuellen circa 90% der Kinder, die tatsächlich operiert werden müssen, dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden - und zwar nicht etwa, weil die Kinder einen XX-Chromosomensatz haben - nein, "Es ist einfacher, ein Loch zu machen als einen Pfahl." Da auch die Eltern und die Umgebung gehalten werden, alles zu tun, um das Kind zu einem Mädchen zu machen, und dabei massiver Druck ausgeübt wird, können Sie sich vielleicht vorstellen, was passiert, wenn doch ein "Pfahl" dorthin gehört hätte.

Lassen Sie mich zum Ausgangspunkt, den Kindern bis zum dritten Lebensjahr zurück kommen. Wir Erwachsenen neigen dazu zu glauben, das Kind würde nichts verstehen, nur weil es sich in diesem Alter noch nicht äußern kann. Dabei wissen wir zwar, dass dies nicht so ist, aber wir ignorieren dieses Wissen noch weitgehend oder verdrängen es. Ich möchte so weit gehen, dass ich dies als ‘die Schuld der Erwachsenen’ bezeichne, die sie auf sich laden.

Die Sinne des Kindes, und damit auch seine Wahrnehmung von der Umwelt, entwickeln sich schon etwa drei Monate vor der Geburt. Sind es zunächst die Gefühle, so kommt auch schon dem Ohr als Wahrnehmungsorgan eine große Bedeutung zu, bevor das Kind das Licht der Welt erblickt. Mit der Geburt werden alle Sinne aktiviert und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Es entwickelt sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig, psychisch und seelisch. Ich unterscheide diese beiden letzten Bereiche bewusst. Meines Erachtens kommt der Psyche eine andere Bedeutung zu als der Seele, vor allem wenn ich die wissenschaftlichen Definitionen von Psyche in Betracht ziehe. Die Seele ist vorgegeben, die Psyche aber den jeweiligen äußeren Umständen angepasst. Von Natur aus ist ein Körper gesund, selbst dann, wenn er nach unseren heutigen Definitionen als behindert eingestuft wird. Der Körper kann krank oder verletzt werden. Dies gilt meines Erachtens analog auch für die Seele.

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Ich verstehe jetzt nicht, warum Sie auf den Begriff ‘Seele’ an dieser Stelle eingehen?

A: Die Erklärung ist ganz einfach: Damit wir eine gemeinsame Gesprächsbasis finden, gehe ich davon aus, dass der Körper das biologische Geschlecht sichtbar macht, also ob ein Mensch zum Zeugen oder Empfangen auf die Welt kommt. Die Seele aber beinhaltet das Identitätsgeschlecht, also die Frage ob ein Mensch männlich oder weiblich ist. Ab dem Zeitpunkt der Geburt wird dem Menschen dann noch das soziale Geschlecht zugeordnet. Im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass diese drei Geschlechterdefinitionen gleichgerichtet sind und nur dies natürlich sei.

Vom sozialen Geschlecht wissen wir, dass es in verschiedenen Kulturen, aber auch bei uns in verschiedenen lugins/editors/tinymce/jscripts/tiny_mce/themes/advanced/langs/de.js" type="text/javascript"> Zeiten, Unterschied e und Verschiebungen zu unserer heutigen Sicht gibt und gab. Denken Sie nur an die Jahre nach dem Krieg, als Frauen plötzlich "Männerfunktionen“ einnehmen mussten. Das soziale Geschlecht ist veränderbar und wird von Menschen aus eigenem Antrieb oder durch äußere Einflüsse bestimmt und angenommen oder abgelehnt.

Diese Möglichkeit der Veränderung gibt es weder beim Körper noch bei der Seele. Aus der irrigen Annahme, dass es ja die Psyche sei, durch welche die Geschlechtsidentität festgelegt ist, lassen sich verschiedene Vorstellungen erklären:

Unser psychischer Zustand kann von uns, eventuell mit fremder Hilfe, positiv, sicher aber durch Einflüsse denen wir uns ausgeliefert sehen, negativ beeinflusst werden.

Stabilität und Instabilität unserer Psyche sind einem Entwicklungsprozess unterworfen. Sie kann sich durch traumatische Einflüsse aber auch schlagartig ändern.

Unsere Psyche kann krank sein, also auch geheilt werden.

Wäre nun Geschlechtsidentität eine Sache der Psyche, dann wäre sie entwickelbar, beeinflussbar und heilbar.

Die Geschlechtsidentität ist aber von der Seele vorgegeben. Sie gewinnt im Lauf der Entwicklung des Kindes an Bedeutung. Das Kind wird sich seiner Identität bewusst. Stimmen nun Seele, Körper und soziale Zuordnung zusammen, dann bleibt dieses Bewusstsein nur schwach entwickelt. Nicht aber wenn dabei deutlich wird, dass die Erwartungshaltung der Umwelt anders ist, als das Kind sich empfindet.

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Wollen sie damit sagen, dass Kinder schon vor dem dritten Lebensjahr ein Empfinden für ihre Identität haben?

A: Ja, genau dies will ich damit sagen. Sie können es aber noch nicht ausdrücken oder nach außen für Erwachsene erkennbar machen, jedenfalls im Alltag. Sie erkennen wahrscheinlich auch noch nicht, dass ihr Empfinden, männlich oder weiblich, in der Erwartungshaltung der Umwelt etwas mit der Beschaffenheit ihres Körpers zu tun haben sollte. Was sie aber ‘instinktiv’ tun ist, sich so zu verhalten, dass es ihnen gut geht. Wir hören es immer wieder von Transidenten, dass sie schon in frühester Kindheit spürten, dass ‘etwas nicht in Ordnung sei’, aber nicht wussten was es ist. Erst viel später, als ihnen die Bedeutung von Geschlechtsidentität bewusst wurde, fanden sie dafür einen Namen, manchmal aber auch schon im Alter von 4 bis 6 Jahren. Aus Berichten von Eltern wissen wir, dass Kinder, abweichend von ihren biologischen Vorgaben, schon sehr früh geäußert haben, sie seinen ein Mädchen oder eben ein Junge. Die Antwort der Eltern lautete dann etwa: „Aber nein, mein kleines Dummerchen, ...“.

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Dann können aber Eltern doch auch erst in dieser Zeit darauf aufmerksam werden?

A: Auffällig wird eine vorhandene Transidentität tatsächlich erst in der Entwicklungsphase, in der ein Geschlechtervergleich stattfindet, meist ab dem Kindergartenalter. Hat ein Kind Brüder und/oder Schwestern, so werden Auffälligkeiten oft mit Nachahmung oder neidischem Verhalten verwechselt. Natürlich kann dies vorliegen und ist für sich alleine noch kein Indiz. Bis zum dritten Lebensjahr spielen solche Beobachtungen aber noch keine Rolle. Viel wichtiger sind in dieser Zeit die Prägungen durch die Bezugspersonen des Kindes und die Einflüsse der Menschen in seiner Umwelt.

Jedes Kind lernt in der Zeit der ersten drei Lebensjahre die meisten Strategien zur späteren Lebensbewältigung kennen und ihre Anwendbarkeit in seinem Umfeld. Zu diesen Strategien gehören Durchsetzungsvermögen, Anpassung und Verdrängung, um nur einige wesentliche davon zu nennen. Das Kind wird sie, sein ganzes Leben lang, immer wieder einsetzen. Wir Erwachsenen sind dabei die ‘Gegenspieler’, ohne uns dies wirklich klar zu machen.

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Die Hauptbezugsperson in dieser Entwicklungsphase des Kindes ist in den meisten Fällen die Mutter. Wie kann sie hier steuernd eingreifen um das Lernen von Strategien zu verhindern, die sich später als untauglich herausstellen?

A: Diese Frage hier allgemeingültig zu beantworten ist unmöglich. Selbst wenn ich mich jetzt nur auf die Frage der geschlechtlichen Zuweisung beschränke, gibt es keine allgemeingültige Antwort. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass immer dann, wenn später eine von der biologischen Vorgabe abweichende Geschlechtsidentität sichtbar wird, Parallelen in den Lebensgeschichten auftauchen. Sie wurden auch in der Fremdanamnese sichtbar und lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen. Wenn wir diese Berichte von den Zufälligkeiten der sozialen und intellektuellen Rahmenbedingungen zu befreien, dann könnten etwa folgende Gruppen aufgezählt werden:

Kinder, die überwiegend im Erwachsenenmilieu aufwachsen: Diese Kleinkinder sind fast ausschließlich von Anfang an einer hohen Erwartungshaltung in der geschlechtlichen Rollenzuweisung ausgesetzt. Besonders hart davon sind Jungen betroffen. Bei Mädchen ist die Rollenzuweisung nur dann extrem groß, wenn Vater und Mutter verschiedene Wunschvorstellungen hatten. In diesen Fällen wird es für ein Kind sehr wichtig sein, dass die Mutter zu großen Zuweisungsansprüchen entgegen steuert. Es geht in der Zeit, der Entwicklung bis zum dritten Lebensjahr, um ein Kind und noch nicht um einen Jungen oder ein Mädchen!

Kinder, deren Umfeld eine gut gemischte Altersstruktur aufweist: Diese Kinder können sich meist sehr frei entwickeln. In Fällen, bei denen sich später eine Transidentität herausstellte, stellte sich meistens heraus, dass sie in dieser Struktur dem Zwang einer Rollenzuweisung ausgesetzt waren. Ihre freie Entwicklung wurde dadurch gestört. Auch wenn ich das hier vereinfachend darstelle, mag es einen ersten Einblick in diese Entwicklung geben.

Kinder, in deren Umfeld unter den Erwachsenen sehr große Spannungen bestehen: Da diese Kleinkinder natürlich nicht verstehen können, woher diese Spannungen kommen, diese aber sehr wohl erleben, werden sie grundsätzlich an einer freien Entwicklung gehindert. Sie spüren Ablehnung ebenso wie eine überbetonte, unnatürliche Zuwendung, z.B. im Sinne von: " Ein Glück, dass ich wenigstens Dich habe." Wird dann auch noch dem Kind in diesem Beispiel, biologisch als Mädchen eingestuft, von der Mutter erzählt, wie schlimm doch Männer seien, der Vater oder der ältere Bruder, dann wird sich bei einer schon vorhandenen aber nicht sichtbaren Transidentität bereits in diesem Alter eine Ablehnung der eigenen Geschlechtsidentität manifestieren. Dies führt später zu erheblichen Problemen in der Annahme der eigenen Identität.

Natürlich konnte ich jetzt nur eine sehr grobe Einteilung vornehmen. Das Leben und die Entwicklung eines Kleinkindes sind viel zu komplex um es hier auf einen allgemeingültigen Nenner zu bringen. Dies ist nicht nur ein Nachteil, sondern auch die große Chance, die das Leben für uns bereit hält.

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Könnte man Müttern eine allgemeine Regel für den Umgang mit ihrem Kind an die Hand geben, unabhängig davon, wie die konkrete Lebenssituation aussieht?

A: Ja, gerade für die ersten drei Lebensjahre erscheint mir dies möglich. Die Grundregel sollte heißen: ‘Vermeiden sie jede geschlechtsspezifische Überbetonung, die für die Entwicklung in diesem Lebensabschnitt noch keine Rolle spielt. Lassen sie ihr Kind reifen. Wehren sie sich, im Interesse ihres Kindes gegen Zuweisungen, die von außen kommen. Das Kind wird früh genug damit konfrontiert werden. Je weniger es schon festgelegt ist, um so sicherer kann es später zu seiner Geschlechtsidentität stehen.’

Ende

20. Dez. 1997

 


 

Grundsätzliches zum Thema Namensänderung

Entscheidungen zur Namensänderung nach §4 TSG dienen folgenden Zielen:

1. schrittweise Erprobung der Lebbarkeit der eigenen Identität, ohne dass Veränderungen eintreten, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden können, hervorgerufen durch medizinische Maßnahmen, d.h.: Die Namensänderung nach TSG kann den Weg dafür ebnen, dass die Erprobung im angestrebten Geschlecht zu leben, sozialverträglich gestaltet werden kann. Aus den dabei gewonnenen Erfahrungen kann sich die Notwendigkeit von geschlechtsangleichenden Maßnahmen ableiten, nicht jedoch aus der Namensänderung selbst.

2. Schutz vor Diskriminierung von Amts wegen. Hinweis: Laut schriftlicher Auskunft des Bundesministeriums des Inneren sind die Gerichte angewiesen alles zu tun, damit Diskriminierung und Gefährdung der sozialen Stabilität unterbleiben.

3. Transsexuelle sollen von dem Zwang befreit werden ihrem Arbeitgeber, Behörden oder Kontrollorganen des Staates zu erklären, warum sie anders leben als es der ursprüngliche Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde erwarten lässt (Ausforschungsverbot nach §5 TSG).

Verfahren nach §1 / Entscheidungen nach §4 TSG dauern zwischen 6 Monaten bis zu mehr als drei Jahren. Sieht man von persönlich begründbaren Einzelfällen ab, so ergibt sich derzeit eine durchschnittliche Verfahrensdauer von ca. 1 ½ bis 2 Jahren. Dieser Zustand ist unhaltbar und mit einer "Überlastung" der Gerichte nicht zu erklären. Unterstellt man, dass die Anzahl der Transsexuellen in Deutschland sich in der Größenordnung bewegt, die von "Experten" immer wieder veröffentlicht wird (ca. 6.000 - 8.000 seit 1980), und sieht diese Zahl in Relation zur Anzahl der mit dem Thema beschäftigten Gerichte, dann müsste es möglich sein, dass Verfahren nach §1, Entscheidung nach §4, grundsätzlich in weniger als 6 Monaten erledigt werden können. Verzögerungen durch die Erstellung der Gutachten von Sachverständigen sind ebenso wenig hinnehmbar wie solche durch angebliche Überlastung der Gerichte (siehe auch volkswirtschaftlicher Schaden).

Die vom Gericht zu bestellenden Sachverständigen, die mit der Problematik der Transsexualität ausreichend vertraut sein müssen, haben die Aufgabe zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:

1. Ist die Vorstellung des Antragstellers, dem anderen Geschlecht anzugehören glaubwürdig?

2. Besteht diese Vorstellung glaubhaft seit mehr als drei Jahren?

3. Wird sich das Zugehörigkeitsempfinden des Antragstellers mit hoher Wahrscheinlichkeit und nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft nicht mehr ändern?

Der Gutachter hat in keinem Fall die Aufgabe

1. als Diagnostiker tätig zu werden

2. eine Therapie durchzuführen

3. die Notwendigkeit oder Sinnhaltigkeit medizinischer Maßnahmen zu beurteilen

4. die Lebbarkeit der angestrebten Geschlechtsrolle zu beurteilen. (Seine Aufgabe ist es:
" ... sich davon ein Bild zu machen, ob der Antragsteller, mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch in Zukunft in der angestrebten Geschlechtsrolle leben will.")

Die Punkte 1 und 2 betreffen das TSG nicht, sie sind Aufgabe der behandelnden Ärzte in dem Rahmen, wie es der Patient wünscht. Die Antwort den Punkte 3 liegt einzig in der Verantwortung des Antragstellers und ist nicht gerichtsrelevant. Ob die angestrebte Geschlechtsrolle lebbar ist hat der Antragsteller selbst zu verantworten. Die Phantasie des Sachverständigen ist hier nicht gefragt oder Ausschlag gebend.

In den letzten fünf Jahren konnte ich immer wieder eklatante Verstöße, von Seiten der Gerichte gegen die gesetzlich vorgeschriebene Fragestellung und von Seiten der Gutachter gegenüber den Fragen, zu denen sie eben nicht Stellung zu nehmen haben, feststellen. Ich habe aussagefähige Gutachten gesehen, die einen Umfang von weniger als einer DIN A4 Seite hatten und zum Erfolg führten, aber auch "Geistesergüsse" von "Experten", die 30 und mehr Seiten lang waren, um am Ende die wirklich relevanten Fragen in einer "Zusammenfassung" von 6 Zeilen am Ende des "Gutachtens" endlich zu beantworten.

In einigen Bundesländern kommt es zu Verfahren, die man eigentlich nur als Verstoß gegen das Grundgesetz einstufen kann:

GG Art. 1. (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar.

·       Ist es mit der Würde des Menschen vereinbar, wenn Gutachter in Niedersachsen fordern, dass sich Antragsteller für die Namensänderung vor ihnen, auch im Beisein von Studenten oder Kollegen, ausziehen und wieder ankleiden, um zu beweisen, dass sie sich nicht nur verkleiden, sondern mit der Wäsche des angestrebten sozialen Geschlechtes auf "natürliche Weise umgehen können"?

·       Ist es mit dem Grundgesetz vereinbar, wenn in einem Bundesland obligatorisch gefordert wird, dass ein Antragsteller sich in eine stationäre "Behandlung" in der Psychiatrie begibt und dies nur bei großen persönlichen Anstrengungen und unter Hinnahme von Benachteiligung und Verzögerung der Gutachtenerstellung vermeiden kann? (Die Liste könnte noch beliebig erweitert werden.)

·       Ist es hinnehmbar, wenn Sachverständige die Gutachtenerstellung verweigern weil der Antragsteller bereits Hormone genommen hat, bevor ihn der Sachverständige gesehen hat? So geschehen in Schleswig-Holstein.

·       Ist es hinnehmbar, wenn die Gutachtenerstellung mit der Begründung verweigert wird, der Antragsteller müsste durch eine Zwangstherapie erst nachweisen, dass er nicht heilbar sei?

Ein Sachverständiger, der nicht in der Lage ist, sich innerhalb von maximal 3 Sitzungen ein Bild von der Persönlichkeit des Antragstellers zu machen, ist kein Sachverständiger. Er spielt sich entweder zum Richter auf oder er ist durch die Materie "Transsexualität" selbst so verunsichert, dass ihm der Sachverstand abgesprochen werden muss.



 

Entschließung des Deutschen Bundestages an das Europäische Parlament

Deutscher Bundestag

11. Wahlperiode

Unterrichtung durch das Europäische Parlament

Das Europäische Parlament

unter Hinweis auf die Petitionen Nr. 16/84 und 229/87, unter Hinweis auf die gemeinsame Erklärung des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission zu den Menschenrechten vom 27. April 1977 (ABl. Nr. C 103 vom 27. April 1977, S. 1), unter Hinweis auf die in der Präambel zur Einheitlichen Europäischen Akte (ABl. Nr. L 169 vom 29. Juni 1987, S. 1) übernommene Verpflichtung, für die in der europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten und der europäischen Sozialcharta anerkannten Grundrechte, insbesondere Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit, einzutreten, unter Hinweis auf die Entschließung des Parlaments vom 29. Oktober 1982 (ABl. Nr. C 304 vom 22. November 1982, S. 253) zur Verbesserung des Grundrechtsschutzes in er EG durch gesetzgeberische Maßnahmen, unter Hinweis auf die Entschließung zur sexuellen Diskriminierung am Arbeitsplatz (ABl. Nr. C 104 vom 16. April 1984, S. 46), unter Hinweis auf die Entschließung über Gewalt gegen Frauen (ABl. Nr. C 176 vom 14. Juli 1986, S. 52), in Kenntnis des Berichts des Petitionsausschusses (Dok. A3-16/89)

A) in der Erwägung, dass das Verfahren einer Geschlechtsumwandlung für Transsexuelle noch immer nicht in allen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft eröffnet und geregelt ist oder dass die Kosten dafür nicht von den Krankenkassen übernommen werden,

B) im Bedauern, dass die Transsexuellen noch immer überall diskriminiert, marginalisiert und zum Teil sogar kriminalisiert werden,

C) im Bewusstsein, dass die Arbeitslosenrate bei Transsexuellen während der Phase der Geschlechtsumwandlung 60 bis 80 Prozent beträgt,

D) in der Erwägung, dass Transsexualität ein psychologisches und medizinisches Problem ist, aber auch ein Problem der Gesellschaft, die sich mit einem Wechsel in der kulturell festgelegten geschlechtsspezifischen Rolle nicht auseinander zusetzen weiß,

1. ist der Überzeugung, dass die Würde des Menschen und das Persönlichkeitsrecht das Recht beinhalten müssen, ein Leben entsprechend der geschlechtlichen Identität zu führen.

2. fordert die Mitgliedstaaten auf, Bestimmungen über das Recht der Transsexuellen auf endokrinologische, plastischchirurgische und ästhetische Geschlechtsumwandlung, über das Verfahren und über das Verbot der Diskriminierung von Transsexuellen zu erlassen.

Das Verfahren sollte mindestens die Möglichkeiten gewährleisten:

a) Psychiatrische/psychotherapeutische Differentialdiagnose des Transsexualismus, im Sinne der Hilfe zur Selbstdiagnose;

b) Beratungszeit; psychotherapeutische Begleitung und Unterstützung; Aufklärung über Geschlechtsumwandlung; medizinische Untersuchungen;

c) Hormonbehandlung/Alltagstest, d. h. leben in der neuen Geschlechtsrolle während mindestens einem Jahr;

d) chirurgischer Eingriff nach Genehmigung durch Fachgremium bestehend aus Facharzt/-ärztin, Psychotherapeuten-/-in und gegebenenfalls einem/einer vom Betroffenen benannten Vertreter/-in;

e) rechtliche Anerkennung : Änderung des Vornamens; Berichtigung der Geschlechtseintragung in Geburtsurkunden und Ausweispapieren;

f) psychotherapeutische und medizinische Nachbetreuung;

3. fordert den Europarat auf, eine Konvention zum Schutz der Transsexuellen zu erlassen;

4. fordert die Mitgliedstaaten auf, Vorsorge dafür zu treffen, dass die Kosten des psychologischen, endokrinologischen, plastischchirurgischen und ästhetischen Behandlung von Transsexuellen durch die Krankenkassen erstattet werden;

5. fordert die Mitgliedstaaten auf, Sozialhilfeleistungen für Transsexuelle, die wegen ihrer Geschlechtsanpassung unverschuldet Arbeit und/oder Wohnung verloren haben, zu gewähren;

6. fordert die Mitgliedstaaten auf , Beratungsstellen für Transsexuelle einzurichten und Selbsthilfegruppen finanziell zu unterstützen;

7. fordert die Mitgliedstaaten auf, Aufklärung über die Probleme von Transsexuellen zu machen, insbesondere bei den Angehörigen ihrer Sozialdienste, der Polizei, der Grenzbeamten, der Meldestellen, der Militärverwaltung, der Haftanstalten;

8. fordert die Kommission und den Rat auf, klarzustellen, dass die Richtlinien der Gemeinschaft über die Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz auch eine Diskriminierung von Transsexuellen verbietet;

9. fordert die Kommission, den Rat und die Mitgliedstaaten auf, Ausweise zu erstellen, die die Transsexuellen auf Wunsch als solche ausweisen und EG-weit anerkannt sind;

10. fordert den Ministerrat und die Mitgliedstaaten auf, bei der Vereinheitlichung des Asylrechts die Verfolgung wegen Transsexualität als Asylgrund anzuerkennen;

11. fordert die Kommission auf, im Rahmen ihrer Förderungsprogramme Mittel zu weiteren Erforschung der Transsexualität und zur Verbreitung der vorhandenen Kenntnisse über die Transsexualität im medizinischen Bereich bereitzustellen;

12. fordert die Kommission auf, bei den Mitgliedstaaten auf besondere Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung von Transsexuellen hinzuwirken;

13. fordert, bei der Kommission eine Stelle zu benennen, bei der Fälle von Diskriminierung gemeldet werden können;

14. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung der Kommission, dem Rat, den Regierungen und den Parlamenten der Mitgliedstaaten sowie dem Europarat zu übermitteln.

 


 

Kommentar zur Entschließung des deutschen Bundestages

Unter 3. wird eine Konvention zum Schutz Transsexueller gefordert, in den bisherigen Vorlagen zum Antidiskriminierungsgesetz hat sie die Bundesregierung aber selbst "vergessen".

Unter 4. wird gefordert, dass Kassen die nötigen Kosten erstatten, aber es vergeht fast keine Woche, in der sich Betroffene nicht an mich wenden, weil die Kostenübernahme von Behandlungen bei uns "schikanös" abgewickelt wird, auch wenn ich nicht beabsichtigte Schikane unterstellen will.

Zu 5.: In den letzten Jahren habe ich es immer wieder erlebt, dass Transsexuelle "Mann-zu-Frau", in Wohngemeinschaften (Hotels) im Zweibettzimmer mit Männern untergebracht wurden, Kleidergeld für weibliche Kleidung versagt wurde, Sonderaufwendungen für Schminke verweigert wurden (obwohl noch keine Epilation vollzogen wurde), ...

Zu 6.: Man fordert vom Parlament die Schaffung von Beratungsstellen und die finanzielle Förderung von Selbsthilfegruppen, hat aber gerade diese Gruppen in der letzten Legislaturperiode aus dem Förderplan gestrichen und tut selbst in der BRD nichts für die Errichtung von Beratungsstellen. Die wenigen Einrichtungen an Universitäten, die sich der Problematik von Beratung annehmen, haben weder die Zeit noch in den wenigsten Fällen die Qualifikation, sich mit der psychosozialen Problematik auseinander zu setzen.

Gerade diese Aspekte aber sind für eine Entscheidung - "bin ich transsexuell? - welche Hilfe und/oder Behandlung brauche ich?" äußerst wichtig. Selbst in Zentren mit hoher Sachkompetenz herrschen Berührungsängste oder Verengungen auf psychologische und medizinische Probleme vor.

Zu 7.: Alle Maßnahmen zur Aufklärung von Sozialdiensten, Polizei, Meldestellen und Haftanstalten musste ich in NRW bisher aus meiner eigenen Tasche bezahlen. Manche dieser Stellen wären bereit gewesen, mir wenigsten meine Auslagen zu erstatten; doch nicht einmal dafür gab es eine Verbuchungsmöglichkeit, geschweige denn für Aufwandsentschädigungen. Erst auf meine Veranlassung hin hat sich der psychologische Dienst im Strafvollzug NRW mit der Thematik beschäftigt und sich von mir mit Infomaterial versorgen lassen. Die Bundesanstalt für Arbeit vertritt die Überzeugung, dass eine Aufklärungsbroschüre über soziale Probleme der Transsexuellen und ihre Wiedereingliederung ins Berufsleben nicht erforderlich sei, was an der Realität aber eindeutig vorbei geht.

Zu 8.: Immer wenn ich mit Gleichstellungsbeauftragen sprach, oder mit Frauenämtern, hieß es: "Natürlich sind Transsexuelle vor Diskriminierung geschützt, sobald sie eben eindeutig seien." Selbst die Bundesanstalt für Arbeit hat im letzten Jahr einen äußerst diskriminierenden Präzedenzfall geschaffen und sich dabei auf die geltende Rechtspraxis berufen. Transsexuelle werden durch die derzeit gültige Form der Gleichstellung von Mann und Frau explizit diskriminiert! Das Ausforschungsverbot, welches Transsexuelle vor Diskriminierung schützen soll, wird auch von Bundesbehörden unterlaufen, wenn eigene Mitarbeiter betroffen sind. Berufssoldaten, die ihre Transsexualität nicht mehr kompensieren können und sich behandeln lassen möchten verlieren nach der geübten Praxis der Bundeswehr ihre Existenz (und ev. die der ganzen Familie).

Zu 9.: da die Bundesregierung es bisher versäumt hat ihre eigene Forderung nach einem Ergänzungsausweis durchzuführen, ist die dgti nun in diese Bresche gesprungen. Das Innenministerium hielt es dabei nicht einmal für nötig, die Länderministerien zu informieren oder sonstige Publikationshilfe zu geben. Die Antwort des BMI, die Gerichte würde ja eine Bescheinigung ausstellen, die Transsexuelle bei Bedarf vorlegen könnten, wenn über gerichtliche Schritte noch nicht entschieden ist, zeigt gelinde gesagt eine sehr realitätsfremde Sichtweise der Verantwortlichen.

Zu 10.: Die Forderung Transsexualität als Asylgrund anzuerkennen spricht der Praxis in Deutschland Hohn. Ein Kubaner, der 6 Monate mit mir in Kontakt war - das mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegende transsexuelle Syndrom konnte

von den hinzugezogenen Ärzten nicht diagnostiziert werden, da die mangelnden Sprachkenntnisse die psychiatrische Differentialdiagnose nicht ermöglichten (in der zur Verfügung stehenden Zeit). Der Kubaner tauchte wegen der drohenden Abschiebung unter.

Zu 12.: Sowohl von der Bundesanstalt für Arbeit, als auch von Landesarbeitsämtern wird die Auffassung vertreten, dass Transsexuelle keinerlei besonderer Maßnahmen bedürfen. Ein in Krefeld seit über 18 Monaten anhängiger Fall wurde von einem Schreibtisch zum anderen geschoben und konnte erst jetzt, durch das Verständnis eines Arbeitgebers und viele private Bemühungen, in eine Umschulung münden, die aber vom Arbeitsamt bisher nicht bezuschusst oder gar bezahlt wird.

Erst durch meine Initiative, vor über drei Jahren, war man im Arbeitsamt Köln bereit Transsexuelle entsprechend dem gelebten Geschlecht in die Arbeitsvermittlung aufzunehmen. Trotzdem funktioniert dies nur, wenn Betroffene von dieser Vereinbarung wissen und selbst darauf hinweisen. Auch in Köln kommt es immer wieder vor, dass der Sachbearbeiter empfiehlt, der/die Arbeitssuchende solle sich doch krankschreiben lassen, bis die "Umwandlung" medizinisch und gesetzlich vollzogen sei.

Zu 13.: Es wird eine Meldestelle für Fälle der Diskriminierung gefordert; bei uns tut man so, als ob alles geregelt sei. Ein extremer Fall aus jüngster Zeit (aus Baden-Württemberg): Eine Transsexuelle, Mann-zu-Frau, wird in der geschlossenen Psychiatrie (Forensikh) vergewaltigt. Folgen für sie: Sie darf keine weibliche Bekleidung mehr tragen. Sie betreibt nun, da sie gehört hat, dass ich Psychiatriepatienten betreue, die Verlegung nach NRW. Diese Betreuungsarbeit kann ich aber nur tun weil ich "glücklicherweise?" arbeitslos bin und alle dabei entstehenden Kosten selbst zahle. Obwohl ich sowohl in JVA-Wuppertal, JVA-Düsseldorf als auch in der Forensikh in Bedburg-Hau qualifizierte Mitarbeit leiste und Informationen zur Verfügung stelle, besteht nach derzeitiger Rechtslage keine Chance der Kostenübernahme.

Zu jedem der aufgeführten Punkte könnte noch eine Unmenge von Beispielen aufgeführt werden. Ich hoffe, dass dazu in geeignetem Rahmen eine Möglichkeit geschaffen wird.

 


 

dgti-Lexikon

Transsexualität:

Dieser Begriff bezieht sich auf die fixierte Vorstellung eines Menschen, dass seine eindeutig körperlich sicht- und nachweisbare Geschlechtszuordnung falsch ist (der Mensch gehört keinem Geschlecht an, sondern er wird nach seiner Geburt zugeordnet). Das Streben der Betroffenen ist meist schon in frühester Kindheit darauf ausgerichtet das körperlich sichtbare Geschlecht zu verheimlichen, bzw. typische Zuweisungen durch Kleidung abzulehnen. Die Vorstellung ist derart fixiert, dass therapeutische Ansätze, die die psychische Geschlechtszugehörigkeit an die vorhandene körperliche anpassen wollen, ausnahmslos scheitern. Dahingehende massive Therapieversuche haben gezeigt, dass diese häufig mit einer deutlichen Steigerung der Suizidbereitschaft der Betroffenen quittiert werden.

Neuere Forschungen international renommierter Spezialisten und Einrichtungen weisen nach, dass Transsexualität wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Bereich der Intersexualität einzuordnen ist

Intersexualität:

Mit den Begriff verbinden sich im Volksmund Worte wie Zwitter oder Hermaphrodit (siehe Tabelle der IS-Syndrome bei www.dgti.org).

Will man den Begriff der Intersexualität mit einfachen Worten korrekt beschreiben, so handelt es sich dabei um die uneindeutige Ausprägung der biologischen Geschlechtsmerkmale (wobei damit noch nichts über die Geschlechtsidentität gesagt werden kann).

Den Begriff der "biologischen Geschlechtsmerkmale" muss man dabei auf:

a)    die inneren und die äußerlich sichtbaren Geschlechtsmerkmale, sowie

b)    das "genetische Geschlecht" beziehen.

Zu berücksichtigen ist, dass intersexuelle Menschen nicht unbedingt äußerlich als solche zu erkennen sein müssen. Es leidet auch nicht jeder intersexuelle Mensch  unter einem inneren Zwiespalt des Geschlechtsempfindens, d.h. die Geschlechtszuordnung kann mit dem Identitätsgeschlecht zusammen stimmen (muss es aber eben nicht, was erst dann zu Problemen führt).

Transidentität:

Transidentität ist eine Wortschöpfung unserer modernen Zeit. Transidentische Menschen stehen im Widerspruch zwischen der geschlechtlich gelebten Rolle (Sozialisation) und der Rolle in der sie sich sehen und gesehen werden wollen. Dabei macht es keinen Unterschied ob eine Transsexualität oder Intersexualität vorliegt (falls es diesen Unterschied überhaupt gibt).

Oft wird fälschlicherweise in diesem Zusammenhang von "Wunschgeschlecht" gesprochen. Transidenten haben häufig den Wunsch ihr zugewiesenes Geschlecht auch für sich akzeptieren zu können, scheitern dabei aber immer wieder, so dass sie eines Tages keine andere Möglichkeit sehen, als ihren inneren Vorstellungen entsprechend zu leben.

Transvestitismus:

Frühere Definitionen scheinen kaum noch haltbar. Transvestiten betreiben entweder "Travestie", die "Kunst" im anderen Geschlecht aufzutreten, sei es auf der Bühne oder im Alltag, oder sie kompensieren damit eine noch nicht eingestandene Transidentität. Eine sexuelle Störung, im Sinne der Sexualmedizin, ist bei den meisten Transvestiten als Diagnose nicht haltbar, demnach auch nicht therapierbar.

 


 

Der Ergänzungsausweis der dgti®

Im "Alltagstest" - am Flughafen, bei einer Verkehrskontrolle oder einfach nur beim Urlaub im Ausland, braucht man Papiere, die einen eindeutig ausweisen. In der Phase der Umstellung oder Erprobung stimmen jedoch die Personalpapiere und das äußere Erscheinungsbild für einige Zeit nicht überein, was häufig unangenehme Nachfragen zur Folge hat, die auf uns belastend und erniedrigend wirken; in einigen Fällen mussten die Leute auch schon mit auf die Polizeiwache, um die Personalien überprüfen zu lassen. Abhilfe könnten hier Dokumente schaffen, die vom behandelnden Psychologen oder Arzt ausgestellt werden. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie sehr unterschiedlich ausfallen, einsprachig sind und ohne Bild in der erprobten geschlechtlichen Erscheinungsform.

Wir haben einen Weg gefunden, diesem Zustand Abhilfe zu schaffen. Der Ergänzungsausweis enthält alle personenbezogenen Daten des Reisepasses oder Personalausweises. Zudem ist ein Pass foto- in den Ausweis eingeschweißt, so dass keine Diskrepanz zwischen den Papieren und der Person bestehen bleibt. Die dreisprachige Ausführung in Deutsch, Fra nzösisch und E nglisch ermöglicht die Verwendung auf Reisen ins Ausland.

Eine Voraussetzung für den Erhalt dieses Dokuments ist das Vorhandensein der Bescheinigung eines behandelnden Arztes bzw. Psychologen. Es genügt z.B. die Angabe: "... ist wegen des Verdachtes eines transsexuellen Syndroms in Behandlung", oder die Kopie eines Rezeptes für Hormone zur gegengeschlechtlichen Behandlung.

Derzeit ist er die einzige standardisierte Form eines Ausweispapiers, das der besonderen Situation betroffener Menschen Rechnung trägt. Er ist allen Innenministerien der Länder, dem Bundesministerium des Inneren, sowie verschiedenen anderen Behörden, Ministerien sowie verschiedenen Organisationen und Gesellschaften in Deutschland bekannt. Ver suche, die wir selbst mit dem Ausweis durchgeführt haben, waren durchweg positiv. Es entfällt der übliche Erklärungsbedarf. Unter www.dgti.org finden Sie weitere Angaben zur Rechtsgrundlage und vor allem auch Erfahrungsberichte von Ausweisinhabern.

Im Kartentext wird angegeben, in welche Richtung die Reise geht. Die gezeigten Exemplare sind für MzF ausgelegt. Bei FzM oder Intersexuellen werden die entsprechenden Stellen angepasst.

Voraussetzungen für den Erhalt des Ausweises:

1. Kopie des Personalausweises

2. Passbild in der angestrebten Geschlechtsform sowie der amtlichen Größe und Angabe des gewünschten Vornamens

3. Bescheinigung des behandelnden Arztes bzw. Psychologen, dass sich der Antragsteller in der Erprobungs- oder Umstellungsphase befindet (auf Stempel und Unterschrift des Arztes achten)

4. Eine Erklärung, dass der Antragsteller Stichprobenkontrollen über die Identität des Antragstellers zustimmt

5. Den Preis EUR 10,00 zur Kostendeckung, an unten angegebenes Konto überweisen und Einzahlungsbeleg beifügen

6. Einen freigemachten Umschlag (Kompaktbrief, A6, Langform) oder Briefmarke beilegen. Zur Zeit EUR 0,90.

7. Alles ( Punkte 1-6) in einen freigemachten Briefumschlag stecken und abschicken an

dgti e.V. "Ergänzungsausweis"

c/o H. K. Alter
Sulzbacher Str. 43
90489 Nürnberg

8. Einzahlung an: dgti e.V., Kölner Bank e.G., BLZ: 371 600 87 Konto: 583 922 008, Verwendungszweck: "Ergänzungsausweis für ..."

9. Alles andere kommt so bald als möglich per Post ( bitte vergessen Sie nicht Ihre aktuelle Postanschrift)

ES KANN KEINE BEARBEITUNG STATTFINDEN, WENN NICHT ALLE PUNKTE 1 BIS 7 VOLLSTÄNDIG ERFÜLLT SIND.

Der Ergänzungsausweis dient nicht nur zum Schutz vor Diskriminierung von Behördenvertretern, sondern leistet auch beim Erhalt und der Wiedergewinnung sozialer Stabilität gute Dienste. Er wird von vielen Arbeitgebern und Krankenkassen anerkannt um den sozialen Umstieg, unabhängig von einem Antrag nach TSG bzw. dessen Entscheidung, bereits die Papiere auf den neuen Namen auszustellen. Dieses positive Verhalten trägt dem folgenden Grundsatzurteil Rechnung.

 


 

Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes

IV. Die Kammer nimmt die Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung an, weil dies zur Durchsetzung der Grundrechte der Beschwerdeführerin angezeigt ist (§ 93a Abs.2 Lit. B, § 93b Satz 1 BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde ist offensichtlich begründet; die insoweit maßgeblichen Fragen hat das BVG in seinem Beschluß vom 11. Oktober 1978 (BVerfGE 49, 286 ff.) bereits entschieden. Die Kammer ist damit auch zur Sachentscheidung berufen (§ 93c Abs. 1 Satz 1 BVerfGG).

1.

Art. 1. Abs. 1 GG (Anmerkung: GG nachlesen) schützt die Würde des Menschen in der Individualität, in der er sich selbst begreift. Dieser Verfassungsgrundwert gewährleistet zugleich in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 GG die Freiheit des Individuums, sich seinen Fähigkeiten und Kräften entsprechend zu entfalten. Aus der Achtung der Menschenwürde  und dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit folgt das Gebot, den Personenstand des Menschen dem Geschlecht zuzuordnen, dem er nach seiner psychischen und physischen Konstitution zugehört (vgl. BVerfGE 49, 286). Die Frage, welchem Geschlecht sich ein Mensch zugehörig empfindet, betrifft dabei seinen Sexualbereich, den das GG als Teil der Privatsphäre unter den verfassungsrechtlichen Schutz der Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG gestellt hat (vgl. BVerfGE 47, 46; 60, 123; 88, 87). Jedermann kann daher von den staatlichen Organen die Achtung dieses Bereichs verlangen. Das schließt die Pflicht ein, die individuelle Entscheidung eines Menschen über seine Geschlechtszugehörigkeit zu respektieren.

2.

Auslegung und Anwendung des TSG bestimmen sich nach diesen verfassungsrechtlichen Anforderungen.(Anmerkung: Ein Großteil der Juristen, Arbeitsrecht ler und Richter, zuständig für Anwendung und Auslegung von geschlechtsspezifisch en Anordnungen oder Gesetzen, hat diesen Satz scheinbar nie gelesen!) Das TSG vom 10. September 1980 (BGBl. I, S. 1654). dessen Entstehung auf dem Beschluß des BVG vom 11. Oktober 1978 (BVerfGE 49, 286 ff.) zurückgeht, sieht für den Geschlechtswechsel eine abgestufte Regelung vor. Der eigentlichen Geschlechtsänderung auf Grund geschlechtsanpassender Operation ("große Lösung") nach den § 8 ff. TSG kann danach gemäß § 1 bis 7 TSG als Vorstufe eine Vornamensänderung vorausgehen ("kleine Lösung"), die es nach dem Willen des Gesetzgebers der transsexuellen Person erlauben soll, schon frühzeitig - seiner psychischen Befindlichkeit entsprechend - in der Rolle des anderen Geschlechts aufzutreten (vgl. die Entwurfsbegründung zum TSG unter Nr. 2.5). Die Vorwirkung der Namensänderung stellt damit einen Fall der ausdrücklich vorbehaltenen anderweitigen gesetzlichen Bestimmungen i.S. des Grundsatzes nach § 10 Abs. 1 TSG dar, der die Rechtswirkungen der Geschlechtsumwandlung von der Durchführung des Verfahrens nach § 8 ff TSG abhängig macht. Dabei kann nicht zweifelhaft sein, daß die rechtlich anerkannte Vorwirkung des § 1 TSG in vollem Umfang dem grundrechtlichen Schutz der Intimsphäre nach Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG unterfällt. Für das Auftreten in einer bestimmten Geschlechtsrolle ist nach allgemeinem Verständnis die Anredeform ("Herr ..."/"Frau ...") von zentraler Bedeutung. Deshalb fordert es die Achtung vor der in § 1 TSG vorgesehenen Rollenentscheidung, eine Person nach Änderung ihres Namens ihrem neuen Rollenverständnis entsprechend anzureden und anzuschreiben. Nur dieses Verhalten wird der geschilderten gesetzgeberischen Absicht des § 1 TSG gerecht; nur diese Auslegung des § 1 TSG erscheint auch mit der Wertentscheidung der Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GFGT vereinbar.

 


 

Das Beratungsgespräch

"Transsexuell- ja oder nein? - hoffentlich nicht? - und wenn doch?"

Hinweise für Menschen, die Hilfe suchen,
aber auch für Ärzte, Psychologen und "Helfer"

von Helma Katrin Alter, Nürnberg

(analog gelten diese Aussagen auch für die anderen Beratungsstellen der dgti)

1. Wie verläuft das Beratungsgespräch?

Immer wieder erreichen mich Briefe, Anrufe und Mails, in denen die Frage nach der prinzipiellen Arbeitsweise der Beratungsstelle gestellt wird. Ich möchte deshalb die entsprechende Antwort veröffentlichen, vor allem auch, weil ich denken, dass sie ...

... für andere Gruppen und Beratungswillige eine Anregung ist, wie mit der Problematik "TRANSIDENTITÄT" umgegangen werden kann. Natürlich ist diese Antwort nur eine von vielen Möglichkeiten, auch wenn verschiedene Grundaussagen für viele gemeinsam zutreffen werden.

... es vor allem für die Menschen wichtig ist, die so sehr noch in sich gefangen sind, dass sie es gar nicht wagen würden diese Frage zu stellen.

Bei einem Erstkontakt plane ich 2 bis 4 Stunden ein. Die Beratung findet in meinem kombinierten Wohn-/Arbeitszimmer statt. Je nach persönlicher Situation der/des Ratsuchenden treffen wir uns am Vormittag, Nachmittag, Abend oder in Ausnahmefällen auch am Wochenende (bei einer weiten Anreise eventuell auch mit Schlafmöglichkeit bei mir).

Zunächst versuche ich durch gegenseitiges Kennenlernen eine gut Gesprächsbasis zu finden. Es muss ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen aufgebaut sein. Dann versuche ich deutlich zu machen, dass nur der rein rechtliche Weg eindeutig geklärt ist und für alle Betroffenen gleich, der medizinische und soziale Weg ist für jeden Menschen verschieden, auch wenn es dabei ein Mindestmaß an Regeln einzuhalten gilt. Ich versuche also abzuklären, inwieweit die Vorstellungen des Betroffenen mit der Realität übereinstimmen, wenn möglich dadurch, dass er/sie selbst im Gespräch darauf kommt.

Gemeinsam versuchen wir dann Lösungsalternativen im Bereich der medizinischen Betreuung und der sozialen Stabilisierung zu erarbeiten.

Dazu müssen natürlich sehr viele, auch sehr persönliche, manchmal intime Informationen ausgetauscht und besprochen werden. Wir werden immer wieder kürzere Pausen brauchen, denn nach einiger Zeit raucht der Kopf. Es stehen auch Videofilme als Auflockerung und Info zur Verfügung. Was dann am Ende konkret herauskommt ist immer offen.

Im Mittelpunkt steht immer der "ganze" Mensch, nicht nur das Problem "Transidentität". Fehlt beim Ratsuchenden dieses Grundverständnis, so muss es behutsam aufgebaut und bewusst gemacht werden.

Die Beratungsstelle steht auch Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern, ... zur Verfügung um grundsätzliche Fragen zu klären oder um in Einzelfällen, unter Wahrung der Schweigepflicht auf beiden Seiten, konkrete Lösungswege zu erarbeiten. Die Beratungsstelle kann auch von Medienvertretern in Anspruch genommen werden, um zur Unterstützung von Recherchen Grundsatzfragen zu klären und Wissen zu erlangen. Über Einzelfälle kann nur dann gesprochen werden, wenn die betroffene Person selbst anwesend ist und dies wünscht!

2. Was wird von mir erwartet? Was kann ich erwarten?

Als wichtigste Grundvoraussetzungen erwarte ich vom/von der Ratsuchenden:

Ein vereinbarter Termin muss eingehalten werden. Wenn etwas dazwischen kommt, dann soll er rechtzeitig abgesagt werden. Ich halte meist 4 Stunden für ein solches Gespräch frei, um es im Ausnahmefall auch so lange ausdehnen zu können, oder aber ausklingen zu lassen, damit der/die Ratsuchende die Beratungsstelle in einer möglichst guten Verfassung verlassen kann.

Sicher habe ich Verständnis, wenn jemanden im letzten Augenblick der Mut verlässt. Dann aber sollte der/die Ratsuchende kein schlechtes Gewissen haben und baldigst Bescheid sagen, warum er/sie nicht kam. Wenn jemand den ersten Schritt, die Terminvereinbarung, geschafft hat und beim zweiten, dann zu kommen, zunächst versagt, ist dies keine Schande. Ich mache mir aber Sorgen. Also Anrufen, wenn der Termin versäumt wurde und ehrlich bleiben. Er/sie bekommt einen neuen Termin. Versprochen!

Ratsuchende sollen wegen ihres Anliegens kommen. Wer als Mitbetroffene/r alleine kommt darf nicht erwarten, dass er/sie "Rezepte" für den eigentlich Betroffenen abholen kann. Mit Eltern eines transidentischen Kindes werde ich über und mit den Eltern sprechen, und nur in diesem Zusammenhang über das Kind. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten Fall und bei Partnerschaften, wenn nur der selbst nicht betroffene Partner kommt.

Ratsuchende können natürlich den/die Partnerin mitbringen, Kinder ihre Eltern und umgekehrt, oder auch eine andere Begleitperson, z.B. einen Freund oder den Sozialbetreuer. Ich hatte auch schon einen Psychotherapeuten mit seinem Patienten zusammen hier. Grundsätzlich gilt: Jeder spricht nur für sich selbst.

Der/die Ratsuchende kann von mir erwarten:

Ich habe sehr viel Geduld und lasse ihm/ihr Zeit zur "Sache" zu kommen. Den Einstieg in das Gespräch werde ich immer individuell gestalten, je nach der ratsuchenden Person, der Tageszeit und den sonstigen Umständen.

Ich kann sehr gut reden und habe auch sehr viel zu sagen. Doch jeder der schon bei mir war weiß, dass ich vor allem sehr gut und konzentriert zuhören kann. Ich kann ein Gespräch, oder den Verlauf der Erzählung des Ratsuchenden, lenken. Doch meist las ich ihm freien Lauf, damit der/die Ratsuchende selbst merkt wo "der Schuh" wirklich drückt.

Ich halte keine Informationen zurück, vor allem aber dränge ich keine auf.

Ich unterwerfe mich selbst der Schweigepflicht. Wenn ich Beispiele verwende bin ich dazu entweder ausdrücklich von der Schweigepflicht entbunden oder sie sind so anonymisiert, dass sie nicht gebrochen ist. Außerdem spielen Beispiele anderer Ratsuchender nur in Ausnahmefällen eine Rolle für das Gespräch. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch lebt in anderen sozialen Zusammenhängen, auch wenn sich Geschichten von Transidenten in vielen Punkten zu gleichen scheinen.

3. Auf wen lasse ich mich da ein?

Im Lauf der letzten Monate hörte ich immer wieder den Satz: "Im Internet ist in allen möglichen Homepages viel von Dir zu lesen, aber nirgends findet man etwas über Dich".

Zu meiner Person

Ich bin Mensch, in meiner Weiblichkeit - Frau, mit männlicher Vergangenheit - Transidentin.

Ich wurde im Februar 1945 geboren, als "ganz gesunder Junge". Häufig hieß es aber: "Wäre das ein hübsches Mädchen geworden". Schon im Alter von vier Jahren spürte ich, dass etwas nicht in Ordnung war, versteckte aber alle eigenen Bemühungen "ein Mädchen" zu werden, nachdem mich meine Eltern im 10. Lebensjahr erwischten, als ich heimlich die Sachen meiner Schwester trug.

Schon mit 15 Jahren übernahm ich die Leitung einer Jugendgruppe von Gleichaltrigen, beschäftigte mich mit Psychologie und Pädagogik. Mit 21 Jahren leitete ich die Werkschule der Firma Grundig. Später arbeitete ich fast 15 Jahre in der Ausbildung und Rehabilitation von Körperbehinderten und übernahm dabei auch Aufgaben im psychologischen und sozialen Bereich.

Von 1966 bis 1989 war ich verheiratet, habe zwei Kinder und drei Enkelkinder. Ich lebte nach außen in den fast perfekt gelernten Rollen als Ehemann, Vater, strebsamer Mitarbeiter. Dass ich in Wirklichkeit eine Frau war, war sowohl eine Bereicherung in der Partnerschaft, führte aber auch zu großen Spannungen.

Mehrere Versuche, seit 1970, als Frau zu leben, scheiterten sowohl an eigenen Ängsten, als auch an Einflüssen von außen. Erst seit Sommer 1994 lebe ich so wie ich bin, als Frau. Ich schrieb damals meinen Nachbarn einen Brief: " ... möchte ich mich Ihnen vorstellen, obwohl ich schon seit 5 Jahren hier wohne. Sie haben gesehen, dass ich in letzter Zeit öfter Damenbesuch bekomme, was für einen alleinstehenden, älteren Herrn sicher nicht ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich ist nur, dass ich diese Dame selbst bin und mich ab morgen nicht mehr als Mann verkleiden werde. ..." Danach suchte ich nach über sechs Jahren "Härtetest" als Mann erstmals wieder einen Arzt auf um die für mich zusätzlich nötigen Schritte der Behandlung einzuleiten.

Heute bin ich kirchlich engagiert, singe im Chor. Ich bin von den Frauen meines Ortsvereins der SPD als Vertreterin in den Unterbezirk der AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) gewählt. Ich bin Mitglied im Beschwerderat Psychiatrie der PSAG der Stadt Köln (drei professionelle Vertreter/Ärzte, Psychologen und drei Laienvertreter). Ich konnte die Arbeitslosigkeit, in die ich durch konjunkturelle Entwicklungen noch als "Mann" geraten war, auch als Frau mit über 50 Jahren noch nicht überwinden. Dies soll zur Schilderung der heutigen sozialen Lage reichen.

4. Was kostet die Beratung? Wie geht es weiter?

Die Beratungsstelle bekommt bisher keinerlei öffentliche Gelder, Zuschüsse oder Gelder von Sponsoren. Die real entstehenden Kosten kann z.Z. die dgti erstatten, für Raum und Zeit gibt es keinen Ausgleich. Für die Beratung gilt der Ausspruch:

Die Beratung ist (fast) kostenlos aber hoffentlich nicht umsonst.

Aus obigen Ausführungen seht Ihr aber sicher, dass wir auf einen freiwilligen "Bürozuschuss" angewiesen sind. Seine Höhe soll jeder Ratsuchende selbst im Bereich von Euro 0,50 bis Euro X festlegen. Über alle Zuschüsse wird Buch geführt. Sie werden ausschließlich für Kosten wie Porto, Telefon, Onlinezeit, Büromaterial, ... verwendet. Informationsmaterial wird zu einem Staffelpreis, nach Selbsteinschätzung, abgegeben. Die niedrigste Staffel ist dabei jeweils der Selbstkostenpreis für Herstellung oder Beschaffung. Überschüsse werden als Vorleistung für die Erstellung neuen Materials verwendet. Nur so können wir das Angebot für die Zukunft ausbauen und attraktiv gestalten.

Oft werde ich am Ende des Erstgesprächs gefragt, wie es denn nun weiter gehe. Dabei ist die Fortsetzung der Kontakte mit oder Hilfen durch die Beratungsstelle gemeint.

In erster Linie liegt es an dem/der Ratsuchenden selbst. Denkbar sind weitere Termine bei mir. Da wir uns nach einem Gespräch ja doch schon recht gut kennen, lassen sich einige Dinge per Mail, Post oder Telefon erledigen.

Nur in wichtigen Ausnahmefällen suche ich von mir aus den Kontakt zum Ratsuchenden.

Der/die Ratsuchende sollte eventuell auch einmal daran denken, dass es für mich ein gutes Gefühl ist, wenn er/sie sich beim mir mal irgendwie meldet, nicht weil es wieder oder noch Probleme gibt, sondern nur um mir zu berichten, wie es denn weiter gegangen ist. Ich freue mich über solche Anrufe oder Nachrichten.

Wenn Ihr Probleme mit dem Gericht oder Krankenkassen habt, von Mitmenschen wisst, die Probleme mit Gerichten oder Krankenkassen haben, dann informiert bitte umgehend die Geschäftsstelle der dgti e.V., Sulzbacher Str. 43, 90489 Nürnberg. Legt bitte der Schilderung des Sachverhaltes auch die Kopien der entsprechenden Schriftstücke bei. Alle Mitteilungen werden streng vertraulich behandelt, im Einzelfall werden wir nur tätig, wenn wir eine ausdrückliche Vollmacht dafür erhalten.

Ziel unseres Aufrufes ist es belegbare Fälle für unsere sozialpolitischen Aktivitäten zu erhalten. Das TSG und der Umgang damit berührt die Bereiche des Justiz-, Innen-, Sozial-, Gleichstellungs- und Familienministeriums.

Mai 2001

V.i.S.d.P. Helma Katrin Alter – Beratungsstelle Nürnberg der dgti

 


 

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