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Zentrale Anlaufstelle Transidentität
des Landes Nordrhein-Westfalen
Projektleitung: Helma Katrin Alter
Vorwort zum Projektantrag
Crossdresser ("Transvestiten"), Transgenderisten, Androgyne, Transsexuelle,
Intersexuelle ("Hermaphroditen") und ähnlich betroffene Menschen sowie
deren Angehörige - Eltern, Partner und Kinder - erhalten in Deutschland
inzwischen vielfältige Betreuung, gute, gut gemeinte, aber auch schädliche.
Oft stehen die Betroffenen und Mitbetroffenen aber auch völlig alleine
da. Sie wissen nicht an wen sie sich wenden können, finden oft auch aus
"Scham" und "Angst" nicht den Weg zu anderen Menschen, mit denen sie ihre
Probleme besprechen könnten. Häufig beißen sie sich auch in der Vorstellung
fest, sie seien die einzigen mit diesem Problem, und Hilfe sei sowieso
nicht möglich.
Auf der anderen Seite versuchen Beratungseinrichtungen, Selbsthilfegruppen
und Betreuungsvereine des Gesundheitswesens in einen wichtigen sozialen
Auftrag hinein zu wachsen. Sie machen es sich zu Ziel und Aufgabe, die
meist extrem belastenden Lebensbedingungen der Betroffenen zu verbessern.
Weit verbreitet sind psychische Probleme von chronischen Depressionen
bis hin zu Suizidalität. Diese Probleme und ihre Ursachen müssen erkannt
und - in Zusammenarbeit mit qualifizierten Psychotherapeuten - abgebaut
werden. In Selbsthilfegruppen bemühen sie sich um Unterstützung der Einzelnen
bei ihrer Selbstfindung und der Erarbeitung von realistischen Lebensperspektiven,
sowie um psychische Stabilisierung in der Gemeinschaft.
Abweichende Geschlechtsidentität (bei CD, TG, Androgynen, TS), oder auch
die Andersartigkeit primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale (bei IS),
wird den Betroffenen meist zu einem Zeitpunkt bewußt, zu dem sie deren
psychosoziale Implikationen schwerlich abschätzen können. Sie empfinden
sich als "irgendwie anders" und im Widerspruch zu den gängigen Vorstellungen
"der Gesellschaft". Sie werden schon als Kinder mit "Peinlichkeit" behandelt
- selbst von denen, die sie angeblich lieben! - bis sie sich so weit entfremdet
sind, daß sie sich selbst gegenüber "Angst" und "Scham" empfinden, was
sie zwangsläufig in soziale Isolation treibt.
Durch Veranstaltungen sollte die gesellschaftliche Stellung betroffener
Menschen verdeutlicht werden, um gegenseitige Ängste und Vorurteile abzubauen.
Als Zielgruppe kommen dafür, so paradox dies im ersten Moment klingen
mag, vor allem Studenten der Medizin, Psychologie, und Sozialarbeit in
Frage, vor allem aber auch Professoren und Dozenten dieser Disziplinen
an den Hochschulen. Parallel dazu muß versucht werden, die zur Zeit praktizierenden
Ärzte, Psychotherapeuten und Psychologen zu erreichen. Sie wurden auf
der einen Seite in den Vorstellungen und Weltbildern von gestern und vorgestern
erzogen und ausgebildet - wie auch die zur Zeit Betroffenen - sehen aber
auch, daß die Grundlagen dieser Ausbildung durch Menschen mit abweichender
Geschlechtsidentität erschüttert werden. Auf der anderen Seite sind aber
sie es, die von Gesellschaft und Gesetzgeber gefordert sind, den betroffenen
Menschen zu helfen.
Als weitere, wichtige Personengruppe erscheint mir der Bereich der Erzieher
und Pädagogen, die sich mit der Altersgruppe ab 3 Jahre bis zum Ende der
Schulzeit beschäftigen, sowie Kinderärzte und Eltern. In zunehmendem Maße
werden auch Mitarbeiter sozialer Einrichtungen und Dienste mit der Problematik
"Transidentität" konfrontiert. Neben Grundwissen darüber muß ihnen vor
allem ein guter Info-Dienst zur Verfügung stehen. Ohne nun an dieser Stelle
bereits weiter auszuholen, auf Ausbildung, Ethik und Moral einzugehen,
möchte ich feststellen, daß betroffenen Menschen geholfen werden kann
und muß. Die Mittel dafür sind vorhanden! Das Wissen steht zur Verfügung!
Die Informationswege können angeboten werden! Rechtliche und medizinische
Angebote und Wege stehen zur Verfügung! Trotzdem ist in keiner, im Prinzip
uneingeschränkt leistungs- und arbeitsfähigen Personengruppe der Anteil
arbeitsloser und sozial entwurzelter Menschen so groß, wie gerade bei
Personen mit abweichender Geschlechtsidentität. Dies muß nicht so sein,
wie vor allem durch Betroffene, die in hochqualifizierten Stellungen ihren
Weg erfolgreich gehen konnten, bewiesen ist.
In unserer heutigen, so aufgeklärten Welt, müssen Menschen mit Identitätsproblemen,
die der allgemein gültigen Vorstellung und Weltanschauung nicht entsprechen,
sehr stark und gesund sein um gesund zu bleiben - um zu überleben! Sie
stehen unter dem Druck ein Doppelleben zu führen oder einen ständigen
Kampf für ihre eigene Form des Menschseins. Dies muß nicht so bleiben!
Dies darf nicht so bleiben! Deshalb beantrage ich den im Folgenden beschriebenen
Weg einzuschlagen.
(C) Helma Katrin Alter
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