 |
|
 |
 |
 |
Zentrale Anlaufstelle Transidentität
des Landes Nordrhein-Westfalen
Gleiche Chancen
in Beruf und Gesellschaft
auch für Menschen
mit abweichender
Geschlechtsidentität
Transidenten in NRW
Einführung in das Pilotprojekt für NRW zur "Transidentenbetreuung"
und Probleme der Kosten
- Versuch einer Bestandsaufnahme
- Desiderata
- Problem der Kosten
1. Versuch einer Bestandsaufnahme
Zunächst fällt dem Leser hoffentlich auf, daß ich von einem Versuch und
einer Bestandsaufnahme spreche und nicht von "der" Ist-Standanalyse! Ich
habe dafür, auch wenn er vielleicht zu simpel erscheint, einen einfachen
Grund: Den betroffenen Menschen muß wirkungsvoll geholfen werden und die
Sozialgemeinschaft muß von der Methode der versteckten Kosten befreit
werden. Gerade diese sind um ein vielfaches höher als die Kosten für dieses
Projekt und die gleichzeitig möglichen Einsparungen! Diese Prognose will
ich bewußt einfach im Raum stehen lassen. Ein weiterer Grund ist, daß
es in unserer Gesellschaft zu einer "guten Übung" geworden ist, statt
über ein Problem mit nachzudenken,
- ... zuerst nach der Kompetenz des Vortragenden zu fragen, auch dann,
wenn vor allem Denkanstöße geliefert worden sind.
- ... statistische Beweise zu verlangen, und falls diese vorliegen,
eben die zugrunde gelegte Basis oder die Auswertung der Statistik anzuzweifeln.
- ... den wissenschaftlichen Beleg für eine Aussage zu fordern und
die Quellen, die zu ihm geführt haben anzuzweifeln.
- ...
Meine Kompetenz ergibt sich aus einer 30-jährigen Berufserfahrung im
beruflichen Bildungswesen mit Jugendlichen und Erwachsenen, aus der eigenen
Betroffenheit und der Beratungstätigkeit in NRW, der Mitgliedschaft und
Zusammenarbeit mit TRANSIDENTITAS e.V. bis Ende 1997 und dessen Betreuungsarbeit
seit 1984 (ich brauchte "das Rad nicht neu erfinden"!), der Zusammenarbeit
mit sozialen, kirchlichen und politischen Einrichtungen und der Öffentlichkeitsarbeit,
z.B. auch im Zusammenhang mit Aufklärung durch die Medien und die daraus
resultierenden Reaktionen. Alle diese Erfahrungen geben mir auch den Mut
eine Bestandsaufnahme zu wagen, wohl wissend, daß ihr keine entsprechende
Feldforschung vorausgegangen ist.
Darüber hinaus hat meine eigene soziale Integration, seit Mitte 1994
als ich den „Seitenwechsel" für mich vollzogen habe - also nicht mehr
bereit war mir und der Gesellschaft die Rolle Mann vorzuspielen, erheblich
dazu beigetragen eine erweiterte Blickweise zuzulassen. Ich bin in meiner
Kirchengemeinde voll integriert, für den SPD-Ortsverein als Delegierte
in die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen auf Unterbezirksebene
gewählt (AsF) und gehöre als ehrenamtliche Vertreterin dem Beschwerderat
Psychiatrie der PSAG-Köln an.
1.1 Kenntnisstand der Menschen in NRW
Durch die Medien wurde, gerade in den letzten drei Jahren, immer wieder
Gelegenheit gegeben, sich mit dem Thema der Transsexualität, wie es eben
im Amtsdeutsch heißt, auseinander zu setzen. Jeder Mensch - Eltern, Betroffene
und Partner, Ärzte und Psychologen, Mitarbeiter in Krankenkassen, sozialen
Einrichtungen und Behörden - weiß, daß es Transidenten gibt, Mann-zu-Frau
und Frau-zu-Mann. Viele finden dieses Phänomen exotisch oder interessant,
andere lehnen es völlig ab, dritte haken das Wissen unter Berufung auf
ihre eigene Toleranz ab (ob die sich aber auch dann noch bewährt, wenn
es in der direkten Umgebung oder Familie auftritt?).
Wie aber steht es um die Auseinandersetzung mit dem Problem durch Nichtbetroffene
und potentielle Helfer in Beratungseinrichtungen? Auch in NRW bleibt sie
weitgehend dem Zufall und/oder der Einzelinitiative überlassen. Es ist
weder möglich noch sinnvoll, alle denkbaren Anlaufstellen mit kompetenten
Mitarbeitern zu besetzen. Es ist aber eine unsinnige Verschwendung von
Zeit, Energie und Geld, die vorhandenen Kompetenzen weder zu vernetzen,
noch für Betroffene greifbar zu machen.
Versuche, die bei Pro Familia unternommen wurden, sind weitgehend nur
bei Pro Familia bekannt, inzwischen im Sande verlaufen. Ein seit 1992
in Köln nicht mehr bestehendes Projekt der hauptamtlichen Beratung war
nicht einmal bei allen behandelnden Ärzten bekannt. Die Kenntnis über
die Tatsache, daß seit 1985 von TRANSIDENTITAS e.V. jährlich in Frankfurt
eine Fachtagung für Betroffene, Angehörige und Betreuer stattfindet, liegt
überwiegend, wenn sie überhaupt bekannt ist, bei den Akten. Vorhandene
Selbsthilfegruppen scheuen häufig die Bekanntgabe ihrer eigenen Existenz
und mögliche Informationswege, meist aus Angst, sie könnten vereinnahmt
oder beeinflußt werden.
Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Es gibt auch in NRW hervorragend
arbeitende Selbsthilfegruppen. Es gibt Ärzte und Psychotherapeuten mit
sehr großer und langer Erfahrung auf dem Gebiet der Transidentenbetreuung,
es gibt Beratungseinrichtungen mit kompetentem Personal. Betroffene Menschen,
und Menschen die ihnen helfen wollen, haben davon aber mehrheitlich keine
Kenntnis. Es bleibt dem Zufall überlassen, wie lange die Suche nach Hilfe
dauert und wo der Betroffene letztendlich landet.
Zentrale Forderung ist demnach die Schaffung möglichst einfacher und
wirkungsvoller Informationswege zu einer Erstberatung hin. Im nächsten
Schritt muß erreicht werden, die Wege offen zu halten und aktuelle Veränderungen
zu berücksichtigen. Dies klingt zwar zunächst nach Verwaltung und Bürokratisierung,
jeder der einen Transidenten schon einmal bei diesem ersten Schritt begleitet
hat, weiß aber, wie wichtig ein schneller Erstkontakt ist. Es sollte auch
klar sein, daß für Betroffene nichts schlimmer ist, als beim ersten Hilfeersuchen
auf verständnislose oder hilflose Menschen zu stoßen.
Besonders tragisch erscheint mir, daß auch in NRW selbst bei den meisten
Krankenkassen und ihren Außenstellen die Betroffenen keine Kontaktadressen
zu Beratungsstellen oder Selbsthilfeeinrichtungen erhalten können, weil
sie entweder nicht vorliegen oder niemand mehr weiß, daß Listen überhaupt
existieren. Aber auch überregional arbeitende Gruppen wie TRANSIDENTITAS
e.V., Bund der Transsexuellen in Deutschland (der sich aber 1996 aufgelöst
hat) oder Pro Familia haben keine umfassende Kenntnis über Möglichkeiten
der Hilfe.
Fasse ich alle bei den genannten Organisationen vorliegenden Informationen
zusammen, so ergeben sich für NRW: 1 Anlaufstelle in Düsseldorf, 2 in
Essen, 1 in Münster, 2 in Köln, 1 in Aachen und 1 in Bonn. Eine Zusammenarbeit
der Anlaufstellen findet aus den verschiedensten Gründen nur in Ausnahmefällen
statt, teilweise haben sie gar keine Kenntnis voneinander. Ein vom MDK
initiierter Arbeitskreis „Transsexualität", für Ärzte und Psychologen,
erscheint in mancherlei Hinsicht, auch wenn dies sicher nicht so gedacht
ist, wie ein „Geheimbund". Auch der Kreis „Leiter von SHG’s in NRW" läd
nur persönlich ein und grenzt aus (auf die Gründe, berechtigt oder nicht,
will ich hier nicht eingehen).
1.2 Umfang der Betroffenheit
Schon in der Einleitung sprach ich von den verschiedenen Gesichtspunkten
unter denen die Zahl der Betroffenen gesehen wird. Im Jahr 1995, beim
"Harry Benjamin International Gender Symposium" in Kloster Irsee, auf
dem sich 200 Wissenschaftler aus aller Welt zum Thema "Transsexualität"
trafen, wurde eine neue Zahl ins Spiel gebracht. Seit Inkrafttreten des
Transsexuellengesetzes Ende 1980 hat eine Erhebung bei den Amtsgerichten
ergeben, daß in den ersten 10 Jahren etwa 1.200 Menschen von der Möglichkeit
der Namensänderung, mit oder ohne Personenstandsänderung, Gebrauch gemacht
haben (nur Westdeutschland und West-Berlin).
Bei der gleichen Tagung kam zur Sprache, daß das Verhältnis von Mann-zu-Frau-Transidentinnen
zu Frau-zu-Mann-Transidenten in den 80er Jahren 14:1 betrug und heute
in Deutschland bei 2:1 liegt. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob nun der
Anteil der Mann-zu-Frau-Transidentinnen um den Faktor 7 zurückgegangen
ist oder es heute siebenmal so viele Frau-zu-Mann-Transidenten gibt wie
früher. Eines ist mit Sicherheit klar, beide Vermutungen sind falsch!
Die Zahl beider Gruppen, die heute bei Gerichten und Ärzten "sichtbar"
werden ist gestiegen, die der Frau-zu-Mann-Transidenten dabei überproportional.
Die Betroffenenzahl war aber schon immer höher als der Teil, der zur Kenntnis
genommen wurde.
Unabhängig von den veröffentlichten Zahlen stellt sich aber die Frage,
ob diese den Betroffenen etwas nützen oder ihnen gerecht werden.
Auf NRW umgerechnet würde es bedeuten, daß seit der Einführung des TSG
in unserem Bundesland ca. 300 Menschen den Weg der gerichtlichen Anerkennung
hinter sich gebracht haben. In einer Erhebung unter behandelnden Ärzten
wurde eine Betroffenenzahl von 6.000 - 8.000 ermittelt und in einem Fachblatt
für Mediziner veröffentlicht. Für NRW wären dies entsprechend 1.350 -
1.800 Personen, die sich 1983, denn aus dieser Zeit stammt diese Erhebung,
in Behandlung befanden oder schon ihr Ziel erreicht hatten. Legt man die
in Amerika entwickelten Maßstäbe an, begründet und weiterentwickelt auf
der von Harry Benjamin (1884 in Berlin geborener Endokrinologe) in Amerika
geleisteten Arbeit und Untersuchung der Transsexualität, so ergibt sich
für NRW eine Zahl von ca. 35.000 - 40.000 Transidenten.
Ob nun von 300, 1.500 oder 35.000 ausgegangen wird, es ändert sich nichts
an der Tatsache, daß das Erkennen der eigenen Andersartigkeit und das
Heraustreten an die Öffentlichkeit, zunächst gegenüber engen Vertrauten,
Beratungseinrichtungen oder Ärzten, ein Prozeß ist und damit Zahlen immer
im Fluß sein werden. Es geht aber nicht um Zahlen, sondern um Menschen.
1.3 Begutachtung und Behandlung
Das Transsexuellengesetz regelt eindeutig die für Betroffene vorgeschriebene
Begutachtung. Es verlangt zwei unabhängige Gutachten von mit der Materie
der Transsexualität vertrauten Gutachtern. Es wird von "Erkenntnissen
der medizinischen Wissenschaft" gesprochen, das Thema also in den Bereich
der Medizin verlagert. Auf der anderen Seite war sich der Gesetzgeber
aber sicher schon bewußt, daß es sich um ein sehr schwieriges Unterfangen
handelt, mit dem TSG den Betroffenen zu ihrer Menschenwürde zu verhelfen.
Der Beweis ist nämlich schon dann erbracht, wenn bestätigt wird, daß sich
das Zugehörigkeitsempfinden des Antragstellers "mit hoher Wahrscheinlichkeit"
nicht mehr ändern wird.
Auch in NRW gab es nach 1980 einen regelrechten Boom von Ärzten, die
bereit waren zu behandeln und zu begutachten. Die Zahl der Gutachter ist
jedoch rückläufig, die Zahl der Hilfesuchenden dagegen steigend. Außerdem
ist es für Betroffene kaum möglich, sich ihren behandelnden Arzt und/oder
Gutachter auszusuchen.
Die wenigen Ärzte, deren Namen bekannt sind, erstellen entweder keine
Gutachten mehr, führen u.U. auch keine Behandlung mehr durch, oder sie
sind rettungslos überlaufen. Oft kann nicht einmal der Hausarzt oder ein
anderer Arzt, bei dem der Transident bisher in allgemeinmedizinischer
Behandlung war, eine Empfehlung oder Hilfestellung geben. Der Transident
hat keine Wahlmöglichkeit, fühlt sich ausgeliefert und muß lange Wartezeiten
in Kauf nehmen. Jeder Mensch weiß, daß all dies aber gerade sehr schlechte
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung und Begutachtung sind.
Stellen, an denen Transidenten beraten werden, wissen auch häufig nicht,
welche Gerichte in NRW zuständig sind, können keine Formulierungshilfe
für die Antragstellung geben und verweisen dann, in Unkenntnis, daß kein
Anwalt zur Vertretung der Ansprüche erforderlich ist, an eine Anwaltskanzlei.
Auf diesem Wege kommt es sehr schnell dazu, daß ein medizinisch/psychologisches
Problem unnötigerweise zu einer Rechtssache wird. Dem Transidenten bringt
dies meist mehr Ärger, als ihn einer Lösung näher.
Die Behandlung von Transidenten muß unter drei verschiedenen Gesichtspunkten
gesehen werden:
- Transidentität ist nicht therapierbar. Es kann aber sehr wohl sinnvoll
und auch nötig sein, durch die nicht gelebte Transidentität entstandene
Störungen zu therapieren.
- Durch die von der eigenen Identität abweichende biologische Vorgabe
ist eine lebenslange medikamentöse Behandlung erforderlich (Hormonbehandlung).
Es gibt aber auch Transidenten, die bewußt auf Medikamente verzichten,
obwohl sie in ihrer neu gewonnenen Identität leben. Eine andere Gruppe
muß, wegen chronischer Erkrankungen oder Unverträglichkeit, auf Hormone
verzichten.
- Chirurgische Eingriffe können wünschenswert, sinnvoll oder auch notwendig
sein.
Aus eben gemachter Aufzählung ergibt sich eigentlich, daß eine interdisziplinäre
Zusammenarbeit aller beteiligten Ärzte und Psychotherapeuten erforderlich
wäre. Bedenklich ist das Fehlen der Zusammenarbeit vor allem dann, wenn
sie zwischen den Chirurgen und den anderen Ärzten fehlt. Nicht selten
gehen Chirurgen vom Machbaren aus! Die Verbesserung der Mikrochirurgie
hat diesen Trend noch verstärkt. Gerade mit dem chirurgischen Eingriff
sind teilweise aber völlig überzogene Erwartungen der Patienten verbunden.
Ohne begleitende psychosoziale Behandlung/Betreuung, vorbereitend und
begleitend, sowie in der Nachsorge, kann es zu erheblichen Komplikationen
kommen. Der Chirurg muß deshalb, gerade in den vorbereitenden Gesprächen,
ein hohes Maß an psychologischer Kompetenz zeigen. So wichtig und sinnvoll
für viele Betroffene der durch die chirurgische Anpassung (unabhängig
davon wie perfekt dies auch immer möglich sei, es bleibt ein rein kosmetischer
Eingriff) erreichbare Wechsel in die angestrebte Geschlechtsidentität
auch sei, so gefährlich ist er doch für alle, die mit ihm eine Lösung
nicht bearbeiteter oder akzeptierter Problem verbinden wollen. Diese Vorstellung
geht in den meisten Fällen schief, auch wenn die Ursache des Scheiterns
nicht immer erkannt wird.
1.4 Zusammenfassung
Abschließend möchte ich nochmals versuchen, den Ist-Stand in NRW, so
wie ich ihn wahrnehmen kann, zusammen zu fassen.
- Die Zahl der Betroffenen Transidenten, Mann-zu-Frau oder Frau-zu-Mann
ist in unserer Gesellschaft, durch die Vorbehalte und Prägungen, nicht
ermittelbar! Nicht jeder betroffene Mensch bedarf im Sinne der Gesundheitsfürsorge
einer "Heilung".
- An erster Stelle muß für die Betroffenen die Möglichkeit der Beratung
und Aufklärung stehen. Die Wege dazu sind jedoch weitgehend unbekannt
oder nur mit großen Schwierigkeiten auffindbar!
- Hilfe wird angeboten und ist möglich. Qualifizierte Fachkräfte stehen
zur Verfügung. Funktionsfähige Selbsthilfegruppen, wenn auch mit unterschiedlichen
Qualifikationen und Arbeitsansätzen, stehen zur Verfügung.
- Die Zusammenarbeit der an der Betreuung beteiligten Personen, Ärzte
und Organisationen, ist mangelhaft. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit
fehlt im medizinischen Bereich fast vollständig.
- Die Polarisierung auf Mann und Frau steht eindeutig, zu Lasten der
Transdidenten, einer notwendigen Nachsorge im Wege!
- Die soziale Lage von Transidenten bleibt praktisch unberücksichtigt.
Die für die Solidargemeinschaft dabei entstehenden Kosten werden unnötigerweise
in Kauf genommen.
- Transidenten sind gesund, leistungsfähig und überwiegend leistungswillig.
Durch Berührungsängste, und Ängste der Betroffenen gegenüber der Umwelt,
kommt es aber zu erheblichen, sozialen Belastungen.
- Um seinen Weg erfolgreich zu gehen muß ein Mensch mit abweichender
Geschlechtsidentität, ein Transident, sehr gesund sein. Immer wieder
wird er sich der Gesellschaft und den durch sie ausgelösten Bildern,
in den Köpfen von Experten und Helfern, ausgeliefert sehen.
- Für viele Transidenten ist der räumliche Abstand zur nächst möglichen
Beratung oder Hilfe ein schier unüberbrückbares Hindernis. Dies gilt
sowohl für Berufstätige, als auch für betroffene Sozialhilfeempfänger.
- Ein Bildungsangebot für Transidenten und Betreuer, auf jeder notwendigen
Ebene, fehlt in NRW vollständig! (abgesehen von den Seminaren, die ich
in Zusammenarbeit mit dem AMEG e.V. seit Febr. 1995 in Köln anbiete).
2. Desiderata
Die Beschreibung eines wünschenswerten Zustandes kann sich natürlich
nicht an den z.Z. erreichbaren Realitäten orientieren! Er muß als Vision
beschrieben werden, ich werde versuchen diese Vision in nachvollziehbaren
Schritten zu unterbreiten.
2.1 (M)eine Vision!?
Ein Kind wird geboren! Es wächst auf und entwickelt sich. Es erlebt die
Vielfalt der Menschen in seiner Umgebung, ihre Ausprägung, ihre Lebensweise,
ihre Wünsche. Das Kind lernt seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse kennen.
Es lernt, daß es einen Körper hat, lernt ihn kennen und lieben. Es lernt
sein Fühlen kennen, mit seinen Gefühlen umzugehen.
Das Kind wird zu dem, was wir heute den typischen Mann, die typische
Frau nennen. Es kann aber auch sein, daß es eine Frau mit sehr männlich
ausgeprägten Anlagen wird, ein Mann mit sehr weiblich ausgeprägten Veranlagungen,
und niemand findet etwas Besonderes dabei. Es kann die Rolle, so wie es
sich entwickelt annehmen, da es von seiner Umwelt, ohne einen Rollenzwang,
angenommen wird.
Es kann aber auch sein, daß das Kind das Gefühl hat, der Körper und die
Seele würden nicht zusammen passen. Es wird mit seinem Gefühl ernst genommen.
Noch bevor die natürliche Entwicklung (ich meine damit die biologische
Entwicklung) unumkehrbare Tatsachen schafft, wird dem Kind Hilfe angeboten.
Behandlungen verhindern den Stimmbruch/das Brustwachstum/... . Das Kind
bekommt die Chance "neutral" die Pubertät zu durchstehen. Ohne daß irreversible
Veränderungen des Körpers geschehen sind, kann es nun, dem eigenen Wunsch
entsprechend, eine Entscheidung für sich treffen, ob es als Mann oder
Frau leben möchte.
Die Menschen haben gelernt, wieder Mensch zu sein, als Mann und Frau,
aber eben nicht nur so! Sie haben endlich ihre Ausrichtung auf Polarisierung
aufgegeben, können Schöpfung wieder als das erleben, was sie ist. Sie
versuchen nicht mehr, die Natur ihrer Forschung anzugleichen, sondern
ihre Forschung an der Natur und ihren unendlichen Möglichkeiten auszurichten.
(Der Leser wird verstehen, warum ich in dieser Zukunft leben möchte!)
2.2 Möglichkeiten aus anderen Kulturen
Transidentität ist kein Phänomen unserer Zeit, aber es wurde von unserer
Kultur zum Problem gemacht, das nun seinerseits wieder gelöst werden muß.
Auch diese Aussage ist keine neue Erkenntnis. Viele Menschen vor mir haben
„Geschlechterwechsel" zur Kenntnis genommen, darüber berichtet, auch darüber
gestaunt. Je nach ihrer eigenen kulturellen Entwicklung haben sie versucht
ihre Beobachtungen zu interpretieren.
Als ich, Ende der 70er Jahre, unter dem Druck der eigenen Andersartigkeit,
begann nach Informationen über Transsexualität zu suchen, wurde ich recht
schnell fündig. Zunächst erinnerte ich mich, daß mich, schon in meiner
Jugend, Berichte über die Zweigeschlechtlichkeit in der griechischen Mythologie
fasziniert hatten. Die Berichte über das Leben und Wirken von Jeanne D'Arc
bekamen für mich plötzlich eine andere Bedeutung. Das Stöbern, in der
Bibliothek einer süddeutschen Großstadt, führte mich zunächst zu dem Buch
"Das gleichgeschlechtliche Leben der Naturvölker" (Karsch-Haack,
1911). In einem anderen Werk (Titel und Verfasser kann ich leider nicht
nennen, ich weiß es nicht mehr) fand ich, romanhaft geschrieben, den Bericht
über das Leben eines Sibirischen Fürstengeschlechtes. Der Fürst lebte
mit zwei Frauen, die eine war eine "verwandelte Frau". Mit ihr führte
er sein öffentliches Leben. Die andere, eine biologische Frau, sorgte
für den Nachwuchs, um dessen Erziehung sich aber seine erste Frau kümmerte.
Schon damals wurde mir eines ganz klar, es handelte sich bei diesen Berichten
und den antiken Vorstellungen, nicht um ausschließlich homosexuelle Verhaltensweisen,
auch wenn dies, entsprechend unserer kulturellen Vorstellungswelt, als
solche vielfach dargestellt wurde, und teilweise noch wird. Auf mich selbst
bezogen wurde ganz deutlich, daß mein eigenes Verlangen weder fetischistisch,
homosexuell, noch transvestitisch war. Viele Gespräche, die ich in den
letzten Monaten mit Petra Gorbas (Name geändert) führen konnte, haben
mir den Blick, für die Festlegung der Geschlechter als kulturelles Problem,
noch erweitert. Sie führte in den letzten Jahren selbst Studien bei den
Indianern Nordamerikas durch und fand dort ihre Persönlichkeit wieder,
die man ihr in Deutschland, in einem unseeligen "Heilungswahn", geraubt
hatte.
Zusammenfassend möchte ich, plakativ, feststellen, daß oft den Menschen
mit abweichender Geschlechtsidentität, eben Transidenten, in verschiedenen
Epochen und Kulturen besondere Ehre erwiesen wurde. Ihr Anderssein wurde
als göttliche Gnade begriffen, was aber auch zu "religiöser Vergewaltigung"
führen konnte. Immer wieder stößt man auf die Definition von bis zu fünf
verschiedenen Geschlechtern!
2.3 Schritte des Machbaren
Zunächst möchte ich sagen, auch auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu
machen: Wer die vorhergehende Vision ablehnt, das Wissen über andere Möglichkeiten
in anderen Kulturen ignoriert, ist selbst schuld! Es erschien mir aber
sehr wichtig, beides darzustellen, in der Hoffnung bei den folgenden Ausführungen
auf ihr Verständnis zu stoßen.
Zentrale Anlaufstelle NRW
Es muß möglich sein, für Transidenten einfache, erreichbare Wege der
Information und Beratung zu schaffen. Dies kann meines Erachtens mit einer
zentralen Anlaufstelle in NRW, deren Existenz jedem Arzt, jeder Behörde,
jeder sozialen Organisation und jedem Erzieher bekannt ist, erreicht werden.
Moderne Informations- und Kommunikationstechniken bieten alleine dafür
bereits Gewähr, wenn sie eingesetzt werden.
Öffentlichkeitsarbeit und Info-Dienst
Es muß möglich sein, durch Öffentlichkeitsarbeit und einen Info-Dienst
die Chance für schnelle Information und Weiterleitung von Anfragen zu
bieten. Aufgabe des Infodienstes muß es sein schnelle Hilfestellungen
bei medizinischen, psychologischen und rechtlichen Anfragen zu geben.
Zu seinen Aufgaben wird es sicher auch gehören, einen Literaturservice
anzubieten. Durch diese Stelle müssen die Möglichkeiten verbessert werden
z.B. bei kommunalen Selbsthilfetagen, regionalen und landesweiten Kongressen
Informationsstände auszustatten und zu betreuen. Ein Medien-/Pressedienst
wäre zu integrieren.
Seminare
Es muß möglich sein für Betroffene und Helfer Seminare anzubieten um
einerseits mehr Kenntnisse über die Problematik zu vermitteln, auf der
anderen Seite aber auch deutlich zu machen, daß nicht jedes Problem das
Transidenten haben ein Problem ihrer Veranlagung ist. In vielen Fällen
sind Problem ja erst im Wechselspiel der eigenen Veranlagung und den Erwartungen
der Gesellschaft entstanden.
Netz von Einzelberatungsstellen
Es muß möglich sein, daß Betroffene und Mitbetroffene, in zumutbarer
Entfernung vom Wohnort, die Gelegenheit zur Einzelberatung erhalten. Dort
müssen auch die nötigen Informationen für eine weitergehende Hilfe vorliegen.
Die Beratung muß so angeboten werden, daß weder zeitliche noch finanzielle
Schwierigkeiten der Ratsuchenden ein Hindernis bilden.
Unterstützung für Selbsthilfegruppen
Es muß möglich sein, daß Selbsthilfegruppen in ihrer Arbeit so unterstützt
werden, daß ihr Funktionieren nicht mehr mit dem Einsatz von Einzelpersonen
steht und fällt. Diese Unterstützung ist so zu leisten, daß keine Berührungsängste
entstehen oder die Angst vor einer Bevormundung. Organisatoren und Leiter
von Selbsthilfegruppen müssen Bildungs- und Informationsangebote erhalten.
Für Transidenten, die ihren Weg gefunden haben, muß ein Anreiz geschaffen
werden, anderen Betroffenen mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen, offene
Treffs zum Gedankenaustausch zu besuchen, "Patenschaften" für Betroffene,
die ihren Weg noch nicht gefunden haben einzugehen.
2.4 Die nächsten Schritte
Alle bisher beschriebenen "Visionen" betreffen die mögliche und notwendige
Soforthilfe. Darüber hinaus sehe ich zwei große Aufgaben, die auf Landes-
oder Bundesebene gelöst werden sollten. Das "oder" schließt nicht aus,
damit auf Landesebene zu beginnen!
Transidentität wurde zunächst als psychologisches Problem gesehen, die
"Behandlung" durch medizinische Maßnahmen unterstützt. Wie als Trend auch
auf der Tagung im Kloster Irsee festgestellt wurde, kann davon ausgegangen
werden, daß über 70% der behandelten Transidenten mit ihrer persönlichen
Situation nach der Geschlechtsanpassung zufrieden waren, jedenfalls zufriedener
als mit dem vorhergehenden Zustand. Aber auch Transidenten, die nur den
ersten Schritt gegangen sind, die Namensänderung und den sozialen Umstieg
durchgeführt haben, also entsprechend ihrer geschlechtlichen Identität
leben, ohne eine operative Angleichung vornehmen zu lassen, leben glücklicher
und zufriedener als vorher.
"Gender-Forschungs-Zentrum"
Transidentität ist aber auch ein soziales Problem in der Wechselwirkung
zwischen eigener Sozialisierung und der Begegnung mit der Umwelt. Ich
werfe also erneut die Frage auf, ob Transidentität nicht (auch) eine "Krankheit"
der Gesellschaft ist. Meines Erachtens wäre es erforderlich, an einer
Universität, die sowohl medizinische, als auch psychologische und soziologische
Fakultäten angesiedelt hat, eine interdisziplinäre Gruppe für "Transidentität"
zu bilden. An dieser Universität müßten auch die Rahmenbedingungen geschaffen
werden, um Früherkennung zu ermöglichen (siehe Modell in den Niederlanden,
Universitätsklinik Utrecht). Solche fakultätsübergreifende Forschungs-
und Arbeitsgruppen müßten m.E. für Deutschland an 6 - 10 Universitäten
angesiedelt werden. Wichtig ist, daß die bisherigen Erfahrungen, die z.B.
an sexualmedizinischen Instituten gewonnen wurden, Erfahrungen aus den
Niederlanden, der Schweiz und den USA, mit einfließen, um unnötige Belastungen
zu vermeiden und keine Zeitverluste zu provozieren.
Es ist wohl selbstverständlich, daß diese praktisch und wissenschaftlich
arbeitenden Zentren untereinander zu einem offenen Austausch und enger
Zusammenarbeit kommen müssen. Als weitere Selbstverständlichkeit erscheint
mir der Hinweis, daß gerade die Entwicklung der letzten Jahrzehnte gezeigt
hat, daß nur eine ergebnisoffene und normneutrale Forschung den Belangen
der Transidenten gerecht werden kann. Die Forschung muß m.E. gemeinsam
auf den Gebieten der Medizin, Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften,
sowie der Philosophie erfolgen.
Die Einrichtung eines solchen "Gender-Forschungs-Zentrums" erscheint
mir in NRW zwingend erforderlich.
Ambulante "Genderteams"
Von diesem Zentrum aus müssen, an verschiedenen Kliniken in NRW, "Genderteams",
wie sie das niederländische Beispiel zeigt, gebildet werden. Selbstverständlich
müssen die vorhandenen Ressourcen - Ärzte, Psychotherapeuten/Psychologen
und andere mit der Materie der Transidentität vertraute Personen - ausgeschöpft
werden. Urologen, Gynokologen, Internisten, Endokrinologen, Neurologen
und Chirurgen sind in die Behandlung von Transidenten einbezogen. Kinderärzte
fehlen in dieser Reihe praktisch vollständig, ebenso wie Soziologen/Sozialarbeiter.
Überwiegend handelt es sich um frei praktizierende Ärzte/ Personen. Es
muß ein Weg gefunden werden, sie alle, und damit vor allem ihre Erfahrung,
in die Genderteams einzubringen, auch wenn die Teams an Kliniken angebunden
werden.
Für Betroffene hätte eine Anbindung der Genderteams an Kliniken vor allem
den Vorteil, daß sie
- bekannt sind, langes Suchen entfällt.
- ambulant arbeiten, auch zu Zeiten, die für Berufstätige erreichbar
sind.
- Kontinuität der Betreuung in den verschiedenen Entwicklungs- und
Behandlungsphasen bieten können.
- beim Übergang von einer Behandlungsstufe zur nächsten nicht immer
wieder die schon überwundenen Barrieren erneut vor sich sehen.
- unnötige Zwänge der ständigen Rechtfertigung ihres andersartigen
Empfindens entfallen können.
An der vorhergehenden Aufzählung wird deutlich, daß mit der Anbindung
an eine Klinik nicht die Aufgabe von Selbständigkeit der behandelnden
Ärzte gemeint ist, sondern die Schaffung von Arbeitsgemeinschaften. Für
Transidenten entfällt damit das mühevolle, oft vom Zufall abhängige Suchen
nach den richtigen Stufen in der Behandlungskette. Häufig werden auch
heute noch, teilweise gerade erst wieder, Ärztelisten wie eine "Geheimsache
gehandelt". Für Transidenten ist dies meines Erachtens eine unzumutbare,
bei gutem Willen aller Beteiligten aber leicht vermeidbare, Situation.
Für Genderteams, Beratungseinrichtungen und Selbsthilfeeinrichtungen
muß als Ziel gelten, daß eine unvoreigenommene, offene Zusammenarbeit
möglich wird! Untereinander dürfen keine Berührungsängste entstehen, kein
Konkurenzkampf oder gegenseitiges Mißtrauen. Dort, wo es vorhanden ist
muß, es abgebaut werden! Alle Beteiligten müssen sich darüber klar sein,
und auch so handeln, daß es hier nicht in erster Linie um "Probleme" oder
"Fälle" geht, sondern um Menschen. Diese sind durch ihre Entwicklung in
dieser Gesellschaft schon genug belastet. Gegenseitiges Mißtrauen, Kompetenzgerangel
oder andere Abgrenzungen zwischen Hilfsorganisationen und Helfern kann
für Transidenten nur zu weiteren Belastungen führen, so weit, daß sogar
der Erfolg von Behandlungen in Frage gestellt ist.
3. Problem der Kosten
Transidenten verursachen offensichtliche und versteckte Kosten, die von
der Sozialgemeinschaft getragen werden müssen! Die Nichtbehandlung von
Transidenten ist mit Sicherheit teurer als die Behandlung. Leider ist
es z.Z. nicht möglich für diese Behauptung einen direkten Beweis zu führen.
Ich hoffe, daß der folgende indirekte Beweis anerkannt werden kann, obwohl
er mit Hilfe einer Analogie zu einer völlig anderen Personengruppe geführt
werden muß.
Körperbehinderte Menschen sind gesunde Menschen, die, aufgrund ihrer
körperlichen Andersartigkeit, von der Gesellschaft behindert werden.
Diese Tatsache, in jahrzehntelanger Entwicklung heute anerkannt, führte
zur Einrichtung entsprechender Hilfsprojekte und der Regelung der Kostenfrage.
Die betroffenen körperbehinderten Menschen werden an diesen Kosten soweit
beteiligt, wie es im Einzelfall möglich und zumutbar ist. Die restlichen
Kosten trägt die Solidargemeinschaft, hier vor allem gebildet durch die
Bundesversicherungsanstalt, die Landesversicherungsanstalten, die Leistungsabteilungen
der Arbeitsämter, Krankenversicherungen und Privatversicherer sowie die
Sozialämter. Von "traurigen" Ausnahmen und wenigen Grenzfällen abgesehen
müssen die Körperbehinderten weder um ihre Rechte, noch um die Kostenübernahme
streiten. (Anmerkung: Ich bin natürlich nicht so "blauäugig", daß ich
annehmen würde, der Prozeß der gesellschaftlichen Akzeptanz wäre schon
abgeschlossen. Ich weiß auch, daß als Folge davon, auch in den Köpfen
von Sachbearbeitern der Genehmigungsbehörden noch Barrieren bestehen,
die zu unnötigen Schwierigkeiten und persönlichen Belastungen führen.)
Hätte zu Beginn der "neuen Form" der Arbeit mit Körperbehinderten aber
die Analyse der Kostenfrage und eine Erforschung der zukünftigen Kosten
und der Entlastung der Sozialgemeinschaft gestanden, dann würden wir uns
sicher auch bei dieser Personengruppe noch in einer Grundsatzdiskussion
befinden! Heute jedoch streitet niemand mehr ab, daß der eingeschlagene
und begangene Weg richtig war und ist.
Auch für die Betreuung und Behandlung von Transidenten stehen wir in
Deutschland, also auch in NRW, vor der gleichen Situation. Der sinnvollste
Einstieg in eine tragfähige und zukunftsweisende Lösung dieses "Problems"
erfolgt über ein Pilotprojekt. Die Landesebene erscheint mir dafür am
erfolgversprechendsten.
Die Anschubfinanzierung muß m.E. von Seiten der Landesregierung erfolgen.
Sie muß die Zeit für die Ermittlung eines dauerhaft tragfähigen Kostenumlage-
und Kostenübernahmeverfahrens überbrücken können. Die anschließend ausführlich
erläuterten Einzelprojekte und die vorausgehend beschriebenen "Visionen"
berühren die Bereiche:
- - Lehre und Forschung
- - Gesundheitswesen
- - Arbeit und Soziales
- - Gleichstellung von Mann und Frau
Daß auch der letztgenannte Bereich betroffen ist, wird sehr schnell
klar, wenn man bedenkt, daß Transidenten im Verlauf ihrer Entwicklung,
aus der Sicht der Gesellschaft, alle Mann und Frau sind. Unabhängig
von ihrer eigenen geschlechtlichen Identität erscheinen sie vor der Behandlung
in den Augen der Gesellschaft als Mann/Frau und danach in der umgekehrten
Rolle als Frau/Mann.
Da auch mir bekannt ist, daß Gelder nicht neu geschaffen werden können,
ist die Bereitstellung von Projektmitteln natürlich nur durch Umschichtungen
möglich. Gerade für den Beginn der Arbeit ist es aber von Vorteil, daß
nur überschaubare Summen in erträglichem Umfang nötig sind. Teilweise
Freigabe von, in jedem Ministerium vorhandenen Sondermitteln sind bereits
kostendeckend. Die Möglichkeit der Refinanzierung aus anderen Geldquellen
sollte nachrangig geprüft werden, natürlich auch nicht unterbleiben, da
eine dauerhafte Finanzierung natürlich erforderlich ist. Die vorgeschlagenen
Projekte haben wenig Sinn, wenn sie, nach Zeitablauf der Anschubfinanzierung,
ausschließlich wegen Geldmangel eingestellt werden müssen.
Für die beschriebenen "Visionen" eines Gender-Forschungs-Zentrums und
die Einführung der Genderteams könnte ich mir sogar vorstellen, daß eine
kostenneutrale Form der Installation gefunden wird!
(C) Helma Katrin Alter
zurück zum Inhaltsverzeichnis
zurück zur Projektübersicht
|
 |
 |