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Deutsche
Gesellschaft für Transidentität
und Intersexualität e.V.
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Konflikte - Dogmen - Sprachlosigkeit - TerrorKöln, 28. September 2001 Was hat sich am 11. September 2001 wirklich geändert? Was hat das alles mit uns und unserer Problematik zu tun? Darf überhaupt der Versuch unternommen werden eine Beziehung zwischen der Transgender-"Problematik" und den Vorkommnissen in den USA herzustellen? Zunächst wollte ich noch in der Nacht zum 12.09. meine Gedanken dazu niederlegen und sofort veröffentlichen. Ich tat es nicht, ließ mir Zeit. Vieles in mir kam zur Ruhe seither, wurde aber auch klarer, bezogen auf die Zusammenhänge die ich darstellen will. Die Überschrift ist geblieben
und so werde ich zunächst, auch wenn bereits viel darüber geschrieben
wurde, auf "das Ereignis" eingehen. Der Ausgangskonflikt, und ich gehe auch in meinem
Sachbuch darauf ein, ist das Denken
aus verschiedenen kulturellen Blickwinkeln heraus. Diese
Blickwinkel, und die damit verbundenen Bilder, sind teilweise über Jahrhunderte
oder sogar Jahrtausende gefestigt und verfestigt. Die rasend schnelle
technische Entwicklung, die daraus entstandene Neugier aufeinander und
die Möglichkeiten aufeinander zuzugehen und sich zu ergänzen, führten
aber dazu, dass wir uns selbst "überholt" haben. Der religiöse Konflikt: Wie geht es Ihnen, dem Leser wenn sie diese, sicher verkürzt dargestellten Aussagen lesen und dann gleichzeitig bedenken, dass deutsche Bischöfe am letzten Sonntag in Predigten den Vergleich mit dem Turmbau zu Babel und der Austreibung der Händler aus dem Tempel heranzogen und von einer Strafe Gottes sprachen? Von allen Seiten, den staatlichen, den politischen, den christlichen und den Seiten des Islam, wird ausdrücklich festgestellt, dass es sich um keinen "Glaubenskrieg" handelt, der Terror keine Legitimation im Islam findet. Diese Aussage ist, isoliert betrachtet, eindeutig richtig. Der ökonomische Konflikt: Es gab aber auch einen
anderen, nur in Zwischentönen der Berichterstattung zu lesenden, subtilen
Hintergrund für das Scheitern der "kommunistischen" Staaten.
Klar wird dies dem Leser, wenn er sich in Erinnerung ruft, dass nur
die Staaten von dem Zusammenbruch betroffen waren, die räumlich in der
nördlichen Erdhalbkugel angesiedelt sind, nicht in der asiatischen oder
3. Welt. 1999 erlebte ich den G7-Gipfel in Köln, an dem Russland als "Gast" teilweise teilnahm. Der Coup der Verteilung der Ressourcen schien noch nicht enttarnt. Wenn ich mir, im Hinblick auf die Fragen von G8 und der Globalisierung, die Bilder von Göteborg und Genua in Erinnerung rufe, dann wird mir deutlich, dass zwar verschiedene Dimensionen und Methoden, auch Beweggründe vorliegen, im Vergleich zu dem, was in New York geschehen ist, die Wurzeln aber die selben sind. Es gibt nichts mehr zu verteilen, also auch nichts mehr zu verlieren. Wir müssen lernen umzudenken. Die wirtschaftliche und politische Führung Amerikas, und ich habe bewusst diese Reihenfolge gewählt, wird sich eines Tages von der Geschichte gefallen lassen müssen, dass sie "blauäugig" nur auf ihre Interessen gesehen hat und unterstellte: "Was uns gut tut muss auch für alle anderen gut sein". Mit den religiösen und den ökonomischen Konflikten habe ich exemplarisch zwei Bereiche angerissen, die beide auch mit Macht zu tun haben. Macht und Ohnmacht sind die Eckpunkte eines breiten Spektrums im Leben und Zusammenleben. Sie werden aber auch als die beiden Seiten einer Medaille im dualen Denken gesehen. Duales Denken ist einfach zu handhaben. Dafür braucht es keine Menschen, das können Maschinen. Die Menschheit existiert aber nun einmal, jeder Einzelne. Ist Menschsein nun Selbstzweck, Störfaktor oder verhandelbare Masse? Genau diese Frage leitet eigentlich zum 2. Begriff über, den Dogmen. Wenn Menschsein Selbstzweck ist, dann bin ich mir in jedem Fall näher als dies mir meine Eltern, meine Kinder, meine Nachbarn oder jeder andere ist. Individualisierung wird schrankenlos und jeder der mich dabei behindert ist mein Feind. Damit wird jeder Mensch zum Störfaktor, der individualisierte Mensch selbst aber zum Störfaktor der Menschheit. Der Einzelne wird sich also selbst zum Feind und damit wertlos, denn seine Existenz stört ihn bei seiner Entwicklung. Mit dieser dogmatischen Schlussfolgerung kann kein Mensch leben. Von hier bis zur Selbstaufgabe ist es nur noch ein winziger Schritt, der es z.B. möglich macht zum Selbstmordattentäter zu werden. Ich bin mir klar darüber, dass ich verkürzt dargestellt habe, mit Sicherheit aber nicht verkürzt gedacht habe. Es stellt sich die Frage: Schaffen Dogmen Konflikte oder führen Konflikte zu Dogmen? Wenn ich mir die letzten 3.000 Jahre Weltgeschichte, im Bereich Naher Osten, Mittelmeerraum, Europa, Nord- und Südamerika aus europäischer Sichtweise, Russland (und wer weiß schon was UDSSR ist und war?) ansehe, dann komme ich zu dem Schluss, dass beide Aussagen richtig sind. Aus meiner ganz persönlichen Sichtweise gibt es nur einen einzigen rechtlichen und politischen, damit auch menschlich akzeptablen Denkansatz zur Überwindung von Konflikten, die "Bill of Rights". Die Fortschreibung dieses Gedankengutes, ob diese nun in der französischen Revolution erfolgte, der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, der Erklärung der Menschenrechte oder sonstigen Erklärungen, sie alle leiden unter einem erheblichen Mangel: "der fehlenden Akzeptanz anderer Kulturansichten, die nichts anderes verfolgen als das, was die fortschrittliche, westliche Welt entdeckt hat, jedoch aus einer anderen kulturellen Vorgeschichte heraus". Wo Menschen aufeinandertreffen, treffen auch Erwartungshaltungen, Wünsche und Meinungen aufeinander. Diese können von gleichgerichtet bis hin zu total gegensätzlich reichen. Es entstehen Konflikte oder, im abgeschwächten Sprachgebrauch, Probleme. Wir kennen verschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit Problemen. Ich will hier einige exemplarisch darstellen. 1.
Ich erkenne einen Konflikt oder die Möglichkeit, dass in der Begegnung
ein Konflikt entstehen kann und weiche dieser Situation aus. Ich betreibe
also Konfliktvermeidung ohne mich damit auseinander zu setzen. Wenn aber nicht mehr miteinander geredet wird, dann hört man sich auch nicht mehr zu. Es werden Mauern errichtet und als Folge davon wird der eigenen Lebensraum immer kleiner. Das gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für jede Gruppe mit einer kollektiven Meinung, auch für Staaten und staatliche Verbünde. Es gilt auch für Gruppen mit einer gemeinsamen Weltanschauung, Religion oder kulturellen Wurzel. In diesen Mauern aber verhärten sich Dogmen und es wird nur noch wahrgenommen, was das Dogma als richtig bestätigt. Es findet kein Hinterfragen mehr statt, dort wo es sich andeutet wird es unterdrückt. Die Sprachlosigkeit zwischen Konfliktpartnern dehnt sich zur Sprachlosigkeit innerhalb dogmatischer Mauern aus. Es kommt zur Diktatur des Dogmas. Verteidiger des Dogmas werden zu Helden, wenn sie dabei ihr Leben oder ihre Freiheit verlieren, werden sie zu Märtyrern. Innerhalb der Mauern eines Dogmas wird der Terror nach innen und außen legitimiert. Die Ereignisse des 11. September 2001, das Entsetzen und die Lähmung in mir selbst, machten es mir unmöglich an diesem Abend die übliche Telefonberatung für Transgender durchzuführen. Intuitiv wurde mir klar, dass ich den Ratsuchenden an diesem Abend in keinem Fall hätte gerecht werden können. Meine Wahrnehmung des Zuhörens war gestört. Ich konnte schon beim ersten Anrufer, bevor ich das Telefon abschaltete, die Wichtigkeit seines Problems nicht mehr erkennen. Ich konnte einem der wesentlichsten Leitgedanken meiner Arbeit nicht mehr folgen: Das wichtigste Problem, das ein Mensch haben kann, ist immer das augenblickliche, für das er eine Lösung sucht und nicht findet. Konflikte - Dogmen - Sprachlosigkeit - Terror, so habe ich diesen Text überschrieben und ich stelle nun die Frage: "Hat dies mit uns Transgendern - Transfrauen, Transmännern und Intersexuellen - etwas zu tun?" Die Antwort ist einfach und lautet "JA". Jeder von uns trat mit seiner Geburt in eine Welt voller Dogmen die zwangsläufig zu Konflikten führen und sehr häufig in Sprachlosigkeit münden. Jeder von uns ist mehr oder weniger stark Terror ausgesetzt und über selbst Terror aus, denn die Existenz von Dogmen führt immer zu Terror, auch dann wenn er nicht so genannt wird und nur bei genauem Hinterfragen als solcher entlarvt werden kann. 1. Dogma: Es gibt nur Männer und Frauen, Kinder werden als männlich oder weiblich geboren. Dieses Dogma ist gesetzlich verankert. Eine parlamentarische Mehrheit, bestehend damals ausschließlich aus Männern, die lediglich das sichere Gefühl hatten Männer zu sein, nicht aber wussten, was dieses Gefühl ausmacht, habe dieses Gesetz geschaffen und damit alle anderen ausgegrenzt, die diesem sichern Gefühl eben nicht folgen können. Sie haben unterstellt, dass die Natur eindeutig sei, ohne zu wissen was natürliche Eindeutigkeit ist. 2. Dogma: Kinder, die bei der Geburt, durch den Blick der Hebamme nicht eindeutig zugeordnet werden können, sind als krank oder missbildet zu betrachten. Dieses Dogma ist medizinisch
wissenschaftlich verankert. Am 22. September 2001 titelt der Kölner
Stadtanzeiger: "Eine massive Ernüchterung" -Abkehr von der
autoritären Medizin. Weiter ist zu lesen: 90% der Leitlinien in der
Medizin verbessern nicht wirklich die Versorgung der Patienten. ...
Wirklich wissenschaftlich seien lediglich 25 bis höchstens 40% der medizinischen
Eingriffe und Diagnoseverfahren, die heutzutage angewandt werden. ...
Eine evidenzbasierte Medizin stellt eine Abkehr von der bisher praktizierten
autoritären Medizin dar, die durch die wissenschaftlichen Auffassungen
von Einzelpersonen geprägt ist." (Es handelt sich hier um wörtliche
Zitate von Experten, die an einem Kongress an der Kölner Universität
teilnahmen, u.a. Prof. Karl Lauterbach - Direktor des Institutes für
Gesundheitsökonomie, Ärztekammerpräsident Berlin - Dr. Günther Jonitz,
Prof. Matthias Schrappe - Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement Gesundheit.) 3. Dogma: Ein gesundes Mädchen mit Scheide entwickelt sich zur Frau, ein gesunder Knabe mit Penis wird automatisch zum Mann. Kommt es dabei zu Abweichungen, dann handelt es sich um sexualtherapeutisch zu betrachtende Probleme. Dieses Dogma entwickelte
sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als die Psychologie in den
Rang einer Wissenschaft aufstieg. Im Rahmen des gesellschaftlich sozialen
Kontext wurde es aber zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Betrachten
wir die Zeit von Freud bis etwa Mitte der 60er Jahre in Deutschland
und der BRD, so will ich dies am Beispiel von Transfrauen exemplarisch
verdeutlichen: Anmerkung: Ich kann es mir an dieser Stelle
nicht verkneifen einen Denkansatz, der vor einigen Tagen von Alex, vom
Transmann e.V. veröffentlicht wurde hier zu bringen. Homosexualität
und Heterosexualität hat eine andere Dimension, als sie bisher gesehen
wurde: 4. Dogma: Transfrauen und Transmänner, Menschen mit abweichender Geschlechtsidentität (so nennt sie der Gesetzgeber und der ICD 10 im Diagnoseschlüssel F 64.0 ff), lehnen auf Grund ihrer krankhaften Veranlagung ihr biologisches Geschlecht ab. Eine ausschließlich beschreibende
Medizin und Psychologie, die "Transsexualität" völlig isoliert
betrachtet hat, führte zu dieser dogmatischen Aussage. Sie lässt dabei
völlig außer Acht, dass die Menschen, über die sie schreibt und urteilt,
Teil dieser Gesellschaft sind und damit allen Vorstellungen und Vorurteilen,
teilweise von den selben Wissenschaftlern geprägt, ausgesetzt sind (Ich
verweise auf Kap. 1 meines Sachbuches: "Gleiche Chancen für alle"
Transidentität in Deutschland 1998/1999). 5. Dogma: (Eine richterliche Interpretation des Transsexuellengesetzes, kein Einzelfall sondern für alle Transgender anzuwenden, vor allem aber für Transfrauen) Es war die ausdrückliche Intention des Gesetzgebers, dass ausgeschlossen werden muss, dass sich der Antragsteller in seinem Ursprungsgeschlecht sexuell betätigen kann (Operationszwang zur Vermeidung von homosexuellen Praktiken). Als Mitte der 70er Jahre
des letzten Jahrhunderts das Transsexuellengesetz vorbereitet wurde,
gab es nicht nur das auch heute noch geltende kirchliche "Sündendogma"
über Homosexualität, sondern auch den § 175 im Strafgesetzbuch. Explizit
auf dieses Gedankengut stützt sich auch heute noch der Vollzug des Transsexuellengesetzes.
Als der § 175 vom Bundesverfassungsgericht als mit dem Grundgesetz unvereinbar
abgeschafft wurde, hatte dies keine Auswirkungen auf das TSG, obwohl
genau dieser Paragraph Teile der Formulierungen des TSG ausdrücklich
beeinflusste. Wäre es nicht eine notwendige und edle Aufgabe, neben der aktiven Hilfe für bereits Geschädigte - durch Rehabilitation, für Träger staatlicher und wissenschaftlicher Gewalt, in der Bevölkerung ein Klima zu schaffen, das Transgendern eine gesunde Entwicklung von Anfang an ermöglicht? Kann es die Aufgabe von Politikern und Wissenschaftlern sein die Natur in Gut und Böse einzuteilen um sie im Sinne staatlicher Ordnung handelbar zu machen? Wäre es nicht an der Zeit die Sprachlosigkeit auch auf diesem Gebiet zu überwinden? Sind sich Politiker und Wissenschaftler klar darüber wie viele Selbstmorde ursächlich in ihren Dogmen begründet sind? Können wir alle und vor allem die Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft nicht froh darüber sein, dass es dabei noch zu keinen Selbstmordattentaten gekommen ist? 6. Dogma: ... 7. Dogma: ... 8. ... Die Reihe könnte noch fortgeführt werden. Das Tagesgeschäft ruft mich wieder. Post ist liegengeblieben, Mails müssen beantwortet werden. Einzelfälle müssen bearbeitet werden. ... V.i.S.d.P. Helma Katrin Alter |
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www.dgti.org/
terror.htm
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