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Identitätsdebatte
im Rahmen der
"Stadt der 1000 Fragen"
vom 18. - 24. September 2003 in Berlin
(nähere Informationen unter www.1000fragen.de)
Am 20. September 2003 fand die Diskussion über "Identität:
Sind wir das Ergebnis kultureller Prägung oder Produkt unserer Gene"
statt. Unter der Moderation von Volker Panzer, ZDF -Nachtstudio diskutierten
Prof. Dr. Dietmar Mieth, katholischer Moraltheologe an der Uni Tübingen,
Bill Cordray, Architekt und Gründer des internationalen Clubs der
Vaterlosen aus Salt Lake City/USA, Prof. Dr. Detlev Linke, Hirnforscher
an der Uni Bonn, Helma Katrin Alter, Geschäftsführerin der dgti
in Köln und Martin Marquard, Berliner Landesbeauftragter für
Behinderte. In über 90 Minuten wurden viele Aspekte von Identität
und Identitätsstörung/Identitätsentwicklung angesprochen.
Für unsere Arbeit besonders wichtig war die Antwort von Prof. Mieth,
dem katholischen Moraltheologen, auf die Frage: "Gibt es
mehr Geschlechter als männlich und weiblich?" Unumwunden
sagte er: "Die Antwort ist eindeutig JA:" Der
vollständige Diskussionsausschnitt ist hier nachzulesen. Dieser Teil
wurde u.a. auch in der gesendeten Zusammenfassung des ZDF ausgestrahlt.
Katrin Alter sprach gerade über die Fremdzuweisung bei der Geburt
und das sich daraus ergebende Störungspotential bei dem Erkennen
der eigenen Identität und den Möglichkeiten sie auch für
sich und die anderen erkennbar zu leben. Volker Panzer unterbrach sie.
Volker Panzer: Aber Sie haben ja Kinder gezeugt.
Katrin Alter: Wo steht denn, dass es keine zeugungsfähigen
Frauen geben darf und gebärfähige Männer? Ich kenne sehr
viele zeugungsfähige Frauen und gebärfähige Männer.
Volker Panzer: Da würde ich gerne den Moraltheologen fragen.
Gibt es mehr Geschlechter als männlich und weiblich? (Erwartungsvolles
Raunen und Lachen im Publikum)
Prof. Mieth: Die Antwort ist eindeutig JA. Ich denke wir haben
ähnliche Probleme ja auch mit der Festlegung von Heterosexualität
und Homosexualität.
Die Schöpfung ist außerordentlich variabel und es ist in der
Tat eine Fremdbestimmung, wenn man bei der Geburt sagt, weil wir zuweisen
müssen, deswegen weisen wir entweder nach „a“ oder „b“
zu und es gibt eben doch Variablen, die dadurch nicht erfasst werden können.
Ich finde menschenrechtlich gesehen wäre es notwendig diese Variablen
gelten zu lassen.
Es ist ja klar, dass gläubige Menschen der Meinung sind, dass sie
von Gott gewollt sind und dass es offen gelassen ist, wie sie zu sein
haben, also die Menschen es auch offen lassen sollen, weil eben diese
Varianten alle in ihrer Individualität von einem Schöpfer gewollt
sind.
Schlussbemerkung (nach der Veranstaltung): Diese Aussage
eines namhaften katholischen Moraltheologen ist ein eindeutiger Auftrag
· an die Politik die Rahmenbedingungen zu ändern,
· an die Ärzteschaft nicht als krank zu erklären was
nicht der „Norm“ entspricht, da es Teil der Schöpfung
oder eben auch der natürlichen Vielfalt ist,
· an die Wissenschaft und die Kirchen aufzuklären und nicht
an dogmatischen, nicht begründbaren Aussagen festzuhalten.
Die dgti schließt sich den Aussagen von Prof. Mieth voll an. Es
darf nicht länger sein, dass gegen Menschenrecht und im christlichen
Sinne gegen die Schöpfung verstoßen wird, nur weil man glaubt,
dass die Wahrheit über schöpferische oder natürliche Vielfalt
der Gesellschaft nicht zuzumuten sei.
Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit,
auch Transgender, Menschen, die eben nicht in ein Geschlechterklischee
passen, sondern Teil der geschlechtlichen Vielfalt sind. Transgender beschneiden
nicht die Rechte anderer Menschen, was alleine rechtfertigen würde
ihre Rechte einzuschränken. Der Grundsatz: „Das Recht des Einzelnen
kann dann beschnitten werden, wenn es die Rechte Anderer Verletzt“
kann für Transgender - Transfrauen, Transmänner und Intersexuelle
- nicht zur Anwendung kommen. Transgender decken kulturelle Voreingenommenheit
auf, die dazu führt, dass ihre Menschenrechte durch die Gesellschaft,
vom Gesetzgeber scheinbar legitimiert, eingeschränkt werden. Der
Zwang der Gesellschaft den Betroffenen gegenüber anders zu sein als
sie sind und sich fühlen, ist vergleichbar mit kultureller und religiöser
Verfolgung und Folter, die in Deutschland ja ausdrücklich verboten
sind und nicht angewendet werden dürfen.
v.i.S.d.P. Helma Katrin Alter
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