24 | 11 | 2017

Psychologische und medizinische Betreuung
Gesundheitsvorsorge, -fürsorge und/oder Rehabilitation

(1) Institutionalisierte Gewalt - hier speziell durch MDS/MDK (und Reaktion des MDK-Nordrhein darauf)

Seit Frühsommer 2001stellten nicht nur wir fest, dass es mit der Behandlung von Transgendern, den Kostenübernahmen, aber auch den Gerichtsverfahren verstärkt Probleme gibt. Dabei tauchte immer wieder der Begriff MDS auf.

Am 23. April 2001 wurde der Abschlussbericht der Projektgruppe P 29 b, "Behandlungsmaßnahmen bei Transsexualität", fertig gestellt und gezielt verteilt. Da im Impressum keine Bezugsquellen angegeben sind, kein Auftraggeber und auch keine Zielrichtung für wen oder was diese Studie sein soll, hat sie praktisch den Stellenwert eines "Geheimpapiers".

Der dgti liegt seit einigen Tagen die vollständige Studie vor (106 Seiten, die es sich eigentlich nicht lohnt zu drucken).

Projektgruppenleitung: Frau Dr. Bauer, MDS

Projektgruppenmitglieder:

Herr Dipl.-Med. Pfeifer, MDK Berlin-Brandenburg e.V.

Herr Dr. Pfeiler, MDK in Hessen

Frau Dr. Artmann, MDK Westfalen-Lippe

Ich zitiere in diesem Zusammenhang Aussagen zweier namhafter Wissenschaftler zu diesem Papier:

1. (Auszug aus einem Brief an eine Krankenkasse) "... Ich darf Sie bitten, dieses Schreiben zusammen mit dem Gutachten dem MDK vorzulegen, und ich mache vorsorglich darauf aufmerksam, dass der vom MDS herausgegebene Abschlussbericht der Projektgruppe P29b "Behandlungsmaßnahmen bei Transsexualität", den die MDKs neuerdings als Beurteilungsgrundlage benutzen, aus wissenschaftlicher Sicht das seit Jahren miserabelste Papier über Transsexualität ist, das in Medizinerkreisen kursiert. Das Papier strotzt von Ungenauigkeiten, Fehlern, falschen historischen Zuordnungen und klinisch unsinnigen Wertungen, ist außerdem in sich unkonsistent. ..."

2. (Auszug aus einer Mail an die dgti) "... schicke ich Ihnen die MDS-Leitlinien zu. Sie sind so menschenverachtend, dass sich die Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V., deren Vorsitzender ich bin, entschlossen hat, eine Stellungnahme zu erarbeiten. Besonders die Ausformulierungen zur Begutachtung und der Psychotherapie sind verheerend. ..."

Die dgti wird sich in Kürze ebenfalls dazu näher äußern. Ein "Schnellschuss" nützt jedoch nichts. Es ist der dgti bekannt, dass sich auch Mitarbeiter und externe Sachverständige, die in dieser Studie genannt sind, teilweise nur in der jeweiligen Literaturangabe, vom Ergebnis distanziert haben. Dazu zählen Wissenschaftler und Ärzte wie z.B. Prof. Gooren, Prof. Pfäfflin, Frau Dr. Speer, ... Der dgti ist bekannt, dass auch die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung e.V. eine sehr kritische Distanz zu diesem Papier hat.

Wer kontrolliert eigentlich den MDK/MDS?

Wer kann uns vor solchen "Experten" bewahren?

Wer kann Mitarbeiter, die sich einem "Diktat" der Studie P29b nicht beugen wollen stützen?

In Zusammenarbeit mit dem MDK-Nordrhein wurde ein neues Informationspapier für Ärzte, Krankenkassen und Transgender entwickelt, das eine verbesserte Qualitätssicherung im Gesundheitswesen für Transgender schaffen soll. Der Arbeitskreis "Transsexualität in NRW", dem Ärzte und Psychologen/Therapeuten sowie der MDK-Nordrhein, wie auch MDK-Westfalen-Lippe angehören, hat Herrn Dr. Pichlo aus Köln (MDK-Nordrhein), Herrn Dr. Behrends aus Düsseldorf, Helma Katrin Alter von der dgti und Alexander Regh von Transmann damit beauftragt. Seit 18. April liegt dieses Papier nun vor. Sobald ein kleiner, sachlich jedoch nicht unwesentlicher Fehler beseitigt ist, werden wir dieses Papier veröffentlichen.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch:

Probleme der sozialen Integration oder Verhinderung sozialer Instabilität von Transgendern; Transmännern, Transfrauen und Intersexuellen