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Das
Beratungsgespräch
Hinweise für Menschen die Hilfe suchen
"Transsexuell- ja oder nein? - hoffentlich nicht? - und wenn doch?"
aber auch für Ärzte, Psychologen und "Helfer"
von Helma Katrin Alter, Köln (überarbeitet
10.06.00)
Sinngemäß gelten diese Aussagen auch für die anderen
Beratungsstellen. Besonderheiten können dort jeweils telefonisch
oder per Mail erfragt werden. - Kontakte siehe Ende Information.
Inhalt:
- Wie verläuft das Beratungsgespräch?
- Was wird von mir erwartet? Was kann ich erwarten?
- Auf wen lasse ich mich da ein?
- Wie finde ich die Beratungsstelle?
- Was kostet die Beratung? Wie geht es weiter?
- Wie
verläuft das Beratungsgespräch?
Immer wieder erreichen mich Briefe, Anrufe und Mails, in denen die
Frage nach der prinzipiellen Arbeitsweise der Beratungsstelle gestellt
wird. Ich möchte deshalb die entsprechende Antwort veröffentlichen,
vor allem auch, weil ich denken, dass sie ...
... für andere Gruppen und Beratungswillige eine Anregung ist, wie
mit der Problematik "TRANSGENDER - TransFrau - TransMann - Transsexualität
- Transidentität - oder Intersexualität/Zwitter" umgegangen
werden kann. Natürlich ist diese Antwort nur eine von vielen Möglichkeiten,
auch wenn verschiedene Grundaussagen für viele gemeinsam zutreffen
werden.
... es vor allem für die Menschen wichtig ist, die so sehr noch
in sich gefangen sind, dass sie es gar nicht wagen würden diese Frage
zu stellen.
Bei einem Erstkontakt plane ich 2 bis 4 Stunden ein. Die Beratung
findet in meinem kombinierten Wohn-/Arbeitszimmer statt. Je nach persönlicher
Situation der/des Ratsuchenden treffen wir uns am Vormittag, Nachmittag,
Abend oder in Ausnahmefällen auch am Wochenende (bei einer weiten
Anreise eventuell auch mit Schlafmöglichkeit bei mir).
Zunächst versuche ich durch gegenseitiges Kennenlernen eine gut
Gesprächsbasis zu finden. Es muss ein Mindestmaß an gegenseitigem
Vertrauen aufgebaut sein. Dann versuche ich deutlich zu machen, dass
nur der rein rechtliche Weg eindeutig geklärt ist und für alle Betroffenen
gleich, der medizinische und soziale Weg ist für jeden Menschen verschieden,
auch wenn es dabei ein Mindestmaß an Regeln einzuhalten gilt. Ich
versuche also abzuklären, inwieweit die Vorstellungen des Betroffenen
mit der Realität übereinstimmen, wenn möglich dadurch, dass er/sie
selbst im Gespräch darauf kommt.
Gemeinsam versuchen wir dann Lösungsalternativen im Bereich der
medizinischen Betreuung und der sozialen Stabilisierung zu erarbeiten.
Dazu müssen natürlich sehr viele, auch sehr persönliche, manchmal
intime Informationen ausgetauscht und besprochen werden. Wir werden
immer wieder kürzere Pausen brauchen, denn nach einiger Zeit raucht
der Kopf. Es stehen auch Videofilme als Auflockerung und Info zur
Verfügung. Was dann am Ende konkret herauskommt ist immer offen.
Im Mittelpunkt steht immer der "ganze" Mensch, nicht nur das Problem
"Transgender". Fehlt beim Ratsuchenden dieses Grundverständnis, so
muss es behutsam aufgebaut und bewusst gemacht werden.
Die Beratungsstelle steht auch Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern,
... zur Verfügung um grundsätzliche Fragen zu klären oder um in Einzelfällen,
unter Wahrung der Schweigepflicht auf beiden Seiten, konkrete Lösungswege
zu erarbeiten. Die Beratungsstelle kann auch von Medienvertretern
in Anspruch genommen werden, um zur Unterstützung von Recherchen Grundsatzfragen
zu klären und Wissen zu erlangen. Über Einzelfälle kann nur dann gesprochen
werden, wenn die betroffene Person selbst anwesend ist und dies wünscht!
- Was
wird von mir erwartet? Was kann ich erwarten?
Als wichtigste Grundvoraussetzungen erwarte ich vom/von der Ratsuchenden:
Ein vereinbarter Termin muss eingehalten werden. Wenn etwas dazwischen
kommt, dann soll er rechtzeitig abgesagt werden. Ich halte meist 4
Stunden für ein solches Gespräch frei, um es im Ausnahmefall auch
so lange ausdehnen zu können, oder aber ausklingen zu lassen, damit
der/die Ratsuchende die Beratungsstelle in einer möglichst guten Verfassung
verlassen kann.
Sicher habe ich Verständnis, wenn jemanden im letzten Augenblick der
Mut verlässt. Dann aber sollte der/die Ratsuchende kein schlechtes
Gewissen haben und baldigst Bescheid sagen, warum er/sie nicht kam.
Wenn jemand den ersten Schritt, die Terminvereinbarung, geschafft
hat und beim zweiten, dann zu kommen, zunächst versagt, ist dies keine
Schande. Ich mache mir aber Sorgen. Also Anrufen, wenn der Termin
versäumt wurde und ehrlich bleiben. Er/sie bekommt einen neuen Termin.
Versprochen!
Ratsuchende sollen wegen ihres Anliegens kommen. Wer als Mitbetroffene/r
alleine kommt darf nicht erwarten, dass er/sie "Rezepte" für den eigentlich
Betroffenen abholen kann. Mit Eltern eines transidentischen Kindes
werde ich über sie selbst und mit ihnen sprechen, und nur in diesem
Zusammenhang über das Kind. Dies gilt natürlich auch im umgekehrten
Fall und bei Partnerschaften, wenn nur der selbst nicht betroffene
Partner kommt.
Ratsuchende können natürlich den/die Partnerin mitbringen, Kinder
ihre Eltern und umgekehrt, oder auch eine andere Begleitperson, z.B.
einen Freund oder den Sozialbetreuer. Ich hatte auch schon einen Psychotherapeuten
mit seinem Patienten zusammen hier. Grundsätzlich gilt: Jeder spricht
nur für sich selbst.
Der/die Ratsuchende kann von mir erwarten:
Ich habe sehr viel Geduld und lasse ihm/ihr Zeit zur "Sache" zu kommen.
Den Einstieg in das Gespräch werde ich immer individuell gestalten,
je nach der ratsuchenden Person, der Tageszeit und den sonstigen Umständen.
Ich kann sehr gut reden und habe auch sehr viel zu sagen. Doch jeder
der schon bei mir war weiß, dass ich vor allem sehr gut und konzentriert
zuhören kann. Ich kann ein Gespräch, oder den Verlauf der Erzählung
des Ratsuchenden, lenken. Doch meist lass ich ihm freien Lauf, damit
der/die Ratsuchende selbst merkt wo "der Schuh" wirklich drückt.
Ich halte keine Informationen zurück, vor allem aber dränge ich keine
auf.
Ich unterwerfe mich selbst der Schweigepflicht. Wenn ich Beispiele
verwende bin ich dazu entweder ausdrücklich von der Schweigepflicht
entbunden oder sie sind so anonymisiert, dass sie nicht gebrochen
ist. Außerdem spielen Beispiele anderer Ratsuchender nur in Ausnahmefällen
eine Rolle für das Gespräch. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch
lebt in anderen sozialen Zusammenhängen, auch wenn sich Geschichten
von Transgender - TransFrauen - TransMännern - Intersexuellen/Zwittern
in vielen Punkten zu gleichen scheinen.
- Auf
wen lasse ich mich da ein?
Im Lauf der letzten Monate hörte ich immer wieder den Satz: "Im
Internet ist in allen möglichen Homepages viel von Dir zu lesen, aber
nirgends findet man etwas über Dich".
Zu meiner Person
Ich bin Mensch, in meiner Weiblichkeit - Frau, mit männlicher Vergangenheit
- TransFrau.
Ich wurde im Februar 1945 geboren, als "ganz gesunder Junge". Häufig
hieß es aber: "Wäre das ein hübsches Mädchen geworden". Schon im Alter
von vier Jahren spürte ich, dass etwas nicht in Ordnung war, versteckte
aber alle eigenen Bemühungen "ein Mädchen" zu werden, nachdem mich
meine Eltern im 10. Lebensjahr erwischten, als ich heimlich die Sachen
meiner Schwester trug.
Schon mit 15 Jahren übernahm ich die Leitung einer Jugendgruppe
von Gleichaltrigen, beschäftigte mich mit Psychologie und Pädagogik.
Mit 21 Jahren leitete ich die Werkschule der Firma Grundig. Später
arbeitete ich fast 15 Jahre in der Ausbildung und Rehabilitation von
Körperbehinderten und übernahm dabei auch Aufgaben im psychologischen
und sozialen Bereich.
Von 1966 bis 1989 war ich verheiratet, habe zwei Kinder und drei
Enkelkinder. Ich lebte nach außen in den fast perfekt gelernten Rollen
als Ehemann, Vater, strebsamer Mitarbeiter. Dass ich in Wirklichkeit
eine Frau war, war sowohl eine Bereicherung in der Partnerschaft,
führte aber auch zu großen Spannungen.
Mehrere Versuche, seit 1970, als Frau zu leben, scheiterten sowohl
an eigenen Ängsten, als auch an Einflüssen von außen. Erst seit Sommer
1994 lebe ich so wie ich bin, als Frau. Ich schrieb damals meinen
Nachbarn einen Brief: " ... möchte ich mich Ihnen vorstellen, obwohl
ich schon seit 5 Jahren hier wohne. Sie haben gesehen, dass ich in
letzter Zeit öfter Damenbesuch bekomme, was für einen alleinstehenden,
älteren Herrn sicher nicht ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich ist nur,
dass ich diese Dame selbst bin und mich ab morgen nicht mehr als Mann
verkleiden werde. ..." Danach suchte ich nach über sechs Jahren
"Härtetest" als Mann erstmals wieder einen Arzt auf um die für mich
zusätzlich nötigen Schritte der Behandlung einzuleiten.
Seither bin ich kirchlich engagiert, musste aus rein zeitlichen
Gründen nach fünf Jahren die Teilnahme im Kirchenchor leider
einstellen (Frau im Bass). Ich bin seit 1996 von den Frauen meines
Ortsvereins der SPD als Vertreterin in den Unterbezirk der AsF (Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Frauen) gewählt und gehöre seit 1999 auch
dem Vorstand im SPD-Ortsverein an. Ich bin Mitglied im Beschwerderat
Psychiatrie der PSAG der Stadt Köln (drei professionelle Vertreter/Ärzte,
Psychologen und drei Laienvertreter als Schiedsstelle für Psychiatrie
und Psychotherapieprobleme). Ich konnte die Arbeitslosigkeit, in die
ich durch konjunkturelle Entwicklungen noch als "Mann" geraten war,
auch als Frau mit über 50 Jahren noch nicht überwinden. Dies soll
zur Schilderung der heutigen sozialen Lage reichen.
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Wie
finde ich die Beratungsstelle?
Die Beratungsstelle ist sowohl mit dem PKW, als auch mit öffentlichen
Verkehrsmitteln, sehr gut zu erreichen. Die Autobahn A 555 führt 200
m westlich an dem Haus vorbei, in dem ich wohne, die Linie 16 der
Köln-Bonner Stadtbahn 200 m östlich davon entfernt.
Anreise mit dem Auto:
Fahren Sie auf der A 4 zum Kreuz "Köln-Süd"
und dort weiter auf der A 555 in Richtung Bonn
nehmen Sie gleich die 1. Abfahrt "Rodenkirchen"
folgen Sie dem Wegweiser "Godorf"
Orientierungshinweis: nach der Ampel liegt rechts neben Ihnen die
IKEA
fahren Sie immer gerade aus, in den Ort hinein, ca. 2,5 km
im Ort macht die Straße einen scharfen Rechtsknick, geradeaus ist
eine Sackgasse
fahren Sie in die Sackgasse hinein
links liegt ein kleiner "Festplatz" / Schützenheim
die Beratungsstelle ist das 1. Haus links nach dem Festplatz
Godorfer Hauptstr. 60, 1. OG
Anreise mit der Bahn - oder direkt mit U-Bahn:
Aus Ost, West und Nord fahren Sie bis Hbf-Köln
steigen Sie in die U-Bahn Linie 16 /Wesseling oder Bonn-Bad Godesberg
nach ca. 30 min erreichen Sie Bhf Godorf
Aus Süd fahren Sie bis Hbf-Bonn
steigen Sie in die U-Bahn Linie 16 /Köln-Buchheim
nach ca. 25 min erreichen Sie Bhf Godorf
Gehen Sie auf der Fußgängerbrücke nach links
links sehen sie das "Schützenheim" und den "Festplatz"
gehen Sie links um den Festplatz zum 1. Haus.
Godorfer Hauptstr. 60, 1. OG
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Was
kostet die Beratung? Wie geht es weiter?
Die Beratungsstelle bekommt bisher keinerlei öffentliche Gelder,
Zuschüsse oder Gelder von Sponsoren. Ich finanziere sie ausschließlich
mit meinen eigenen Mitteln. An dieser Situation wird sich auch in
den nächsten Monaten nichts ändern.
Die übernimmt
die Kosten für notwendige Telefongespräche, Porto und Verbrauchsmaterial
im Büro. Für die Beratung gilt der Ausspruch:
Die Beratung kostet DM 1.-- (unabhängig von der Zeitdauer)
und ist hoffentlich nicht umsonst.
Aus obigen Ausführungen seht Ihr aber sicher, dass die dgti-Beratung
auf einen freiwilligen "Bürozuschuss" angewiesen sind. Seine Höhe
soll jeder Ratsuchende selbst im Bereich von DM "1" bis "X" festlegen.
Über alle Zuschüsse wird Buch geführt. Sie werden ausschließlich für
Kosten wie Porto, Telefon, Onlinezeit, Büromaterial, ... verwendet
und nicht für den Berater. Informationsmaterial wird zu einem
Staffelpreis, nach Selbsteinschätzung, abgegeben. Die niedrigste Staffel
ist dabei jeweils der Selbstkostenpreis für Herstellung oder Beschaffung.
Überschüsse werden als Vorleistung für die Erstellung neuen Materials
verwendet. Nur so können wir das Angebot für die Zukunft ausbauen
und attraktiv gestalten.
Oft werde ich am Ende des Erstgesprächs gefragt, wie es denn
nun weiter gehe. Dabei ist die Fortsetzung der Kontakte mit oder
Hilfen durch die Beratungsstelle gemeint.
In erster Linie liegt es an dem/der Ratsuchenden selbst. Denkbar
sind weitere Termine bei mir. Da wir uns nach einem Gespräch ja doch
schon recht gut kennen, lassen sich einige Dinge per Mail, Post oder
Telefon erledigen.
Nur in wichtigen Ausnahmefällen suche ich von mir aus den Kontakt
zum Ratsuchenden.
Der/die Ratsuchende sollte eventuell auch einmal daran denken, dass
es für mich ein gutes Gefühl ist, wenn er/sie sich beim mir mal irgendwie
meldet, nicht weil es wieder oder noch Probleme gibt, sondern nur
um mir zu berichten, wie es denn weiter gegangen ist. Ich freue mich
über solche Anrufe oder Nachrichten.
Adressen
und Tel. der Beratungsstellen in Köln und Trier
Adresse und Tel. der Beratungsstelle
in Nürnberg
Adresse und Tel. der Beratungsstelle
in Berlin
© Helma Katrin Alter
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